earth-1023859_1920… oder warum ich eine dispensationalistische Eschatologie für nicht biblisch überzeugend halte.

Heute hatte ich bei Prof. Tim Geddert eine Vorlesung. Neben vielen spannenden Themen haben wir uns auch über das 13. Kapitel des Markusevangeliums unterhalten. Einige dieser Inhalte möchte ich nun hier zusammenfassen, reflektieren und ggf. darauf aufbauend weiterdenken.
Dies bedeutet nicht, dass ich diese Inhalte schon umfassend und zwingend teile, sondern, dass ich sie sehr spannend, gut durchdacht und plausibel finde.

Zum Aufbau von Markus 13
Markus 13 beginnt damit, dass die Jünger Jesus auf die Pracht des Tempels hinweisen und von ihm erwidert bekommen, dass dieser komplett zerstört wird.
Später am Ölberg kommt die Frage 1. Wann dies geschehen wird und 2. was die Zeichen der Vollendung (der Weltzeit?) sein werden.
Einschub: Jesus beantwortet nicht diese Frage direkt. Er gibt keine Zeichen an – vielmehr ist seine Aussage, dass der Zeitpunkt (des Weltendes und der Tempelzerstörung) niemand weiß, außer Gott der Vater (ich vermute, dass Jesus auf diese Erkenntnis entweder nicht zugriff, oder bei seiner Inkarnation vorübergehend beiseite gelegt hat). 
Jesus warnt die Fragesteller, welche nach Zeichen fragen, vielmehr vor Verführungen – könnte es sein, dass die welche nach Zeichen suchen um die Wiederkunft Jesu herauszufinden in besonderer Verführungs-Gefahr stehen? Diese Vermutung liegt nahe.
Es folgt eine Darlegung was alles in der Zwischenzeit, also von der Zeit Jesu bis zu seiner Wiederkunft, die Regel sein wird. Es werden weiterhin Kriege geben, Kriesen und Katastrophen werden da sein, sowie eine Verfolgung der Nachfolger Jesu. In der Zwischenzeit wird auch die Tempelzerstörung geschehen, falsche Propheten werden auferstehen und Wunder und Zeichen vollbringen und viele verführen.
Anschließend legt Jesus dar wie seine Wiederkunft (siehe Unten) aussehen wird.
Es folgt das Bild des Feigenbaums (siehe Unten). Die Hauptaussage folgt: „Niemand weiß wann dies stattfinden wird“, die einzige Voraussetzung ist, dass der Tempel zerstört wird, was 70n.Chr. erfüllt wurde.

Die Tempelzerstörung
Jesus sagt in Vers 30, dass dieses Geschlecht (eine Generation von ca. 40 Jahren) nicht vergehen wird, bis dies alles geschehen ist. Die Aussage wurde ungefähr 30n.Chr. von Jesus gemacht. 70n.Chr. wurde der Tempel zerstört. Bis dahin war deutlich, es gibt etwas, was der Wiederkunft Christi noch im Weg steht. Bis 70n.Chr.
Danach ist das „alles“ geschehen. Von diesem Zeitpunkt an, kann Jesus jederzeit wiederkommen. D.h. es sind keine weiteren „Gog – Magog“ Zeichen für Jesu Wiederkunft nötig, nicht einmal das Erstarken der EU.

Das Kommen des Menschensohnes
Die Verse 24-27 im 13 Kap. des Markusevangeliums sprechen davon, wie Jesus als König und Richter der Welt wiederkommt. Er kommt mit Macht und Herrlichkeit. Er lässt seine Anhänger sammeln von allen Enden der Erde.
Dies passt auch mit den Aussagen im 1.Thessalonicher 4,13-5,3 und z.B. Offenbarung 6,12-17 zusammen.
Die Lehre, dass Jesus seine Nachfolger entrückt und so in den Himmel bringt, während auf Erden ein Chaos ausbricht ist schlicht und ergreifend nicht biblisch, sondern eine beliebte Sonderlehre aus der Zeit von Darby.
Vielmehr stimmt der Schriftbefund darin überein, dass Jesus auf den Wolken erscheint, seine Anhänger ihm entgegenkommen (so wie, wenn der König kommt, seine Anhänger aus der Stadt kommen um ihn zu begrüßen) um danach mit ihnen auf die Erde zurückkehrt, sein 1000 jähriges Reich aufrichtet und schlussendlich danach eine neue Welt macht.

Der Feigenbaum
Zu guter Letzt. Was ist der Feigenbaum (Vers 28). Hier ist zu beachten, dass der Feigenbaum in 11, 12-14 mit dem Korrupten System der Führung des Volkes und somit auch des Tempels in Verbindung stehen kann. So wäre der Feigenbaum in 13,28 dann mit der Gemeinde gleichzusetzen, welche im Entstehen war. Bei ihrer Entstehung stand der Zeitpunkt von 70n.Chr. ungefähr etwas weniger als eine Generation entfernt.

Resultat
Bedeutet dies, dass ich nicht mehr auf Jesus warte?
Ein ganz klares Nein! Ich warte auf Jesus. Er wird wiederkommen. Er kann jederzeit wiederkommen. Aber ich glaube nicht an einen Endzeitfahrplan, durch welchen ich die Zeit der Wiederkunft berechenbar ist. Ebenfalls lehne ich eine dispensationalistische Entrückungslehre als nicht biblisch überzeugend ab.
Zusammenfassend möchte ich festhalten: Jesus kann seit 70n.Chr. zu jeder Zeit wiederkommen, für uns gilt es auf ihn zu warten und bereit zu sein.