New City Katechismus

Evangelium21 hat einen Katechismus herausgegeben. Dieser wurde von Timothy Keller und Sam Shamma geschrieben und von E21 ins Deutsche übersetzt.
Hier kann er gratis heruntergeladen werden.

E21 schreibt dazu:

Timothy Keller und Sam Shammas haben vor einigen Jahren den New City Catechism entwickelt. Ihr Anliegen war es, einen einfachen Katechismus zu entwickeln, um Christen wieder an die Praxis der Katechese heranzuführen. Zurückgegriffen haben sie dabei auf bewährte reformatorische Katechismen, etwa den Heidelberger und die beiden Westminster.

Der New City Katechismus enthält 52 Fragen und Antworten (der Heidelberger kennt 129 und der Kleine Westminster 107) und ist in drei Abteilungen gegliedert:

Teil 1: Gott , Schöpfung und Sündenfall, Gesetz
Teil 2: Christus, Erlösung und Gnade
Teil 3: Gottes Geist, Wiederherstellung und Wachstum in der Gnade

Bei den Antworten zur den Fragen sind farblich hinterlegte Abschnitte zu finden. Das sind die knapp gehaltenen Antworten für Kinder.

Als Evangelium21 danken wir The Gospel Coalition für die gute Zusammenarbeit bei der Erstellung des Katechismus. Ebenfalls danken wir allen, die bei der Umsetzung des Projektes mitgeholfen haben.

Wir ermutigen zur freien Verwendung und Verbreitung des Katechismus, bitten jedoch darum, kein Geld dafür zu verlangen und die Formulierungen sowie die Copyright-Vermerke unverändert zu lassen.

Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Für den Blog von Logos habe ich einen Beitrag über „Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament“ geschrieben.
Hier einige Auszüge:

In diesem Beitrag Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament (kurz: HThKNT).

Es ist eine der Kommentarreihen, auf die ich sowohl im Studium gerne zurückgegriffen habe, als auch in meinem Gemeindedienst. Ich möchte Ihnen den Kommentar in drei Schritten vorstellen. Zuerst ordnen wir ihm seinen Platz im großen Universum der Bibelkommentare zu, im zweiten schauen wir uns den Aufbau der einzelnen Kommentare an und im dritten Teil stelle ich Ihnen vor, wie Sie diesen Kommentar für Ihre Arbeit einsetzen können.

Der erste Eindruck

Der HThKNT ist eine wissenschaftliche Kommentarreihe, welche von katholischen Exegeten verfasst wurde. Allerdings gilt dieser Kommentar auch bei evangelischen Theologen als Standardwerk. Der Grund für die überkonfessionelle Wertschätzung liegt in der hohen Qualität dieses exegetischen Kommentars.

Zuerst werden in der Regel die Einleitungsfragen ausführlich diskutiert. So hat der vierbändige Johannes-Kommentar von Rudolf Schnackenburg bereits eine ca. 200 Seiten lange Einführung, in der neben den Verfasserfragen auch die Wirkungsgeschichte, seine Beziehung zu den Synoptikern und viele weitere Fragen behandelt werden. In den Einzeltexten betreibt Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament eine sehr gründliche Exegese auf einem guten wissenschaftlichen Niveau, gleichzeitig stellt er das Ergebnis der Exegese zumeist nachvollziehbar dar.

Das heißt, der Verfasser analysiert zuerst den Bibeltext. Hier geht er literarischen Fragen gründlich nach, z.B., wie der Text im Kontext des Buches eingebunden ist, welche sprachlichen Besonderheiten vorhanden sind, oder er macht literarkritische Vorbemerkungen.

Danach folgt die Interpretation, also die Auslegung des Textes. Hier werden exegetische Fragen aufgegriffen und interpretiert. Wichtige Übersetzungsfragen von griechischen Begriffen werden behandelt, aber auch biblisch-theologische Linien gezogen. An einigen Ausführungen wird dabei gelegentlich auch deutlich, dass die Reihe aus einer katholischen Feder stammt, wie z.B. in der Passage über die Wiedergeburt in Johannes 3,5, in welcher das Wasser mit der Taufe gleichgesetzt wird.

Und dennoch bietet auch diese Kommentierung spannende Informationen, z.B. Continue reading „Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament“

Rezension: Glaubwürdig aus guten Gründen

Rezension zu Ulrich Wendel [Hg.], GLAUBWÜRDIG AUS GUTEN GRÜNDEN. Holzgerlingen, SCM-R.Brockhaus, 2017.

Viele Diskussionen, die in der evangelikalen Welt zu beobachten sind, haben ihre Wurzel im Schriftverständnis.
Ob es die heißen ethischen Fragen sind, oder auch dogmatische Grundlagen. Sie alle hängen damit zusammen ob und wie die Bibel als das inspirierte Wort Gottes verstanden wird.
Aber wie ist nun die Bibel zu verstehen? Ist jedes Wort direkt von Gott? Verarbeiten Menschen ihre Erfahrungen mit Gott?
Braucht die Bibel ähnliche Eigenschaften wie Gott z.B. Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit?
Nach meiner Wahrnehmung wurde in unserer evangelikalen Welt das Thema des Schriftverständnisses oft vermieden. Entweder weil man hoffte auf irgendeiner Weise doch einig zu sein, oder um unangenehme Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Hinzu kommt, dass immer häufiger auch öffentlich in Frage gestellt wurde, dass die Bibel Gottes Wort sei und dies auch vermehrt in freikirchlichen Bereichen hörbar wird.
Aufgrund vielfältiger Diskussionen in jüngster Zeit wird deutlich, dass dieses Thema auf die Tagesordnung gehört.

Eine Sammlung vielfältiger Auffassungen
Das Buch ist ein Sammelband von den Aufsätzen 13 verschiedener Autoren. Eine besondere Gliederung ist nicht erkennbar, jeder Aufsatz kann somit unabhängig von den anderen Beiträgen gelesen werden.
Eine offensichtliche Beobachtung ist, dass die Auffassungen zur Frage der Inspiration der Bibel, je nach Verfasser unterschiedlich stark auseinander gehen. Von Aufsätzen in Richtung der Chicago-Erklärung, bis hin zu einem eher freien Umgang mit der Frage der Inspiration (welche ich in die Kategorie gemäßigt historisch kritisch einordnen würde) verläuft die Bandbreite.
So plädiert F. Jung für die Irrtumslosigkeit der Bibel, indem er darauf verweist, dass der Heilige Geist keine Irrtümer eingebe, bzw. sie nicht von Gott diktiert werden können (er sieht allerdings nicht die Persönlichkeit des Verfassers bei der Inspiration ausgeschalten). Für ihn gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ist die Bibel Gottes unfehlbares Wort, oder sie ist ein religionsgeschichtliches Dokument.
Andere Autoren sehen die Bibel keineswegs als irrtumslos, vielmehr wird argumentiert, dass Gott seine Botschaft „menschlicher Hör- und Sehschwäche anvertraut“. Es wird argumentiert, dass z.B. Zahlenangaben auf eine Wahrheit hinter den Angaben hinweisen. Dass die Bibel dem Reden Gottes als Transportmittel dienen kann. Dass die Schrift verschiedene Lehren über Gott nebeneinander stehen lassen kann, usw.
Zwischen diesen beiden Polen befinden sich viele der Autoren.
Besonders lesenswert war für mich der Beitrag von Guido Baltes „Die Entmythologisierung der Bibelwissenschaft“. Hier plädiert er für einen kritischen Umgang gegenüber einem Bibel-Skeptizismus. Er erklärt, warum er der Bibel vertraut, warum er davor warnt vorschnell von Widersprüchen zu reden und wie manche schwierig klingenden Stellen stehen gelassen werden müssen.
Armin Baum behandelt verschiedene Arten der Inspiration und ihr Verhältnis zueinander.
Und Michael Diener greift in einem angriffslustigen Ton das Bibelverständnis innerhalb der EKD an.

Ein Beitrag zu einer überfälligen Diskussion
Dieses Buch kann als ein Beitrag zur Diskussion wahrgenommen werden. Wer dieses Buch liest kann sicherlich nicht allen Positionen zustimmen, schon allein weil die Autoren selbst die verschiedensten Positionen einnehmen. Es werden sicherlich Postionen darunter sein, die als problematisch anzusehen sind.
Als ich das Buch las, fand ich es zum einen wertvoll herauszufinden, was den jeweiligen Autor zu seinem Schriftverständnis bewogen hat. Dies kann bei den notwendigen innerevangelikalen Diskussionen und Gesprächen sehr hilfreich sein.
Bei manch einem Autor war die Argumente sehr an der Sache orientiert, andere Autoren berichteten von persönlichen Erfahrungen, die ihr Bibelverständnis prägten.

Fazit
Das Buch war spannend und informativ. Es machte mir persönlich deutlich, wie notwendig das Ringen um die Frage des Schriftverständnisses ist.
Auf der einen Seite waren einige vertretene Auffassungen auch ernüchternd, da sie auch sichtbar machen, wie groß die Diskrepanz zur früheren Auffassungen in der Inspirationsfrage geworden ist.
Auf der anderen Seite haben sie geholfen die jeweiligen Autoren, mit ihren Beweggründen besser zu verstehen.
Ich hoffe, dass dieses Buch erst der Anfang einer notwendigen Diskussion ist.
Es gilt: Wir müssen miteinander reden.


Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der SCM-R.Brockhaus Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Weitere Buchbesprechungen siehe hier.
Pool zur Frage der Inspiration siehe hier.

Die Säuglingstaufe

Aktuell arbeite ich die Biblische Dogmatik von Erich Mauerhofer durch.
Da mich die Frage der Taufe besonders interessiert, habe ich diese mit Interesse gelesen.
Es wird deutlich, dass er ein glühender Verfechter der „Gläubigen-Taufe“ ist und eine Taufe von Säuglingen ablehnt.
Er argumentiert, dass die Säuglingstaufe erst sehr spät aufgekommen ist.

Die patristischen Untersuchungen führen zum Schluss, dass das NT die Säuglingstaufe weder kennt noch empfiehlt. Das erste eindeutige, patristische Zeugnis von Kindertaufe im ablehnenden Sinn stammt (so Aland, S. 20) von Tertullian in „de baptismo“ kurz nach 200.

Mauerhofers 5 Gründe gegen die Säuglingstaufe lauten zusammengefasst:
1. Die Säuglingstaufe entbehrt jeglicher Schriftgrundlage.
2. Die von der Bibel genannte Voraussetzung zur Taufe (Glauben und Umkehr) fehlt, es sollen nur Jünger bzw. Gläubige getauft werden. Dies widerspricht der Praxis der Säuglingstaufe.
3. Die Säuglingstaufe entwickelte sich „Hand in Hand“ mit dem kirchlichen Sakramentsverständnis. Die Wiedergeburt wird nicht mehr als eine Voraussetzung zur Taufe gesehen, sondern als ein Resultat.
4. Die augustinische These, dass in der Taufe die Erbsünde abgewaschen werde und die Wiedergeburt geschehe, ist subjektivistisch und entbehrt jeder Schriftgrundlage.
5. Die Konsequenzen der Säuglingstaufe sind, nach Mauerhofer, dass dem Kind die Möglichkeit vorweggenommen wird, sich dem Auftrag Gottes unterzuordnen; dass ein abergläubisches Vertrauen in den Vollzug eines äusseren Ritus gesetzt wird, dem man die innewohnende Kraft zur Wiedergeburt zugeschrieben wird. Dass die Säuglingstaufe zu einem „Ruhekissen“ gegen Bekehrung und Wiedergeburt werden kann. Dass durch die Säuglingstaufe eine Volkskirche die Bekenntnisgemeinde ersetzt.

Calvin zur Inspiration

So halten wir dafür […], dass die Schrift zwar durch den Dienst von Menschen, aber tatsächlich doch aus Gottes eigenem Munde uns zufliesst (Inst. 1.7,5); „Wir sind überzeugt, dass die Propheten nicht aus ihrem eigenen Sinn heraus gesprochen haben, sondern als Werkzeuge des Heiligen Geistes (spiritus sancti organa) weitergegeben haben, was ihnen vom Himmel aufgetragen war. Wer also von den Schriften Gewinn haben will, muss vor allem daran festhalten, dass er es […] nicht mit einer aus menschlicher Willkür hervorgebrachten Lehre zu tun hat, sondern mit einer vom Geist diktierten (spiritu sancto dictatam)“

Calvins Kommentar zu 2.Tim 3,16 – gefunden bei Mauerhofer, Dogmatik.

Zitat der Woche: Gott verherrlichen

Wie wird Gott verherrlicht? Wilfried Joest und Johannes von Lüpke schreiben dazu in Dogmatik I: Die Wirklichkeit Gottes:

Gott in seiner Heiligkeit zu verherrlichen, das bedeutet in der Praxis der Frömmigkeit, vor Gott einzusehen, dass wir aus uns selbst nicht recht sein und unser Leben nicht ins Recht bringen können, und ihn zu bekennen als den Gott, der allein „gerecht ist und gerecht macht“ (Röm 3,26).

Worthaus und die Evangelikalen

Auf dem Blog „Aufatmen in Gottes Gegenwart“ wurde ein Artikel über Worthaus und dessen Einfluss auf die Evangelikalen veröffentlicht. Sachlich und gut analysiert wird hier über Worthaus, dessen Ziele und problematische Tendenzen berichtet.
Dieser Artikel ist hier zu lesen und kann hier als PDF heruntergeladen werden.
Hier einige Auszüge:

Ich mag es nicht, wenn selbsternannte „Irrlehrenjäger“ in jeder christlichen Initiative die Haare in der Suppe suchen. Niemand ist fehlerlos. Wir leben alle aus Gottes unverdienter Gnade. Wir sollten unser Hauptaugenmerk auf das Original richten und nicht auf Fälschungen.  […]
Worthaus folgt immer wieder klar erkennbar der in der universitären historisch-kritischen Theologie domi­nie­ren­den wissenschaftlichen Methode, in der die Bibel so untersucht wird, als sei Gott nicht existent. Entsprechend geht die Bibelkritik von Worthaus sehr viel weiter, als nur die wahre Aussageabsicht der Bibel unter Berücksichtigung der damaligen Zeit und Kultur herauszuarbeiten. Auch vielen eindeutig historisch gemeinten Texten in den Evangelien (von Lukas als „Augenzeugenberichte“ charakterisiert, Luk. 1, 2) sprechen Worthaus-Referenten die Historizität ab […]Folgerichtig enthält die Bibel aus Worthaussicht natürlich auch theologische Fehler. So äußerst Dr. Breuer: Paulus habe viel Kluges, aber auch Unkluges geschrieben. Manche seiner Argumente seien gar „einigermaßen hanebüchen“, weshalb man allein mit Bibelstellen auch keinen theologischen Standpunkt begründen könne (siehe dazu den 5-minütigen Videoausschnitt aus einem Vortrag von Dr. Breuer). Auch für Prof. Zimmer enthält die Bibel „hunderte von Fehlern“. Insbesondere müsse man die Bibel überall da ablehnen, wo sie Jesus Christus widerspricht: „Im Konfliktfall argumentieren wir ohne jedes Zögern mit Jesus Christus gegen die Bibel.“  […]
Auch in den Worthaus-Vorträgen werden zahlreiche Kernsätze des Glaubens abgeräumt, die in der weltweiten Kirche fast durchgängig als klare, eindeutige Aussagen der Schrift verstanden wurden und werden:

  • Jesu Tod am Kreuz sei eindeutig kein Sühneopfer für die Schuld der Menschheit gewesen. Paul Gerhardts Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“ transportiere eine irrige Passionsfrömmigkeit. Im Abendmahl feiern wir die „Kontaktfreudigkeit“ und „Zuwendungslust“ Jesu.
  • Das Grab sei voll gewesen. Auch Himmelfahrt und Pfingsten waren keine historischen Ereignisse.
  • Das Heil sei nicht exklusiv nur in Jesus Christus zu finden.
  • Der Tod sei keine Folge der Sünde sondern Teil von Gottes Schöpfung.
  • Der Himmel sei kein fassbarer Ort. Man kann dort keine Bekannten wieder treffen. Erst recht gibt es keine wie auch immer geartete Hölle. Der Glaube an eine ewige Verdammnis zeuge von einem „eiskalten Glauben“ und primitiver Moral.
  • Der Teufel sei (sehr wahrscheinlich) keine Person. Wer in der Schlange im Schöpfungsbericht den Teufel erkennt sei „balla balla“ […]Worthaus stellt seine Lehraussagen immer wieder als intellektuell, wissenschaftlich, vernünftig, objektiv, vorurteilsfrei, reflektiert und differenziert dar. Dagegen seien die Konservativen/Evangelikalen/Fundamentalisten (diese Begriffe sind
    für Worthaus offenbar austauschbar) denkfaul, eingebunkert, bildungsfeindlich, dümmlich, durcheinander, subjektiv, auf Vorurteilen und Prägungen basierend, intellektuell unterentwickelt (siehe auch die 1. Worthaus-These). Diese Überlegenheitsgeste ist deshalb unangemessen, weil natürlich auch die Worthaus-Referenten mit subjektiven Auslegungsschlüsseln arbeiten.

 

Weiterlesen bei „Aufatmen in Gottes Gegenwart

Evangelische Allianz: Ehe als gute Stiftung Gottes

Die evangelische Allianz Deutschland hat eine Stellungnahme zu Ehe und Homosexualität veröffentlicht. Die vom Hauptvorstand herausgegebene Stellungnahme kann hier heruntergeladen werden.

Auszüge:

Die Frage nach der Bewertung von Homosexualität wollen wir – wie andere ethische und theologische Fragen – auf der Grundlage der Heiligen Schrift klären. Sie ist für uns das geschriebene Wort Gottes und verbindlicher Maßstab in allen Fragen des christlichen Glaubens und der Lebensführung[…]

Daraus ziehen wir die Schlussfolgerung, dass homosexuelle Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können. Mit denjenigen, die in Bezug auf Homosexualität anders denken, bleiben wir im Dialog. Dass auch christliche Gemeinden vielfach durch Hartherzigkeit, Arroganz und verurteilendes Verhalten Homosexuellen gegenüber schuldig geworden sind, wird nicht verschwiegen und als Schuld bekannt.

Das Nashville Statement in Deutsch

Bereits im August hab ich hier auf das Nashville Statement hingewiesen.
Nun wurde es von Evangelium 21 offiziell in die deutsche Sprache übersetzt.
Hier kann es heruntergeladen werden.
Als Vorgeschmack auf den Inhalt zwei Thesen der Nashville Erklärung:

Artikel 2
Wir bekräftigen, dass Gottes offenbarter Wille für alle Menschen Keuschheit außerhalb der Ehe und Treue innerhalb der Ehe vorsieht. Wir verwerfen, dass irgendwelche Gefühle, Begehren oder
Verpflichtungen jemals Geschlechtsverkehr oder andere Formen der sexuellen Unmoral vor oder außerhalb der Ehe rechtfertigen dürfen.
Artikel 3
Wir bekräftigen, dass Gott Adam und Eva, die ersten Menschen, nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Sie sind als Personen vor Gott gleichwertig, aber als Mann und Frau verschieden. Wir verwerfen, dass die göttlich bestimmten Unterschiede zwischen Mann und Frau ungleiche Würde oder Wert bedeuten sollen.

E21 schreibt über das Nashville Statement unter Anderem Folgendes: Continue reading „Das Nashville Statement in Deutsch“

#BTW17: Fürchtet euch nicht! Die Welt geht noch nicht unter…


Haben Sie davon schon gelesen?
Ein paar selbsternannte Endzeit-Fantasten verbreiten im Internet die Aussage, dass am 23.09.17 die Endzeit beginnt, was sie mit Zeichen an den Sternen und mit ihren „Berechnungen“ begründen.
Wenn ich manche Beiträge auf Facebook oder Twitter lese, dann kommt mit der Gedanke hoch, ob wir vor der Bundestagswahl eine neue Art von Endzeithysterie haben. Untergangszenarien werden ausgemalt, Horrorvorstellungen über das Deutschland nach der Wahl. Ich frage hier einmal ganz unschuldig: Stecken die beiden Partien unter einer Decke? Es erscheint mir beinahe so.
Es ist die Angst vor politischen Umbrüchen, die unser Land in den Abgrund reißen wollen.
Ich höre Begründungen, dass ein Trump in den USA auch gewählt worden sei und die Situation in Deutschland wie die in der Weimarer Republik ist, etc.
Liebe Christen,
zuerst einmal; vergessen wir bei dieser Hysterie nicht, dass Gott dennoch auf dem Thron sitzt, dass seine Königsherrschaft von niemand mehr aufgehalten werden kann? Vergessen wir nicht, dass die Herrscher der Welt gehen, aber unser Herr kommen wird?
Ich erinnere daran, auch wenn in der USA ein Präsident Trump gewählt wurde, er hat nicht unbegrenzte Macht, die Gerichte und der Senat haben ihm immer wieder aufgehalten. Dazu wählen wir in Deutschland Parteien und dass eine Partei (abgesehen von der CDU?) die Chance der absoluten Mehrheit hat, liegt bei annähernd Null! Ja, jede Demokratie ist verletzbar und besonders dann, wenn niemand mehr zur Wahl geht.
Ja, es gibt Parteien, da geht Ideologie über jeglichen Menschenverstand. Ich habe mich nicht gefreut, als die Linkspartei mit ihrer problematischen Vergangenheit in den Bundestag einzog. Mich ärgert es, wenn Politiker eine Nähe zu gewaltbereiten Autonomen haben. Doch unsere Demokratie hat es bis jetzt überlebt. Ich finde es nicht gut, dass die AfD mit Abgeordneten in den Bundestag einzieht, von denen ich einige nicht nur als rechts-national, sondern zum Teil auch als rechtsextreme bezeichnen würde.
Aber wissen Sie was? Unsere Demokratie wird auch das überleben! Wenn im Bundestag der Wind rauher wird, dann stirbt die Demokratie noch lange nicht. Panik ist dennoch nicht angebracht.
Hören Sie nicht auf Endzeit-Fantasten. Weder der 23. noch der 24. September ist der Weltuntergang. Die Reise geht weiter, bis Christus erscheint.
Und falls der schlimmste Fall irgendwann eintritt; Nazis, Kommunisten oder Islamisten an die Macht kommen sollten, dann gilt dennoch: Sie werden gehen, ihre Herrschaft wird untergehen. Christus wird dennoch kommen, seine Herrschaft geht nicht unter.
Von daher fürchten Sie sich nicht, sondern stehen Sie am Sonntag auf und gehen Sie nach dem Gottesdienstbesuch wählen!
Wählen Sie strategisch klug und überlegt. Wählen Sie eine Partei hinter der Sie stehen können. Aber wählen Sie!
Frei nach dem Motto: Furchtlos wählen und dabei die Demokratie fördern.

Taufen mit Barth (1)

Aktuell arbeite ich mich durch Barths Taufverständnis, anhand seiner Kirchlichen Dogmatik IV/4.
Über das Bekenntnis, welches in der Taufe geschieht, schreibt Barth:

Die christliche Taufe ist das Menschenwerk des grundlegenden Bekenntnisses, in welchem sich die christliche Gemeinde mit den neu zu ihr Hinzutretenden und in welchem sich diese mit ihr zusammen finden. Sie ist das Bekenntnis ihres Glaubens. Ohne den Glauben der Gemeinde und der zu ihr Hinzutretenden gäbe es keine christliche Taufe. Und genauer gesagt: sie ist das Bekenntnis des Gehorsams ihres Glaubens und so Tatbekenntnis, das als solches in einer Waschung der Täuflinge mit Wasser besteht. Es ist aber – wohlverstanden! – nicht ihr Glaube, zu dem sich die Gemeinde und ihre Täuflinge mit deren Taufe bekennen. Und noch weniger bekennen sie sich damit zu einer Machtwirkung ihres Glaubensgehorsams und also ihres Tatbekenntnisses. Sie bekennen sich zu Gottes Gnaden- und Offenbarungstat, die der Ursprung, Gegenstand und Inhalt ihres Glaubens ist.

Das Leben von Karl Barth

Karl Barth gilt als ein kluger, scharf denkender, komplizierter, mit der Gabe der Länge beschenkter, unterschiedlich verstandener, öfters zitiert als gelesener, positiv und kritisch diskutierter Dogmatiker des letzten Jahrhunderts.
Ein Dokumentation über sein Leben, die Licht und Dunkel zeigt, habe ich gefunden.
Sie ist nicht als eine Einführung in Barths Theologie zu sehen, vielmehr zeigt sie Stationen seines Lebens. Sie ist sehenswert für alle, die sich mit Karl Barth auseinandersetzten.

„Was nun, Kirche?“ Eine Rezension

Rezension zu Ulrich Parzany, WAS NUN, KIRCHE? Holzgerlingen: SCM-Hänssler, 2017.

Ein Mann wie Ulrich Parzany findet Gehör. Lange Zeit war er das Aushängeschild für Evangelisation, durch seine Arbeit mit ProChrist.
Er ist ein Mann der von verschiedenen Seiten Kritik hat einstecken müssen. Früher war er traditionellen Gemeinden zu progressiv, heute ist er progressiven Evangelikalen zu konservativ. Seine Positionen waren dagegen klar und deutlich, Angst vor der Meinung Anderer war ihm nicht anzumerken.
Nachdem er mit Anderen das Netzwerk Bibel und Bekenntnis gründete, ist im Juli sein neues Buch erschienen.

Parzanys Buch ist eine Art Krisenbericht. Dennoch möchte Parzany mit seinem Buch zuerst Mut in schwierigen Zeiten machen. Er schreibt gegen seine eigene Resignation und gegen die der Anderen.  Er möchte auch nicht zu Problemen schweigen, da er der Ansicht ist, so würde das Problematische nur gefördert werden.

Zum Inhalt des Buches
Das Buch ist in vier Teile gegliedert.
Zuerst legt Parzany seine Grundüberzeugen zur Lehre der Kirche dar; welche Kennzeichen eine Kirche/Gemeinde ausmacht, wie der Glaube beginnt u.v.m.
Im zweiten Teil beginnt seine Schadensmeldung, die Feststellung der aktuellen Probleme.
Parzany beschreibt, wie reich die Kirche an Geld und wie arm sie an Gottesdienstbesuchern ist. Im Kern sieht er diese Krise als eine Verkündigungskrise, weil, so Parzany,  das Vertrauen in die Autorität der Bibel verschwunden ist. Er schreibt, dass ein großer Teil der Pfarrerschaft, die Aussagen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses nicht mehr für bare Münze nehmen.
Die Ursache für diese Krise sieht Parzany in der Bibelkritik. So schreibt er: „Der Verlust der Bindung an die Autorität der Bibel ist der Krebsschaden der Kirche“. In diesem Kapitel geht Parzany, in kurzen Zügen, auf die Ursachen der Bibelkritik ein und auf die Folgen die sie auf die Kirchen in Deutschland hat (sieh auch hier). So beklagt er die Demontage der Grundlagen, wie die der leiblichen Auferstehung Jesu, Christi stellvertretenden Sühnetod, oder der Jungfrauengeburt; aber auch ein pluralistisches Heilsverständnis und Entscheidungen in ethischen Fragen, welche nicht mit der Bibel übereinstimmen. Auch auf den oft fehlenden Aufruf zur Bekehrung geht Parzany ein. Er schreibt: „Eine Taufwiedergeburtslehre, die die Leute glauben macht, dass sie durch die Taufe das Heil geschenkt bekommen, auch wenn sie nicht umkehren und Jesus nachfolgen, ist Betäubungsgift für die Gewissen. Und es ist eine Irrlehre.“
Für Freikirchler ist das Buch auch zu diesem Thema hilfreich zu lesen, da es zeigt welche Auswirkungen die Bibelkritik haben kann und wie notwendig es ist, als Denomination sich auf klare verbindliche Bekenntnisse zwecks der Glaubens-Grundlagen zu verständigen.
Im dritten Teil beschreibt Parzany, warum er dennoch in der Kirche ist, welche Chancen Landeskirchliche Gemeinschaften und Freikirchen haben und wie auch innerhalb von Landeskirchen Profilgemeinden entstehen können. Ausgehend von Luthers „Vorrede zur deutschen Messe“ (siehe auch hier) beschreibt er die Möglichkeit der Kleingruppenarbeit.
Auch geht Parzany darauf ein, wie notwendig es ist, dass Mitarbeiter an guten, bibeltreuen Ausbildungsstätten ausgebildet werden. In diesem Zusammenhang warnt Parzany auch evangelikale Seminare davor, nicht aufgrund der staatlichen Anerkennung, die Autorität der Bibel fallen zu lassen. Er ermutigt zur Fürbitte und schreibt: „Wenn sie das Bekenntnis zur Autorität der Bibel als Wort Gottes auf dem Altar der Anerkennung als Hochschule opfern, wird der Schaden unabsehbar sein.“
Im letzten Teil schreibt Parzany über die Hoffnung der lebendigen Gemeinden; über die Notwendigkeit von Mission und über Gegenwind in der Arbeit für Gottes Reich. Gerhard Maier wird zum Thema Verführung zitiert: „Verführung ist für die Gemeinde gefährlicher als Verfolgung. Verfolgung eint die Gemeinde. Verführung spaltet sie. Verfolgung lässt das Echte hervortreten, Verführung das Unechte triumphieren.“
Parzany schließt das Buch mit dem Wunsch nach Freimut in einer pluralistischen Gesellschaft und innerhalb der Kirche. Freimut Gott gegenüber und in der Verkündigung von seinem Wort.

Fazit
Parzanys Buch liest sich wie ein Diagnosebericht eines Arztes, dem sein Patient sehr nahe steht. Aus dem Buch heraus liest sich der Schmerz über Fehlentwicklungen und großen Krisen. Parzany tritt hier nicht als ein „Leisetreter“ auf, sondern er legt den Finger in die Wunden. Diese Direktheit mag einige verärgern, sie kann aber auch heilsam sein. Scharfe Vorwürfe gegen seine Person, wie sie von manch einem Leser kam, sind unangebracht. Interessant ist die Entwicklung, dass Parzany oft sehr scharf für Positionen angegriffen wird, die früher die völlig normale Sichtweise bei evangelikalen / evangelischen Gemeinden und Kirchen waren.
Das Buch ist ein Weckruf eines verdienten Mann Gottes. Es ist auch für Freikirchler sehr lesenswert.
Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung!

Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der SCM-Hänssler Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Die Rückkehr Schleiermachers – #Parzany

In seinem Buch Was nun, Kirche? beklagt Ulrich Parzany u.a. die Infragestellung der Autorität der Bibel.
Er führt dies auch auf Schleiermacher zurück und vergleicht ihn, im Kontrast, mit Karl Barth.
So habe Schleiermacher in seinem Buch „Reden über Religion – An die Gebildeten unter ihren Verächtern“ beschrieben, dass der Glaube ein Gefühl sei, welcher unabhängig von Natur und Geschichte ist. Somit sei er von den Fakten unabhängig.
Im Gegensatz dazu war bei Karl Barth die Offenbarung Gottes in Christus, die einzige Grundlage für den Glauben, die Kirche und die Theologie.
So war für Barth das leere Grab Jesu oder die Jungfrauengeburt eine notwendige Zeichenhandlung Gottes.
Über die aktuelle Situation schreibt Parzany:

Aber inzwischen ist Schleiermacher in vielen Verkleidungen wieder in Mode. Wie wirkt sich das aus?
Im Theologiestudium lernt man, die biblischen Texte historisch-kritisch auseinanderzunehmen. Je nach Lehrer ist auf mehr oder weniger von den biblischen Aussagen historisch Verlass. Man lernt aber zugleich, dass es gar nicht darauf ankomme, ob Jesus tatsächlich von der Jungfrau Maria geboren sei, ob er Wunder getan habe, dies oder jenes Wort wirklich gesagt habe, vom Tod leiblich auferstanden sei, sodass sein Grab leer war. In diesen Berichten drücke sich Glaube und Hoffnung der Erzähler aus. Und diese Erzählungen wollten uns sozusagen anstecken oder herausfordern, ähnlich zu glauben und zu hoffen. […] Auf diese Weise lernen Theologen, kritische Demontage der Bibeltexte und erbaulich fromme Deutung miteinander zu verbinden.

Ob dies nicht auch eine Herausforderung für evangelikal geprägte Gemeinden ist?

Das Nashville Statement


In der USA haben führende Theologen das Nashville Statement“ verfasst und unterzeichnet.
Inhalt des Statment sind Fragen von Ehe und Familie, welche Ansichten sie bejahen und welche abgelehnt werden.
Die Thesen können hier eingesehen werden oder hier komplett heruntergeladen werden.
Unterzeichnet wurde es unter anderem von Albert Mohler Jr, Mark Dever, John MacArthur, Donald Carson und Wayne Grudem.
Eine nicht wirklich überraschende Kritik kam von Nadia Bolz-Weber (siehe hier).

„Inspiration und Wahrheit der Heiligen Schrift“

Im Jahr 2014 hat die Päpstliche Bibelkommision ein Dokument herausgegeben, dass sich mit der Frage der Inspiration der Heiligen Schrift befasst.
Auch aus evangelikaler Sicht lohnt es sich, dieses zu lesen und diskutieren, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in dieser Frage festzustellen und anhand des Selbstzeugnis der Bibel zu prüfen.
Download: Inspiration und Wahrheit der Heiligen Schrift
Medienpool Bibel und Inspiration siehe hier.

Zitat der Woche: Rechtfertigung und Welt

Ist das Ziel der Kirche eine Parallelgesellschaft oder soll sie in der Gesellschaft aufgehen?
Das Zitat der Woche beschäftigt sich damit:

Als die Gerechtfertigten werden wir von der in dieser Welt noch herrschenden Gottlosigkeit geschieden, aber wir werden nicht in einen Binnenraum versetzt, in dem die Geschicke der Welt und der Menschen, die noch in Gottesferne leben, uns gleichgültig sein können.
Rechtfertigungsfrömmigkeit ist somit keine weltabgewandte Jenseitsfrömmigkeit.
Nicht zur Abwendung von der Welt, auch nicht zur Anpassung an die Welt, aber zum Zeugnis, zur Hoffnung und zum Gebet für die Welt ist die Gemeinde Jesu Christi gerufen.

Aus: Dogmatik II, Gottes Weg mit dem Menschen (Joest & von Lüpke).

Bibelkommentar: Tyndale

Tyndale Commentaries ist eine englischsprachige Kommentarreihe zur ganzen Bibel.
Sie umfasst in 49 Bänden über 12000 Seiten.
Ich nutze sie bereits einige Zeit, vor allem für meine Predigtvorbereitungen, teilweise auch für theologische Ausarbeitungen.
Auf der einen Seite ist dieser Kommentar kurz gehalten, auf der anderen Seite schafft er es, auch aufgrund namhafter Autoren, wichtige exegetische Beobachtungen weiterzugeben.
Mitgeschrieben haben Theologen wie Douglas Moo, F.F. Bruce, Leon Morris, R.T. France, Wayne Grudem und N.T. Wright.
Bis Ende des Monats ist diese Reihe um 30% bei Logos reduziert, siehe hier.
Eine ausführlichere Beschreibung gibt es hier.

Thesen zur Taufe

Aus gegebenen Anlass habe ich mein Taufverständnis thesenhaft formuliert. Hier kann es nachgelesen werden:

  1. Die christliche Taufe steht in Verbindung mit der Johannestaufe. So rief Johannes zur Umkehr auf und die ihre Sünden bekannten wurden im Jordan getauft (Mk 1, 5).
    • Jesus selbst ließ sich von Johannes taufen (u.a. Mk 1,9ff). Zu Jesu Lebzeiten tauften bereits Jesu Jünger (Joh 4,2). Von dem auferstandenen Christus erging der Taufauftrag an seine Nachfolger (Mt 28,19f).
    • Ihre letztendliche und entscheidende Verankerung hat die christliche Taufe im Heilshandeln Gottes, durch Jesus Christus. Durch dieses Geschehnis muss die Taufe letztliche interpretiert werden.
    • Der Begriff der Taufe (βαπτίζω) wird im Neuen Testament nicht ausschließlich als ein Terminus Technicus für die Wassertaufe verwendet, sondern kann metaphorisch, oder auch für Reinigungshandlungen benutzt werden (z.B. Mk 10,38, Lk 11,38).[1] Oft zeigt eine Formel (auf den Namen, im Namen) denn Zusammenhang von βαπτίζω mit der Wassertaufe an.[2]
    • Die Bibel kennt auch eine Taufe mit Heiligen Geist (Lk 3,16). Eine Gleichsetzung von der Taufe in Wasser und der Taufe in Geist ist mit Zurückhaltung zu begegnen. Continue reading „Thesen zur Taufe“

Eine neue Nero Perspektive?

War Nero wirklich der grausamme und blutrünstigste Kaiser, wie ihn die Geschchichtsschreiber darstellten? Ist er der Antichrist, das Tier aus der Offenbarung? Stimmt das Bild, dass wir von ihm haben? Oder ist er das Opfer einer Rufmordkampane der Nachwelt?
In dieser Dokumentation kommen Stimmen zu Wort, die ein neues Bild dieses Kaisers zeichnen wollen.
Ob diese neue Nero Perspektive zutrifft sei dahingestellt, manche Thesen sind ohne Frage mutig. Dennoch lohnt sich die Beschäftigung damit!

Continue reading „Eine neue Nero Perspektive?“

Themelios August ’17

Die Zeitschrift Themelios, herausgegeben von „The Gospel Coalition“ ist diesen Monat wieder erschienen.
Die aktuelle Ausgabe ist jeweils gratis verfügbar.
Download: PDF-Version; Logos-Version.

Inhalt:

  • “Editorial: On Knowing When to Resign” by D.A. Carson
  • “Strange Times: The ‘Only’ Problem” by Daniel Strange
  • “Confession of a Reformed Philosopher: Why I Am a Compatibilist about Determinism and Moral Responsibility” by John C. Wingard Jr.
  • “Natural Selection and an Epistemology of Evil: An Incompatible Pair” by J. Daniel McDonald
  • “Wendell Berry’s ‘Risk’: In the Middle of Gay Marriage?” by Jacob Shatzer
  • “The Preeminence of Knowledge in John Calvin’s Doctrine of Conversion and Its Influence Upon His Ministry in Geneva” by Obbie Tyler Todd
  • “Redeeming Edwards’s Doctrine of Hell: An ‘Edwardsean’ Account” by Christopher Woznicki
  • “A Missiology of Excluded Middles: An Analysis of the T4T Scheme for Evangelism and Discipleship” by George A. Terry
  • Book Reviews

Studenten aufgepasst – Logos Academic Gratis

Wer Student der Theologie ist, kann hier ein Basic-Academic-Paket von Logos herunterladen.
Ein weiterer Tipp: Das deutsche Basic-Paket kann hier gratis herutergeladen werden. Hierzu gehören unter anderem einige neue, alte Bibelkommentare und der Heidelberger Katechismus.
Für die englischsprachige Literatur gibt es auch ein Basic-Paket. Hier ist der Download. Es gibt auch noch eine katholische Version, diese findet ihr hier.

Missional?

Thomas Schirrmacher schreibt auf seinem Blog über die Frage des „missionalen“ Verständnisses (nachzulesen hier).

Ein Beispiel für einem missionalen Engagement, dessen langfristige Wirkung er hinterfragt, ist aus dem Buch „Missional Renaissance“: Ein typischer Beleg ist die Zusammenfassung am Ende, in der als herausragendes Beispiel für missionales Handeln eine Gruppe vorgestellt wird, die 10 Mio. $ für Hungernde gesammelt und 250.000 Jugendliche zu ehrenamtlichem Engagement motiviert hat. Kein Wort über die Hungernden, kein Wort, welche Veränderungen nachhaltig bewirkt wurden, kein Wort über sündige Strukturen, die den Hunger bewirken. Einfach nur ein Programm, das vor allem mit Geld und Zahlen prahlt, aber vermittelt: So gut wie wir war bisher noch niemand. Und das soll etwas noch nie da Gewesenes sein?
Dieses Buch kritisiert Schirrmacher weiter mit:
Allerdings werden Kirchen und ihre Mitarbeiter nicht mehr in ihrem Wesen als Gemeinde Jesu wahrgenommen, sondern nur noch nach ihrem Nutzwert für das neue Programm befragt. Dafür jedenfalls beruft sich McNeill zu Unrecht auf das Missio-Dei-Konzept, auf David Bosch und Leslie Newbegin.

Schirrmacher verurteilt allerdings den Begriff des missionalen nicht generell, sondern weist auch auf die verschiedenen Interpretationen hin: Continue reading „Missional?“

Buchvorschau: Predigen – Tim Keller

Ende September erscheint ein Buch auf das ich besonders gespannt bin.
Timothy Kellers Buch „Preaching: Communicating Faith in an Age of Skepticism“ erscheint auf deutsch.
Predigen – Damit Gottes Wort Menschen erreicht.

Verlagstext:
Timothy Kellers Predigten erreichen jede Woche tausende von spätmodernen Skeptikern in Manhattan. Als Prediger und Theologie hat er Millionen von Menschen inspiriert. In „Predigen“ wendet er sich an alle, die Gottes Wort an andere Menschen weitergeben wollen – ob Pastoren oder Laien, ob Prediger auf der Kanzel oder Hauskreisleiter, Gemeindemitarbeiter, christliche Autoren oder Blogger.
Vielen Christen – auch Pastoren! – fällt es schwer, so vom Glauben zu reden, dass andere Menschen davon angesteckt werden und ihr Leben verändert wird. Sie sehen sich einer Kultur gegenüber, in der viele Menschen gegen jegliche Wahrheitsansprüche resistent geworden sind. Umso mehr brauchen die Menschen, Christen wir Nichtchristen, die Verkündigung des Evangeliums in ihrer Sprache und Gedankenwelt.

In „Predigen“ gibt Timothy Keller keine „Anleitung in sieben Schritten zur erfolgreichen Predigt“. Und er macht keine falschen Versprechungen: Ob die Predigt oder die Weitergabe des Evangeliums völlmächtig und lebensverändernd war und der Heilige Geist durch die Predigt wirken konnte, das hat kein Prediger in der Hand.
Aber Timothy Keller zeigt, was eine biblische Predigt ausmacht – eine Auslegungspredigt, die die Menschen erreicht: Was der Prediger sagt, ist nicht seine bloße Meinung. Er verkündet das Wort Gottes, wie er es in der Bibel gefunden hat (die Textpredigt ist deshalb die Regel, die Themapredigt die Ausnahme). Eine gute Predigt ist immer eine Predigt des Evangeliums von Jesus Christus und fasst damit die zentrale Botschaft der Bibel ins Auge. Und ein guter Prediger kommuniziert immer kontextuell – er spricht so, dass er die Lebenswelt der Hörer trifft: Ihre Probleme, ihre Zweifel, ihre Fragen, ihre Sprache.

Generation Beziehungsunfähig?

Ist die Generation Y beziehungsunfähig?
Welt online schreibt darüber, dass junge Menschen nicht mehr wissen, wie eine Beziehung geführt werden soll.
Sie zitieren auf einer Havard-Studie:
Große Zahlen von Teenagern und jungen Erwachsenen sind unvorbereitet für sorgende, dauerhafte romantische Beziehungen und haben Angst, sich darauf einzulassen.
Welt online kommentiert das folgendermaßen:
Dies lässt sich mit dem Alltag von jungen Menschen heutzutage vergleichen. Große Auswahl, aber wer sich für etwas entscheidet, riskiert die bessere Option auszulassen. Gar nicht erst einlassen scheint da konsequenter. Beispiel Dating-Apps. Wer sich dort tummelt, wischt schon mal gern in die Tausende. Oder behauptet es zumindest. Von „einlassen“ kann dabei keine Rede sein.
Das, was die Wissenschaftler als „dauerhafte romantische Beziehung“ bezeichnen, ist dabei nicht wirklich vorgesehen. Im Gegenteil. Dating läuft oft genug wie Schuhe bestellen: Man ist sich nicht so sicher, bestellt zur Not einfach mal alle und im Zweifel gehen sie dann auch alle wieder zurück.

Was nach fröhlichem Ungebundensein klingt, ist aber ein ziemlicher Beziehungs-Verhinderer, wie der Paartherapeut Christoph Uhl erklärt:
„Eine von Nähe, Vertrautheit, Verbindlichkeit getragene Beziehung passt da nicht rein, ist schlicht zu riskant und wird als zu arbeitsintensiv gefürchtet. Unsere Eltern und Großeltern haben noch etwas anderes erlebt, können uns nicht wirklich Tipps geben.“
[…]
Ganze 70 Prozent der 18- bis 25-Jährigen hatte dort [Anm. in der Studie] angegeben, sich von den Eltern mehr Unterstützung und mehr Informationen zum Thema Liebe und Beziehung zu wünschen.

Was kann gegen diese Beziehungsunfähigkeit getan werden?
Von meiner christlichen Prägung her schauend, möchte ich folgende Thesen aufstellen: Continue reading „Generation Beziehungsunfähig?“

Heiliger Geist, menschliche Vernunft und Exegese

Aktuell genieße ich die Dogmatik von Joest & von Lüpke. Darin schreiben die Autoren auch über die Frage wie die Bibel richtig verstanden werden soll.
Sie schreiben über die Wirkung des Heiligen Geistes beim Verstehen der Bibel, über rein menschliche Vernunft und wie Demut und Abhängigkeit vom Heiligen Geist notwendig sind:

Wie jede Interpretation steht auch eine auf den Heiligen Geist achtende theologische Auslegung in der Gefahr, das je eigene Vorverständnis zur Norm zu erheben und somit auszuschließen, was dieser Norm nicht entspricht. Insbesondere ist hier das Problem zu sehen, dass der Heilige Geist mit der auszulegenden Vernunft gleichgesetzt wird. Was der Heilige Geist ist und was er wirkt, wird dann kritisch an dem bemessen, was die Vernunft in theoretischer, moralischer und religiöser Hinsicht als Ideal ansieht. Wird hier der Heilige Geist geradezu zum Doppelgänger der allgemeinen menschlichen Vernunft, so ist demgegenüber vom biblischen Zeugnis her gerade die Fremdheit, das Anderssein des Heiligen Geistes zu betonen. Dieser kommt zum Menschen, der von sich aus gerade nicht über ihn verfügt. […]
Auch er [Anm. Der Heilige Geist] erwählt, was töricht ist vor der Welt, um die Weisen zuschanden zu machen (1Kor 1,27).

Und später schreiben sie über das Verständnis von Karl Barth:
Das Wort Gottes – so Barth – ist für den Menschen überhaupt nicht uns zu keiner Zeit verstehbar; es wird verstanden, wenn Gott selbst, der Heilige Geist, im Menschen Hören und Verstehen wirkt.
Continue reading „Heiliger Geist, menschliche Vernunft und Exegese“

Eine neue Einleitung in das NT

Armin Baum, Professor an der FTH Gießen, hat den ersten Band einer Einleitung in das Neue Testament geschrieben.
Diese erscheint bei der TVG und ist ab dem 15. November 17 erhältlich.

Der Verlag schreibt:
In seiner umfangreichen historischen und literarischen Einleitung in die Evangelien und die Apostelgeschichte behandelt Armin Baum die klassischen Fragen der neutestamentlichen Einleitungswissenschaft. Neben der Sprache, dem Erzählstil, der Verfasserschaft, den Gattungen, der synoptischen Frage und der Entstehungszeit werden auch textkritische Besonderheiten und kanontheologische Problemen analysiert.

Der Autor ist überzeugt, dass die neutestamentlichen Erzählbücher zur antiken Geschichtsschreibung gehören und dabei einen überwiegend alttestamentlich-jüdischen Charakter aufweisen. Die vier kanonischen Evangelien sind im Kontext einer antiken Gedächtniskultur entstanden, in der menschliches Erinnerungsvermögen und mündliche Überlieferung eine dominierende Rolle spielten. Bei der Beurteilung der Historizität der neutestamentlichen Geschichtsbücher ist vom antiken Konzept historischer Authentizität auszugehen, das sich nicht am Wortlaut, sondern am Inhalt orientierte. Continue reading „Eine neue Einleitung in das NT“

Archäologie: Funde aus der Zeit des ersten Tempels

Der Deutschlandfunk berichtet über Funde aus der Zeit des ersten Tempels. Nachzulesen hier:

In Jerusalem haben Archäologen neue Belege dafür entdeckt, dass die Stadt im Jahr 586 vor Christus durch die Babylonier zerstört wurde.

Unter Steinschichten habe man Krüge, verkohltes Holz, Traubenkerne und Knochen aus der Zeit des ersten Tempels gefunden, teilte die israelische Antikenbehörde mit. Viele der Gefäße hätten einen charakteristischen Stempel aus der damaligen Zeit gehabt.

Der Fundort gilt als der älteste besiedelte Teil Jerusalems. Um das Jahr 1000 vor Christus machte König David sie zur Hauptstadt seines Reichs. Sein Sohn Salomon baute der Überlieferung zufolge auf einem benachbarten Hügel den ersten jüdischen Tempel. Die israelische Antikenbehörde gab den Fund kurz vor dem jüdischen Gedenktag „Tisha B’Av“ bekannt, der an die Tempel-Zerstörung erinnert.

Was ist evangelikal?

Was bedeutet „evangelikal“? Welche Kirche oder welcher Christ sollte so bezeichnet werden?
Ein gelungener Podcast dazu gibt es von „Hart aber herzlich“:

Hat der Begriff Evangelikal ausgedient?

Rettet die Kirche: Schafft die Kirchensteuer ab

Der einzige Anglikaner im Hauptvorstand der Evangelischen Allianz Deutschland, Martin Reakes-Williams, ist der Ansicht, dass die Abschaffung der Kirchensteuer die evangelischen Kirchen retten kann.

Idea berichtet:

Ihm zufolge kommt die Kirche von England gut ohne Kirchensteuer aus. Die Gemeinden lebten von Spenden und von den Menschen, deren Herzen vom Evangelium berührt seien. In Deutschland würden viele Gemeinden nur von der Kirchensteuer am Leben gehalten. Wenn sie wegfiele, würde man merken, dass viele Gemeinden geistlich längst tot seien. Reakes-Williams: „Manchmal scheint es mir, dass die Kirchen in Deutschland wie ein Patient auf der Intensivstation sind.“ Es bestehe ein großer Unterschied zwischen dem noch volkskirchlich geprägten Westen und dem weitgehend atheistisch geprägten Osten. Die Kirchen in der ehemaligen DDR hätten die große Chance, für den Westen Pionierarbeit zu leisten. Dort „müssen die Kirchen gezwungenermaßen darüber nachdenken, wie sie das Evangelium wieder unter die Menschen bringen können“.[…]

Nach Worten von Reakes-Williams sind die Deutschen „Weltmeister in Sachen Gründlichkeit“. Dadurch seien sie fähig, große Projekte durchzusetzen. Die Evangelisation proChrist sei ein Paradebeispiel dafür. Allerdings frage er sich, ob die theologisch konservativen Protestanten – die Pietisten – noch daran glaubten, dass das Wort Gottes die Kraft des Heiligen Geistes habe. Dies habe er in England erlebt. Wer in Deutschland aufgewachsen sei, dem falle es in der Regel schwerer, dieses Urvertrauen zu haben, weil es hier nicht so viele positive Beispiele gebe.

Siehe zu hierzu auch Peter Hahnes Kritik an der Kirchensteuer (Idea) und das Buch Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab.

 

Hoffnung für alle – ein Interview

Für den deutschen Logos-Blog habe ich mit Urs Stingelin ein Interview, über die Revision der Hoffnung für alle Übersetzung geführt. Hier einige Auszüge (die vollständige Version ist hier):

Jetzt-vorbestellbar

JT: Die aktuelle Ausgabe der Hoffnung für Alle ist bereits ihre vierte Revision. Was unterscheidet die neue Ausgabe von den bisherigen? Und warum wird sie immer wieder überarbeitet?

Streng genommen ist es nicht die vierte Revision, sondern nur die zweite, für das Alte Testament sogar die erste. 1983 erschien zum ersten Mal das Neue Testament. 1991 kamen die Psalmen dazu und 1996 der Rest des Alten Testaments. 2002 erschien die erste Revision. Revidiert wurde damals aber nur das Neue Testament.

In unserer zweiten Revision, die im Jahr 2015 beendet war, überarbeiteten wir dann die gesamte Bibel, deren älteste Texte zu dieser Zeit vor über 25 Jahren übersetzt worden waren. Wenn man sich überlegt, was während dieser Zeit nur schon auf der Ebene der wissenschaftlichen Computersoftware möglich geworden ist, und wie viele Kommentare, Monographien etc. in der Zwischenzeit publiziert wurden, kann man sich leicht vorstellen, dass Handlungsbedarf vorhanden war. Außerdem hat sich in den letzten 20 Jahren auch die deutsche Sprache nochmals stark verändert.

JT: Es gibt in Deutschland unzählige Bibelübersetzungen auf dem Markt. Warum soll ich ausgerechnet die Hfa vorziehen?

Die Hoffnung für alle zeichnet sich vor allem durch ihre inhaltliche Treue aus. Diese ist mit einer wortgetreuen Bibelübersetzung nicht immer gegeben. Anders gesagt: Wörtliche Übersetzungen geben Einblick in die Wörter, die in der Ausgangssprache verwendet wurden, was aber nicht unbedingt zum richtigen Verständnis der Texte beiträgt.

In 1. Samuel 24,4 lesen wir beispielsweise wörtlich: „Und er kam zu den Schafhürden am Weg. Dort war eine Höhle, und Saul ging hinein, um seine Füße zu bedecken.“ Jahrelang las ich selber aus diesem Vers heraus, dass Saul geschlafen hatte, als ihm David begegnet war. Erst sehr viel später verstand ich, dass man sich nur in unserer Kultur zum Schlafen die Füße zudeckt, in der jüdischen jedoch dieses Bild benutzt wird, wenn gesagt werden soll, dass jemand seine Notdurft verrichtet. Entsprechend wird der Sachverhalt in der Hoffnung für alle wiedergegeben. Dazu kommt, dass die Hoffnung für alle eine gut verständliche Sprache verwendet und in der Deutung besonders sorgfältig auf den jeweiligen Kontext achtet.

JT: Was ist das Ziel der Hfa, welchen Aspekt möchte sie priorisieren? Continue reading „Hoffnung für alle – ein Interview“

Martin Luther – Aus Liebe zur Wahrheit

Dieses Jahr wird das Reformationsjahr gefeiert. Martin Luther ist In. Autoren wie Petra Gerster, Andreas Malessa bis hin zu Eugen Drewermann oder Kardinal Walter Kasper, sie alle schrieben über Luther. Unzählige weitere Bucherscheinungen habe ich allein in dem letzten Jahr registriert, teilweise mit gemischten Gefühlen. Bei zu vielen der Titel, oder auch der Buchvorstellungen kamen mir Erinnerungen an ein Ergebnis von Schweizers „Geschichte der Leben-Jesus Forschung“ hoch. Mir erschien es, dass jeder ein Bild von Luther zeichnete, in welches die eigenen Wünsche und Vorstellungen hinein projektiert worden sind.

Diese Vorurteile (ob sie nun begründet sind oder nicht) habe ich ein Stück weit auch für das Buch „Martin Luther. Aus Liebe zur Wahrheit“ in meinem Hinterkopf behalten. Meine Befürchtung war, dass hier Luther möglicherweise (ungewollt) zu einem Evangelikalen gemacht werden könnte.

Rezension zu: Berthold Schwarz (Hrsg.), Martin Luther. Aus Liebe zur Wahrheit. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft 2016.

Die Makro-Perspektive: Mein erste Eindruck
Dieses Buch beschreibt in erster Linie nicht das Leben von Martin Luther, sondern in großen Stücken Luthers Theologie und Grundverständnisse und teilweise auch dessen Auswirkungen. Nach einer kurz gehaltenen historischen Einführung folgen 5 Hauptteile, gefolgt von einem Epilog. Die Hauptteile sind in die 4 „Sola’s“ unterteilt (Christus, Schrift, Gnade, Glaube) und in „Alles zur Ehre Gottes“. Diese Themen wurden von verschiedensten Autoren, in einem bunten Mix von Beiträgen vertieft. Insgesamt haben in diesem Buch 22 Autoren mitgeschrieben.
Der erste Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass hier die verschiedensten Aspekte des Glauben und Denken von Martin Luther behandelt werden sollen. Grundlegende Themen wie Luthers Rechtfertigungsverständnis, heiß diskutierte Themen wie Luthers Schriftverständnis, aber auch Fragen des Einflusses von Luther auf den Staat, die Musik und die Kunst, werden behandelt. Sehr erfreulich war für mich, dass besonders schwierige Bereich von Luther nicht ausgeklammert worden sind. So gibt es ein Beitrag von Berthold Schwarz über Luther und die Juden, sowie ein Beitrag von Gottfried Hermann über Luthers Verhalten gegenüber den Täufern.

Die Mikro-Perspektive: Die einzelnen Beiträge
Auffallend ist insgesamt, dass die Beiträge sich sowohl in der Qualität, als auch in ihrer Lesbarkeit unterscheiden.
Bei der Lektüre des Buches haben mich besonders die Beiträge interessiert die sich entweder mit schwierigen Luther-Fragen auseinandersetzten, oder Überlegungen wie Luthers Einsichten für die heutige Lebenswirklichkeit relevant gemacht werden können.
Für diese Rezension greife ich exemplarisch auf drei Beiträge zurück.

Für besonders gelungen halte ich den Beitrag „Luther, das Evangelium der Gnade und die Juden“ (von Berthold Schwarz). Dieses Thema wird, nach meiner Beobachtung, sehr oft unausgewogen behandelt. Während die einen Luther ohne Unterlass verteidigen, wird er von anderen komplett verdammt.
Dieser Beitrag wirkt dagegen ausgewogen und unaufgeregt. Es wurde hier der Versuch unternommen Luthers Motivation und Beweggründe nachzuzeichnen, welche ihn in seiner Lebenswelt zu der Verfassung solcher Aussagen bewogen haben. Neben dem damaligen historischen Kontext, wird der Wandel von Luther, gegenüber den Juden, mit Verweisen auf Texte Luthers, nachgezeichnet; bis hin zu den Eskalationen, welchen die berühmt-berüchtigten Schriften folgten. Schwarz erwähnt auch Reaktionen von Luthers Mitstreiter, welche, wie Melanchthon, über diese Aussagen entsetzt waren.

Ein guter Diskussionsbeitrag ist „Die Sache mit der strohernen Epistel – War Luther ein Bibelkritiker“ (von Jung und Schwarz).
Zu Beginn habe ich meine Vorurteile gegen Luther-Bücher angeführt. Bei diesem Beitrag war ich nun diesbezüglich besonders gespannt. Während in manchen Diskussionen Luther, von liberaleren Theologen, schon fast als Patron der Bibelkritik aufgeführt wird, störte es mich auf der anderen Seite, wenn von unserer evangelikalen Seite Luther wie ein Unterzeichner der Chicagoer-Erklärung behandelt wurde.
Als ich den Beitrag gelesen hatte, war ich nicht nur erleichtert, dass dieses Vorurteil nicht zugetroffen hatte, vielmehr fand ich diesen Artikel inspirierend für weitere Diskussionen. Die Autoren schafften es ein umfassenderes Bild von Luther zu zeichnen, indem sie seine gegensätzlichen Aussagen nebeneinander stehen lassen, ohne diese künstlich zu harmonisieren.
Eine Handhabung welche manch einem Autor sicher gut stehen würde.

Allerdings haben mich nicht alle Beiträge begeistert. Nachdem ich „Luther und die Toleranz – Sein Verhalten gegenüber den Täufern“ (von Gottfried Herrmann) gelesen hatte, drängte sich mir die Frage auf, ob hier nicht der Wunsch, Luther von den Vorwürfen freizusprechen, den Artikel zu stark beeinflusst hatte.
So wurde geschrieben, dass Luther für Glaubens- und Meinungsfreiheit plädierte, solang diese Diskussionen gewaltlos waren (in dem Beitrag schwingt die Aussage mit, dass das ein Hauptgrund der Täufer-Verfolgung eine Verquickung mit gewalttätigen Strömungen war). Zusätzlich sollte der Staat (lediglich) bei Lästerungen einschreiten. Herrmann vergleicht die Grenzen der Toleranz bei Luther (welche dann griff, wenn Gewalt im Spiel war, oder die Gesellschaftsordnung in Frage gestellt wurde) mit den „Toleranzgrenzen“ unserer Gesellschaft, wenn gegen Hasskommentar in soziale Medien, oder der Verbreitung von NS-Gedankengut, vorgegangen wird. In diesem Zusammenhang lässt die Erwähnung von Luthers, an die Schrift gebundene Gewissensfreiheit, am Ende des Beitrages, bei mir die Frage aufkommen, warum diese Freiheit nicht für die Täufer galt, welche nicht die Kindertaufe anerkannten. Eine Antwort gibt dieser Artikel hierzu nicht.

Der zweite Eindruck
Wie Oben erwähnt, ist das Buch ein vielschichtiger Beitrag zu der Frage nach Luthers Glauben und Denken. Auch wenn die einzelnen Beiträge von mir unterschiedlich wahrgenommen und beurteilt wurden, halte ich es insgesamt in weiten Stücken für gelungen, da es sich von verschiedenen Seiten Luther annähert, und Lust macht, mehr über diesen Reformator zu erfahren und seine Theologie zu diskutieren.

Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir die Christliche Verlagsgesellschaft freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Zitat der Woche: #Bonhoeffer

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer schreibt Folgendes über ein Glauben der diakonisch tätig wird:

Es wäre eine Lästerung Gottes und des Nächsten, den Hungernden hungrig zu lassen, weil gerade des Nächsten Not Gott am nächsten sei. Um der Liebe Christi willen, die dem Hungernden gehört wie mir, brechen wir das Brot mit ihm, teilen wir die Wohnung. Wenn der Hungernde nicht zum Glauben kommt, fällt die Schuld die, die ihm das Brot verweigerten. Dem Hungernden Brot verschaffen ist die Wegbereitung für das Kommen der Gnade.

Evangelikale Heiden?

Wayne Grudem stellt in seiner Biblischen Dogmatik eine definitiv provokante These auf.  Er schreibt von einer Gefahr von „unbekehrten Evangelikalen“. Auf der einen Seite provozieren diese Äußerungen, auf der anderen regen sie auch zum nachdenken an. Ausgehend von der Lehre der Unverlierbarkeit der Errettung schreibt er:

Obwohl ein echter Christ, der sündigt, seine Rechtfertigung oder Adoption vor Gott nicht verliert […], muss eine klare Warnung ausgesprochen werden, dass die bloße Zugehörigkeit zu einer evangelikalen Gemeinde und äußerliche Anpassung an akzeptierte „christliche“ Verhaltensmuster die Errettung nicht garantiert. Insbesondere in Gesellschaften und Kulturen, wo es leicht vorkommt (oder sogar erwartet wird), dass Menschen bekennen, Christen zu sein, besteht eine realistische Möglichkeit, dass manche sich der Gemeinde anschließen, die keine echte Wiedergeburt erlebt haben. Wenn solche Leute dann in ihrer Lebensweise Christus immer mehr ungehorsam werden, sollten sie nicht mit trügerischer Selbstgefälligkeit beschwichtigt werden, indem ihnen versichert wird, dass sie ja immer noch die Rechtfertigung oder die Adoption in die Familie Gottes hätten. Eine konsequente Lebensweise des Ungehorsams gegen Christus, verbunden mit einem Mangel der Elemente der Frucht des Heiligen Geistes, die in Liebe, Freude, Friede, usw. besteht (siehe Gal 5,22-23), ist ein Warnsignal dafür, dass die Person innerlich wahrscheinlich kein wahrer Christ ist, dass vom Anfang her wahrscheinlich kein echter Herzensglaube und kein Werk des Heiligen Geistes mit der Wiedergeburt vorhanden war.

 

Karfreitag

Das Geschehen am Kreuz ist paradox.
Zum einen zeigt die menschliche Rebellion ihre hässlichste Fratze, der Sohn Gottes wird zu Tode gequält.
Auf der anderen Seite zeigt das Kreuz die Hingabe Gottes an den Menschen, welche uns den Exodus aus der Gefangenschaft der Sünde eröffnet.