Prof. Paul von Zulehner war an der TH Ewersbach und hat zu diesem Thema referiert.
Hier der Bericht von der TH:

Mit Prof. Paul M. Zulehner hatten wir einen der bekanntesten Religionssoziologen Europas bei uns zu Gast. In der öffentlichen Vorlesung am Nachmittag befasste sich Prof. Zulehner vor 90 Hörern mit der Frage „Welche Kirche braucht die Zukunft?“ Der Vortrag zur Flüchtlingsthematik am Abend war von 220 Zuhörern besucht.

Prof. Zulehner – Vorlesung am Nachmittag.mp3 (Einleitungsteil fehlt)

 

Prof. Zulehner – Abendvortrag.mp3

 

Westeuropa, so Zulehner, lebe spätestens seit der Finanzkrise in einer Kultur der Angst. Amerika sei schon mit den Anschlägen vom 11. September 2001 davon erfasst. Dagegen stehe der Kontinent der Hoffnung mit China, Indien und Japan – „das sind Menschen, die etwas erreichen wollen“ –, wobei diese Hoffnung auf die Bevölkerung, nicht aber auf die Regierungen zutreffe. In der arabischen Welt wiederum herrsche das Gefühl vor, vom reichen Westen gedemütigt zu werden.

In dieser politischen Großwetterlage habe die große Flüchtlingsbewegung eingesetzt und die bereits bestehenden Ängste weiter verstärkt. In einer Studie mit 3000 Befragten reagierten nur 26 Prozent mit Zuversicht auf diese Bewegung, 53 Prozent zeigten sich besorgt und 17 Prozent äußerten eine klare Ablehnung.

Es sind vor allem soziale Abstiegsängste, die Furcht vor sinkendem Wohlstand, zu dem nun die Angst komme, die Flüchtlinge könnten als billige Arbeitskräfte eine zusätzliche Konkurrenz bilden. Ergänzt werde dies durch biografische Ängste, etwa vor dem Tod oder dem Verlust eines Angehörigen. Die dritte Form von Angst sei die, zu kurz zu kommen. Das Leben werde als letzte Gelegenheit begriffen, die übersteigerte Suche nach dem Glück auf dieser Erde führe zu einem permanenten Konkurrenzdenken und einem hohen Zeitdruck.
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