road-782072_1920In dem Buch „Die Auslegungspredigt“ gibt es ein langes Zitat von Spurgeon.

Weißt du denn nicht, junger Mann, dass von jeder Stadt und von jedem Dorf und von jedem winzigen Nest in England eine Straße nach London führt? Genauso gibt es auch von jedem Text in der Schrift eine Straße die zu Christus führt. Lieber Bruder, es ist deine Aufgabe, den Weg zu Christus zu finden, wenn du einen Text vor dir hast. Ich habe noch nie einen Text gefunden, der nicht zu Christus führte; und wenn jemals eine Predigt gut ist, dann nur, wenn Christus darin zu schmecken ist.

Meint Spurgeon damit, dass wir jeden Vers, notfalls allegorisch auf Jesus beziehen sollen?
Ich denke nicht.
Schließlich halte ich es für wenig hilfreich eine (ich möchte sie respektvoll) „Ostereiersuch“-Exegese nennen, zu betreiben. Bei dieser sucht man hinter jedem Vers ob Jesus sich dahinter versteckt hat – wenn man ihn gefunden hat ruft man laut „heureka“ und postet die Verbindung auf Twitter oder in allegorisch geprägten Kommentaren (auf Namensnennungen wird hier bewusst verzichtet).

Wie können dann alle Verse zu Christus führen?
Ich bin der Überzeugung, dass die Stoßrichtung des Alten Testament auf die Erlösungsbedürftigkeit der Menschen und die Notwendigkeit des wahren „Israels“, Jesus als Messias hindeutet. Die Linien sind für mich das Entscheidende.
Muss ich in einer Genealogie wie z.B. „A zeugte B“ Jesus suchen? Ich denke nein.
Aber die Grundsätzliche Frage, auch bei alttestamentlichen Texten bleibt: „Was für einen Unterschied macht das Kommen Christi – welche Parallelen gibt es zu ihm hin“. Dann kann entdeckt werden, wie Jesus die Geschichte Israels nachlebte, aber ohne Sünde und in der Ganzheit vollkommen (dies gehört zum Gebiet der Typologie). Wir können sehen wie Jesus die Opfer des Alten Testament, durch sein Kreuzestod erfüllte. Wie er die Prophezeiung des leidenden Gottesknecht in Jesaja erfüllte und vieles mehr.
In diesem Sinne gilt: Die ganze Bibel führt zu Christus – jede Linie jedes Buch.