Der große Theologe Adolf Schlatter schreibt zu der Aussage in Galater 5,16 (ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen.)

Im Glauben an Jesus ist der Geist in uns lebendig geworden. Der Geist Gottes erfasst unser inneres Leben; er erleuchtet unser Denken und erweckt unseren Willen. „Geh nun! Geh dahin,“ sagt Paulus, „wohin der Geist dich leitet! Bleibe nicht unbeweglich liegen, wenn du doch im Licht des Geistes in deinem Inneren siehst, was recht und gut ist, wenn doch, vom Geist bewegt, der Trieb des Herzens sich danach streckt! Bewege dich nun, wie der Geist dich bewegt; wolle nun, weil und wie der Geist in dir das Wollen schafft!“ Den Geist haben macht es noch nicht, sondern der Leitung des Geistes folgen und den reinen Trieben des Glaubens und der Liebe gehorchen, das ist die Lösung unserer Aufgabe als Christen. Das ist das Große am apostolischen Evangelium und sein Unterschied von der Gesetzespredigt, dass der Apostel uns ein Heiliges und Göttliches zeigen kann, das uns innerlich wirksam nahe ist, von dem wir uns leiten lassen dürfen in der gewissen Zuversicht, dass es uns sicher auf den Weg Gottes führt.

Sobald wir gehen, weil der Geist uns lenkt, sind wir vor uns selbst gesichert. Unsere natürliche Art bleibt dieselbe, wie sie von unserer Geburt her uns eigen ist, und aus ihr entstehen mancherlei Begehrungen. Wir können ihre Wurzel nicht abschneiden; denn sie hängen unlöslich mit unserer Naturgestalt zusammen. Wir können nicht geehrt werden, ohne dass uns die Überhebung nahetritt, nicht Unrecht leiden, ohne dass der bittere Zorn sich regt, usw. Und dennoch sind wir gegen unsere eigene Begierde geschützt und von ihr frei gemacht. Denn der Geist führt unser Trachten auf eine andere Bahn als das Fleisch. Da findet dessen Begierde bei uns keine Aufnahme mehr, so dass wir in ihren Dienst träten und ihr zur Vollendung hülfen. Sie fällt unfertig dahin, beiseite geschoben durch den Trieb des Geistes.