«Blue-Planet-Edition»-2043592Seit diesen Herbst ist die neu überarbeitete Ausgabe der „Hoffnung für alle“ auf dem Markt. In einem Interview wird von fontis.ch mit dem Projektleiter der Übersetzung, Urs Stingelin, gesprochen. Das Interview findet sich hier.
Im Folgenden einige Auszüge:

Herr Stingelin, erzählen Sie uns kurz: Wie überarbeitet man eine Bibel?

Urs Stingelin: Bei der Hoffnung für alle ging es darum, die biblischen Grundtexte noch genauer wiederzugegeben und sie dabei trotzdem verständlich zu halten. Deswegen haben Sprachwissenschaftler zuerst den vorhandenen Text der „Hoffnung für alle“ Vers um Vers mit der hebräischen, aramäischen und griechischen Bibel verglichen. Und überall, wo es etwas zu verbessern gab, wurde das für die Bibelübersetzer vermerkt.

In einer zweiten Runde haben Theologen den Text der Hoffnung für alle überarbeitet und dabei die Rückmeldungen der Sprachwissenschaftler beachtet. Dazu haben sie sich auch die ursprünglichen Texte noch einmal angeschaut und die aktuellen Kommentare berücksichtigt. Zuletzt haben wir bei allen Bibeltexten noch einmal den sprachlichen Stil überprüft. Außerdem haben wir auch darauf geachtet, dass sich Bibelstellen, die sich aufeinander beziehen, nicht plötzlich widersprechen. […]

Wo lagen die größten Herausforderungen bei diesem Mammutprojekt?

Urs Stingelin: Für mich als Projektleiter waren die größten Herausforderungen die Faktoren Zeit und Geld. Die Überarbeitung der Hoffnung für alle hat rund acht Jahre beansprucht. Das hört sich nach viel an, ist es aber nicht: Die gesamte Bibel umfasst 30‘554 Verse. Betrachtet man es so, hatten wir pro Vers nicht einmal eine Stunde Zeit und das bei 365 Tagen Arbeit pro Jahr. Fragen Sie einmal einen Pfarrer, wie lange er sich für eine Predigt zu vier bis fünf Versen vorbereitet!

Auch anspruchsvoll für die Übersetzer sind Stellen, die man in Einklang miteinander bringen möchte. Es gibt viele Sätze oder Teilsätze in der Bibel, die gleich oder ähnlich auch noch an anderen Stellen vorkommen. Dort stehen sie allerdings teilweise in einem ganz anderen Zusammenhang. Hier beginnt eine sehr schwierige Gratwanderung, um die Form des Textes anzupassen, aber gleichzeitig charakteristische Unterschiede im Inhalt beizubehalten.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um eine Bibel zu überarbeiten?

Urs Stingelin: Zuallererst braucht es die Liebe zum Wort und einen langen Atem. Darüber hinaus sind natürlich sichere Sprachkenntnisse in Hebräisch, Aramäisch, Altgriechisch, Deutsch und Englisch entscheidend, aber auch sehr gute theologische und historische Kenntnisse. Ich bin außerdem davon überzeugt, dass die Bibel sich jemanden noch einmal ganz anders erschließt, wenn er sich dafür entschieden hat, auch danach zu leben. […]