229567In seinem Werk „Theologie im globalen Kontext“ beschreibt Hans Schwarz die theologischen Entwicklungen im der letzten 200 Jahre.
Hans Schwarz ist emeritierter Theologieprofessor und hat an der Universität Regensburg unter anderem Systematische Theologie gelehrt.
Sein Buch erscheint in der zweiten und überarbeiteten Auflage. Die erste Auflage erschien in Liebenzell, die aktuelle bei TVG Brunnen in Gießen. Der Umfang des Werkes beträgt 640 Seiten, den Preis halte ich mit 45 EUR für angebracht.

Aufgeteilt ist das Buch in 15 Kapitel. Es beginnt mit der Zeit nach der Aufklärung, mit Kant, Schleiermacher und Hegel. Es führt unter über die neue Orthodoxie, über den Pietismus und den Kulturprotestantismus, hin zu den großen Diskussionen der letzten Jahrhunderte, wie unter anderem die Suche nach dem Historischen Jesus. Große Themen wie die Dialektische Theologie werden behandelt, überkonfessionell wird die Theologie im Weiteren beschrieben und auch überkontinentale Entwicklungen, wie die Befreiungstheologie, werden analysiert. Die ersten 12 Kapitel konzentrieren sich m.E. auf die (protestantische) westliche Theologie (Nordamerika und Europa). Das 13. Kapitel beschreibt Entwicklungen in der katholischen und orthodoxen Theologie. Das breiteste Spektrum bildet das 14. Kapitel ab; hier wird die Befreiungstheologie, die feministische Theologie, afrikanische, asiatische und pfingstgeprägte Theologien dargelegt.

Der Aufbau des Buches deckt, m.E., die großen Themen der theologischen Entwicklungen der letzen beiden Jahrhunderte ab. Da Schwarz 70 Seiten der „nichtwestlichen“ Theologie widmet (es gilt zu bedenken, dass Theologie der „nichtwestlichen“ Welt, lange nicht in Europa zu hören war), halte ich das Ziel des Buches, in diesem Belange für grundsätzlich erfüllt.

Widmen wir uns nun der detaillierteren Besprechung zu.
Beispielhaft möchte ich in dieser Besprechung die Ausführungen über die Suche nach dem Historischen Jesus behandeln.

Schwarz geht in vier Abschnitten auf die Suche nach dem Historischen Jesus ein.
Er beginnt mit Albert Schweizer und Johannes Weiss. Es wird aufgezeigt wie Schweizer, mit seinem Werk „Die Geschichte der Leben Jesu Forschung“ zeigen konnte, dass die Jesus-Darstellungen immer auf die Prägung und Vorstellung der Autoren zurückzuführen sei. Schweizer wollte aufzeigen, dass Jesus sich tatsächlich als der eschatologische Messias verstand und seine Erwartungen sogar apokalyptisch waren. Dennoch war sein Leben und sein Handeln eine große Enttäuschung. Bezüglich seiner eschatologischen Erwartung habe er sich getäuscht. Dennoch sei seine Einstellung wichtig, wie er z.B. dem Rad der Welt in die Speichen fällt und von ihm zermalmt wird. So habe er statt die Eschatologie zu bringen diese vernichtetet.
Nach Schwarz ist Schweizers Verdienst, dass die eschatologische Dimension Jesu in den Mittelpunkt gerückt wurde und das Aufzeigen, dass Rekonstruktionen des Historischen Jesu, oft auf Projektionen des jeweiligen Forschers beruhten.

Im zweiten Teil beschreibt Schwarz den Ausweg aus den Fesseln der historischen Forschung anhand von Kähler und Bultmann.
Es wird aufgezeigt, dass für Kähler die Erforschung des Historischen Jesus in die Falsche Richtung verlief. Grund sei, dass die Evangelien nicht zu diesem Zwecke geschrieben wurden. Wer Jesus in den Evangelien begegnen wolle, der solle dies tun um mehr über ihn, als den zur rechten Gottes Sitzenden zu erfahren, was durch historische Forschung nicht möglich sei. Nach Kähler entstehe der Glaube nicht aus dem Wissen um den historischen Jesus, sondern aus der Begegnung mit dem biblischen Christus.
Gemäß Schwarz bedeutete Kählers Werk das Ende der traditionellen Lenben-Jesu-Veröffentlichungen.
Im Gegensatz zu Kähler, habe Bultmann, so Schwarz, nicht angenommen, dass der Christus nach dem Fleisch der selbe sei wie der biblische Christus. So habe Bultmann beide von einander getrennt und sich auf den letzteren konzentriert. Bultmann kam in seiner Buch „Neues Testament und Mythologie“ zum Ergebnis, dass viele neutestamentliche Ereignisse heute nicht haltbar seien und zweitens, dass wir uns nicht selbst erlösen können. Er hatte also nicht die Absicht den christlichen Glauben Aufzugeben. Bultmann erreichte, so Schwarz, dass es möglich war ohne die Aufgabe des Verstandes über alle neutestamentlichen Texte zu predigen und zweitens, dass die neutestamentliche Botschaft von ihrer historischen Verankerung und von der Person Jesu von Nazareth getrennt wurde.

Im dritten Teil geht Schwarz auf die weitergeführte Forschung ein. Unter anderem  Beschreibt er wie in Deutschland Joachim Jeremias die Vernachlässigung des Historischen Jesus kritisierte. Er kritisierte die bisherigen  Methoden als eine Reduzierung. Jeremias konnte so Schwarz einen ganzen Schatz an Aussagen heben, die Jesus zuzuschreiben seinen.

Im vierten Teil geht Schwarz auf die dritte Suche nach dem Historischen Jesus ein.
Er attestiert ihr, dass sie zwar von einer großen Medienaufmerksamkeit begleitet wurde, aber an einen Mangel an solider Forschung hatte. Als Begründung zieht er das Jesus-Seminar heran.

Beurteilung der Ausführungen über den Historischen Jesus
Die Ausführungen von Schwarz lesen sich leicht, sie sind sehr informativ und schaffen es auf kurze und prägnante Art und Weise über die Entwicklung der Forschung, die Forscher selbst und über ihre Kernthesen und deren weitere Entwicklung zu informieren.
Im Gesamten halte ich die Ausführungen von Schwarz für sehr hilfreich und umfassen.
Meine Anfrage betrifft in diesem Kapitel den letzten Unterpunkt, der dritten Suche nach dem Historischen Jesus. Hier hat Schwarz, meiner Erkenntnis nach zu früh aufgehört. Die weiteren Entwicklungen, wie sie von E.P. Sanders bis hin zu N.T. Wright geschehen sind, wurden nicht erwähnt. Dabei haben diese Entwicklungen die dritte Suche nach dem Historischen Jesus maßgeblich beeinflusst und in eine neue Richtung gelenkt. So gilt als nicht zu übersehen, dass Wright, in seiner Forschung, historisch m.E. sehr solide aufzeigt, dass die Berichte des Neuen Testaments mit dem Historischen Jesus übereinstimmen.

Abgesehen von dieser Kritik meinerseits, halte ich dieses Buch dennoch für ein sehr wichtiges, hilfreiches und gutes Standardwerk für Theologen, Studenten und interessierte Laien. Es schafft es gut in die Themen eine Einführung zu geben und eignet sich somit sehr gut, um einen Überblick über die Theologien der letzten beiden Jahrhunderte zu bekommen.