Sex vor der Ehe

Die Bibel schreibt nichts zum Thema Sex vor der Ehe“.
Diese Aussage ist zumindest immer wieder zu hören. Fragt sich nur ob es eine Wahrheit oder eine Legende ist.
Und wenn die Bibel etwas zu dem Thema sagt, ist es dann nicht einfach das Spiegelbild einer verklemmten Gesellschaft? Regeln von patriarchalen Männern mit langen Bärten?
Auch solche Aussagen sind immer wieder zu hören.
Es ist ein Thema über das heiß diskutiert wurde, ein Thema das polarisierte und bis in evangelikale Prägungen für Streit sorgte.

Doch wie ist diese Thematik aus biblischer Sicht zu beurteilen? Was sind die Fakten?
Aus dem Buch (Jesus der Jude…) von Guido Baltes habe ich folgende Ausführungen entnommen die ich im hier zusammenfassen werde:
In der jüdischen Tradition gab es zwei Phasen der Eheschließung.
Die erste Phase war das Heiratsversprechen (kiddushin), welches öffentlich war und dokumentiert wurde.Die Ehe begann tatsächlich meist ein Jahr später mit dem Zusammenziehen der Ehepartner (nissuin).
In der jüdischen Ethik stand fest, dass allein die Ehe (nissuin) der Ort für Sexualität war.
Damit grenzten sie sich von ihrer Umwelt deutlich ab, welche in dieser Frage sehr freizügig dachten.

Die Aussage, dass die Bibel nichts über Sex vor der Ehe sagt, entspricht nicht der Realität.
Durch das jüdische Umfeld war es aber nicht nötig viel dazu zu sagen, denn es war eine Selbstverständlichkeit.
Dies wird durch die Zusammenfassungen der wichtigsten Grundregeln bei Jesus und Paulus deutlich (Bsp. 1Thes 4,3).
Hier wird das griechische Wort porneia (hebräisch zenuth) gebraucht – nach dem jüdischen Verständnis schließt dieses Wort alle sexuellen Beziehungen außerhalb einer Ehe ein. Mehr war in dem jüdischen Umfeld gar nicht nötig um eindeutig Position zu beziehen.

Die jüdische Ethik war ein bewusster Gegenentwurf zu dem was allgemein normal war.
Wir Christen tun gut daran, wenn wir wieder bewusst diesen Gegenentwurf vertreten und leben. Unser Ziel soll nicht sein, dass wir vor den Maßstäben unserer Zeit einknicken. Wahrgenommen werden wollen wir Christen dadurch, dass wir nach den Maßstäben der Bibel leben.

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4 thoughts on “Sex vor der Ehe

  1. Für mich stellt sich die Frage: Wie kann man das heutzutage kommunizieren? Beispielsweise wird oft auf den Begriff porneia verwiesen, den Luther in der Regel mit Unzucht und andere mit sexueller Ausschweigung übersetzen. Wenn ich nicht wüsste, dass die ursprüngliche Wortbedeutung recht umfassend ist, würde ich davon ausgehen, dass es bei porneia um häufige Partnerwechsel, Bordellbesuche oder Prostitution geht. Nicht darum, dass zwei Menschen verbindlich zusammenleben, möglicherweise Kinder und ein Haus haben und nicht einfach von heute auf morgen die Beziehung beenden würden.

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    1. Willkommen Freeze!
      Du hast recht, die Frage der Kommunikation ist eine Herausforderung.
      Ich sehe das Problem aber eher in der deutschen Übersetzung „Unzucht“ und nicht in „porneia“.
      Für mich sollte das Problem in der Bibelübersetzung (z.B. durch ein umfassenderen Begriff oder durch eine Fußnote) geklärt werden. Allerdings ist die Erklärung auch eine Aufgabe des Predigers ;-).

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    2. Ich fürchte, genau da liegt das Problem. Ich kenne viele Christen, die das in ihren Kirchen nicht mehr vermittelt bekommen (haben). Deshalb wundert es mich nicht, wenn Christen das nicht mehr so leben.
      Andere sind verwirrt und sagen: „Wenn doch Frauen in den Kirchen predigen dürfen, warum sind die dann gegen Sex vor der Hochzeit?“ Nach dem Motto: Das eine relativieren sie und passen sie an ihre Kultur an (z. B. die Frauenfrage), das andere soll immer noch Sünde sein?

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  2. Du hast recht… Diese Problematik ist leider vorhanden… Von daher sehe ich hier eine wichtige Verantwortung sowohl bei theologischen Ausbildungsstätten (in einer guten Ethik) aber auch bei Predigern, Gemeindeleitern, etc. diese Themen zu vermitteln. Denn unsere Zeit prägt uns automatisch und wenn wir nicht bewusst dagegen steuern nehmen wir dieses Denkmuster an.

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