Bibelkritik bei Evangelikalen und Postevangelikalen

Heute bin ich auf einen Beitrag von Holger Lahayne gestoßen. Er bespricht einen Vortrag von Siegfried Zimmer.
Es ist zugegebenermaßen nicht das erste mal, dass ich hier etwas zu Zimmer poste (sieh hier). Viele seiner Vorträge habe ich gehört und auffallend ist m.E., dass er sehr großen Wert darauf legt, die Evangelikalen zu beeinflussen, oder genauer auch die progressiven Kräfte, bei Evangelikalen zu stärken (so im Hossa-Talk Gespräch). Aber genug der Vorrede, hier einige Ausschnitte aus dem Beitrag Krebsverdacht, es sei empfohlen das Orginal durchzulesen.

Gleich in der ersten Viertelstunde mangelt es nicht an Kritik der „konservativen“ theologischen Blickrichtung – Zimmer Ausdruck für den evangelikalen Hauptstrom. „Die moderne Bibelwissenschaft ist nicht konservativ“, stellt Zimmer recht kategorisch fest, um gleich darauf dennoch zu präzisieren: nur eine Minderheit der theologischen Gelehrten ist konservativ und will Dinge „zurückdrehen“. Er selbst habe sich zum Glück aus diesem „Korsett“ des konservativen Denkens herausentwickelt.
[…]
Zimmer tut so, als wollten diese Frommen das erste Jahrhundert kopieren bzw. 1:1 abbilden. Was Christen schon immer taten und bis heute tun, ist die Anwendung der biblischen Normen, Prinzipien, Vorgaben usw. in unserer Zeit. Zimmer reißt hier Gräben auf, die so gar nicht existieren. Auch evangelikale Theologie berücksichtigt natürlich den historischen Wandel! So ist das Verhältnis von Mann und Frau heute zweifellos ein anderes als in der Antike. Der Knackpunkt ist dabei einfach dieser: Gibt es in der Bibel Normen, die mit Autorität an uns herantreten? Hier einfach den historischen Wandel aus dem Zylinder zu ziehen, hilft nicht weiter. Das Eheleben hat sich so gewandelt, dass in vielen modernen Gesellschaften jede zweite Ehe geschieden wird. Dies ist in Theologie und Ethik, Predigt und Seelsorge natürlich zu berücksichtigen. Aber noch immer lehren und verkündigen die Christen, dass Gott – laut Bibel – will, dass Mann und Frau ein Leben lang zusammenbleiben. Würde Zimmer so jemand nun „das ist wohl granatendoof!“ entgegenschleudern?
[…]
Zimmers vierter Schritt: Es entsteht eine neue Art von Wissenschaft. Nicht mehr die Tradition ist die oberste Autorität, „sie kann nicht mehr diese absolute, ständige Hilfe sein wie vorher“, wie im Mittelalter, wie bei Jesus. In der modernen Wissenschaft gibt es vor allem zwei Autoritäten; neben ihnen kann die Tradition noch eine dritte sein.

Diese Autoritäten sind „erstens Vernunft, zweitens Erfahrung“. Die Vernunft ist „ein Friedensband, ein Verständigungsmittel“. Es bleibt uns heute „nur die Vernunft als Autorität, die jeder Mensch anerkennen kann“. Daneben steht außerdem die empirische Erfahrung. Die „moderne Erfahrung wird zum Kriterium des Wandels“. Nun muss sich alles an dieser Erfahrung messen, wohingegen früher die Erfahrung zur Tradition passen musste.
[…]
Die KBA, die „Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten“ mit über drei Dutzend Mitgliedern im deutschsprachigen Raum und Hort der zimmerschen Konservativen, formuliert im ersten Punkt der gemeinsamen Glaubensgrundlage, dass man an „die göttliche Inspiration und die Unfehlbarkeit der ganzen Heiligen Schrift“ glaubt. Nun gibt es hohe Verantwortliche in Werken der KBA, die „Worthaus“ ganz toll finden, empfehlen und verlinken. Obwohl Zimmer und Co. mit der Unfehlbarkeit nun wahrlich wenig anfangen können, wie wollen sie auch. Schließlich haben sie die „‘gesicherten’ Erkenntnisse der theologischen Wissenschaft“ auf ihrer Seite. – Wer sich auf die „Worthaus“-Theologie einlässt, der wird an der göttlichen Inspiration und die Unfehlbarkeit der ganzen Heiligen Schrift kaum festhalten können. Die Evangelikalen müssen tatsächlich die Kritik lernen, die Kunst der sorgfältigen Unterscheidung! […]

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2 thoughts on “Bibelkritik bei Evangelikalen und Postevangelikalen

  1. Danke fürs exzerpieren, es war mir zu lang zu lesen. Was mich schon abstößt, direkt beider Überschrift, wenn ich ehrlich bin, ich die Panikmache.
    Kann man sich mit dem Zeug von Zimmer nicht auseinander setzen, ohne gleich den Status Confessionis auszurufen?
    Denke, das würde dann irgendwie besser dabei helfen, eventuell weniger hilfreiche Gedanke(-strömungen) auch ihrer Anziehungskraft zu berauben.

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    1. Hi Marcus,
      du darfst gerne ehrlich sein 😉
      Andere Auseinandersetzungen mit Zimmer habe ich ja schon gepostet.
      Panikmache kann ich hier aber nicht sehen, weil das was er betreibt m.E. offensichtlich Bibelkritik ist und er Einfluss bei Evangelikalen und eben auch Postevangelikalen (z.B. Hossa-Talk, welche sich selbst nicht als Evangelikale bezeichnen wollen).

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