Homosexualität – immer wieder, immer kontrovers, immer ein heißes Eisen

WP_20160308_001Passend zu der aktuellen Diskussion innerhalb der Evangelischen Allianz in Deutschland (siehe hier) erschien beim Brunnenverlag das Buch „Homosexualität – Biblische Leitlinien, ethische Überzeugungen, seelsorgerliche Perspektiven“.
Zuerst erschien dieses Buch in Großbritannien, Herausgeber dort war die hiesige Evangelische Allianz. In Deutschland wurde das Buch unter der Fachberatung von Prof. Dr. Raedel (FTH Gießen und AfeT-Vorsitzender) herausgegeben.

Überblick über das Buch

Das Buch möchte ich in drei Teile aufteilen. fingerprint-649818_1280
Zuerst (Kap 1) geht es um grundsätzliche Fragen der Homosexualität, der Sündhaftigkeit aller Menschen, Begriffe werden geklärt und auf den aktuellen Stand der Forschung wird eingegangen.
Im zweiten Teil (Kap 2) wird die biblische Sexualethik ausgeführt. Auf Fragen wie „wo soll nach Gottes Willen, zwischen wem Sexualität stattfinden“ und wo die Grenzen nach der Bibel sind, wird eingegangen. Kurz aber mit exegetischem Scharfsinn analysieren die Autoren die biblischen Aussagen.
Der dritte Teil 8 (Kap 3-5) macht die Hälfte des Buches aus. Hier wird auf die Frage eingegangen, was die biblischen Aussagen für unsere Praxis in den Gemeinden bedeutet. Seelsorgerlich wird die ganze Thematik der Homosexualität aufgearbeitet. Es wird der Unterschied zwischen homosexuellen Empfindungen, wie der Anziehung, der Orientierung oder der Identität und der homosexuellen Handlung aufgezeigt.
Anhand von mehren Praxisbeispielen wird in den nächsten zwei Kapiteln darauf eingegangen wie homosexuell empfindende Menschen, welche ihre Homosexualität nicht ausleben wollen geholfen werden kann. Aber auch wie die Gemeinde mit homosexuell lebende Mitglieder, seelsorgerlich und biblisch korrekt umgehen soll, mit dem Ziel, das die biblischen Maßstäbe gelebt werden.
In ihren Schlussfolgerungen kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass evangelikale Gemeinden alle willkommen heißen sollen, welche gleichgeschlechtliche Anziehungen erfahren, auch diejenigen die diese ausleben. Allerdings sollen evangelikale Gemeinden jegliche (!) sexuelle Handlungen außerhalb der Ehe von Mann und Frau nicht gutheißen.
Der Grundsatz soll hier der von Jesus sein, der die Ehebrecherin nicht verurteilt, sondern auffordert nicht mehr zu sündigen (Joh 8,11).

Bewertung

Dieses Buch ist nicht nur aufgrund der aktuellen Diskussion notwendig.
Es schließt eine sehr wichtige Lücke. Zu lange wurde diese Diskussion hochemotional geführt. Auf der einen Seite wurde nur auf die Wahrheit gepocht, aber die Menschen gingen dabei allzu oft unter die Räder und auf der anderen Seite wurde im Namen der Liebe auf die Wahrheit keinen großen Wert gelegt.
Dieses Buch schafft es beiden Seiten gerecht zu werden. Es bleibt der Bibel treu. Die Autoren suchen Wege einer biblischen Begleitung von Homosexuellen in die Freiheit, dem Weg Jesu zu folgen. Die Herausforderungen, in den Fällen in denen die Orientierung nicht verändert wird (oder werden kann) wird nicht verschwiegen. Die Autoren geben sich nicht der Illusion hin, dass jeder homosexuell Empfindende wie durch ein Wunder eine heterosexuelle Ehe eingeht.
Dieses Buch sei denen empfohlen, welche in der Sexualität mit zwei Maß messen. Denn es wird aufgezeigt, dass heterosexueller Sex vor oder außerhalb der Ehe nicht besser, sondern genau so sündig ist wie homosexueller Geschlechtsverkehr.

Das Buch sei allen empfohlen, welche in irgendeiner Weise mit Jugendlichen Arbeiten. Es sei denen empfohlen die vorschnell bei diesem Thema Porzellan zerschlagen und die Menschen vergessen. Es sei denen empfohlen welche vertreten, die Liebe kann nur Homosexualität gutheißen.
Es sei Pastoren, Theologen und Professoren empfohlen.
Dieses Buch ist ein gesunder Diskussionsbeitrag, dem ich weite Verbreitung wünsche.

5 thoughts on “Homosexualität – immer wieder, immer kontrovers, immer ein heißes Eisen

  1. Ein spannendes Buch, ohne Frage.
    Ich bin nur immer skeptisch, gerade bei einem so sensiblen Thema, ob dem Ringen wirklich gedient ist, wenn man mehr Literatur auf den Markt wirft. Eine Buchhändlerin hat vor einigen Wochen zu mir sehr treffend gesagt: „Wir haben nicht zu wenige Autoren, sondern zu wenige Leser.“
    Und wo wir Leser haben, haben wir oft zu einseitige Leser, würde ich hinzufügen.
    Es braucht wohl, neben guter neuer Literatur, vor allem eine Wiederbelebung der „Kultur des Lernens“ in der Gemeinde aber auch in der Gesellschaft allgemein. Dafür müssen wir aber anerkennen – und Hannah Arendt zeigt das sehr gut in ‚Vita Activa‘ auf – dass das Lernen keine Faulheit ist, oder auch nur ein Hobby unter vielen, sondern zur menschlichen Existenz gehört. Mensch sei bedeutet, dass man mehr lernt.
    Doch wem sage ich das 🙂
    Gute Rezension aber – und ein spannendes Buch, noch dazu federführend von einem meiner Professoren betreut. Danke für die Rezension!

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  2. Hi Bro,
    vielen Dank dir!
    Das ist eine berechtigte Frage…
    Ich denke auch, dass diese Diskussionen oft auf dem Rücken der Betroffenden (und das oft zu hart) geführt werden.
    Dieses Buch finde ich allerdings bietet eine Chance die Menschen mehr in das Blickfeld zu bekommen.
    P.S. hab mir jetzt das Buch von Sprinkle bestellt 🙂

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    1. Wenn es um Buchempfehlungen geht ist Ed Shaw’s Plausibility Problem auch sehr zu empfehlen, denn er ist selbst persönlich davon betroffen. Oder das Washed and Waiting vom ebenfalls betroffenen Wesley Hill.

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