… oder eine neue Sicht auf die Perikope in Johannes 7,53-8,11.

Es ist allgmein bekannt, dass die Perikope von Jesus und die Ehebrecherin nicht ursprünglich an dieser Stelle im Johannesevangelium stand und von der Sprache diesem unähnlich ist und viel eher zu den Synoptikern passt (Ich bleibe bei der Auffassung, dass diese Perikope kannonisch und inspiriert ist – werde dies hier aber nicht diskutieren).
Spannend ist allerdings dies Feststellung, dass sie m.E. sehr gut an dieser Stelle in das Johannes-Evangelium hineinpasst – abgesehen davon, dass sie einen anderen sprachlichen Stil aufweist und den Gedankenfluss davor unterbricht – theologisch passt die Perikope in die rote Linie des Evangeliums hinein.
Rudolf Schnackenburg (HThK) schreibt: Die Perikope hat jedenfalls kaum vor dem 3. Jh. Eingang in den Vier-Evangelien-Kanon gefunden […] Aber wem auch immer diese Einfügung zu verdanken ist, ohne Überlegung ist sie nicht geschehen. […] Jesus erweist sich in den joh. Gesprächen als der Überlegene, der die Zuhörer in Verlegenheit bricht; nicht anders ist es in dieser Geschichte mit der Ehebrecherin.

Sehr treffend zeigt auch Wright auf, wie die Perikope den roten Faden des Johannes Evangeliums aufnimmt, verarbeitet und weiterführt:
And the sin that matters even more, as the rest of the chapter makes clear, is the deep-rooted sin which uses the God-given law as a means of making oneself out to be righteous, when in fact it is meant to shine the light of God’s judgment into the dark places of the heart. By confronting this sin, Jesus has put himself, literally, in the firing line from which he has just rescued the woman. IF YOU READ CHAPTER 8 AS IT STANDS FROM BEGINNING TO END YOU MAY START TO SEE A PATTERN WHICH WILL CONTINUE THROUGH TO JESUS’ DEATH. This is part of what it means, John seems to be saying, that Jesus is God’s lamb, the one who takes away the sin of the world.