Hoffnung für alle – ein Interview

Für den deutschen Logos-Blog habe ich mit Urs Stingelin ein Interview, über die Revision der Hoffnung für alle Übersetzung geführt. Hier einige Auszüge (die vollständige Version ist hier):

JT: Die aktuelle Ausgabe der Hoffnung für Alle ist bereits ihre vierte Revision. Was unterscheidet die neue Ausgabe von den bisherigen? Und warum wird sie immer wieder überarbeitet?

Streng genommen ist es nicht die vierte Revision, sondern nur die zweite, für das Alte Testament sogar die erste. 1983 erschien zum ersten Mal das Neue Testament. 1991 kamen die Psalmen dazu und 1996 der Rest des Alten Testaments. 2002 erschien die erste Revision. Revidiert wurde damals aber nur das Neue Testament.

In unserer zweiten Revision, die im Jahr 2015 beendet war, überarbeiteten wir dann die gesamte Bibel, deren älteste Texte zu dieser Zeit vor über 25 Jahren übersetzt worden waren. Wenn man sich überlegt, was während dieser Zeit nur schon auf der Ebene der wissenschaftlichen Computersoftware möglich geworden ist, und wie viele Kommentare, Monographien etc. in der Zwischenzeit publiziert wurden, kann man sich leicht vorstellen, dass Handlungsbedarf vorhanden war. Außerdem hat sich in den letzten 20 Jahren auch die deutsche Sprache nochmals stark verändert.

JT: Es gibt in Deutschland unzählige Bibelübersetzungen auf dem Markt. Warum soll ich ausgerechnet die Hfa vorziehen?

Die Hoffnung für alle zeichnet sich vor allem durch ihre inhaltliche Treue aus. Diese ist mit einer wortgetreuen Bibelübersetzung nicht immer gegeben. Anders gesagt: Wörtliche Übersetzungen geben Einblick in die Wörter, die in der Ausgangssprache verwendet wurden, was aber nicht unbedingt zum richtigen Verständnis der Texte beiträgt.

In 1. Samuel 24,4 lesen wir beispielsweise wörtlich: „Und er kam zu den Schafhürden am Weg. Dort war eine Höhle, und Saul ging hinein, um seine Füße zu bedecken.“ Jahrelang las ich selber aus diesem Vers heraus, dass Saul geschlafen hatte, als ihm David begegnet war. Erst sehr viel später verstand ich, dass man sich nur in unserer Kultur zum Schlafen die Füße zudeckt, in der jüdischen jedoch dieses Bild benutzt wird, wenn gesagt werden soll, dass jemand seine Notdurft verrichtet. Entsprechend wird der Sachverhalt in der Hoffnung für alle wiedergegeben. Dazu kommt, dass die Hoffnung für alle eine gut verständliche Sprache verwendet und in der Deutung besonders sorgfältig auf den jeweiligen Kontext achtet.

JT: Was ist das Ziel der Hfa, welchen Aspekt möchte sie priorisieren? Weiterlesen

Martin Luther – Aus Liebe zur Wahrheit

Dieses Jahr wird das Reformationsjahr gefeiert. Martin Luther ist In. Autoren wie Petra Gerster, Andreas Malessa bis hin zu Eugen Drewermann oder Kardinal Walter Kasper, sie alle schrieben über Luther. Unzählige weitere Bucherscheinungen habe ich allein in dem letzten Jahr registriert, teilweise mit gemischten Gefühlen. Bei zu vielen der Titel, oder auch der Buchvorstellungen kamen mir Erinnerungen an ein Ergebnis von Schweizers „Geschichte der Leben-Jesus Forschung“ hoch. Mir erschien es, dass jeder ein Bild von Luther zeichnete, in welches die eigenen Wünsche und Vorstellungen hinein projektiert worden sind.

Diese Vorurteile (ob sie nun begründet sind oder nicht) habe ich ein Stück weit auch für das Buch „Martin Luther. Aus Liebe zur Wahrheit“ in meinem Hinterkopf behalten. Meine Befürchtung war, dass hier Luther möglicherweise (ungewollt) zu einem Evangelikalen gemacht werden könnte.

Rezension zu: Berthold Schwarz (Hrsg.), Martin Luther. Aus Liebe zur Wahrheit. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft 2016.

Die Makro-Perspektive: Mein erste Eindruck
Dieses Buch beschreibt in erster Linie nicht das Leben von Martin Luther, sondern in großen Stücken Luthers Theologie und Grundverständnisse und teilweise auch dessen Auswirkungen. Nach einer kurz gehaltenen historischen Einführung folgen 5 Hauptteile, gefolgt von einem Epilog. Die Hauptteile sind in die 4 „Sola’s“ unterteilt (Christus, Schrift, Gnade, Glaube) und in „Alles zur Ehre Gottes“. Diese Themen wurden von verschiedensten Autoren, in einem bunten Mix von Beiträgen vertieft. Insgesamt haben in diesem Buch 22 Autoren mitgeschrieben.
Der erste Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass hier die verschiedensten Aspekte des Glauben und Denken von Martin Luther behandelt werden sollen. Grundlegende Themen wie Luthers Rechtfertigungsverständnis, heiß diskutierte Themen wie Luthers Schriftverständnis, aber auch Fragen des Einflusses von Luther auf den Staat, die Musik und die Kunst, werden behandelt. Sehr erfreulich war für mich, dass besonders schwierige Bereich von Luther nicht ausgeklammert worden sind. So gibt es ein Beitrag von Berthold Schwarz über Luther und die Juden, sowie ein Beitrag von Gottfried Hermann über Luthers Verhalten gegenüber den Täufern.

Die Mikro-Perspektive: Die einzelnen Beiträge
Auffallend ist insgesamt, dass die Beiträge sich sowohl in der Qualität, als auch in ihrer Lesbarkeit unterscheiden.
Bei der Lektüre des Buches haben mich besonders die Beiträge interessiert die sich entweder mit schwierigen Luther-Fragen auseinandersetzten, oder Überlegungen wie Luthers Einsichten für die heutige Lebenswirklichkeit relevant gemacht werden können.
Für diese Rezension greife ich exemplarisch auf drei Beiträge zurück.

Für besonders gelungen halte ich den Beitrag „Luther, das Evangelium der Gnade und die Juden“ (von Berthold Schwarz). Dieses Thema wird, nach meiner Beobachtung, sehr oft unausgewogen behandelt. Während die einen Luther ohne Unterlass verteidigen, wird er von anderen komplett verdammt.
Dieser Beitrag wirkt dagegen ausgewogen und unaufgeregt. Es wurde hier der Versuch unternommen Luthers Motivation und Beweggründe nachzuzeichnen, welche ihn in seiner Lebenswelt zu der Verfassung solcher Aussagen bewogen haben. Neben dem damaligen historischen Kontext, wird der Wandel von Luther, gegenüber den Juden, mit Verweisen auf Texte Luthers, nachgezeichnet; bis hin zu den Eskalationen, welchen die berühmt-berüchtigten Schriften folgten. Schwarz erwähnt auch Reaktionen von Luthers Mitstreiter, welche, wie Melanchthon, über diese Aussagen entsetzt waren.

Ein guter Diskussionsbeitrag ist „Die Sache mit der strohernen Epistel – War Luther ein Bibelkritiker“ (von Jung und Schwarz).
Zu Beginn habe ich meine Vorurteile gegen Luther-Bücher angeführt. Bei diesem Beitrag war ich nun diesbezüglich besonders gespannt. Während in manchen Diskussionen Luther, von liberaleren Theologen, schon fast als Patron der Bibelkritik aufgeführt wird, störte es mich auf der anderen Seite, wenn von unserer evangelikalen Seite Luther wie ein Unterzeichner der Chicagoer-Erklärung behandelt wurde.
Als ich den Beitrag gelesen hatte, war ich nicht nur erleichtert, dass dieses Vorurteil nicht zugetroffen hatte, vielmehr fand ich diesen Artikel inspirierend für weitere Diskussionen. Die Autoren schafften es ein umfassenderes Bild von Luther zu zeichnen, indem sie seine gegensätzlichen Aussagen nebeneinander stehen lassen, ohne diese künstlich zu harmonisieren.
Eine Handhabung welche manch einem Autor sicher gut stehen würde.

Allerdings haben mich nicht alle Beiträge begeistert. Nachdem ich „Luther und die Toleranz – Sein Verhalten gegenüber den Täufern“ (von Gottfried Herrmann) gelesen hatte, drängte sich mir die Frage auf, ob hier nicht der Wunsch, Luther von den Vorwürfen freizusprechen, den Artikel zu stark beeinflusst hatte.
So wurde geschrieben, dass Luther für Glaubens- und Meinungsfreiheit plädierte, solang diese Diskussionen gewaltlos waren (in dem Beitrag schwingt die Aussage mit, dass das ein Hauptgrund der Täufer-Verfolgung eine Verquickung mit gewalttätigen Strömungen war). Zusätzlich sollte der Staat (lediglich) bei Lästerungen einschreiten. Herrmann vergleicht die Grenzen der Toleranz bei Luther (welche dann griff, wenn Gewalt im Spiel war, oder die Gesellschaftsordnung in Frage gestellt wurde) mit den „Toleranzgrenzen“ unserer Gesellschaft, wenn gegen Hasskommentar in soziale Medien, oder der Verbreitung von NS-Gedankengut, vorgegangen wird. In diesem Zusammenhang lässt die Erwähnung von Luthers, an die Schrift gebundene Gewissensfreiheit, am Ende des Beitrages, bei mir die Frage aufkommen, warum diese Freiheit nicht für die Täufer galt, welche nicht die Kindertaufe anerkannten. Eine Antwort gibt dieser Artikel hierzu nicht.

Der zweite Eindruck
Wie Oben erwähnt, ist das Buch ein vielschichtiger Beitrag zu der Frage nach Luthers Glauben und Denken. Auch wenn die einzelnen Beiträge von mir unterschiedlich wahrgenommen und beurteilt wurden, halte ich es insgesamt in weiten Stücken für gelungen, da es sich von verschiedenen Seiten Luther annähert, und Lust macht, mehr über diesen Reformator zu erfahren und seine Theologie zu diskutieren.

Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir die Christliche Verlagsgesellschaft freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Zitat der Woche: #Bonhoeffer

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer schreibt Folgendes über ein Glauben der diakonisch tätig wird:

Es wäre eine Lästerung Gottes und des Nächsten, den Hungernden hungrig zu lassen, weil gerade des Nächsten Not Gott am nächsten sei. Um der Liebe Christi willen, die dem Hungernden gehört wie mir, brechen wir das Brot mit ihm, teilen wir die Wohnung. Wenn der Hungernde nicht zum Glauben kommt, fällt die Schuld die, die ihm das Brot verweigerten. Dem Hungernden Brot verschaffen ist die Wegbereitung für das Kommen der Gnade.

Evangelikale Heiden?

Wayne Grudem stellt in seiner Biblischen Dogmatik eine definitiv provokante These auf.  Er schreibt von einer Gefahr von „unbekehrten Evangelikalen“. Ausgehend von der Lehre der Unverlierbarkeit der Errettung schreibt er:

Obwohl ein echter Christ, der sündigt, seine Rechtfertigung oder Adoption vor Gott nicht verliert […], muss eine klare Warnung ausgesprochen werden, dass die bloße Zugehörigkeit zu einer evangelikalen Gemeinde und äußerliche Anpassung an akzeptierte „christliche“ Verhaltensmuster die Errettung nicht garantiert. Insbesondere in Gesellschaften und Kulturen, wo es leicht vorkommt (oder sogar erwartet wird), dass Menschen bekennen, Christen zu sein, besteht eine realistische Möglichkeit, dass manche sich der Gemeinde anschließen, die keine echte Wiedergeburt erlebt haben. Wenn solche Leute dann in ihrer Lebensweise Christus immer mehr ungehorsam werden, sollten sie nicht mit trügerischer Selbstgefälligkeit beschwichtigt werden, indem ihnen versichert wird, dass sie ja immer noch die Rechtfertigung oder die Adoption in die Familie Gottes hätten. Eine konsequente Lebensweise des Ungehorsams gegen Christus, verbunden mit einem Mangel der Elemente der Frucht des Heiligen Geistes, die in Liebe, Freude, Friede, usw. besteht (siehe Gal 5,22-23), ist ein Warnsignal dafür, dass die Person innerlich wahrscheinlich kein wahrer Christ ist, dass vom Anfang her wahrscheinlich kein echter Herzensglaube und kein Werk des Heiligen Geistes mit der Wiedergeburt vorhanden war.

Auf der einen Seite provozieren diese Äußerungen, auf der anderen regen sie auch zum nachdenken an. Sie sollte nicht als „Keule“ gegen Christen verwendet werden, die Jesus nachfolgen wollen und nach Außen hin wenig Veränderungen erleben.

Die Frage der Taufe

Ich habe heute, in der Dogmatik von Joest und von Lüpke (siehe hier) das Kapitel zur Taufe gelesen.
Es ist interessant wie sich diese reformierten Theologen mit der Kindertaufe auseinandersetzen.

Für die Kindertaufe spricht nach Joest und Lüpke:
– Durch sie kommt die unbedingte Zuvorkommenheit von Gottes Zusage zum Ausdruck.
– Sie verhindert eine problematische Selbstreflexion, in welcher der als ein Akt des Sich-Anvertrauens entgegengesetzt ist.
– Sie hat eine lange Tradition in der Christenheit und ist eine ökumenische Gemeinsamkeit.

Gegen die Kindertaufe führen Joest und Lüpke an:
– Die Taufe ist nicht von der hörenden und zu glaubenden Zusagen zu trennen und sollte zeitlich nicht auseinandergerissen werden.
– Ein Säugling kann sich an die Taufe nicht erinnern und somit auch nicht an die Zusage Gottes in der Taufe und ihre tragende Kraft.
– Eine Kindertraufe setzt die Berührung des Heranwachsenden mit der Evangeliumsverkündigung und dem Leben der Gemeinde voraus. Dies ist in der volkskirchlichen Situation nicht oft gegeben, sondern die Taufe wird allgemein verlangt und gespendet, was diese Praxis fragwürdig macht.
– Es soll den Eltern zugestanden werden, wenn diese ihre Kinder aus christlichen Motiven erst in einem Alter taufen lassen wollen.

Tertullian und die Kindertaufe

In dem Buch von Konrad Bussemer „Die Gemeinde Jesu Christi“ habe ich folgendes über Tertullian und die Kindertaufe gefunden, in dem er aus einer völlig anderen Richtung gegen sie argumentiert (die heute sicherlich nicht so häufig vertreten wird):

Der vielgenannte Kirchenvater Tertullian (-220) bekämpfte sie noch, allerdings aus dem Grund, weil er glaubte, daß die nach der Taufe begangenen Sünden keine Vergebung finden könnten und es daher verkehrt sei, wenn „das schuldlose Alter sich zur Vergebung dränge“.

„Gräuel der Verwüstung“

In den sogenannten Endzeitreden Jesu, welche in den synoptischen Evangelien wiedergegeben sind, kommt das (oder der) Gräuel der Verwüstung (oder der Entweihung) vor.
Die Frage stellt sich wer oder was damit gemeint sein könnte.
Ich möchte 4 (streng genommen 3,5) Alternativen vorstellen (Auf den Ursprung des Begriffs im Daniel möchte ich hier nicht eingehen).

1. Die Entweihung eines endzeitlichen Tempels durch den Antichristen
Diese Sichtweise wird im Dispensationalismus vertreten.
So sieht z.B. Fruchtenbaum darin den Antichristen, der in der „zweiten Hälfte der Türbsal“ sich im Allerheiligsten des (neu errichteten) jüdischen Tempel niederlässt und sich selbst zum Gott erklärt. Danach, so Fruchtenbaum, wird sein Standbild im Allerheiligsten des Tempels aufgestellt.

2. Die Zerstörung des Tempels durch die Römer
Die Römer zerstörten 70n.Chr. den Tempel. Dabei haben sie auch ihre Standarten dabei. Nach dieser Auslegung, ist die Zerstörung und/oder die götzenartige Standarten, das Gräuel der Verwüstung/Entweihung. Der Tempel, samt dem Allerheiligesten wurde von den Römern betreten, somit entweiht und anschließend in Flammen gesetzt und zerstört.
Wie die Nachfolger Jesu, nach diesen Ereignissen noch fliehen sollten (konnten) bleibt offen.

3. Die Entweihung des Tempels während des Aufstandes der Zeloten
Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet davon, wie die Zeloten, nach ihrer Einnahme von Jerusalem, selbst einen eigenen „Hohepriester“ im Tempel einsetzten. Dieser durfte schon aufgrund der Abstammung nicht Hohepriester werden (Handlung gegen das mosaische Gesetz) und hatte nicht die Kenntnis wie er im Heiligtum sich zu verhalten hatte. Dazu wurde im Tempel, von den Zeloten, ca. 8500 Menschen umgebracht, der Hohepriester wurde erstochen und über die Mauer herabgeworfen. Dies alles war für die jüdische Bevölkerung ein ungeheuerlicher Frevel an dem Tempel.
Tatsächlich flohen die Christen der Stadt, kurz nach diesem Ereignis, nach Pella, aufgrund der Angaben in der „Endzeitrede“ Jesu und wurden so vor der Zerstörung Jerusalems, die 70n.Chr. geschah, bewahrt.

4. Die Kombination von 1 und 2
Manche Kommentatoren (z.B. Bayer HTA) schlagen vor, dass diese Aussage in der „Endzeitrede“ proleptisch in der Zerstörung des Tempels antizipiert wurde. Endgültig werde diese Prophezeiung sich durch die Anmaßung des Antichristen, unter den Jüngern Jesu, welche ein kollektiver Tempel seien, erfüllt werden, wenn dieser die Stellung Gottes einnehmen wollen wird.

Über die Endzeitrede predigen

Wie soll über die Endzeit oder über die Endzeitrede Jesu gepredigt werden?
Bei E21 bin ich auf folgenden Ratschlag gestoßen:

Ein weiser Prediger, der es mit diesem Text zu tun hat, wird einen besonderen Wert auf diesen Aspekt legen. Wenn Jesus Anweisungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse gibt, ist es nicht sein Ziel, unsere Neugier zu sättigen oder alle unsere spekulativen Fragen zu beantworten. Stattdessen ist es sein Ziel, sein Volk zu beschützen, zu führen und auszurüsten. Jesus hat sich relativ wenig mit der Frage nach dem „Wann“ beschäftigt. Sein Fokus lag auf der Frage: „Wie können wir treu im Glauben leben?“ Eine Predigt über diese Art von Texten sollte von Jesu Sorge um das Wohl und das Ausharren der Gemeinde geprägt sein. 

Das Echo Marcions?

Der anglikanische Theologie Alister McGrath stellt in seinem Buch Der Weg der christlichen Theologie, dar, wie selbst bei Luther Spuren von Marcion zu finden seien.

So schreibt McGrath:
Nach Marcion war das Christentum eine Religion der Liebe, in der keinerlei Raum für das Gesetz und den gewalttätigen Gott des Alten Testaments war; das Alte Testament rede von einem anderen Gott als dem des Neuen Testament; […]
Nach der Auffassung Marcions war es die Absicht Christi, den Glauben an den alttestamentlichen Gott […] zu beseitigen und die Verehrung des wahren Gottes der Gnade einzuführen.
In Luthers Schriften findet sich ein entferntes Echo dieser Vorstellung.
Obwohl Luther daran festhielt, dass sich sowohl das Alte Testament als auch das Neue Testament auf die Taten desselben Gottes beziehen, betonte er dennoch den vollkommenen Gegensatz von Gesetz und Gnade. […]
Obwohl sich im Alten Testament die Gnade (etwa in Jesaja 40-55) und im Neuen Testament (etwa in der Bergpredigt Mt 5-7) das Gesetz entdecken lässt, scheint Luther häufig nahezulegen, dass das Alte Testament eine Gesetzesreligion sei, die im Gegensatz zur neutestamentlichen Betonung der Gnade stehe.

Gleichheit der Sünden?

gummibarchen-359950_1920Bei E21 wurde ein Beitrag von Michael Patton übersetzt und veröffentlicht.
Der Titel lautet: „Sind vor Gott alle Sünden gleich?
Hier einige Auszüge:

Ich denke, die Präferenz, zu akzeptieren, dass alle Sünden in Gottes Augen gleich sind, wird durch folgende Einflüsse forciert:
1. Als Gegenreaktion von Protestanten gegen die Unterscheidung der römisch-katholischen Kirche zwischen Todsünden (Sünden, welche die rechtfertigende Gnade verunmöglichen) und lässlichen Sünden (Sünden, die weniger schwerwiegend sind und die rechtfertigende Gnade nicht fundamental beeinflussen).
2. Eine Neigung innerhalb unserer evangelistischen Gemeindekultur, die Gemeinsamkeiten, die wir mit den Ungläubigen haben, zu betonen. Wenn zum Beispiel alle Sünden in Gottes Sicht gleich sind, dann ist deine Sünde nicht schlimmer als die von irgendjemand anderem. Auf diese Weise kommen wir nicht so richtend oder herablassend daher.
3. Einige Bibelabschnitte, die auf diese Weise ausgelegt werden (sie werden im Textverlauf diskutiert). […]

Es stimmt. Alle Menschen sind Sünder (vgl. Röm 3,23). Alle Menschen sind Sünder von Geburt an. Aber nicht alle Sünden sind gleich.

Ich denke, um es in aller Demut und gleichzeitig akkurat in Übereinstimmung mit dem biblischen Zeugnis wiederzugeben, kann man es wie folgt zusammenfassen:

Obwohl nicht alle Menschen in gleichem Ausmaß sündigen, so haben wir doch alle an der gleichermaßen verderbten Natur Anteil.

Mit anderen Worten: Keiner ist weniger sündig aufgrund irgendeiner innewohnenden Rechtschaffenheit, infolge derer er sich rühmen könnte. Alle Menschen haben das gleiche Potenzial an Verderbtheit, weil wir alle Söhne Adams sind und die gleiche Verderbtheit teilen; selbst wenn wir nicht – durch Gottes Gnade – unsere Sünde im gleichen Ausmaß ausleben.

Wenn du damit nicht einverstanden bist, dann denke einmal darüber nach, was du damit über Gott aussagst. Du sagst zu einer ungläubigen Welt, dass dein Gott genauso zornig darüber ist, wenn du mit dem Auto etwas schneller fährst als erlaubt,  wie über den Sexualmord an einem sechsjährigen Mädchen. Willst du das wirklich behaupten? Denkst du wirklich, dass diese Sichtweise ausreichend biblisch gestützt wird und dadurch zu rechtfertigen ist? Kannst du diese Sicht fundiert verteidigen? Wenn die Bibel das so lehrt, dann okay. Wir richten uns ja nach der Bibel und nicht nach unseren Gefühlen oder unserem Geschmack. Aber ich denke nicht, dass man wirklich eine fundierte Argumentation dafür, dass unsere Theologie solch eine Position vertritt, aufrechterhalten kann. Ich kann mir wenige Dinge in der modernen evangelikalen Theologie vorstellen, die zu einem größeren Ausmaß falsch sind, die mehr Schaden anrichten oder den Charakter Gottes und die Natur der Sünde umfassender entstellen.

Das treibet Christum (nicht)

„Zu lehren ist was von Christus treibt und die Mitte der Schrift ist.“
Ähnlich kann man es immer wieder lesen oder hören. Diese Formel bietet als Risiko und Nebenwirkung, dass sie instrumentalisiert werden kann.
Folgende Zitat von Heinzpeter Hempelmann sei angeführt. Er schreibt in seinem Aufsatz „Hält die Bibel-Hermeneutik, was sie verspricht?“ (tb 15-4) Folgendes:

Es ist ja nicht klar, was Christum treibet. Diese Formel ist inzwischen zur Leerformel geworden, die darum alle möglichen Inhalte transportieren und als zentral behaupten kann, eben weil sie total unterbestimmt ist. Was heißt solus Christus als die Mitte der Schrift? Es lassen sich ja alle möglichen Fassungen dessen denken, was unter dieser christologischen Mitte verstanden werden kann. An die Stelle eines Gegenübers tritt dann hier wieder die individuelle theologische Position des Auslegers. Das Verfahren ist nicht nur zirkulär, es ist insofern hoch problematisch, als es ermöglicht, die eigene partikulare Position unter Rückgriff auf diese Formel als Mitte der Schrift auszuweisen. Was dann zur Sprache kommt, ist eben nicht die Heilige Schrift als solche, sondern das, was mir ihre Mitte zu sein scheint; was ohnehin mein Anliegen ist.

Qumran: Weitere Schriftrollen-Höhle gefunden

citadel-hill-2968_1920Der Deutschlandfunk berichtet:

Israelische Archäologen haben in Qumran am Toten Meer eine bislang unbekannte Höhle zur Aufbewahrung von Schriftrollen entdeckt.

Es handle sich um eine der wichtigsten Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte in dem Gebiet, hieß es in einer Mitteilung der Hebräischen Universität in Jerusalem. Grabungen belegen demnach, dass die Höhle als Versteck der Schriftrollen aus der Zeit des 70 nach Christus von den Römern zerstörten Zweiten Tempels genutzt worden sei. Mitte des vergangen Jahrhunderts seien die Aufbewahrungsgefäße aber geplündert worden.

Ausführlichere Infos können bei The Logos Academic Blog gelesen werden.

Paulus und das Gewissen

compass-1795451_1280Wer in der heutigen Zeit vom Gewissen spricht, der kennt das schlechte Gewissen, dass er hat wenn er scheinbar etwas Böses tat. Doch ist das Gewissen eine Fähigkeit Gutes und Böses zu unterscheiden?
Folgende Ausführungen habe ich bei Baltes gefunden:

Für ihn [Paulus] ist das Gewissen keine unabhängige moralische Instanz, sondern eher so etwas wie ein „innerer Kompass“, der dem Menschen hilft, sich an Gottes Geboten auszurichten. Die Maßstäbe für Gut und Böse werden also nicht vom Gewissen selbst gesetzt, sondern sie sind außerhalb des Menschen vorgegeben. Das Gewissen hilft dem Menschen dabei, sein eigenes Verhalten an diesen Maßstäben zu messen und zu beurteilen.
[…]
Der Kompass ist aber nicht dafür da, die Richtung vorzugeben. Sondern er richtet sich nach einem Nordpol, der außerhalb seiner selbst ist. Ein gut funktionierender Kompass weist daher in die richtige Richtung, aber er bestimmt sie nicht.

Netzwerk Bibel und Bekenntnis – Zwischenbilanz

Das Netzwerk Bibel und Bekenntnis wird ein Jahr alt. Ulrich Parzany zieht auf ihrer Seite eine Zwischenbilanz:

Wir hatten die zuständigen Gremien des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und der Deutschen Evangelischen Allianz aufgefordert, zu Irritationen klärend Stellung zu beziehen und um gemeinsame Gespräche gebeten. Sehr schnell wurde dem entsprochen. Es gab einige erfreuliche Klärungen. Die Gnadauer Mitgliederversammlung beschloss am 19.2.2016 eine klare Position bezüglich gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, ließ aber im Blick auf die Schriftauslegung einiges offen: „Gleichwohl gibt es einige unter uns, die an dieser Stelle eine andere exegetische Einsicht haben oder die aus dem gleichen exegetischen Befund andere Schlussfolgerungen ziehen.“ Allerdings schrieben einige große Gemeinschaftsverbände nach der Mitliederversammlung an ihre Mitglieder, dass sie sich uneingeschränkt zur Autorität der Bibel als Wort Gottes bekennen.

Die Evangelische Allianz bestätigte ihre klare Position zur praktizierten Homosexualität von 2009. Der Hauptvorstand befindet sich in einem Prozess der erneuten Klärung über das Selbstverständnis der Deutschen Evangelischen Allianz. […]

Im Blick auf die Landeskirchen haben wir nichts erreicht. Einige Landeskirchen haben in Sachen Segnung und Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften Beschlüsse gegen Bibel und Bekenntnis gefasst. Auf die biblisch-theologisch begründeten Widersprüche nahmen sie keine Rücksicht. Die Mehrheiten erlaubten den Synoden und Kirchenleitungen diese Rücksichtslosigkeit. Die Kirchenleitungen setzen darauf, dass die widersprechenden Minderheiten ermüden und aufgeben werden. Kirchenaustritte interessieren sie nicht, weil sie finanziell ohne Bedeutung für sie sind.

Bibel TV Porträt: Siegfried Zimmer

Siegfried Zimmer und die Evangelikalen – die Beziehung ist sicherlich nicht immer nur ganz einfach.
Die einen feiern ihn als wichtigen Brückenbauern, die anderen, zu denen auch ich gehöre, teilen viele seiner Positionen nicht, oder werfen ihm teils auch Polemik vor.
Es ist allerdings immer hilfreich mehr über den Menschen selbst zu erfahren,  anstatt ihn zu verurteilen.
Wer mehr also mehr über den Mensch Siegfried Zimmer erfahren will, kann dieses Porträt von Bibel TV anschauen:

„Sollte Gott gesagt haben?“

Mit der Frage, was hinter der „Bibelkritik“ steckt, beschäftigt sich Ron Kubsch in dem Booklet, mit dem Titel: „Sollte Gott gesagt haben?“
Das Booklet gehört zur Edition Evangelium21 und kann hier heruntergeladen werden oder hier bestellt werden.

E21 schreibt dazu:

Die Bibelkritik hat die Verkündigung des Evangeliums in der Tat enorm geschwächt. Viele Prediger glauben nicht mehr an die Kraft des göttlichen Wortes und verkündigen deshalb ihre eigenen Gedanken und zielen auf Weltverbesserung, Lebenshilfe und billigen Trost ab.

In diesem Booklet skizziert Ron Kubsch die Entwicklung der neuzeitlichen Bibelkritik von den Anfängen bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts und geht dabei ebenfalls auf aktuelle Versuche ein, zwischen Vertretern und Gegnern der Bibelkritik zu vermitteln. Er meint: „Überheblichkeit gegenüber dem göttlichen Wort führt immer in eine Sackgasse. Es gibt gute Gründe dafür, der Heiligen Schrift zu vertrauen.“

Gedanken zur Jahreslosung 2017

Auf deutsch.logos.com wurden folgende Gedanken von mir zur Jahreslosung 2017 veröffentlicht (siehe hier):
__________________

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
(Hesekiel 36,26)

Im Dezember 1967 führte der Arzt Christiaan Barnard in Südafrika die erste Herz-Transplantation der Welt durch. Die Operation wurde als ein Meilenstein gefeiert. Der Patient lebte danach ganze 18 Tage weiter, bevor er verstarb.
Wenn Gott dagegen hier von einem neuen Herzen spricht, dann ist der Risikofaktor wie bei diesem Ereignis nicht vorhanden. Es geht um eine Transplantation, deren Ergebnis für die Ewigkeit hält.

Die Frage nach dem Warum

Wenn Sie den Text der Jahreslosung lesen, dann können Ihnen viele Gedanken und Fragen durch den Kopf gehen. Wozu brauchen wir heute dies Versprechen? Wozu benötigen wir ein „neues Herz“ und einen „neuen Geist“?
Weiterlesen

Zitat der Woche: Messiasleiden & Gottesentfremdung

cross-1375765_1920Hans F. Beyer schreibt in seinem Markus-Kommentar (HTA) zu den Vorkommnissen nach dem sog. Petrusbekenntnis, als Petrus Jesus das Kreuz ausreden wollte, Folgendes:

Dies bedeutet, dass die populäre Messiaserwartung längst den sicheren Boden göttlicher Vorsehung und Prophetie verlassen hat, indem sie sich auf wenige atl. Aussagen einschränkt und politische Erwartung (z.T. aufgrund der Makkabäerzeit) viel zu stark in den Vordergrund schiebt. Sie setzt sich dabei vor allem über das fundamentale Problem der Entfremdung von Gott leichtgläubig und oberflächlich hinweg. […]
Jegliche Religion oder Lebensphilosophie, die diese Wurzelprobleme der grundsätzlichen Entfremdung von Gott sowie der Macht Satans überspielt oder verharmlost […], widersetzt sich, wie im Fall des Petrus, letztendlich der Herrschaft Gottes und seinem Willen. Es geht hier also um die grundsätzliche Tatsache, dass der Mensch aus seiner eigenen idealistischen Perspektive keinen stellvertretend leidenden Messias benötigt. Nur aus der offenbarten Perspektive Gottes erkennt der Mensch seine schwerwiegende Entfremdung und Feindschaft gegen Gott […] sowie die Macht Satans; er realisiert damit, dass er auf den stellvertretenden leidenden und sodann herrschenden Messias existenziell angewiesen ist.

 

Freiheit vom Gesetz?

chain-1623322_1920In seinem Buch „Paulus – Jude mit Mission“ stellt Baltes 5 Thesen auf wie Paulus, seiner Meinung nach, die Freiheit vom Gesetz und was damit zusammenhängt, versteht.
Diese Thesen sind vielleicht nicht gerade der Mainstream und vielleicht sind diese auch gerade deshalb interessant und auf jeden Fall es wert darüber weiter nachzudenken und zu diskutieren:

  1. Für Paulus macht der Glaube an Jesus nicht „frei vom Gesetz“.
  2. Paulus selbst hat sich zeitlebens streng an das jüdische Gesetz gehalten.
  3. Juden, die  an Jesus glauben, sollen weiterhin das Gesetz einhalten.
  4. Nichtjuden, die an Jesus glauben, sollen sich nicht an das Gesetz halten.
  5. Juden sollen Juden bleiben und Nichtjuden sollen Nichtjuden bleiben.

Jahresrückblick der Bücher – eine Auswahl

books-1015595_1920Dieses Jahr habe ich wieder eine Vielzahl von Büchern genossen.
Die 10 „Besten“ möchte ich nun vorstellen (Die Reihenfolge sagt nichts über die Wertung aus):

Paulus, Jude mit Mission – Guido Baltes
Baltes Buch fasst in groben Zügen viele Linien und Entwicklungen in der aktuellen Paulusforschung und den entstehenden Diskussionen zusammen.
Er fügt diese einzelnen Puzzlestücke in ein, in sich stimmiges, Gesamtbild ein.

People to be loved – Preston Sprinkle
Das Thema der Homosexualität ist ein schwieriges. Noch schwieriger ist dazu ein gutes Buch zu schreiben. Sprinkle ist dies mit Bravur gelungen.
Das beste Buch, dass ich auf diesem Gebiet kenne!

Biblische Hermeneutik – Gerhard Maier
Ein Grundlagenbuch!
Maier arbeitet die Fragen der Hermeneutik gründlich auf. Besonders hilfreich ist sein Buch in der Frage der Inspirationsfrage.
Lesenswert für Theologen und Laien.

Freude an Gottes Weisungen. Themenbuch zur Theologie des Alten Testaments – Klement und Steinberg
Alttestamentliche Theologie ist spannend – dies wird nach der Lektüre dieses Buches deutlich. Die Autoren zeichnen in diesem Themenbuch verschiedene Aspekte der AT-Theologie auf. Es ist eine gute Einführung in dieses breite Thema.

Verantwortlich leben – Tim Geddert
Interessante Fragen in Bezug auf Leben und Christsein stellt Tim Geddert in seinem Buch. Man muss nicht immer einer Meinung mit ihm sein, aber sein Buch ist ein hilfreicher Beitrag zu ethischen Disussionen.

Die Auferstehung des Sohnes Gottes – N.T. Wright
Das umfassendste Buch über die Auferstehung.
Wright beginnt mit mehreren hundert Seiten Grundlagenarbeit, bis er die Ergebnisse dieser Untersuchung schlüssig zusammenbindet.
Ein grandioses Buch über die Auferstehung des Sohnes Gottes!

Die neuen Dschihadisten – Peter Neumann
Das Buch erschien im November. Es behandelt die aktuellen Fragen, warum Menschen sich radikalisieren lassen, zu fundamentalistischen Mördern werden und was Staat und Gesellschaft dem entgegenzusetzen haben.
Ein informatives und spannendes Buch!

Herr der Ringe – J.R.R. Tolkin
Der Titel sagt genug…

Eisenkinder – Sabine Rennefanz
Ein Buch das Weh tut!
Die Autorin beschreibt, wie sie eine evangelikale Christin wurde und diesen Glauben wieder verlor.
Besondere Leseempfehlung für Prediger und Gemeideleitungsmitglieder.

Fundamentalismus – Thomas Schirrmacher
Was ist Fundamentalismus?
Da der Begriff leicht als eine Bezeichnung für „Gegner“ werden kann, ist dieses Buch von Schirrmacher besonders hilfreich. Es zeigt auf, wann und wie von Fundamentalismus gesprochen werden kann und was dagegen hilft (siehe hier).

Weihnachten und die Stammbäume Jesu

question-mark-1872665_1920Wer Matthäus und Lukas liest, der kann leicht irritiert werden, wenn er die beiden Stammbäume von Jesus vergleicht. Beide haben bekanntlich deutliche Unterschiede.
Haben wir hier einfach einen „ganz normalen Widerspruch“ in der Bibel? Hat einer der beiden Verfasser schlecht recherchiert, oder wollte Lukas, das zuvor geschriebene Matthäus-Evangelium korrigieren? Ist Lukas bei seiner Recherche ein peinlicher Fehler unterlaufen, oder warum gibt es diese Unterschiede?

Grds. halte ich es bei solchen Fragen weder für hilfreich schnell von Widersprüchen zu reden, noch nicht schlüssige Harmonisierungen durchzuführen.
Als Vorbemerkung: Beide Geschlechtsregister geben nicht die vollständige Nennung aller Namen an, es bleiben hier Lücken.

Im Folgenden möchte ich einige Ausleger zu Wort Kommen lassen.

Gerhard Maier schreibt hierzu: Weiterlesen

Lasst mal den Stall im Haus

christmas-1010749_1280Es ist Weihnachtszeit!
Auf den Weihnachtsmärkten finden wir schöne Nachbildungen von Maria und Josef, mit Jesus in einem (europäischen) Stall.
Ich möchte dieses romantische Bild nicht zerstören.
Aber ich habe den Verdacht, dass dieses Bild mehr von unserer europäischen Kultur als von der Bibel geprägt ist.
Warum glaube ich, dass die Geburt von Jesus in einem Haus stattfand?

Hatten Maria und Joseph nicht keine Herberge (κατάλυμα) gefunden?
Diese Herbergen darf man sich allerdings nicht wie ein heutiges Hotel oder eine Jugendherberge vorstellen. Es ähnelt vielmehr dem was wir heute als ein Gästezimmer, in einem Privathaus kennen.
John Nolland schreibt in seinem WBC Kommentar dazu:
κατάλυμα is a flexible word and can denote any kind of place where one might stay, from a primitive inn (Exod 4:27; 1 Kgdms 1:18) to a guest-room of a house (cf. Luke 22:11) to a totally unspecified place where one might stay

Aber es steht doch geschrieben, dass Maria Jesus in eine Krippe gelegt hat!
Das ist auch richtig. Der Begriff der in Lukas mit Krippe übersetzt wird, meint auch ein Futtertrog für Tiere. Aber wir müssen hier beachten, dass im Israel des 1.Jhd Haus und Stall zusammengehörten. Hierfür lasse ich nochmals Nolland zu Wort kommen:
The child could not be fitted in the κατάλυμα, so he was placed in the nearby manger. On this reading it is best to think of an overcrowded Palestinian peasant home: a single-roomed home with an animal stall under the same roof (frequently to be distinguished from the family living-quarters only by the raised platform floor of the latter). The manger could  be free-standing in the stall or attached to the wall (it could also be on the floor of the living area adjacent to the stall area, but this would not fit with the exclusion of the child from the living quarters), κατάλυμα will, then, refer to the living quarters provided by a single-roomed Palestinian home in which hospitality has been extended to Mary and Joseph.

Neues aus der Allianz

Es ist nun offiziell, ein neue Nachfolger für das Amt des Allianzvorsitzenden ist gefunden. Ekkehart Vetter, der Präses des Mühlheimer Verbands.
Hier ein Auszug eines Idea-Artikels welcher einige Sichtweisen deutlich macht:

Nach Vetters Worten sollten Evangelikale „bei Jesus sein, das heißt, Menschen in Liebe und in Wahrheit begegnen, egal ob sie hier geboren sind oder beispielsweise als Geflüchtete zu uns kommen“.
Evangelikale Christen sollten der Öffentlichkeit zeigen, „dass wir etwas Gutes anzubieten haben“. Zugleich zeigte sich Vetter überzeugt, dass in einer säkularisierten Gesellschaft nicht alle theologischen Überzeugungen der Evangelischen Allianz mehrheitsfähig seien. Dazu gehöre die Ansicht, dass praktizierte Homosexualität – ebenso wie andere Formen der außerehelichen Sexualität – nicht mit der biblischen Ethik vereinbar seien. Auf den Einwand, Jesus habe sich nicht zur Homosexualität geäußert, sagte Vetter: „Die allererste Aussage Gottes über die Menschen, nämlich dass sie als Mann und Frau einander zugeordnet Gottesebenbildlichkeit besitzen, ist nun wahrlich nicht unerheblich für dieses Thema.“ Auch deshalb lehne man die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften mit der Ehe zwischen Mann und Frau ab.

Die Jungfrauengeburt bei N.T. Wright

the-annunciation-1125149_1920Die Jungfrauengeburt ist ein Ärgernis für viele Menschen.
Sie widerspricht dem Denkrahmen des Rationalismus und innerhalb von diesem Rahmen bewegen sich die meisten Anfragen. Der anglikanische Theologe N.T. Wright schreibt dazu:

Let’s begin with the obvious point. The story makes it clear that Jesus was conceived in Mary’s womb before she had had any sexual relations. Many people today find this impossible to believe, but they often think that this difficulty has only arisen in modern times, because of all we now know about the precise mechanics of conception and birth. Not so. The ancient world didn’t know about X chromosomes and Y chromosomes, but they knew as well as we do that babies were the result of sexual intercourse, and that people who claimed to be pregnant by other means might well be covering up a moral and social offence. […]
They are simply reporting that Jesus did not have a father in the ordinary way, and that this was because Mary had been given special grace to be the mother of God’s incarnate self.[…]
Perhaps some of the fuss and bother about whether Mary could have conceived Jesus without a human father is because, deep down, we don’t want to think that there might be a king who could claim this sort of absolute allegiance?

Zitat der Woche: Luthers Gebetstipp

An seinen Freund Beskendorf schreibt Luther folgenden Ratschlag bzgl das Gebet:

Darum ist es gut, dass man das Gebet am frühen Morgen das erste und am Abend das letzte Werk sein lasse. Und man hüte sich sorgfältig  vor diesen falschen, trügerischen Gedanken, die da sagen: Warte ein wenig, in einer Stunde will ich beten, zuvor muss ich dies oder das erledigen. Denn mit solchen Gedanken kommt man vom Gebet weg in die Arbeit, die einen festhält und umfängt, so dass aus dem Gebet den ganzen Tag über nichts wird.

Suche die Fehler – oder die Frage nach dem göttlichen Zweck?

Biblische Hermeneutik ist bzgl der Inspirationsfrage ein heiß diskutiertes Thema.
In seinem spannenden Buch Biblische Hermeneutik schreibt Gerhard Maier zu dem Thema ob die Bibel Fehler enthalten kann, ein spannender Beitrag. Hier ein Ausschnitt seines Fazits zur Meinungsbildung:

a) Das zur Schrift gewordene Wort Gottes ist vollkommen verläßlich und fehlerlos im Sinne seiner göttlichen Zwecke, also von Gott her betrachtet.
b) Der menschliche Ausleger muß die Offenbarung sagen lassen, was sie selbst sagen will. Er kann sie nicht seinen eigenen Ansprüchen unterwerfen und ihr (historisch oder andere) Auskünfte abzwingen, die sie gar nicht geben will. Der Anspruch des Auslegers, der sich mit der Offenbarung auf dieselbe Stufe stellen will, wird zur Anmaßung. Wir müssen, um es mit Luthers einprägsamen Formulierungen auszudrücken, >>die Apostel und Propheten lassen auf dem Pult sitzen und wir hinieden zu ihren Füßen hören, was sie sagen, und nicht sagen, was sie hören müssen<<.

Christus als Richter der Schrift?

book-283248_1920Aus gegebenen Anlass beschäftige ich mich mal wieder mit dem Schriftverständnis.
Um meine Ansicht zu reflektieren, helfen neben Gesprächen mit Theologen, auch Bücher weiter.
Einige interessante und provozierende Zitate habe ich zu diesen Diskussionen gefunden. Motto: Lesen, provozieren lassen, reflektieren & Meinungsbildungsprozess fortschreiten lassen.

So schreibt J. Packer zu der Frage, ob Christus als Richter über die Schrift fungiert Folgendes:
Ein Christus, der seinen Nachfolgern erlaubt, ihn als Richter der Schrift einzusetzen, nämlich als einen, der erst ihre Autorität bestätigen muss, bevor sie verpflichtend wird, und durch dessen gegenteiliges Urteil sie an anderer Stelle ungültig gemacht wird, ist ein Christus menschlicher Vorstellung, gemacht im eigenen Bilde des Theologen. Einer, dessen Haltung zur Schrift das Gegenteil von der Haltung des historischen Christus ist. Wenn die Konstruktion eines solchen Christus nicht ein Bruch des zweiten Gebotes ist, was ist es dann?

Kevin DeYoung schreibt hierzu:
Jesus mag sich sehr wohl als der Fokus der gesamten Schrift gesehen haben, doch niemals als ihr Richter. Der einzige Jesus, der über der Schrift steht, ist unserer selbst erfundener Jesus.

Fundamentalismus-Verhütung

In dem Buch von Thomas Schirrmacher Fundamentalismus wenn Religion zur Gefahr wird, nennt er einige Möglichkeiten um sich als Einzelner vor dem Einfluss von fundamentalistischen Strömungen zu schützen. [Hinweis: Mit Fundamentalismus wird hier nicht der ursprünglich protestantische Fundamentalismus Anfang des 20. Jahrhunderts gemeint] Einige seien hier angeführt:

  • Verneine jede Art von Hörigkeit anderen Menschen gegenüber.
  • Verneine blinden Gehorsam. Auch höhere Gebote und Ordnungen darf man in Ruhe diskutieren und nach ihren Grund fragen.
  • Stehe autoritären Führen kritisch gegenüber. Was gut und >wahr< ist, erkennt nie nur ein Einzelner.
  • Hinterfrage, wenn andere Befehle Gottes für dich bekommen.
  • Steh‘ auf und schreite ein, wenn andere Menschen hörig gemacht oder deines Erachtens ausgenutzt werden sollen.
  • Unterscheide deutlich zwischen Gott, Gottes Offenbarung und der fehlbaren Auslegung durch uns Menschen.
  • Beschäftige dich viel und intensiv mit verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten heiliger Texte.
  • Höre Andersdenkenden immer erst einmal zu. Werde ein erfreulicher Gesprächspartner.
  • Vermeide die Verquickung von Religion und Nationalismus 
  • Verwerfe und bekämpfe jede Art von Rassismus.
  • Überlege sehr genau, welche persönlichen Moralvorstellungen auch den Staat binden sollten.
  • Setze dich, wo immer möglich für Religionsfreiheit ein.
  • Unterscheide zwischen der Wahrheitsdiskussion zwischen den Religionen und dem Willen zum friedlichen politischen Zusammenleben. Unterstelle Friedensgesprächen zwischen den Religionsgemeinschaften nicht einfach synkretistische Absichten.

Buchbesprechung: Der Koran von Hamed Abdel-Samad

Hamed Abdel-Samad gilt als einer der führenden Islamexperten in Deutschlad.
Aufgrund seiner Vorträge und Bücher wurde und wird er immer wieder angefeindet und mit dem Tode bedroht. Seit einiger Zeit lebt er unter Polizeischutz.

In seinem neusten Buch geht er auf ein Problem ein, dass immer wieder im deutschen Fernsehen deutlich wird. Es findet eine Diskussion über Islam und Islamismus statt. Während die einen aufzeigen, dass Koran-Verse Gewalt scheinbar legitimieren greifen die Anderen Koran-Verse auf, die scheinbar das Gegenteil sagen.
Wer hat in so einem Fall recht?
Das Ergebnis ist oft für Zuschauer frustrierend.

In seinem Buch analysiert Hamed Abdel-Samad die Botschaft des Korans.
Sehr sachlich zeigt er die verschiedenen Facetten auf.
Er stellt die „Friedens-“ und „Gewalt-“ Passagen in ihren Kontext und legt sie, man könnte fast sagen, „historisch-kritisch“ aus.
Das Ergebnis ist ein Bild, dass theologisch gewiss widersprüchlich erscheint, historisch aber plausibel erscheint.

Das Anliegen von Hamed Abdel-Samad ist nicht, die Polemik, vielmehr will er die sozialen und spirituellen Seiten des Korans behalten, politische und Gewalt enthaltende Aussagen in der damaligen Zeit zurücklassen und ihnen keine Gültigkeit zukommen lassen. Er liest den Koran vielmehr als ein Spiegel der Biographie ihres Autors.

Weiter Informationen zu diesem Thema:

Luther lesen: Der dritte Gottesdienst-Weg

In seiner Vorrede zur deutschen Messe christian-1296370_1280schreibt Martin Luther Folgendes:

Aber die dritte Weise, in der die rechte Art der evangelischen Ordnung ergehen sollte, dürfte nicht so öffentlich auf dem Platz geschehen unter allerlei Volk. Sondern diejenigen, die mit Ernst Christen sein wollen und das Evangelium mit Tat und Wort bekennen, müssten sich namentlich einschreiben und irgendwo allein in einem Haus allein sich  versammeln zum Gebet, zum Lesen, zum Taufen, das Sakrament zu empfangen und andere christliche Werke auszuüben. In dieser Ordnung könnte man diejenigen, die sich nicht christlich verhalten, erkennen, tadeln, bessern, ausstoßen oder in den Bann tun nach der Regel Christi, Mt 18.

Das erinnert mich sehr stark an den Pietismus.
Luther Worte sollten uns zum Nachdenken bringen.

Quelle: Martin Luther Deutsch-Deutsche Studienausgabe

Erforschung des wahrscheinlichen Grabes Jesu

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Aktuell wird in Jerusalem das wahrscheinliche Grab Jesu untersucht.
Welt online berichtet, dass erstmals seit Jahrhunderten es wieder geöffnet wurde.

Das Grab befindet sich im Boden des Hügels Golgotha unterhalb der Grabeskapelle in der Rotunde der Kirche. Es ist durch Marmorplatten verschlossen, die seit dem Jahr 1555 nicht mehr bewegt wurden.
„Der Marmor wurde entfernt und wir waren überrascht von der Menge an Füllmaterial, die sich darunter befand“, sagte der Archäologe Fredrik Hiebert dem Magazin. „Die wissenschaftliche Analyse wird lange dauern, aber am Ende werden wir die Original-Felsenoberfläche begutachten können, auf die Christus‘ Leichnam der Überlieferung nach abgelegt wurde.“
[…]
Die modernen Techniken zur Dokumentation der Ausgrabung würden es den Menschen weltweit „ermöglichen, unsere Forschungsergebnis einmal so zu studieren, als wenn sie sich selbst im Grab Jesu befinden würden“, so Moropoulou. Von der Untersuchung des Felsenvorsprungs, auf dem Jesus nach der Kreuzigung zur Ruhe gelegt worden sein soll, erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Beschaffenheit des gesamten Felsengrabes, das um das Jahr 1009 herum zerstört wurde.

 

Buch: Gottes Wort gilt

Nachdem die Evangelische Allianz in Deutschland eine ihrer größeren Krisen hatte (siehe auch hier), wird jetzt ein Buch herausgegeben, dass die Wurzel dieser Kriese behandelt. Die Frage nach dem Wort Gottes.
Herausgegeben wird es von Ulrich Parzany. Es ist die Programmschrift des Netzwerks Bibel und Bekenntnis.
Auf ihrer Seite schreiben sie Folgendes dazu:

Anfang 2016 hat sich das „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ gebildet. Die Mitglieder treten für die Gültigkeit der Bibel als Wort Gottes ein. Bisher wurden Stellungnahmen zu den aktuell strittigen Themen vor allem auf dieser Internetseite veröffentlicht. Mit dem neuen Buch wollen wir die digitale Kluft überwinden und auch die engagierten Christen informieren und motivieren, die das Internet nicht nutzen. In diesem Buch sind Texte zusammengestellt, die zeigen, wofür das Netzwerk eintritt und mit welchen Begründungen. Das Buch richtet sich an Christen aus Landeskirchen, landeskirchlichen Gemeinschaften und Freikirchen – an Kirchengemeinderäte, Presbyter, Gemeinschaftsleiter, Älteste, Pfarrer, Pastoren. Es soll orientieren und wachrütteln.

Durch Spenden der Mitglieder konnte das Buch sehr preiswert gedruckt werden. Staffelpreise sollen eine weite Verbreitung ermöglichen. Bitte, sorgen Sie dafür, dass viele Christen diese Programmschrift lesen und weitergeben!

Inhalt des Buches:

  • Wozu dieses Buch?
  • „Gemeinsam widerstehen und Christen in den Auseinandersetzungen um Grundfragen des christlichen Glaubens Orientierung geben“ (Kommuniqué der Gründungsversammlung)
  • Ulrich Parzany: Warum wir öffentlich reden müssen
  • Rolf Hille: Die notwendige Taufe des Hermes – oder: Wie wir zu einer biblischen Hermeneutik kommen
  • Rolf Hille: Warum sich Bibellesen lohnt – Ein Anreiz, das Buch der Bücher aufzuschlagen
  • Postmodernes Denken auch in der Christenheit? – Interview mit Daniel von Wachter
  • Rolf Sons: Wenn Fundamente wegbrechen
  • Rolf Sons: Endzeitlich leben. Dem Anpassungsdruck widerstehen
  • Dirk Scheuermann: Stellungnahme zum Beschluss der Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen zur „Öffentlichen Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren“ vom 20. November 2014
  • Gerrit Hohage: Sagt die Bibel etwas zu heutiger Homosexualität?
  • Mario Wahnschaffe: Homosexuelle Beziehungen in der Antike
  • Ulrich Parzany: 7000 beugten ihre Knie nicht vor Baal!
  • Gemeinsame Erklärung von Verbänden, Hauptamtlichen und Ältestenkreisen zum Beschluss der Badischen Landessynode zur Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften
  • Ulrich Parzany: Bill Hybels – ein Vorbild: Homosexuell empfindende Gemeindeglieder in der Willow Creek Gemeinde, Chicago
  • Ulrich Parzany: Die geistliche Verführung ist gefährlicher als die Verfolgung
  • Bücher, die wir dringend empfehlen

Keine Vergebung möglich?

road-sign-808734_1920Die Frage, was es mit der Lästerung des Geistes auf sich hat, wurde von vielen Christen gestellt. Viele stellten sich zweifelnd die Frage, ob sie selbst diese Sünde begangen haben, oder begehen können.
In einer Predigt habe ich den Versuch gestartet Antworten zu geben, nachzuhören hier:

Einige Stimmen begnadeter Bibelausleger lauten wie folgt zu diesem Thema:

Gerhard Maier (HTA Matthäus):
Der Heilige Geist dagegen kann nur von solchen gelästert werden, denen er sich zuvor offenbart hat, das heißt von denen, die ihn kennen. „Wer als Erleuchteter wissentlich und mit wirklicher Absicht den heiligen Geist lästert, erfährt keine Vergebung“ (vgl. Hebr 6,14ff; 10,28f). Die Pharisäer […]waren gerade deshalb in der Gefahr, die Lästerung des Geistes zu begehen. Erneut halten wir fest, dass Jesus nicht sagt, sie hätten diese Sünde schon begangen. Er warnt nur und wirbt um ihr Verständnis. […]
Die hier handelnden Pharisäer haben sich verfehlt und Jesu Warnung bleibt ernst. Anderseits bleibt für sie die Umkehr offen, weil Jesus „noch nicht das Gericht verhängte, sondern zur Entscheidung rief“

Rudolf Pesch (HTHK NT Markus):
Die Ausnahme bezeichnet angesichts der generellen Vergebungszusage für Gotteslästerung (V 28) offenbar einen einzigartig gravierenden Tatbestand: die verstockte Weigerung, Gottes Handeln in den Zeichen seines heiligen Geistes als dessen Zeichen und sein Handeln anzuerkennen.

William Barclay (Auslegung des Neuen Testaments Matthäus – vergriffen)
Die Sünde wider dem Heiligen Geist besteht darin, Gottes Willen so fortgesetzt abzulehnen, daß er schließlich selbst dann nicht mehr als solcher erkannt wird, wenn er sich in seiner ganzen Fülle offenbart.

Martyn Lloyd-Jones (Gott der Heilige Geist)
Oft sind Christen darüber beunruhigt, dass sie sich dieser Sünde schuldig gemacht hätten. Die Antwort ist folgende: Wenn Sie darüber beunruhigt sind, dann können Sie absolut sicher sein, dass Sie nicht schuldig sind! […]
Wenn Sie also besorgt sind, dass Sie gegen den Heiligen Geist gesündigt hätten und mit Gott und mit Christus im Reinen sein möchten und empfinden, dass Sie sich selbst durch ihre Sünden aus der Beziehung zu Gott gestohlen hätten, […] dann sind Sie nicht nur nicht der Sünde wider den Heiligen Geist schuldig, sondern Sie sind so weit davon entfernt, wie es überhaupt je ein Mensch sein kann.

Paulus – Jude mit Mission: Resümee

Wer einen Überblick über die theologische Forschung zu Paulus lesen möchte, dass leicht verständlich, einen guten Überblick bietet und die Diskussionen und Anfragen an die jeweiligen Positionen fair und sachlich darlegt, dem sei das Buch von Baltes empfohlen.
In seinem Buch liefert er eine gute Darstellung des Lebens von Paulus, geht auf die historische Zuverlässigkeit ein und legt den Stand der Diskussion dar.
Ebenso werden die großen theologischen Fragen, wie die Neue Paulus Forschung, die Frage nach Gesetz und Ethik u.v.m. behandelt.
Sicherlich werden einige Fragen auch sehr kurz behandelt, und man darf manche Themen sicher auch kontrovers diskutieren.
Dennoch bietet dieses Buch aus meiner Sicht eine der besten, allgemeinverständlichen Einleitungen und Übersichten zu Paulus.

Leseempfehlung!

Bisherige Beiträge zu diesem Buch:
Paulus – Jude mit Mission (1)
Paulus – Jude mit Mission (2)
Hatte Schlatter doch recht?
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Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Paulus – Jude mit Mission (2)

In der aktuellen Paulusforschung ist die Frage nach der Rechtfertigung eine der umstrittenen Fragen.
Im Rahmen der neueren Forschung (ab Sanders) gab es immer wieder die These, dass die Rechtfertigungslehre ein Nebenprodukt des Paulus war, die er für seine Missionstheologie brauchte. (Hier der Hinweis noch N.T. Wright sieht sie nicht als ein Nebenprodukt.)
Auf diese Frage geht Baltes auch ein, er schreibt dazu:

In ihrer Sprache und ihren Bildern stehen Jesus und Paulus an dieser Stelle diesen jüdischen Strömungen näher als das rabbinische Judentum. Das heißt aber, dass die Frage „Rechtfertigung des Sünders“ für das Judentum des ersten Jahrhunderts alles andere ist als nur ein „Nebenthema“. […] Es ist ein zentrales Thema für den jüdischen Glauben.

Zum großen Versöhnungstag schreibt er weiter: Die Sünde des Volkes wurden durch das Blut des Opfertieres „bedeckt“ (kippur), und gleichzeitig wurde die „Abdeckung“ (kapporet) der Bundeslade zum Ort der Versöhnung zwischen Gott und Mensch. […] Hier war für Juden der Ort, an dem sie Vergebung der Schuld empfingen […] Das ist daher die jüdische Botschaft von der Rechtfertigung aus Gnade: Denn es war ja keine Gerechtigkeit, die selbst verdient wurde. […]
An dieser Stelle liegt aber nun für Paulus das Zentrum des Evangeliums. Er nennt es „das Wort vom Kreuz“[…]
Die Rechtfertigungslehre des Paulus ist also eine zutiefst jüdische Lehre: Sie ist verankert im Herzen der Tora, in den Vorschriften zum Versöhnungstag, die die Mitte der fünf Bücher Mose bilden.  […] sie ist verankert im Herzen des jüdischen Kalender, in dem der Versöhnungstag der höchste Feiertag ist. […]
Gerade weil die Botschaft von der Rechtfertigung für Paulus nicht einfach nur ein „missionsstrategischer Kniff“ zur Gewinnung der Nichtjuden ist, sondern das Herz seiner Botschaft bildet und zugleich ins Herz des jüdischen Glaubens greift, muss es hier zum entscheidenden Konflikt kommen.

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Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Paulus – Jude mit Mission (1)

In seinem Buch Paulus – Jude mit Mission geht Guido Baltes auch auf die Neue Paulus Perspektive (siehe auch hier) ein.
Er beschreibt seine vier Hauptanfragen folgendermaßen:

  • Gab es den jüdischen „Bundesnomismus“ wirklich?
  • Ist die „Rechtfertigungslehre“ des Paulus wirklich nur ein „Nebenprodukt“?
  • Ist das Judentum wirklich eine ausgrenzende Religion?
  • Hat Paulus wirklich die „Auflösung aller Grenzen“ vertreten?

Zu der ersten Frage kommt Baltes zu folgendem Fazit:
Weder hat die ältere Forschung recht, die dem Judentum ein „sklavisches Lohndenken“ und eine „Werkgerechtigkeit“ unterstellte. Noch hat Sanders recht, der solches Lohndenken völlig bestritt. Scheinbar unterschieden sich hier die jüdischen Lehrer in den Schwerpunkten, die sie setzten. […]
Das Gesetz ist also im Judentum zur Zeit des Paulus bei Weitem nicht nur ein reines „Erkennungsmerkmal“ für die schon aus Gnade Erwählten. Es ist eben auch ein Weg zum Leben und zur Errettung. Und eine Forderung, die es zu erfüllen gilt. Was in der Darstellung von Sanders zu sehr in den Hintergrund tritt, ist die feste Erwartung eines göttlichen Gerichts […] Es ist ein Gericht, in dem der Mensch nach seinen Werken beurteilt wird. Das alles hebelt aber die Gnade Gottes nicht aus, sondern ist mit ihr auf verborgene Weise verwoben: Denn es war seine Gnade, die dem Gesetz vorausging. Und es ist seine Gnade, die uns im Gericht freispricht. in dieser Hinsicht sind sich Paulus und das Judentum also gar nicht so unähnlich.

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Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Einige Evangelikale und Trump

Der Deutschlandfunk berichtet von (tragischen) Verbindungen von Trump und einigen (zu vielen) Evangelikalen im US-Wahlkampf.
Ich bin sicher, dass viele Beispiele nicht auf seriöse Evangelikale zutrifft, peinlich ist es dennoch.
Hier kann die Sendung nachgehört werden:

Benedikt XVI: Letzte Gespräche (2)

Fortsetzung von: Bendikt XVI: Letzte Gespräche (1)

Wann lässt ein Papst schon tief in sein Leben hineinblicken?
Wann spricht er darüber, dass er selbst ein Mensch ist der die Vergebung so dringend braucht? Bendikt XVI berichtet in diesem Buch nicht von sich, als von einem hohen Heiligen. Er reflektiert sein Leben und seine Arbeit nüchtern und selbstkritisch.
Er gewährt Einblicke in seine Kindheit und Jugend. Seine Entwicklung vom Studenten zum Professor, von einem Konzilstheologen und einem, der Weitblick bewies, indem er der Gesellschaft die Gefahr der Heidnisierung deutlich machte.

Ratzinger berichtet auch von seinen letzten Monaten als Papst. Von den Überlegungen die ihn vom Rücktritt überzeugten und er geht auch auf aufkommende Gerüchte ein. Hintergrundinformationen, direkt vom Papst quasi.

Was bleibt bei diesem Buch hängen und was kann für evangelikale Theologen spannend sein?
Auffallend ist, der Papst, bzw. der Papst im Ruhestand, lässt deutlich werden, dass Christus seine Mitte ist. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger legt er keinen Marienschwerpunkt (eine katholische Ansicht scheint er hier dennoch zu haben).
Ebenso ist sein Papst-Verständnis beachtenswert. So müsse der Papst kein Übermensch sein. Er könne auch, wenn die Dinge im Frieden liegen, zurücktreten. Diesen habe er zudem nie bereut.
Benedikt lässt auch in seine Ekklesiologie einblicken. So gehe es nicht ohne die Überregionale Struktur, aber eben auch nicht ohne die Verantwortlichkeit der Ortsgemeinde.
Bemerkenswert halte ich auch seine Abhängigkeit von Christus.
So hält Ratzinger es für unerlässlich Gott um Weisheit zu bitten, ihn immer wieder im Gebet darum anzuflehen und auf ihn zu hören.
Da Ratzinger bei Evangelikalen sehr beliebt ist, muss auch gesagt werden, dass er dennoch kein Evangelikaler ist. Er ist und bleibt katholisch, ebenso seine Theologie. Denoch sind einige Elemente vorhanden in denen er den Evangelikalen näher ist, als viele Theologen des evangelischen Lagers.
Mein Fazit dieses Buches lautet:
In den letzten Gesprächen gibt ein emeritierter Papst offene und persönliche Einblicke in sein Leben und Dienst. Das Buch hilft Ratzinger besser und vor allem als Mensch, zu verstehen. Es zeigt einen reflektierenden Mann, der von seiner Gottesabhängikeit sich getragen sieht.

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, welches von Droemer Knaur freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

 

Benedikt XVI: Letzte Gespräche (1)

Wenn ein Evangelikaler über einen katholischen Papst im Ruhestand schreibt, dann wird das sicher nicht ganz einfach. Schließlich sind Protestanten, zu denen die Evangelikalen gehören, in der Kirchengeschichte selten die engsten Verbündeten gewesen.
Es gab immer wieder Gespräche und Annäherungen, welche für gemischte Reaktionen sorgten.
Ich oute mich vorweg: ein Fan des Vatikans (im kirchenpolitischen Sinne) werde ich wohl nie. Auch gibt es zwischen meiner theologischen Sicht und der offiziellen Lehre der katholischen Kirche unüberbrückbare Differenzen.
Aber ich gebe gerne zu; Benedikt XVI hat mich durch seine Bücher fasziniert.
Durch sein Jesus-Buch wurde deutlich, dass er in einigen Dingen den Evangelikalen näher ist, als es vom einem Papst zu erwarten war.
Auch seine „Aushebelung“ des Fegefeuerdogma (siehe seine Eschatologie) ist bemerkenswert.

All dies macht es für mich spannend diesen Papst näher zu betrachten.
Die Möglichkeit bietet das aktuell erschienene Buch Letzte Gespräche, in dem Ratzinger zusammen mit Peter Seewald über Stationen im Leben des emeritierten Papstes spricht.

Der erste Eindruck ist: der Mann zieht ehrlich und selbstkritisch Bilanz. Ich sehe hier keinen selbstherrlichen Mann, der von sich selbst eingenommen ist, sondern ein Mann der demütig mit den Fragen des Glaubens ringt, der seine Fragen und Zweifel äußert. Ein Mann, von dem ich eine Liebe zu dem Wort Gottes meine zu spüren.

Doch damit möchte ich die Buchbesprechung nicht schließen – wir haben ja noch gar nicht angefangen. Vielmehr werden wir in mehreren Beiträgen verschiedene Stationen des Lebens Ratzingers anschauen; erst dann und nicht früher soll ein Fazit gezogen werden.
In diesem Sinne gilt; es geht weiter. (Teil 2 der Buchbesprechung ist hier zu lesen)

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, welches von Droemer Knaur freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

 

Schlatter: Das Verhältnis von Religion und Philosophie I

Vorlesungen von Adolf Schlatter wurden neu Veröffentlicht. Diese wurden in seiner Zeit in Bern gehalten.
Herausgegeben wurde das Buch von Harald Seubert (STH Basel) mit der Mitarbeit von Werner Neuer (TSC Chrischona).

Verlagstext:

Der bedeutende Exeget und Systematiker Adolf Schlatter (1852-1938) hat in seinem Frühwerk tiefgründig und eigenständig über das Verhältnis von Theologie und Philosophie, Glaube und Vernunft nachgedacht. Ausgehend von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem katholischen Philosophen Franz von Baader (1765-1841) entwickelt er in dem hier veröffentlichten Nachlasstext eine klare und knappe Auseinandersetzung mit der gesamten neuzeitlichen Philosophie. Sie ist zugleich ein überraschend frischer und aktueller Beitrag zu den Grundlagen ökumenischer Verständigung.

Der Leser lernt Schlatter von einer neuen, unerwarteten Seite kennen und wird zugleich Zeuge eines theologischen Ansatzes, der alles andere als überholt ist.

20 Dinge für jugendliche Christen

Auf dem Blog von Hanniel Strebel habe ich einen teilenswerten Post gefunden: „Kolumne: 20 Dinge, die ich jedem jungen Christen sagen würde“.
Da diese Punkte top sind, hier ein Reblog.
P.S. Danke Hanniel! 🙂

Zum Ausgangspunkt und Ziel unseres Seins

  1. Gott hat uns geschaffen, wir gehören darum ihm und sind ihm zur Rechenschaft verpflichtet.
  2. Wir leben jeden Moment vor dem Einen Zuschauer.
  3. Vertrauen in Gottes Souveränität und mutiges Zupacken sind Zwillinge.
  4. Vergiss nie die Folgen des Sündenfalls. Sie begleiten uns bis zum Tod.

Geistliches Leben

  1. Tägliche Gewohnheiten einzurichten benötigt Ausdauer und bedeutet Kampf! Wir lernen diese Gewohnheiten auf die gleiche Weise, wie wir auch anderes lernen: Durch Wiederholung und Gewöhnung.
  2. Geistliche Disziplinen umzusetzen darf darum keine Gefühls-basierte Entscheidung sein („ich tue es, wenn ich Lust dazu verspüre“).
  3. Gebet ist die vornehmste Art der Dankbarkeit.
  4. Kein Interesse an der Bibel zu haben bedeutet kein Interesse an Gott selbst zu haben.

Sexualethik

  1. Wir müssen davon ausgehen, dass auch wir Christen relativistisch denken gelehrt haben. Das hebt Gottes gute Ordnung nicht auf.
  2. Es gibt Singles (und auch Verheiratete), die auf die sexuelle Erfüllung verzichten müssen.
  3. Männer, übernehmt Verantwortung! Frauen, lasst euren Männern Raum zum Führen und Entscheiden.
  4. Bitte jeden Tag um Schutz vor der Falle der Pornografie.

Unsere Nachbarn sind religiös

  1. Die meisten unserer Nachbarn sind westlich-säkular religiös.
  2. Ihr Hauptdogma lautet: Werte sind relativ. Das gilt für alles außer für die Behauptung einer absoluten Wahrheit.
  3. Auf die Frage nach dem Lebensziel antworten sie indirekt durch ihr Leben: „In Übereinstimmung mit meinen Wünschen leben.“

Konsumgesellschaft

  1. Ablenkung durch Zerstreuung ist eine Scheinlösung.
  2. Wir suchen uns ständig zu betäuben – durch Sex, Medien und mit Rauschmitteln.
  3. Vergeude deine besten Jahre nicht im Ausgang.

Gemeinschaft

  1. Werde verbindlich Mitglied in einer Gemeinde. Dies ist Gottes Platz für jeden Christen.
  2. Lade Ausländer zu dir nach Hause ein und teile das Evangelium mit ihnen.

Hatte Schlatter doch Recht?

Ich arbeite zur Zeit das neue Paulus Buch von Guido Baltes durch.
Er  skizziert die Entwicklungen der aktuellen Paulusforschung in groben Zügen.
Auf Adolf Schlatter kommt er zu sprechen, da dieser sich bemühte Paulus und Jesus mit dem Judentum zusammenhalten zu wollen. Damals wurde er, so Baltes, von seinen Kollegen nur müde belächelt. Heute muss man zugeben: Schlatter hatte doch Recht.
Baltes zitiert Peter Stuhlmacher wie folgt:

[Damals] konnte man dies belächeln und als unwichtige Einzelmeinung beiseiteschieben. Heute können wir dies nicht mehr. Wir müssen vielmehr zugestehen, dass Schlatters Sicht die historisch bessere und wegweisende war und ist. Mag Schlatters Exegese im Einzelnen zu undifferenziert und konstruiert sein, seine Gesamtperspektive bleibt richtig, und das will nach fünfzig Jahren Paulusforschung, die mittlerweile ins Land gegangen sind, schon was heißen!

Neu-Erschaffung oder Verwandlung

Eine spannende Frage bzgl. des vollendeten Reiches Gottes, betrifft die neue Erde und den neuen Himmel.
Aus meiner Sicht waren die Argumente für eine komplette Verwandlung, oder Transformation der Erde die besseren und ich vertrete diese Sicht immer noch.
In einer Einleitung in die Theologie des Alten Testaments (Koppelin: Gott sucht den Menschen) habe ich folgendes Zitat gefunden, welches eine andere Sicht vertritt:

Das hebräische Wort für schaffen ist hier wie in Gen. 1,1 bsr. Die neue  Welt ist also keine Reparation der alten. Gott schafft etwas vollständig Neues. Das NT entfaltet diesen Gedanken vor allem in der Offenbarung (21,1ff; vgl. 2.Pt. 3,13). Worte über das Gericht und das Ende der Erde finden sich auch in Jes. 24-27. Doch eine Aussage dieser Klarheit über eine neue Schöpfung findet sich sonst im AT nicht.

Was gegen die Angst vor Flüchtlingen hilft

Prof. Paul von Zulehner war an der TH Ewersbach und hat zu diesem Thema referiert.
Hier der Bericht von der TH:

Mit Prof. Paul M. Zulehner hatten wir einen der bekanntesten Religionssoziologen Europas bei uns zu Gast. In der öffentlichen Vorlesung am Nachmittag befasste sich Prof. Zulehner vor 90 Hörern mit der Frage „Welche Kirche braucht die Zukunft?“ Der Vortrag zur Flüchtlingsthematik am Abend war von 220 Zuhörern besucht.

Prof. Zulehner – Vorlesung am Nachmittag.mp3 (Einleitungsteil fehlt)

 

Prof. Zulehner – Abendvortrag.mp3

 

Westeuropa, so Zulehner, lebe spätestens seit der Finanzkrise in einer Kultur der Angst. Amerika sei schon mit den Anschlägen vom 11. September 2001 davon erfasst. Dagegen stehe der Kontinent der Hoffnung mit China, Indien und Japan – „das sind Menschen, die etwas erreichen wollen“ –, wobei diese Hoffnung auf die Bevölkerung, nicht aber auf die Regierungen zutreffe. In der arabischen Welt wiederum herrsche das Gefühl vor, vom reichen Westen gedemütigt zu werden.

In dieser politischen Großwetterlage habe die große Flüchtlingsbewegung eingesetzt und die bereits bestehenden Ängste weiter verstärkt. In einer Studie mit 3000 Befragten reagierten nur 26 Prozent mit Zuversicht auf diese Bewegung, 53 Prozent zeigten sich besorgt und 17 Prozent äußerten eine klare Ablehnung.

Es sind vor allem soziale Abstiegsängste, die Furcht vor sinkendem Wohlstand, zu dem nun die Angst komme, die Flüchtlinge könnten als billige Arbeitskräfte eine zusätzliche Konkurrenz bilden. Ergänzt werde dies durch biografische Ängste, etwa vor dem Tod oder dem Verlust eines Angehörigen. Die dritte Form von Angst sei die, zu kurz zu kommen. Das Leben werde als letzte Gelegenheit begriffen, die übersteigerte Suche nach dem Glück auf dieser Erde führe zu einem permanenten Konkurrenzdenken und einem hohen Zeitdruck.
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Sklavenhändler-Paradies Deutschland

Als Boko Haram im April 2014 200 Schülerinnen entführte, droht deren verrückter Chef, sie als Sexsklavinnen zu verkaufen. Damals dachte ich, dass sei sicher nicht so leicht. Wir haben doch keine Sklaverei mehr – oder doch?
Aber in Deutschland ist das doch bestimmt kein Problem. Wir sind doch schon so weit entwickelt.
Von wegen. Deutschland in ein Umschlagplatz für den Sklavenhandel in Europa.
Einer der Gründe ist, dass wir das idiotischste Prostitutionsgesetz haben, das man sich vorstellen kann. Wir schützen nicht die versklavten Frauen, wir schützen die Verbrecher, die sie verkaufen, täglich im Bordell vergewaltigen lassen – anders kann man das ja nicht nennen, die machen es ja nicht freiwillig und schaffen so die besten Voraussetzungen für die Menschenhändler.
Vor 2 Jahren habe ich in meinem Norwegen-Urlaub das Buch „Sklavenmarkt Europa“ gelesen. Geschrieben wurde es von einem Journalisten Michael Jürgs. Der Urlaub war zwar schön, aber das Buch hat für ziemliche Schockerlebnisse gesorgt. Mit Menschenhandel werden jährlich mehr Milliarden verdient als mit dem Drogenhandel. Frauen werden für ihr ganzes Leben kaputtgemacht. Die Verbrecher fangen an bereits in Kinderheimen nach ihrem Opfern zu suchen, sie locken Teenager mit falschen Versprechungen nach Europa. Die meisten ihrer Sklavinnen stammen aus Osteuropa und Nigeria. Und die Lebenserwartung dieser Sklavinnen liegt bei ca. 33 Jahren.
Ich verzichte bewusst darauf Details zu nennen. Als ich gelesen habe, wie diese Menschen gequält werden, sowohl von ihren Freiern als auch von den Sklavenhaltern, hab ich ein Brechreiz bekommen.
Das alles findet in Deutschland statt.
Es ist eine Schande für unser Land und für unsere Regierung, das sie soetwas zulässt.

Das ist übrigens nicht die einzige Form der Sklaverei in Deutschland. Bevor ich die theologische Laufbahn eingeschlagen habe, war ich noch bei einer Krankenkasse angestellt. Ich hatte mein Büro in einer Innenstadt. Regelmäßig habe ich dort Menschen aus Osteuropa betteln gesehen. Alle auf eine ähnliche Weise. Als ich das Buch Sklavenmarkt Europa gelesen habe, ging es auch darum. Menschen werden gerade aus Osteuropäischen Ländern hierhergebracht damit sie betteln. Das Geld bekommen nicht sie, sie müssen es abgeben. Oder sie werden zum stehlen gezwungen und wer von ihnen nicht genug zusammenbekommt, dessen Körper wird auf dem Straßenstrich verkauft.

Zum Glück wird niemand an Gott vorbei kommen.
Können wir überhaupt etwas tun? Kann ein Einzelner etwas machen, oder wir als Gemeinde, oder als Christenheit in Deutschland, z.B. als Evangelische Allianz? Können wir der Regierung, verzeihung so in den Hintern treten, dass sie diese Gesetze ändert, Prostitution verbietet, die Frauen befreit, die Händler einsperrt und Freier bestraft, wie es z.B. schon in Skandinavien läuft?
Ich habe nicht die Antwort.
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Bibelkritik bei Evangelikalen und Postevangelikalen

Heute bin ich auf einen Beitrag von Holger Lahayne gestoßen. Er bespricht einen Vortrag von Siegfried Zimmer.
Es ist zugegebenermaßen nicht das erste mal, dass ich hier etwas zu Zimmer poste (sieh hier). Viele seiner Vorträge habe ich gehört und auffallend ist m.E., dass er sehr großen Wert darauf legt, die Evangelikalen zu beeinflussen, oder genauer auch die progressiven Kräfte, bei Evangelikalen zu stärken (so im Hossa-Talk Gespräch). Aber genug der Vorrede, hier einige Ausschnitte aus dem Beitrag Krebsverdacht, es sei empfohlen das Orginal durchzulesen.

Gleich in der ersten Viertelstunde mangelt es nicht an Kritik der „konservativen“ theologischen Blickrichtung – Zimmer Ausdruck für den evangelikalen Hauptstrom. „Die moderne Bibelwissenschaft ist nicht konservativ“, stellt Zimmer recht kategorisch fest, um gleich darauf dennoch zu präzisieren: nur eine Minderheit der theologischen Gelehrten ist konservativ und will Dinge „zurückdrehen“. Er selbst habe sich zum Glück aus diesem „Korsett“ des konservativen Denkens herausentwickelt.
[…]
Zimmer tut so, als wollten diese Frommen das erste Jahrhundert kopieren bzw. 1:1 abbilden. Was Christen schon immer taten und bis heute tun, ist die Anwendung der biblischen Normen, Prinzipien, Vorgaben usw. in unserer Zeit. Zimmer reißt hier Gräben auf, die so gar nicht existieren. Auch evangelikale Theologie berücksichtigt natürlich den historischen Wandel! So ist das Verhältnis von Mann und Frau heute zweifellos ein anderes als in der Antike. Der Knackpunkt ist dabei einfach dieser: Gibt es in der Bibel Normen, die mit Autorität an uns herantreten? Hier einfach den historischen Wandel aus dem Zylinder zu ziehen, hilft nicht weiter. Das Eheleben hat sich so gewandelt, dass in vielen modernen Gesellschaften jede zweite Ehe geschieden wird. Dies ist in Theologie und Ethik, Predigt und Seelsorge natürlich zu berücksichtigen. Aber noch immer lehren und verkündigen die Christen, dass Gott – laut Bibel – will, dass Mann und Frau ein Leben lang zusammenbleiben. Würde Zimmer so jemand nun „das ist wohl granatendoof!“ entgegenschleudern?
[…] Weiterlesen

Taufauschub für Kinder

In seiner Theologie des Neuen Testaments (II) schreibt Ferdinand Hahn über die Kindertaufe und seine Zweifel an ihre Ausführung in einer post-christlichen Gesellschaft:

Die grundsätzliche Berechtigung einer Kindertaufe bedeutet zweifellos nicht, daß die bisherige kirchliche Praxis unreflektiert weitergeführt werden kann; angesichts der weitgehenden Entchristlichung ist im Blick auf die gegenwärtige Situation mit der Kindertaufe sehr zurückhaltend zu verfahren und nach den familiären und gemeindebezogenen Voraussetzungen zu fragen. Hier wäre in neuer Weise die Praxis eines Taufaufschubs zu bedenken.

Als ein Vertreter der „Gläubigentaufe“ kann ich diese Entwicklung nur begrüßen.
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Planen mit Vision

Wir Christen haben den Auftrag der Welt Gott groß zu machen. Dazu brauchen wir Ziele und Visionen.
Rick Warren nennt in einem Vortrag 8 Fragen die man sich bei Visionen stellen soll.

Noch einmal eine Zusammenfassung der Fragen:check-off-1345864_1920.png

  1. Was gebe ich auf (vom toten Pferd absteigen und nicht versuchen es lebendig zu peitschen)?
  2. Welche Kooperationen/Mitarbeiter habe ich?
  3. Welche vorhandenen Dinge kann ich zu etwas neuem kombinieren (alt + alt = neu)?
  4. Was kann ich weglassen, um das Ziel einfacher zu erreichen?
  5. Gibt es etwas vorhandenes, was nur wieder neu belebt werden braucht (vgl. im Kontrast dazu Frage 1)?
  6. Kann ich eine bestehende Handlung mit einem neuen Ziel und Motivation füllen (z.B. nichtchristliche Aktionen aus christlichen Motiven)?
  7. Was muss ich mit anderen Augen sehen – wo erkenne ich den Handlungsbedarf?
  8. Wie kann ich für andere für mein Vorhaben mobilisieren, faszinieren und begeistern?

How to kill your Pastor

crime-64067Tyler Saldaña hat einen Beitrag veröffentlicht, wie man am besten seinen Pastor „killt“.

  1. Criticize them. Proverbs 18:21 tells us that our tongue has the power of life and death. Instead of encouraging your pastor who probably works more hours than any other person you know for far less compensation than they deserve, while carrying the mental and emotional burdens of all whom they shepherd, why not use your words to criticize every single thing that they do?
  2. Expect a lot from them. I recently walked into a position that, to be brief, has countless traditions and habits, some good and some not so good. For many leaders, these expectations can be overbearing, distracting and draining to say the least. I know many in ministry who have found these expectations to be unbearable and spiritually crushing. Instead of just expecting them to preach the bible, make disciples, shepherd and love people, why not quench your pastor’s passion, vision and creativity by expecting that they fill a hole that isn’t their size?
  3. Demand for him to be Jesus. If he isn’t perfect, crucify him. Oh wait, they did that to our perfect Jesus, too, didn’t they? The bottom line is this: demand him to be a sinless person. If they’re anything short of perfection, get rid of them.
  4. Voice your dissatisfactions to everyone. I’m pretty sure that James refers to this as gossip but it’s okay; it’ll be our little secret. Tell your kids over dinner. Share it with your friends at the coffee shop. Post it all over their Facebook. Start a small group that meets to discuss the dissatisfaction that each of you have with your pastor. The more people that you get involved, the more your pastor’s leadership will diminish.
  5. Make them work more hours than there are in a week. Countless early mornings and late nights, ministry meetings and events, retreats and camps. If you can think of any more ways to ensure that your pastor works more hours than the average full-time employee, do it.
  6. Pay them next to nothing. Require at minimum a bachelor’s and master’s degree from them, acquiring for them at least six figures in debt. Then, offer them a salary package that not only prohibits them from actually living in the city that you’ve asked them to minister in, but also forces them to struggle paying the debt that they accrued for themselves by seeking to meet your education requirements.
  7. Don’t give them a mentor. Every leader needs affirmation, development and accountability amongst others. Deprive them of that.
  8. Withhold grace. If they mess up, don’t treat them the way that God treats us. Scold them. Remind them how jacked up they are. Make sure they never forget their mistakes.
  9. Strip them from their families. God calls them to be spouses and parents before they are called to be pastors; make sure that their schedule interferes with every possible time that they could interact and spend time with their spouse and family. If they haven’t seen their spouse all week, make sure their calendar is full. If their kid has a soccer game or recital, make sure they’ve got a meeting.
  10. Don’t consider their feelings at all. Yes, they are created in God’s image. Yes, they are your sibling in Christ. But not, you shouldn’t treat them that way. Their feelings should have no value nor consideration when it comes to how you treat your pastor.

Offener Brief von Christian Troll und Thomas Schirrmacher an Aiman Mazyek

Christian Troll und Thomas Schirrmacher haben einen offenen Brief an Aiman Mazyek (Zentralrat der Muslime) geschrieben. Auslöser war die Warnung Mazyeks vor „agressiver Mission“.
Da ich mich hinter diesen Brief stelle, wird er hier angeführt:
————————————-

Lieber Herr Mazyek,

Wir kennen uns als gemeinsame Streiter für die Glaubensfreiheit in Deutschland, für Christen wie für Muslime. Wir Unterzeichner setzen uns für die Freiheit aller Religionen und Weltanschauungen ein, wie sie unsere Verfassung und die freiheitlich-demokratische Grundordnung unwiderruflich definieren. Das schließt natürlich ein, dass auch Muslime ihren Glauben in Deutschland im Rahmen der Gesetze frei ausleben dürfen, was den Bau von Moscheen einschließt. Sie sagen es ja deutlich: „Die Glaubensfreiheit ist ein Grundrecht.“

Zugleich sind wir Unterzeichner aber auch für ‚Mission‘, das heißt, dass jeder Bürger seine Religion und Weltanschauung öffentlich verbreiten und anderen Mitbürgern empfehlen und mit ihnen darüber frei und ungehindert diskutieren darf, und zwar friedlich, respektvoll, unter Beachtung aller anderen Menschenrechte und ohne Ausnutzung von Abhängigkeiten. Deswegen treten wir für das Recht der Mission für Muslime und Christen, Humanisten und Atheisten, Zeugen Jehovas und Bahai und für alle anderen ein. Da Sie selbst ja immer wieder werbend für Ihren Glauben eintreten, ist offenbar auch für sie ‚Mission‘ ein Bestandteil der Religionsfreiheit. Und Sie verwerfen ja nur „aggressive“ Mission, wohl nicht Mission an sich. Weiterlesen

Zitat der Woche: Vergebung

Gerade weil Vergebung Vergebung ist und nicht einfach nur Toleranz, muss sie mit einer unmissverständlichen Ablehnung gegenüber jeglicher Form von Sünde einhergehen, ganz gleich, ob es sich nun um Gewalt handelt oder um Vorurteile oder Boshaftigkeiten, egal, ob es sich nun um Stolz handelt oder Gier oder Lust oder irgendetwas anderes von den Dingen, die Gottes gute und schöne Schöpfung entstellt und korrumpieren.

N.T. Wright in Überrascht von der Bibel

Wenn Flüchtlinge Christen werden

Das Erste veröffentlichte einen Beitrag mit dem Titel Abschied vom Islam – Wenn Flüchtlinge Christen werden.

„Halleluja!“, will er rufen, doch seine Stimme versagt – vor Rührung und Freude und weil das Wasser des Hamburger Stadtparksees so kalt ist. Gerade wurde Ramin getauft, ein junger Afghane, geboren als Muslim. Jetzt ist er Christ. In seiner Heimat kann ihm dafür der Tod drohen. Doch nicht nur Ramin ist entschlossen: 80 weitere ganz in weiß gekleidete Täuflinge warten am Ufer darauf, dass sie endlich in den See eintauchen und mit ihrem alten Leben abschließen können.[…]

Mehrere hundert Flüchtlinge will Pastor Albert Babajan von der persischsprachigen Pfingstgemeinde in diesem Jahr taufen. Taufen gibt es nicht nur in den Freikirchen. Auch landeskirchliche Gemeinden melden, dass immer mehr Flüchtlinge um die Taufe bitten. Eine Entscheidung mit ernsthaften Konsequenzen

Quereinsteiger als Pastor?

reading-297450_1280Auf evangelisch.de erschien ein Artikel über die Möglichkeiten des Quereinstiegs in das Pfarramt:

In der Mitte des Lebens sehnen sich viele nach Sinn und wollen beruflich nochmal neu starten. Pfarrer, Pfarrerin werden – das wär’s! Predigen und Gottesdienst feiern, taufen und trauen, den Menschen beistehen. Aber nochmal zurück an die Uni? Ein Quereinstieg in den Pfarrberuf ist auch per Fern- oder Teilzeitstudium möglich, das Vikariat aber noch nicht in allen Landeskirchen.[…]

Der Bedarf an Pastoren ist aber nicht nur in den Landeskirchen groß.
Viele Freikirchen können ihren Bedarf kaum noch decken.
Welche Möglichkeiten haben Personen, die in Freikirchen Pastor werden wollen um quereinzusteigen?
Es gibt einige Ausbildungsstätten die dies berufsbegleitend ermöglichen.

Hier meine Empfehlungen:

Martin-Bucer Seminar
Wer bereits eine Anstellung in Aussicht hat oder nicht mehr als Teilzeit studieren kann/möchte, dem kann ich das MBS empfehlen.
Der Unterricht findet hauptsächlich an den Wochenden statt, oder unter der Woche Abends über eine Videokonferenzplattform.
Das akademische Niveau ist gut.
Wer am Bucer-Seminar anfängt muss sich im klaren sein, dass viel im Selbststudium zu absolvieren ist.
Das Bucer-Seminar hat mehrere Studienzentren. Die Standorte sind Deutschlandweit verteilt.
Abschluss: Bachlor of Theology, Master of Theology, u.a.

Bibelstudienkolleg
Am BSK kann man sowohl Vollzeit oder auch Teilzeit studieren.
Der Standort ist in der Nähe von Stuttgart.
Der Unterricht findet sowohl unter der Woche, als auch teilweise Abends oder am Wochende statt.
Die Stärken des BSK sehe ich in ihrem guten akademischen Niveau, einer an der Bibel orientierten Theologie, ihrer theologischen Breite und in der Flexibiliät im Bezug auf der Planung des Studiums.

FTH Gießen
Vorab: Im Gegensatz zu den beiden Oben genannten Ausbildungsstätten, kenne ich die FTH nur vom Papier und von Veröffentlichungen ihrer Professoren.
Mein Eindruck ist, dass sie empfehlenswert ist, für diejenigen, welche Vollzeit und in fünf Jahren zu einem Master of Theology kommen wollen.
Stärken sind ihr sehr gutes akademisches Niveau.

Nicht empfohlen werden:

  • Ausbildungstätten welche zwar ein sehr gutes Marketing haben, im deutschsprachigen Raum verteilt sind, aber ein eher mangelhaftes akademisches Niveau haben und teilweise zu liberale Dozenten beschäfftigen
  • Ausbildungstätten, an welche bibelkritische Ansichten (oder auch nur eine gemäßigte Bibelkritik) gelehrt werden und die Inspiration der Bibel nicht anerkannt wird.

 

Zitat der Woche: Mit Gottes Geist unterwegs sein

Der große Theologe Adolf Schlatter schreibt zu der Aussage in Galater 5,16 (ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen.)

Im Glauben an Jesus ist der Geist in uns lebendig geworden. Der Geist Gottes erfasst unser inneres Leben; er erleuchtet unser Denken und erweckt unseren Willen. „Geh nun! Geh dahin,“ sagt Paulus, „wohin der Geist dich leitet! Bleibe nicht unbeweglich liegen, wenn du doch im Licht des Geistes in deinem Inneren siehst, was recht und gut ist, wenn doch, vom Geist bewegt, der Trieb des Herzens sich danach streckt! Bewege dich nun, wie der Geist dich bewegt; wolle nun, weil und wie der Geist in dir das Wollen schafft!“ Den Geist haben macht es noch nicht, sondern der Leitung des Geistes folgen und den reinen Trieben des Glaubens und der Liebe gehorchen, das ist die Lösung unserer Aufgabe als Christen. Das ist das Große am apostolischen Evangelium und sein Unterschied von der Gesetzespredigt, dass der Apostel uns ein Heiliges und Göttliches zeigen kann, das uns innerlich wirksam nahe ist, von dem wir uns leiten lassen dürfen in der gewissen Zuversicht, dass es uns sicher auf den Weg Gottes führt.

Sobald wir gehen, weil der Geist uns lenkt, sind wir vor uns selbst gesichert. Unsere natürliche Art bleibt dieselbe, wie sie von unserer Geburt her uns eigen ist, und aus ihr entstehen mancherlei Begehrungen. Wir können ihre Wurzel nicht abschneiden; denn sie hängen unlöslich mit unserer Naturgestalt zusammen. Wir können nicht geehrt werden, ohne dass uns die Überhebung nahetritt, nicht Unrecht leiden, ohne dass der bittere Zorn sich regt, usw. Und dennoch sind wir gegen unsere eigene Begierde geschützt und von ihr frei gemacht. Denn der Geist führt unser Trachten auf eine andere Bahn als das Fleisch. Da findet dessen Begierde bei uns keine Aufnahme mehr, so dass wir in ihren Dienst träten und ihr zur Vollendung hülfen. Sie fällt unfertig dahin, beiseite geschoben durch den Trieb des Geistes.

Buchbesprechung: Überrascht von der Bibel

1463054058-342824Vorab: Mein Verhältnis zu N.T. Wright ist nicht ganz einfach. Auf der einen Seite habe ich die letzten Jahre sämtliche Bücher, Artikel und Kommentare, ganz oder teilweise von ihm gelesen. Gleichzeitig gehöre ich zu dennen, die einige Aspekte seiner Theologie kritisch hinterfragen und einige seiner Thesen (z.B. die NPP) in weiten Teilen ablehnen.
Trotz all dessen muss ich bekennen, dass seine Bücher mich immer wieder faszinieren. Der Grund ist, dass Wright es schafft Denkmodelle, die in der modernen Bibelwissenschaft unreflektiert vorausgesetzt werden, begründet zu hinterfragen, traditionelle Ansichten auf ihre „Bibelfestigkeit“ prüft und mich als Evangelikalen theologisch herausfordert und zum Nachdenken anregt.
Aber genug der Vorbemerkungen! Das Buch ruft, wir wollen sehen wie Wright von der Bibel überrascht wurde!

Wer sich ein homogenes Buch gewünscht hat, der wird enttäuscht.
Wright hat nicht den Anspruch ein einheitliches Buch vorzulegen. Es ist vielmehr die Sammlung verschiedener Aufsätze. Teilweise überschneiden sich die Themen, aber nur teilweise.
Wright beginnt mit Themen über Wissenschaft, Schöpfung und dem historischen Adam. Er kommt auf das Thema der Frauenordination zu sprechen, auf Fragen der Endzeit, auf das Böse in der Welt und auf die Zeitepoche der Moderne. Jedes dieser Themen behandelt er einzeln.
Da alle Kapitel in sich selbst geschlossen sind, ist die Bewertung auch davon abhängig.
Ich möchte drei Kapitel hervorheben, die ich als am lesenswertesten kennzeichnen möchte.

Platz 1: Wie die Bibel die moderne Welt versteht
Hier schafft Wright es, die Denkrichtung, die seit der Aufklärung unsere Gesellschaft, aber auch die Apolegetik prägt im Epikurismus zu verorten und zu „entschleiern“. Er schafft es auf eine großartige Weise die negative Abhängigkeit mit ihren Vorentscheidungen einem vor Augen zu führen (siehe auch diesen Beitrag).
Platz 2: Jesus kommt wieder – pflanze einen Baum!
Endzeit! Ein Reizthema. Ein Thema voller Spekulationen.
Man muss in diesem Kapitel nicht in allen Punkten mit Wright einig sein.
Lesenswert bleibt es alle male. Er zeigt viele nachdenkenswerte Ansichten zum Thema Entrückung, über den Neuen Himmel und die Neue Erde, sowie über die Schöpfung auf. Ein Beitrag der motiviert, weiter zu forschen, diskutieren und sich überraschen zu lassen.
Platz 3: Der 11. September, Tsunamis und das neue Problem des Bösen
Wie kann ein guter Gott Leid zulassen…
Der Fels des Atheismus. Wright geht von einer ganz anderen Seite heran. Er sieht die bisherige Diskussion als zu stark von „falschen“ Denkrahmen geprägt.
Seine Antwort, oder sein Antwortversuch, geht eine andere Richtung. Wright antwortet mit dem Kreuz. Irgendwie erinnert es mich an Moltmanns „Der gekreuzigte Gott„, aber nur irgendwie. Das Kapitel lohnt es sich zu lesen!

Zu den anderen Kapiteln möchte ich nicht viel schreiben. Ein Bild kann sich jeder Leser selbst von ihnen machen.

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Zitat der Woche: Bibelkritik

book-283248_1920Meine hochgeschätzten Freunde, die N.T. Wright nicht so schätzen, bitte ich um Nachsicht. Wieder ist ein Zitat der Woche von ihm. Diesmal zum Thema Bibelkritik.

Im Gegensatz zur landläufigen Annahme handelt es sich bei der modernen Bibelkritik um keine neutrale, objektive Forschung. Vom ersten Moment an bestand die treibende Kraft dahinter nicht in dem Wunsch zu verstehen, sondern im Wunsch zu reduzieren, darin, die Bibel in die Form zu pressen, die ihr von der dominierenden aufgeklärten Weltanschauung zugestanden wurde. Das Problem ist, dass sogar die konserativen Forscher, die die Bibel gegen diese Art von Angriffen verteidigen wollen, das ebenfalls auf dem Hintergrund desselben geteilten Weltbildes tun. So verteidigen sie die Wunder und Gottes Handeln in der Welt auf eine Weise, dass man beihnahe an eine Invasion denken muss – an einen Gott, der normalerweise außerhalb der Prozesse der geschaffenen Ordnung steht und nun eingreift, etwas aus seiner Trickkiste zaubert und dann wieder verschwindet. Doch diese Vorstellung hat nur sehr wenig mit dem Gott der Bibel zu tun.

N.T. Wright, Überrascht von der Bibel, S. 180-181.

Dieser Beitrag basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir vom Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

Francis Schaeffer und die Bibel

In den Ressurcen von E21 findet man einen Artikel mit 10 Fakten über Francis Schaeffer.

Hier ein kurzer Ausschnitt über seine Sicht über die Bibel:

Die Bibel war für seine Weltanschauung von zentraler Bedeutung.

Francis A. Schaeffer (1912–1984) kam mit 17 Jahren zum Glauben an Jesus Christus, nachdem er zum ersten Mal die Bibel vollständig durchgelesen hatte. Er war ein heller Kopf und hatte deshalb schon als Teenager viele Fragen über das Leben, merkte aber auch, dass die philosophischen Bücher ihm dabei nicht helfen konnten. Die Überzeugung, dass die Bibel grundlegende Antworten auf grundlegende Fragen enthält, sollte sein ganzes Leben und seine Arbeit kennzeichnen. Der Leitspruch in der Lebensgemeinschaft L’Abri war: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht“ (Römer 1,16). Er verteidigte die Irrtumslosigkeit der Schrift gegenüber jedem Ansatz vergeistlichender Hermeneutik.

 

Semignostizismus

In seinem Buch „Überrascht von der Bibel“ beschreibt N.T. Wright was er heute unter einem Semignostizismus versteht:

Unser Problem besteht darin, dass wir ein fundamental falsches Verständnis des Begriffes Reich Gottes haben. Wir glauben, damit sei ein Ort gemeint, wohin Gottes Leute nach ihrem Tod gehen, verstehen darunter aber nicht die Herrschaft des Himmels, also dass Gott über die Erde regiert. Dies hat dazu geführt, dass über Jahrhunderte gedacht wurde, beim Christenum ginge es schlichtweg darum, „Nach dem Tod in den Himmel zu kommen“. Das wiederrum bewerkte, dass die Gemeinde, ofgt gerade die sehr fromme Gemeinde, ohne es zu merken in einer Form des Semignostizismus verharrte, indem sie die gegenwärtige Welt als grundlegend schlecht betrachtete und das Ziel der Erlösung darin sah, aus der Welt zu entkommen.

Weitere Ausführungen zum Theam Reicht Gottes sind meinerseits hier zu finden.

Die Anpassung der Evangelikalen

Mein ehmaliger Lehrer Armin Mauerhofer, wurde von Idea interviewt.
Er redet mit Idea über die Lage der Freikirchen, die historisch-kritische Methode  und die Anpassung der Freikirchen:

Es sind in der Theologie zwei Systeme, die aufeinanderprallen. Hier die ganz klare bibeltreue Haltung, dort die historisch-kritische Methode. Ich hatte im Studium in Bern den Eindruck, dass man sehr oft aneinander vorbeiredete. Ich habe von der Bibel her argumentiert und die Dozenten haben von der historisch-kritischen Methode herkommend die Bibel und damit das, was ich sagte, in Frage gestellt. Ich war nicht bereit, diese Methode zu akzeptieren und stand demzufolge ausserhalb des vorgegebenen Denkrahmens. […]

Ich habe Angst, dass die Evangelikalen statt die Auseinandersetzung die Anpassung suchen. Man sucht die Anpassung etwa in den Fragen des Frauenpastorats, der Homosexualität, des vorehelichen Geschlechtsverkehrs, der Scheidung und Wiederheirat. Die Bibel vertritt in all diesen Bereichen klare Standpunkte. Die Evangelikalen passen sich aber immer mehr an. Wenn ich zum Beispiel im Bereich des Frauenpastorats nach wie vor die Auseinandersetzung suche, werde ich verachtet. Man gibt mir zu verstehen, dass ich ein „Ewig-Gestriger“ sei.

Lese-Empfehlungen Sommer

Der Sommer kommt mit großen und regnerischen Schritten auf uns zu.
Höchste Zeit für einige Lesempfehlungen für die Zeit am Strand, im Sofa oder in der Berghütte.
Von den Büchern die ich dieses Jahr gelesen habe, sind diese meine Sommer-Empfehlungen:

  1. Gott beim Wort nehemen – Kevin DeYoung

2. People to be loved – Preston Sprinkkle

3. Die Auslegungspredigt – David Helm

4. Verantwortlich leben – Tim Geddert

5. Der Besuch – Adrian Plassbook-1291164_1280

 

Zimmer: Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?

9783525573068Siegfried Zimmer beeinflusst durch Worthaus immer mehr die Evangelikalen. Er vertritt in vielen Punkten klassisch liberale Haltungen (z.B. im Bibelverständnis, in der Sexualethik, etc.)
In seinem Buch Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? legt er Grundzüge seines Schriftverständnis dar.
Das Buch führte zu einer Diskussion mit dem Giessener Neutestamentler Armin Baum. Dies ist unter folgenden Links nachzulesen: Baums Buchbesprechung, Zimmers Antwort, Baums Antwort.
Baums Fazit zu diesem Dialog ist Folgender:

Aus meiner Sicht ergeben sich die Verständigungsschwierigkeiten
vor allem an folgenden Stellen: Wenn nicht sorgfältig zwischen den Erfahrungen mit theologischen Laien und den Veröffentlichungen theologisch ausgebildeter Fachleuten unterschieden wird. Wenn nicht wahrgenommen wird, dass die Befürwortung der Bibelwissenschaft nicht nur unter den Anhängern eines modernen, sondern auch unter den Vertretern eines traditionellen Schriftverständnisses weit verbreitet ist. Wenn das, was (zu Recht oder zu Unrecht) am Schriftverständnis anderer Theologen kritisiert wird, nicht genau belegt und mit den Stellungnahmen der betroffenen Theologen abgeglichen wird. Wenn nicht gezeigt wird, dass ein mutmaßlich „fundamentalistischer“ Umgang anderer Exegeten mit der Bibel in deren exegetischer Praxis tatsächlich stattfindet. Ein inhaltlicher Abschluss der Debatte ist damit allerdings sicher nicht erreicht.

Neuerscheinung: Überrascht von der Bibel

Brandneu: Das neue Buch von N.T. Wright „Überrascht von der Bibel„.
Erschienen im Francke-Verlag.
Ich bin schon darauf gespannt und werde bestimmt eine Besprechung des Buches hier veröffentlichen.

Verlagstext:

In diesem Buch gibt der renommierte Neutestamentler N. T. Wright herausfordernde Einsichten in die Bibel und klärt so manches Missverständnis auf, dem unsere christlichen Gemeinden unterliegen.

Soll der Glaube öffentlich gelebt werden? Was sagt die Bibel zu Frauen in der Gemeindeleitung? Kann ein Naturwissenschaftler an die Auferstehung glauben? Wie bricht Gottes Reich auf der Erde an? Welchen Stellenwert hat die Schöpfung? Sind die alten Götzen wirklich tot? Was passiert am Ende der Zeit?

Diesen und anderen brisanten Themen geht der Autor auf inspirierende, ermutigende und nicht zuletzt überraschende Weise nach.

5 Bücher zum historischen Jesus

christ-898330_1920Wer sich mit der Suche nach dem historischen Jesus beschäftigt, der hat unmengen von Literaturangeboten. Hauptquelle ist selbstverständlich hierzu die Bibel.
Bei der Sekundärliteratur wird die Auswahl schwieriger. Mit welcher Literatur verschafft man sich am besten einen Überblick über die bisherige Forschung, die aktuellen Fragen, bisherige Sackgassen und neuste Erkenntnisse?
Ich möchte hier eine kleine Liste an Bücher vorstellen. Diese Liste hat keinesfalls den Anspruch vollständig zu sein, oder meine persönliche Meinung abzudecken. Sie soll den Interessierten Materiel für eine Einführung in dieses Thema bieten.

  1. Geschichte der Leben-Jesus-Forschung (Albert Schweizer)
    Albert Schweizer zeigt in diesem Buch die Forschung von Reimarus bis Wrede auf. Sein Verdienst sehe ich durch dieses Buch in zwei Bereichen: Auf der einen Seite legt er dar, wie sehr die skeptische Jesus-Interpretationen die persönlichen Belangen der Autoren widerspiegelt, auf der anderen Seite schafft er es den Faktor der Eschatologie wieder in den Mittelpunkt zu rücken.
  2. Jesus und der Sieg Gottes & Die Auferstehung des Sohnes Gottes (N.T. Wright)
    In seinem Buch Jesus und der Sieg Gottes zeichnet Wright die Suche nach dem historischen Jesus, im Besonderen von Schweizer bis zur Gegenwart dar. Er schafft es, m.E. auf eine ziemlich beeindruckende Art und Weise. Im restlichen Teil vom Buch widemed er sich der Botschaft und des Todes von Jesus von Nazareht. Er argumentiert, dass der Jesus der Evangelien der selbe ist wie der Jesus der Geschichte. In seinem Buch über die Auferstehung fährt er ähnlich fort. Sehr überzeugend ist hierin seine Argumentation, dass die Auferstehung leibhaftig und historisch stattgefunden hat.
  3. Jesus von Nazareth (Benedikt XVI)
    Vorab eine Bemerkung: Als ein evangelikaler Christ war ich von diesem Buch eines katholischen Papstes beeindruckt.
    Ratzinger schreibt dieses Buch im Vertrauen, dass die Evangelien glaubwürdig sind. Er zeichnet auf diese Weise ein Bild von Jesus, das in sich sehr stimmig ist.
    Gelegentlich kommt seine katholische Prägung zum Vorschein.
  4. Der unbequeme Messias (C.P. Thiede)
    Ein Buch das nicht fertig wurde.
    Leider verstarb Thiede vor endgültiger Fertigstellung des Buches. Es wurde dennoch pupliziert.
    Thiede verteidigt hierin die Glaubwürdigkeit der Evangelien und ihre Beschreibung von Jesus als historisch zuverlässig.
  5. Auf der Such nach dem historischen Jesus (Franz Graf-Stuhlhofer)
    Stuhlhofer ist kein Theologe sondern Historiker in Wien. In seinem kurzen Buch untersucht er knapp die Fragen der Geschichtlichkeit Jesu, die Ojektivität der Evangelien und ihre historische Zuverlässigkeit.

Die Neue-Paulus-Perspektive

Es ist, meiner Wahrnehmung nach, ruhiger geworden in der Diskussion um die „Neue-Paulus-Perspektive“. Wrights magnum opus ist vor einiger Zeit bereits erschienen, wurde diskutiert (z.B. hier) und sehr unterschiedlich aufgenommen.
Auch wenn ich nicht zu den Befürwortern dieser „neuen“ Sicht über Paulus gehöre, möchte ich dennoch auf einen Artikel vom Logos-Blog hierzu verweisen.

In diesem Artikel geht es darum, was neu an der „Neuen-Paulus-Perspektive“ ist:
1. Eine neue Sicht über das Judentum

The major point in [Martin Luther’s] interpretation of Paul concerns Paul’s phrase ‘not by works of the law.’ In this view, when Paul says that justification is not by ‘works of the law,’ he is attacking works righteousness; he is attacking the view that he perceives in Judaism that you earn right standing before God by obeying the ot law with all its detail, [thus] establishing your own righteousness. And Paul is rejecting all of that in favor of the grace that’s given to us in the Lord Jesus Christ. […] [The NPP has] not just been a scholarly discussion, it’s also been a discussion about Christian ministry and the presentation of the gospel, because the New Perspective on Paul raises some key questions: If the Reformers were wrong about Paul, have we been presenting the gospel incorrectly when we’ve preached and taught it on the basis of trajectories of interpretations that stemmed from them? Or alternatively, if the Reformers were actually right, and it’s scholars in the New Perspective who are wrong about Paul, are these contemporary scholars actually in some way corrupting the gospel and leading us to preach and teach incorrectly?

And so we have a key question: Does the New Perspective on Paul lead to fresh and faithful expressions of the gospel or does it lead to false and faithless expressions of something that is less than the gospel?

2. Ein neuen Blick auf das Gesetz

James D.G. Dunn argued that the ‘works of the law’ are . . . in particular those aspects of the Jewish law that serve to mark the boundaries between Jews and Gentiles: . . . circumcision, the observance of the food laws, and the observance of Sabbath. . . . Paul is objecting to the insistence that it’s necessary to become Jewish in order to be righteous before God. When he writes these key texts, what he is objecting to is the attempt to impose Jewish law observance and the Jewish way of life on his Gentile converts. Paul is saying that these key markers of Jewish identity and key markers of the boundary between them and the Gentiles mustn’t be imposed on Gentile followers of Jesus as a precondition for those Gentiles to receive God’s grace in Christ.

3. Ein neues Rechtfertigungsverständnis

[…]n fact, NPP scholars argue that you can search through Paul’s writings all day and never find an instance where Paul explicitly states that Christ’s righteousness is transferred to the believer.[…]
Wright also emphasizes that there is both a present and future aspect of justification. God issues his verdict concerning the believer in the present on the basis of faith and faith alone. But he also will declare that verdict in the future, when God raises believers from the dead. As Wright explains in his book Justification, “The present verdict gives the assurance that the future verdict will match it, the Spirit gives the power through which that future verdict, when given, will be seen to be in accordance with the life that the believer has then lived.”

Here’s Chester summarizing Wright’s point in the above passage:

In other words, what justification does is . . . bring forward God’s final verdict; the believer is justified in the present on the basis of Christ’s saving work, is declared to be part of God’s people, and then as part of God’s people, through the empowering of the Holy Spirit, the believer will live a life more and more in accordance with the justification that’s being given, so that through the power of the Spirit, the future verdict comes to match the verdict in the present; the verdict that somebody is justified, that somebody is a member of God’s people and that, therefore, their sins are forgiven.

Zitat der Woche: Bultmannsche Konstruktionen

Wright schreibt in seinem Buch „Die Auferstehung des Sohnes Gottes“ über Bultmanns Theorie, wie sich der Osterglaube entwickelt haben sollte:

Es ist wie bei vielen anderen bultmannschen Konstruktionen: Die Abfolge von Schachzügen, die erforderlich sind, um die Hypothese zu unterstützen, verlangt nach viel mehr historischer Vorstellungskraft als die Sache, die Bultmann zu umgehen versucht.

People to be loved – Buchbesprechung

Nicht schon wieder ein Buch über Homosexualität!
Preston Sprinkle greift ein heißes Eisen auf. Ein Thema bei dem man sich nur die Finger verbrennen kann… eigentlich.
Ich möchte die Besprechung kurz halten.
Sprinkle schafft es zuerst die Person des Homosexuellen zu verstehen. Er nimmt ihre Verzweiflung, die Verachtung die ihnen entgegen schlägt und die Verletzungen die sie erleiden sehr ernst. Er schafft es eine Liebe für diese, von Gott wunderbar geschaffenen Menschen zu wecken. Mit diesen Einstellungen geht Sprinkle an den biblischen Schriftbefund heran. Er legt die Argumente für beide Seiten dar und versucht auf eine faire Art die Argumente abzuwiegen. Sprinkle versucht aufzuzeigen, wie man den Menschen in Liebe begegnen kann und hilft sie zu verstehen.
Das Buch kann ich grundsätzlich empfehlen!

The New International Greek Testament Commentary – #Logos


Bei Logos gibt es diesen Monat 13 Bände von The New International Greek Testament Commentary im Angebot. Anstatt 599,99$ kostet sie aktuell 399,99$.
Leider ist der neue Römer-Kommentar noch nicht dabei.

Im Vorwort schreiben I. Howard Marshall und
Donald A. Hagner zu der Reihe:

Although there have been many series of commentaries on the English text of the New Testament in recent years, very few attempts have been made to cater particularly to the needs of students of the Greek text. The present initiative to fill this gap by the publication of the New International Greek Testament Commentary is very largely due to the vision of W. Ward Gasque, who was one of the original editors of the series. At a time when the study of Greek is being curtailed in many schools of theology, we hope that the NIGTC will demonstrate the continuing value of studying the Greek New Testament and will be an impetus in the revival of such study.

The volumes of the NIGTC are for students who want something less technical than a full-scale critical commentary. At the same time, the commentaries are intended to interact with modern scholarship and to make their own scholarly contribution to the study of the New Testament. The wealth of detailed study of the New Testament in articles and monographs continues without interruption, and the series is meant to harvest the results of this research in an easily accessible form. The commentaries include, therefore, extensive bibliographies and attempt to treat all important problems of history, exegesis, and interpretation that arise from the New Testament text.

One of the gains of recent scholarship has been the recognition of the primarily theological character of the books of the New Testament. The volumes of the NIGTC attempt to provide a theological understanding of the text, based on historical-critical-linguistic exegesis. It is not their primary aim to apply and expound the text for modern readers, although it is hoped that the exegesis will give some indication of the way in which the text should be expounded.

Within the limits set by the use of the English language, the series aims to be international in character, though the contributors have been chosen not primarily in order to achieve a spread between different countries but above all because of their specialized qualifications for their particular tasks.

The supreme aim of this series is to serve those who are engaged in the ministry of the Word of God and thus to glorify God’s name. Our prayer is that it may be found helpful in this task.

Theologie im globalen Kontext – Besprechung

229567In seinem Werk „Theologie im globalen Kontext“ beschreibt Hans Schwarz die theologischen Entwicklungen im der letzten 200 Jahre.
Hans Schwarz ist emeritierter Theologieprofessor und hat an der Universität Regensburg unter anderem Systematische Theologie gelehrt.
Sein Buch erscheint in der zweiten und überarbeiteten Auflage. Die erste Auflage erschien in Liebenzell, die aktuelle bei TVG Brunnen in Gießen. Der Umfang des Werkes beträgt 640 Seiten, den Preis halte ich mit 45 EUR für angebracht.

Aufgeteilt ist das Buch in 15 Kapitel. Es beginnt mit der Zeit nach der Aufklärung, mit Kant, Schleiermacher und Hegel. Es führt unter über die neue Orthodoxie, über den Pietismus und den Kulturprotestantismus, hin zu den großen Diskussionen der letzten Jahrhunderte, wie unter anderem die Suche nach dem Historischen Jesus. Große Themen wie die Dialektische Theologie werden behandelt, überkonfessionell wird die Theologie im Weiteren beschrieben und auch überkontinentale Entwicklungen, wie die Befreiungstheologie, werden analysiert. Die ersten 12 Kapitel konzentrieren sich m.E. auf die (protestantische) westliche Theologie (Nordamerika und Europa). Das 13. Kapitel beschreibt Entwicklungen in der katholischen und orthodoxen Theologie. Das breiteste Spektrum bildet das 14. Kapitel ab; hier wird die Befreiungstheologie, die feministische Theologie, afrikanische, asiatische und pfingstgeprägte Theologien dargelegt.

Der Aufbau des Buches deckt, m.E., die großen Themen der theologischen Entwicklungen der letzen beiden Jahrhunderte ab. Da Schwarz 70 Seiten der „nichtwestlichen“ Theologie widmet (es gilt zu bedenken, dass Theologie der „nichtwestlichen“ Welt, lange nicht in Europa zu hören war), halte ich das Ziel des Buches, in diesem Belange für grundsätzlich erfüllt.

Widmen wir uns nun der detaillierteren Besprechung zu.
Beispielhaft möchte ich in dieser Besprechung die Ausführungen über die Suche nach dem Historischen Jesus behandeln.

Schwarz geht in vier Abschnitten auf die Suche nach dem Historischen Jesus ein.
Er beginnt mit Albert Schweizer und Johannes Weiss. Es wird aufgezeigt wie Schweizer, mit seinem Werk „Die Geschichte der Leben Jesu Forschung“ zeigen konnte, dass die Jesus-Darstellungen immer auf die Prägung und Vorstellung der Autoren zurückzuführen sei. Schweizer wollte aufzeigen, dass Jesus sich tatsächlich als der eschatologische Messias verstand und seine Erwartungen sogar apokalyptisch waren. Dennoch war sein Leben und sein Handeln eine große Enttäuschung. Bezüglich seiner eschatologischen Erwartung habe er sich getäuscht. Dennoch sei seine Einstellung wichtig, wie er z.B. dem Rad der Welt in die Speichen fällt und von ihm zermalmt wird. So habe er statt die Eschatologie zu bringen diese vernichtetet.
Nach Schwarz ist Schweizers Verdienst, dass die eschatologische Dimension Jesu in den Mittelpunkt gerückt wurde und das Aufzeigen, dass Rekonstruktionen des Historischen Jesu, oft auf Projektionen des jeweiligen Forschers beruhten.

Im zweiten Teil beschreibt Schwarz den Ausweg aus den Fesseln der historischen Forschung anhand von Kähler und Bultmann.
Es wird aufgezeigt, dass für Kähler die Erforschung des Historischen Jesus in die Falsche Richtung verlief. Grund sei, dass die Evangelien nicht zu diesem Zwecke geschrieben wurden. Wer Jesus in den Evangelien begegnen wolle, der solle dies tun um mehr über ihn, als den zur rechten Gottes Sitzenden zu erfahren, was durch historische Forschung nicht möglich sei. Nach Kähler entstehe der Glaube nicht aus dem Wissen um den historischen Jesus, sondern aus der Begegnung mit dem biblischen Christus.
Gemäß Schwarz bedeutete Kählers Werk das Ende der traditionellen Lenben-Jesu-Veröffentlichungen.
Im Gegensatz zu Kähler, habe Bultmann, so Schwarz, nicht angenommen, dass der Christus nach dem Fleisch der selbe sei wie der biblische Christus. So habe Bultmann beide von einander getrennt und sich auf den letzteren konzentriert. Bultmann kam in seiner Buch „Neues Testament und Mythologie“ zum Ergebnis, dass viele neutestamentliche Ereignisse heute nicht haltbar seien und zweitens, dass wir uns nicht selbst erlösen können. Er hatte also nicht die Absicht den christlichen Glauben Aufzugeben. Bultmann erreichte, so Schwarz, dass es möglich war ohne die Aufgabe des Verstandes über alle neutestamentlichen Texte zu predigen und zweitens, dass die neutestamentliche Botschaft von ihrer historischen Verankerung und von der Person Jesu von Nazareth getrennt wurde.

Im dritten Teil geht Schwarz auf die weitergeführte Forschung ein. Unter anderem  Beschreibt er wie in Deutschland Joachim Jeremias die Vernachlässigung des Historischen Jesus kritisierte. Er kritisierte die bisherigen  Methoden als eine Reduzierung. Jeremias konnte so Schwarz einen ganzen Schatz an Aussagen heben, die Jesus zuzuschreiben seinen.

Im vierten Teil geht Schwarz auf die dritte Suche nach dem Historischen Jesus ein.
Er attestiert ihr, dass sie zwar von einer großen Medienaufmerksamkeit begleitet wurde, aber an einen Mangel an solider Forschung hatte. Als Begründung zieht er das Jesus-Seminar heran.

Beurteilung der Ausführungen über den Historischen Jesus
Die Ausführungen von Schwarz lesen sich leicht, sie sind sehr informativ und schaffen es auf kurze und prägnante Art und Weise über die Entwicklung der Forschung, die Forscher selbst und über ihre Kernthesen und deren weitere Entwicklung zu informieren.
Im Gesamten halte ich die Ausführungen von Schwarz für sehr hilfreich und umfassen.
Meine Anfrage betrifft in diesem Kapitel den letzten Unterpunkt, der dritten Suche nach dem Historischen Jesus. Hier hat Schwarz, meiner Erkenntnis nach zu früh aufgehört. Die weiteren Entwicklungen, wie sie von E.P. Sanders bis hin zu N.T. Wright geschehen sind, wurden nicht erwähnt. Dabei haben diese Entwicklungen die dritte Suche nach dem Historischen Jesus maßgeblich beeinflusst und in eine neue Richtung gelenkt. So gilt als nicht zu übersehen, dass Wright, in seiner Forschung, historisch m.E. sehr solide aufzeigt, dass die Berichte des Neuen Testaments mit dem Historischen Jesus übereinstimmen.

Abgesehen von dieser Kritik meinerseits, halte ich dieses Buch dennoch für ein sehr wichtiges, hilfreiches und gutes Standardwerk für Theologen, Studenten und interessierte Laien. Es schafft es gut in die Themen eine Einführung zu geben und eignet sich somit sehr gut, um einen Überblick über die Theologien der letzten beiden Jahrhunderte zu bekommen.

Bibel – Gottes Wort – Menschenwort

An dieser Stelle möchte ich nicht selbst einen Artikel schreiben, sondern einen Aufsatz von Michael Schröder (TH Ewersbach – FeG) verlinken.
Zudem werde ich persönlich hier, in diesem Beitrag nicht dazu Stellung nehmen, er dient als Diskussionsbeitrag.

Zuerst wird in diesem Beitrag grds. die Frage nach dem Zusammenhang von Gottes Wort und Menschen Wort, in der Bibel, nachgegangen.
Schröder macht deutlich, dass Gott in der Bibel redet, das sein Reden Schrift wird, er geht auf die Kanonbildung ein und auf die Menschlichkeit der Schrift.
Zitieren möchte ich Passagen zur Frage des Gottes Wort und der Inspiration:

[…]Im 2. Petrusbrief heißt es: „Denn es ist noch nie eine Weissa
gung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern
getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen
Gottes geredet“ (2Petr 1,21). Im zweiten Brief an seinen Mitar-
beiter Timotheus schreibt Paulus: „Denn alle Schrift, von Gott
eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besse-
rung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ (2Tim 3,16). Es ist na-
türlich klar, dass diese beiden Stellen von den Schriften des Alten
Testaments reden, aber sie tun es so, dass die Schrift (und damit
sind die verschiedenen einzelnen Schriften gemeint, die manch-
mal auch mit den Worten „Gesetz und Propheten“ bezeichnet
werden) von Gott gegeben bzw. gehaucht ist. Wir erkennen aber
bereits im Neuen Testament, wie die Autoren die Worte Jesu so
überliefern, dass dem Leser klar wird, sie sind den Worten des
Alten Bundes gleichzusetzen. Sie stehen mit gleicher Autorität

neben dem Reden Gottes im Alten Testament!

Wenn man die Aussage vor allem des Wortes aus dem 2. Timotheusbrief bündeln würde, könnte man sagen: Der Verfasser betont, dass die von Gott gehauchte Schrift vor allem die Erlösung des Menschen thematisiert und dann auch eine Antwort darauf gibt, wie er als Jünger Jesu lebt. Es geht, wenn man es zuspitzen würde um die Themen „Erlösung und Ethik“. Man könnte auch so formulieren: Das Wort Gottes, eben die ganze Schrift, zeigt uns, wie die Bewegung Gottes zu den Menschen aussieht. Sie beschreibt und vor allem erzählt sie, wie sich die Menschen immer wieder von Gott abwenden, eigene Wege gehen und sich nicht um seinen Willen kümmern. Zugleich macht sich Gott auf den Weg, um die Menschen aus dieser selbstverschuldeten Lage herauszuholen, sie zu befreien, zuletzt am deutlichsten und klarsten in seinem Sohn Jesus Christus! Gerade die Brief e des Neuen Testaments beschreiben aber auch, wie man sich als einzelner Jünger Jesu und in der Gemeinschaft der Glaubenden auf dem Weg der Nachfolge zu bewähren hat, wie man in den Herausforderungen einer nichtchristlichen Welt bestehen kann! Diese grundlegenden Fragen nach Erlösung und Ethik werden in Gottes Wort gestellt und beantwortet. Deswegen ist dieses Grundlage für das persönliche Leben und das Leben in der Gemeinde.[…]
Ein historisches Arbeiten, das sich eines Instrumentariums methodischer Schritte bedient, darf aber nicht von vornherein die Möglichkeit von Gottes Handeln in der Geschichte, wie es u. a. in den Berichten von den Wundern Jesu und vor allem in der Auferweckung Jesu von den Toten bezeugt wird, ausschließen. Gelegentlich wird angemerkt, wer in dieser Weise historisch arbeite, erhebe sich „über die Schrift“ und stelle ihre Aussagen in Frage. Dieses kann, muss aber nicht zutreffen. Im Gegenteil: Meines Erachtens stehen wir als Ausleger nie „über der Schrift“, als könnten wir sie meistern oder gar kritisieren. Wir stehen demütig vor Gottes heiligem Wort und fragen danach, was es zu sagen hat […]
Als es um die Frage der Inspiration ging, legte Schröder beide Enden des Verständnisrahmens dar und schrieb dann:
Aber anstatt nun vom Begriff „Inspiration“ Abstand zu nehmen– wie es zeitweilig in der Neuzeit mal den Anschein hatte, weil dieser so vielschichtig geworden war –, wurde er in den letzten Jahren verstärkt wieder aufgegriffen und diskutiert, weil er offenbar doch geeignet ist, die Spannung zu beschreiben. Dabei ist aus meiner Sicht aber darauf zu achten, dass diese Spannung nicht einseitig aufgelöst wird, sondern beide Aspekte festgehalten werden: ganz Menschenwort und zugleich ganz Gotteswort. Eine genauere Verhältnisbestimmung ist dem Zeugnis der Schrift nicht zu entnehmen. Im Bund Freier evangelischer Gemeinden hat man im Laufe seiner Geschichte mit gutem Grund an der Inspiration der Schrift festgehalten, das „Wie“ aber nicht näher entfaltet.

 

Zukunftsmusik: Theologische Bücher

An dieser Stelle möchte ich auf einige, in Zukunft erscheindende, theologische Bücher, aufmerksam machen:

Am größten ist meine Vorfreude auf Theologie des Alten Testaments. Kein geringerer als Hendrik J. Koorevaar ist daran beteiligt (Stichwort: Das heilige Herz der Thora).

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Dann erscheinen zwei weitere Kommentar der HTA Reihe.
Besonders groß ist meine Vorfreude auf den zweiten Band des Römberkommentars von E. Schnabel. Mit 1.000 zusätzlichen Seiten wird sein Römerkommentar damit vollendet. 3

Last but not least: Ein Buch über uns Evangelikale – da habe ich noch kein Gefühl was dabei rauskommt; lassen wir uns überraschen.
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Ein Hoch auf den Redaktor…

… oder eine neue Sicht auf die Perikope in Johannes 7,53-8,11.

Es ist allgmein bekannt, dass die Perikope von Jesus und die Ehebrecherin nicht ursprünglich an dieser Stelle im Johannesevangelium stand und von der Sprache diesem unähnlich ist und viel eher zu den Synoptikern passt (Ich bleibe bei der Auffassung, dass diese Perikope kannonisch und inspiriert ist – werde dies hier aber nicht diskutieren).
Spannend ist allerdings dies Feststellung, dass sie m.E. sehr gut an dieser Stelle in das Johannes-Evangelium hineinpasst – abgesehen davon, dass sie einen anderen sprachlichen Stil aufweist und den Gedankenfluss davor unterbricht – theologisch passt die Perikope in die rote Linie des Evangeliums hinein.
Rudolf Schnackenburg (HThK) schreibt: Die Perikope hat jedenfalls kaum vor dem 3. Jh. Eingang in den Vier-Evangelien-Kanon gefunden […] Aber wem auch immer diese Einfügung zu verdanken ist, ohne Überlegung ist sie nicht geschehen. […] Jesus erweist sich in den joh. Gesprächen als der Überlegene, der die Zuhörer in Verlegenheit bricht; nicht anders ist es in dieser Geschichte mit der Ehebrecherin.

Sehr treffend zeigt auch Wright auf, wie die Perikope den roten Faden des Johannes Evangeliums aufnimmt, verarbeitet und weiterführt:
And the sin that matters even more, as the rest of the chapter makes clear, is the deep-rooted sin which uses the God-given law as a means of making oneself out to be righteous, when in fact it is meant to shine the light of God’s judgment into the dark places of the heart. By confronting this sin, Jesus has put himself, literally, in the firing line from which he has just rescued the woman. IF YOU READ CHAPTER 8 AS IT STANDS FROM BEGINNING TO END YOU MAY START TO SEE A PATTERN WHICH WILL CONTINUE THROUGH TO JESUS’ DEATH. This is part of what it means, John seems to be saying, that Jesus is God’s lamb, the one who takes away the sin of the world.

 

N.T. Wright – deutsch

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Unter http://www.ntwright.info/ gibt es einen „neuen“ Website-Auftritt über N.T. Wright auf deutsch.
Hier finden sich sämtliche Artikel von ihm, aber auch über ihn, die Auflistung seiner (deutschen) Bücher, sowie Videos und biographische Informationen.
Es ist nicht so, dass hier nur pro-Wright geschrieben wird – auch der Aufsatz von Jacob Thiessen, welcher sich kritisch mit der neuen-Paulus-Perspektive auseinandersetzt ist dort zu finden.

EndZeit – weitere Überlegungen

Erst kürzlich habe ich den Artikel „Das Ende der Endzeit…“ veröffentlicht.
Darin schrieb ich u.a.
Bis dahin war deutlich, es gibt etwas, was der Wiederkunft Christi noch im Weg steht. Bis 70n.Chr.
Danach ist das “alles” geschehen. Von diesem Zeitpunkt an, kann Jesus jederzeit wiederkommen. D.h. es sind keine weiteren “Gog – Magog” Zeichen für Jesu Wiederkunft nötig, nicht einmal das Erstarken der EU.

Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist m.E. der Text in 2.Thessalonicher 2, 1-12. Gemäß Carson und Moo wurde der Brief Ende 50/ Anfang 51n.Chr. verfasst.
Hier schreibt Paulus davon, dass bevor die Ankunft des Herrn geschehen wird, der Mensch der Bosheit auftreten muss und sich in den Tempel Gottes setzten wird, Anbetung verlangen wird und schlussendlich von Christus, am Tag seiner Ankunft (vgl. Parallele zu 1Thes 4) beseitigt wird.
Bedeutet dies, dass es vor der Wiederkunft Christi einen Antichristen geben wird, der sich in den 3.Tempel in Jerusalem setzen wird? Muss also erst wieder der Tempel aufgebaut werden, bevor Jesus wiederkommen kann?
War zu der Zeit der Abfassung des 2Thes die Voraussetzung für die Wiederkunft Christi, dass zuerst der Tempel zerstört wird und dann im wiederaufgebauten Tempel der Antichrist sich hineinsetzen wird?

Wenn wir 1Thes 4-5 und 2Thes 2 als selbiges Ereignis sehen, wofür die Wortwahl m.E. gute Argumente liefert, wie die Oben genannte Deutung in gewisser Maßen zu hinterfragen, oder ergänzen sein. Das 1Thes 4 von der Auferstehung der Toten und dem Entgegengehen zu Christus, bei seiner Ankunft, spricht, dürfte unumstritten sein.
Auch 2.Thes 2 spricht von der Ankunft Christi, bei dem er die Person, welche sich in den Tempel anbetungsfordernd setzte, beseitigen wird. Interessant ist die Frage inwiefern 2Thes 2 mit Offb 19,11ff in Verbindung zu sehen ist.

Ich möchte zwei Positionen zu der Auslegung von 2Thes 2 zitieren. Zuerst Gerhard Friedrich (NTD-Kommentar) und anschließen N.T. Wright (Paul for Everyone).

Wie er andeutet, geht es ihm um das Kommen Christi und um die Vereinigung der Christen mit ihm, wovon Paulus bereits 1.Thess. 4,15-17 gesprochen hat. […] es liegt ihm daran zu zeigen, daß diesem Geschehen bestimmte Ereignisse vorausgehen müssen. […]
In der Gemeinde von Thessalonich hatten einige Glieder die Ansicht verbreitet, die Zeit für den Tag des Herrn sei da, dieser stehe nun unmittelbar bevor. […] In Tessalonich scheint sich etwas Ähnliches ereignet zu haben wie später in Pontus. Wie Hippolyt (Daniel-Kommentar 4,19) berichtet, hat dort ein Vorsteher der Gemeinde wie ein Prophet das Eintreten des Gerichts in Jahresfrist verkündet. Als die Gemeindeglieder hörten, daß der Tag des Herrn unmittelbar bevorsteht, erfaßte sie Furcht vor dem Gericht und Verzagtheit. Sie fingen an zu weinen und zu klagen, gaben das Arbeiten auf, ließen ihre Äcker unbestellt liegen und verkauften ihr Eigentum […]
[Es] tritt der Schreiber des zweiten Thessalonicherbriefes Schwärmern entgegen […].
Diesen wird gesagt, daß der letzten Zeit die vorletzte Zeit vorausgeht, die noch nicht eingetreten ist. Die Haltung des Christen ist weder eschatologisches Desinteresse noch fanatischer Endzeitglaube. […]
[Es werden] dem Ende zwei Ereignisse vorausgehen, an denen man erkennen kann, was die Weltenuhr geschlagen hat: Der große Abfall und das Erscheinen des mächtigen Verführers. Dieses letzte Stadium vor dem Ende ist noch nicht erreicht, weil beides noch nicht eingetreten ist. […]
Wie Antiochus Epiphanes IV. die Juden zum Abfall verleitete, so wird es unmittelbar vor dem Ende ein übermächtiger Mensch tun, den man später den Antichristen genannt hat, der aber 2.Thess. 2 diesen Titel nicht trägt. […]
Wenn von dem Menschen der Gesetzlosigkeit und dem Sohn des Verderbens, dem Wiedersacher Gottes, gesagt wird, daß er sich in den Tempel Gottes setzt, so ist mit Tempel Gottes weder an das Heiligtum in Jersualem noch an eine heidnische Kultstätte, weder an einen Platz im Himmel noch an die christliche Gemeinde gedacht […] sondern mit traditionellen Bildern und Formulierungen wird ausgedrückt, daß der große Frevler vor aller Welt demonstriert, er verdränge Gott und setzt sich selbst in den Tempel und nimmt den Platz Gottes ein. […]
Wenn Christus erscheint braut er, um ihn zu vernichten, weder ein großes Kriegsheer noch starke Engelscharen einzusetzen. Ein Hauch seines Mundes genügt, um den ganzen Spuk zu beseitigen.

Eine, dieser Ansicht entgegengesetzte, Auffassung finden wir bei N.T. Wright, welcher diese Passage auf 70n.Chr auslegt.

Paul does not suppose that these events are the final ones. If ‘the day of the Lord’ meant ‘the end of the world’, the Thessalonians would not need to be informed of such an event by letter! The Old Testament prophets used ‘the day of the Lord’ to refer to catastrophes that befell Jerusalem within continuing history.[…] Shortly before Paul began his missionary journeys, there had been a major crisis in the Middle East. The Roman emperor Gaius Caligula, convinced of his own divinity, and angry with the Jews over various matters, ordered a huge statue of himself to be placed in the Temple in Jerusalem. Massive Jewish protests at all levels, and the anxious advice of his officers on the spot, failed to dissuade him from this provocative project. Only Gaius’s sudden murder in the January of ad 41 prevented a major disaster. The Roman-Jewish war of 66–73 might easily have begun 25 years earlier.
It looks as though Paul, aware of what had nearly happened, envisaged that sooner or later some other megalomaniac would have the same idea. He speaks of a ‘man of lawlessness’, who elevates himself to a position of divinity, exactly as the Roman emperors were beginning to do. Paul saw this danger on the horizon, and knew that such idolatry would conflict disastrously with the true God and his Temple in Jerusalem. Had Paul lived until ad 70 he would have recognized the initial fulfilment of his words in this passage. Evil must reach its height, and then meet sudden doom. The Roman empire itself would go through unimaginable convulsions: the death of four emperors in quick succession during 68 and 69, followed by the destruction of the Jerusalem Temple, would certainly qualify, in Old Testament terms, for the title ‘the day of the Lord’.
[…] What is clear, though, is Paul’s firm belief that a time was coming in which God’s judgment on the idolatrous world, and its blasphemous leaders, would be unveiled. Through this lens he sees, too, events further off, the final personal presence (the ‘parousia’) of Jesus, who will destroy all evil and put God’s just and truthful judgment into effect against those who had been taken in by lies great and small.
In particular, God will judge, during history and finally at the end of history itself, the imperial systems that put themselves in his place. There have been enough of these in our own recent past for us to see something of the way they operate, the deceits they weave, and the way in which people get caught up in the web of their lies. What Paul would have us urgently grasp is the fact that God remains sovereign over all, and will one day put all wrongs to rights, and bring all human empires under the rule and judgment of his own saving kingdom.

Beide Positionen haben eine gewisse Plausibilität. Wir dürfen es uns hier nicht zu einfache machen. Die Eschatologie ist vielschichtig und nicht mit schwarz oder weiß festzunageln.
Ich persönlich halte, aufgrund der m.E. nach starken Parallelen zwischen 1Thes 4 und 2Thes 2 die erste Position im Gesamten momentan für plausibler.
Die Frage wie sich dies im gesamtbiblischen Kontext einfügt darf man sich stellen und lädt ein zu weiteren Nachforschungen.

Alle Verse führen zu Christus?

road-782072_1920In dem Buch „Die Auslegungspredigt“ gibt es ein langes Zitat von Spurgeon.

Weißt du denn nicht, junger Mann, dass von jeder Stadt und von jedem Dorf und von jedem winzigen Nest in England eine Straße nach London führt? Genauso gibt es auch von jedem Text in der Schrift eine Straße die zu Christus führt. Lieber Bruder, es ist deine Aufgabe, den Weg zu Christus zu finden, wenn du einen Text vor dir hast. Ich habe noch nie einen Text gefunden, der nicht zu Christus führte; und wenn jemals eine Predigt gut ist, dann nur, wenn Christus darin zu schmecken ist.

Meint Spurgeon damit, dass wir jeden Vers, notfalls allegorisch auf Jesus beziehen sollen?
Ich denke nicht.
Schließlich halte ich es für wenig hilfreich eine (ich möchte sie respektvoll) „Ostereiersuch“-Exegese nennen, zu betreiben. Bei dieser sucht man hinter jedem Vers ob Jesus sich dahinter versteckt hat – wenn man ihn gefunden hat ruft man laut „heureka“ und postet die Verbindung auf Twitter oder in allegorisch geprägten Kommentaren (auf Namensnennungen wird hier bewusst verzichtet).

Wie können dann alle Verse zu Christus führen?
Ich bin der Überzeugung, dass die Stoßrichtung des Alten Testament auf die Erlösungsbedürftigkeit der Menschen und die Notwendigkeit des wahren „Israels“, Jesus als Messias hindeutet. Die Linien sind für mich das Entscheidende.
Muss ich in einer Genealogie wie z.B. „A zeugte B“ Jesus suchen? Ich denke nein.
Aber die Grundsätzliche Frage, auch bei alttestamentlichen Texten bleibt: „Was für einen Unterschied macht das Kommen Christi – welche Parallelen gibt es zu ihm hin“. Dann kann entdeckt werden, wie Jesus die Geschichte Israels nachlebte, aber ohne Sünde und in der Ganzheit vollkommen (dies gehört zum Gebiet der Typologie). Wir können sehen wie Jesus die Opfer des Alten Testament, durch sein Kreuzestod erfüllte. Wie er die Prophezeiung des leidenden Gottesknecht in Jesaja erfüllte und vieles mehr.
In diesem Sinne gilt: Die ganze Bibel führt zu Christus – jede Linie jedes Buch.

Stell dir vor es ist Frieden…

panzer-1013598_1920…zumindest bei Christen.

Christlicher Pazifismus.
Dürfen Christen im Militär oder für die Polizei von der Waffe Gebrauch machen und ggf. sogar töten?
Müssen Christen den Dienst an der Waffe verweigern, oder sollten sie es?
Ist es nicht notwendig, dass Kriege geführt werden; wie z.B. gegen Hitlerdeutschland im 2.Weltkrieg oder gegen das Terrorregime des IS?
Im Bewusstsein, dass solche Kriege nicht immer zu verhindern sind und der Staat leider in manchen Fällen dazu gezwungen sein kann, möchte ich den christlichen Pazifismus ziterien und zur Disputation stellen, welchen T. Geddert in seinem Buch Verantwortlich Leben, in viert Thesen darlegt:

  1. Ich kann meine Loyalität dem Reich Gottes gegenüber klarer zeigen, wenn ich mich weigere, diese endgültige Loyalität einem Reich dieser Welt zuzugestehen.

  2. Ich möchte nicht das Risiko eingehen, für mein Land einen Glaubensbruder oder eine Glaubensschwester zu töten.

  3. Ich möchte nicht das Risiko eingehen, einen Nicht-Bruder, eine Nicht-Schwester im glauben zu töten und ihm oder ihr dadurch die Chance nehmen, Jesus Christus kennenzulernen.

  4. Das Neue Testament lehrt uns: Die Einstellung Jesu zur Gewalt, als er selbst ungerecht behandelt wurde, als er verspottet wurde, als er gekreuzigt wurde – das ist das Vorbild, dem wir nacheifern sollen.

Mir ist bewusst, dass es gerade in Kriegshandlungen, oder auch in der Terrorabwehr, Entscheidungen gibt, welche alle in ethischen Grauzonen stattfinden. Daher möchte ich nochmals betonen: Diese Thesen sind keine Ethik für Staaten, sondern sie sind für einzelne Christen gedacht.
Ich persönlich halte sie für gut durchdacht. Sie haben Elemente die einem überzeugen können. Ich halte sie für nachdenkenswert.

Burnout

stress-864141_1920Burnout ist bei Theologen und Pastoren wie ein Schwert des Damokles, das über einem hängt – zumindest theoretisch und leider oft auch in der Praxis. Zu oft fällt es herunter. Schließlich kann man immer mehr machen, die Arbeit vermehrt sich scheinbar über Nacht und die Zeit um Sport zu machen oder mit der Familie zu genießen wird immer weniger.
Ich bin auf einen spannenden Beitrag von Prof. Pfeiffer und Dr. Schweyer dazu gestoßen.
Teile möchte ich hier zitieren.

Mögliche Ursachen

In der Regel ist es eine Kombination von verschiedenen Faktoren, die zur Erschöpfung führen. Ich halte die Einteilung von Pfeifer für sehr hilfreich. Er unterscheidet vier Felder:
1. Die Arbeit im engeren Sinn: Überforderung, zu viele Projekte, zu wenig klare Strukturen, unklare Erwartungen, wenig Anerkennung, Konflikte am Arbeitsplatz.
2. Beziehungen in der Familie und im Umfeld: Mehrfachbelastungen, Herausforderungen mit Kindern und Eltern, Eheprobleme, Beziehungsnöte, Erbstreitigkeiten, kaum Freizeit, wenig bereichernde Kontakte. Rückzug führt dazu, dass es die freundschaftlichen Treffen kaum mehr gibt, in denen man einfach da sein kann, fröhlich und lustig, ernst und traurig, humorvoll und witzig, nachdenklich.
3. Faktoren der Persönlichkeit: je gewissenhafter und ehrgeiziger jemand ist, desto höher die Burnout-Gefährdung, Perfektionismus.
4. Die körperliche Gesundheit, die für eine ausgewogene geistige Leistung wesentlich ist: wenig Sport, ungesunde Ernährung, wenig Schlaf, Suchtmittel.

Vorbeugende Einstellung

Engagement und Gelassenheit statt Maximierung des Erfolgs
Das Gegenteil von Erfolgsmaximierung ist nicht Passivität. Engagement ist erwünscht. Wenn aber Engagement gepaart ist mit Gelassenheit, dann wird der Erfolgsmaximierung ein Riegel geschoben. Wie könnte das aussehen?
Balance von Aktivität und Ruhe; […]
Engagement entsprechend der Begabung. […]
Damit gesundes Engagement möglich ist, braucht es gesunde Strukturen.[…]
Geduldig sein.[…]
Menschen lieben.[…]
Sich nicht über Erfolg und Misserfolg definieren.[…]

Es sei wärmstens empfohlen den ganzen Artikel zu lesen – zu finden ist er hier.