Wenn ein Evangelikaler über einen katholischen Papst im Ruhestand schreibt, dann wird das sicher nicht ganz einfach. Schließlich sind Protestanten, zu denen die Evangelikalen gehören, in der Kirchengeschichte selten die engsten Verbündeten gewesen.
Es gab immer wieder Gespräche und Annäherungen, welche für gemischte Reaktionen sorgten.
Ich oute mich vorweg: ein Fan des Vatikans (im kirchenpolitischen Sinne) werde ich wohl nie. Auch gibt es zwischen meiner theologischen Sicht und der offiziellen Lehre der katholischen Kirche unüberbrückbare Differenzen.
Aber ich gebe gerne zu; Benedikt XVI hat mich durch seine Bücher fasziniert.
Durch sein Jesus-Buch wurde deutlich, dass er in einigen Dingen den Evangelikalen näher ist, als es vom einem Papst zu erwarten war.
Auch seine „Aushebelung“ des Fegefeuerdogma (siehe seine Eschatologie) ist bemerkenswert.

All dies macht es für mich spannend diesen Papst näher zu betrachten.
Die Möglichkeit bietet das aktuell erschienene Buch Letzte Gespräche, in dem Ratzinger zusammen mit Peter Seewald über Stationen im Leben des emeritierten Papstes spricht.

Der erste Eindruck ist: der Mann zieht ehrlich und selbstkritisch Bilanz. Ich sehe hier keinen selbstherrlichen Mann, der von sich selbst eingenommen ist, sondern ein Mann der demütig mit den Fragen des Glaubens ringt, der seine Fragen und Zweifel äußert. Ein Mann, von dem ich eine Liebe zu dem Wort Gottes meine zu spüren.

Doch damit möchte ich die Buchbesprechung nicht schließen – wir haben ja noch gar nicht angefangen. Vielmehr werden wir in mehreren Beiträgen verschiedene Stationen des Lebens Ratzingers anschauen; erst dann und nicht früher soll ein Fazit gezogen werden.
In diesem Sinne gilt; es geht weiter. (Teil 2 der Buchbesprechung ist hier zu lesen)

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, welches von Droemer Knaur freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.