Buchbesprechung: Überrascht von der Bibel

1463054058-342824Vorab: Mein Verhältnis zu N.T. Wright ist nicht ganz einfach. Auf der einen Seite habe ich die letzten Jahre sämtliche Bücher, Artikel und Kommentare, ganz oder teilweise von ihm gelesen. Gleichzeitig gehöre ich zu dennen, die einige Aspekte seiner Theologie kritisch hinterfragen und einige seiner Thesen (z.B. die NPP) in weiten Teilen ablehnen.
Trotz all dessen muss ich bekennen, dass seine Bücher mich immer wieder faszinieren. Der Grund ist, dass Wright es schafft Denkmodelle, die in der modernen Bibelwissenschaft unreflektiert vorausgesetzt werden, begründet zu hinterfragen, traditionelle Ansichten auf ihre „Bibelfestigkeit“ prüft und mich als Evangelikalen theologisch herausfordert und zum Nachdenken anregt.
Aber genug der Vorbemerkungen! Das Buch ruft, wir wollen sehen wie Wright von der Bibel überrascht wurde!

Wer sich ein homogenes Buch gewünscht hat, der wird enttäuscht.
Wright hat nicht den Anspruch ein einheitliches Buch vorzulegen. Es ist vielmehr die Sammlung verschiedener Aufsätze. Teilweise überschneiden sich die Themen, aber nur teilweise.
Wright beginnt mit Themen über Wissenschaft, Schöpfung und dem historischen Adam. Er kommt auf das Thema der Frauenordination zu sprechen, auf Fragen der Endzeit, auf das Böse in der Welt und auf die Zeitepoche der Moderne. Jedes dieser Themen behandelt er einzeln.
Da alle Kapitel in sich selbst geschlossen sind, ist die Bewertung auch davon abhängig.
Ich möchte drei Kapitel hervorheben, die ich als am lesenswertesten kennzeichnen möchte.

Platz 1: Wie die Bibel die moderne Welt versteht
Hier schafft Wright es, die Denkrichtung, die seit der Aufklärung unsere Gesellschaft, aber auch die Apolegetik prägt im Epikurismus zu verorten und zu „entschleiern“. Er schafft es auf eine großartige Weise die negative Abhängigkeit mit ihren Vorentscheidungen einem vor Augen zu führen (siehe auch diesen Beitrag).
Platz 2: Jesus kommt wieder – pflanze einen Baum!
Endzeit! Ein Reizthema. Ein Thema voller Spekulationen.
Man muss in diesem Kapitel nicht in allen Punkten mit Wright einig sein.
Lesenswert bleibt es alle male. Er zeigt viele nachdenkenswerte Ansichten zum Thema Entrückung, über den Neuen Himmel und die Neue Erde, sowie über die Schöpfung auf. Ein Beitrag der motiviert, weiter zu forschen, diskutieren und sich überraschen zu lassen.
Platz 3: Der 11. September, Tsunamis und das neue Problem des Bösen
Wie kann ein guter Gott Leid zulassen…
Der Fels des Atheismus. Wright geht von einer ganz anderen Seite heran. Er sieht die bisherige Diskussion als zu stark von „falschen“ Denkrahmen geprägt.
Seine Antwort, oder sein Antwortversuch, geht eine andere Richtung. Wright antwortet mit dem Kreuz. Irgendwie erinnert es mich an Moltmanns „Der gekreuzigte Gott„, aber nur irgendwie. Das Kapitel lohnt es sich zu lesen!

Zu den anderen Kapiteln möchte ich nicht viel schreiben. Ein Bild kann sich jeder Leser selbst von ihnen machen.

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

3 thoughts on “Buchbesprechung: Überrascht von der Bibel

  1. Mir gefallen viele von N.T Wrights Ansichten auch.
    Insbesondere weil es ihm gelingt Dinge von einer neuen Warte aus zu betrachten, wo man sich im christlichen Mainstream in zwei theologische Lager gespalten hat.

    So sehe ich bei liberalen Christen oft ein sehr stark diakonisches Engagement, in der Welt im Hier und Jetzt Licht der Welt zu sein. Darunter leidet aber oft leider die Verkündigung des Evangeliums bis hin zur „Entmythologisierung“ der Bibel.

    Auf der anderen Seite steht dagegen ein sehr bibeltreuer Glaube. Der seinen Glauben ernst nimmt und ein sehr klares Bekenntnis hat und sehr gut und (außer in Europa) erfolgreich das Evangelium verbreitet und auch Verfolgung nicht scheut. Aber andererseits oft etwas weltfremd ist und nicht zu unrecht eine gewisse Jenseitsvertröstung vorgeworfen wird. Das diakonische fällt oft hinten runter oder ist lediglich Mittel zum Zweck für die Evangelisierung (Diakonie sollte aber aus der göttlichen Liebe kommen und Liebe ist aber nie nur Mittel zum Zweck)

    N.T. Wright vereint diese beiden Ansichten. In dem er einen starken Fokus auf die Reich Gottes Lehre von Jesus legt, die im Hier und Jetzt beginnt und zwar ganz praktisch, die aber im Hier und Jetzt noch nicht vollendet ist sondern erst mit der Wiederkunft Christi. Dabei aber nicht ein fernes Jenseits das Ziel ist sondern eine neue Erde, die gleichzeitig durch das Herabsteigen Gottes neuer Himmel ist.

    Was micht interessieren würde:
    Welche Punkte siehst du kritisch bzw. lehnst du ab?

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