Freiheit vom Gesetz?

chain-1623322_1920In seinem Buch „Paulus – Jude mit Mission“ stellt Baltes 5 Thesen auf wie Paulus, seiner Meinung nach, die Freiheit vom Gesetz und was damit zusammenhängt, versteht.
Diese Thesen sind vielleicht nicht gerade der Mainstream und vielleicht sind diese auch gerade deshalb interessant und auf jeden Fall es wert darüber weiter nachzudenken und zu diskutieren:

  1. Für Paulus macht der Glaube an Jesus nicht „frei vom Gesetz“.
  2. Paulus selbst hat sich zeitlebens streng an das jüdische Gesetz gehalten.
  3. Juden, die  an Jesus glauben, sollen weiterhin das Gesetz einhalten.
  4. Nichtjuden, die an Jesus glauben, sollen sich nicht an das Gesetz halten.
  5. Juden sollen Juden bleiben und Nichtjuden sollen Nichtjuden bleiben.

17 thoughts on “Freiheit vom Gesetz?

  1. Etwas gesetzlich klingt mir dies schon, wenn die Ethnie nun entscheidet, ob man einen leckeren Rostbraten essen darf oder besser nur fettarmes Putenfilet….

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    1. Oh, Danke für die Blumen 😉

      Zuerst, ich poste ja nicht nur Dinge die meine „Meinung“ sind, sondern auch Beiträge die ich spannend zu diskutieren und weiter nachdenkenswert finde.

      Zu Punkt 1: Die Formulierung „Frei vom Gesetz“ kommt tatsächlich nur in Röm 7 in einem anderen Kontext vor (Freiheit vom Gesetz der Sünde(oder des Mannes)) – Übersetzungen welche sie z.B. im Gal dazufügen haben nicht den griechischen Text auf ihrer Seite.

      Punkt 2: sieht für mich nach der Apg schon danach aus.

      Punkt 3 & 4: Da werde ich Baltes Position in einem weiteren Beitrag noch zusammefassen.

      Punkt 5: ist die Folgerung aus 3 und 4. Es geht da darum, dass Juden, die an Jesus glauben dennoch „jüdisch“ leben sollen, eben mit der Erfüllung ihrer Messiashoffnung durch Christus.

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    2. Danke für die Antwort. Dann warte ich gespannt auf den Beitrag zu Baltes Position. Es ist zumindest einleuchtend, dass Paulus es als (unter anderem) als seine Pflicht sah, den Juden ein Jude zu sein. Doch gerade der zeremonielle Teil des mosaischen Gesetzes (wenn man diese Unterteilung zugrunde legt) ist ja durch die Erfüllung der Messiashoffnung aufgehoben. Der moralische Teil hingegen ist für alle Christen gleichermaßen grundlegend. Bezieht sich das dann nur auf den zivilgesetzlichen Teil?
      Bzw. macht diese Unterteilung des mosaischen Gesetz bei der Betrachtung Baltes überhaupt Sinn? Ich schieße hier gerade mit Vermutungen ins Dunkle, deswegen die etwas vage umrissenen Fragen.

      Ich könnte natürlich auch einfach tatsächlich auf den Beitrag zu Baltes Position warten. Aber das wäre ja langweilig.

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    3. Das gefällt mir 😉

      Hm… ich spiele mal den „Advocatus Diaboli“ (ja, ist ein doofer Begriff, aber ich hab kein Synonym). 🙂
      Woher wissen wir, dass das Gesetz so aufzuteilen ist, also wo steht diese Unterteilung in der Bibel, bzw. wo gibt die Bibel einen Hinweis, dass dies so zu sehen ist?
      Andere (z.B. gewisse Strömungen aus der dispensationalistischen Theologie) würden das gesamte AT als aufgehoben erklären, auch die „Moralgesetze“.
      Oder finden wir dieselben Prinzipien des AT im NT wieder durch die Brille Jesu?

      Es stimmt Paulus hat sich den Gruppen angenähert um sie zu erreichen. Muss das zwingend bedeuten, dass er sich ihnen angepasst hat? Er wurde ja kein „Sünder“ um die „Sünder“ zu erreichen.
      Aber das ist ein spannender Aspekt, die Frage ob Paulus auch wie „Heidenchristen“ lebte um Heiden zu erreichen.

      Ob die Unterteilung des Gesetzes, für Baltes, Sinn macht? Wie ich ihn verstehe nur bedingt. Dass die Opferungen durch Jesus erfüllt sind, dass ist Konsens. Aber Gesetze, wie Speisevorschriften sieht er, wenn ich ihn richtig verstehe, für Juden weiterhin als bindend.

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    4. Das gefällt wiederum mir. 🙂

      Die Unterteilung des Gesetzes gerade in diesen drei Rubriken ist, so wie ich das verstehe, ein Modell, das versucht zu erklären, wieso das eine für uns noch zutrifft und das andere nicht. Soweit ich weiß, geht diese Einteilung auf Calvin zurück, der ein weit klügerer Kopf war. Da müsste ich dann mal seine Institutio lesen, ob man es biblisch gut begründen kann. Es gibt auch Gerüchte, dass die Einteilung bis auf Augustinus zurückgeht – aber aus diesem Fenster bin ich nicht bereit, mich hinauszulehnen. Ich lass es mal angelehnt.
      Ein großer Vorteil dieses Modells ist sicher seine Bekanntheit und damit ist es ein guter Ausgangspunkt für Diskussionen.

      Es wäre gewagt von mir zu behaupten, ich hätte mir schon sehr viele Gedanken zur Einteilung des mosaischen Gesetzes gemacht. Doch nehme ich zumindest die Aussage von Jesus, das gesamte Gesetz und die Propheten hingen in den beiden Geboten, Gott zu lieben und seinen Nächsten zu lieben. Diese beiden Gebote (und damit das Gesetz) sind im neuen Bund und durch den Geist in uns definitiv ein zentraler Punkt. Alles als aufgehoben zu betrachten, sehe ich daher biblisch als schwierig an. Da Zugehörige zum Volk Gottes im Neuen Bund allesamt durch den Geist sein Gesetz in das Herz geschrieben haben, stellt sich mir weiterhin die Frage, ob eine Unterscheidung zwischen Gesetz für christliche Juden und ein Gesetz für christliche Heiden überhaupt geistlich sinnvoll ist?
      Ich denke, dass uns allen der gleiche Gehorsam und das gleiche Gesetz zugrunde liegt (wie auch immer das nun seit dem Neuen Bund eingeteilt sein darf). Auch wenn ich zugestehe, dass Paulus aufgrund des unterschiedlichen „Glaubensfortschritts“ eine gewisse Unterscheidung zulässt.

      Interessant finde ich die Wortwahl des Paulus in 1.Kor 9,20-21: „Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne; denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich geworden, als wäre ich unter dem Gesetz, damit ich die unter dem Gesetz gewinne; denen, die ohne Gesetz sind, bin ich geworden, als wäre ich ohne Gesetz — obwohl ich vor Gott nicht ohne Gesetz bin, sondern Christus gesetzmäßig unterworfen —, damit ich die gewinne, die ohne Gesetz sind.“
      Er ist den Juden geworden als _wäre_ er unter dem Gesetz und den Heiden, als _wäre_ er nicht unter dem Gesetz, stellt sich in beiden Fällen aber unter das Gesetz Gottes, demnach er ja jetzt Christus unterworfen ist. Was meint er damit?

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    5. Yes, dieser Erklärungsansatz ist weit verbreitet und geht auch schon weit in der KG zurück. Als Ausgangspunkt kann man es schon nehmen, aber die Frage ob dieser Ansatz passt muss ja an der Bibel geprüft werden… Sie könnten stimmen, aber es bleibt erstmal eine These – die ich zwar schlüssig finde, aber nicht überzeugend 😉

      Super! Da schneidest du was an, dass sehr spannend ist!
      Jesus fasst das Gesetz in die zwei Hauptaussagen zusammen.
      Aber bedeutet das, dass Jesus die restlichen Gebote damit aufhebt, oder bedeutet dies, dass wer diese Gebote hält damit auch die anderen einhält, weil z.B. wer seinen nächsten liebt, der wird ihn auch schützen indem er z.B. die Bauschutzbedingungen im Mosebuch einhält?

      Die Frage des Gottesvolkes ist tatsächlich ein sehr spannendes Thema!
      Die Einheit zwischen „AT-Gottesvolk“ und „Christen-Gottesvolk“ wurde in jüngster Zeit meines Wissens nach, auch von der NPP, wie z.B. Wright, stark vertreten.
      Also hier ist eine zentrale Frage, ob wir Heidenchristen und Judenchristen die gleichen „Maßstäbe“ im Bezug auf das AT-Gesetz gelten….

      Die letzte Frage muss ich mir noch genauer überlegen – sitze gerade in ner Vorlesung und kann daher das gerade nicht 😉

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    6. Ich hab mich jetzt die letzten Tage (mehr oder weniger regelmäßig, so weit es die Freizeit erlaubt) aufgrund unserer kurzen Unterhaltung mit der These und was die Bibel dazu sagt, beschäftigt. Ich hoffe, in ein bis zwei Wochen dazu einen Blogpost formulieren zu können. Es ist auf jeden Fall unglaublich spannend, dahingehend durch die Bibel zu blättern. =)

      Die Bauschutzbestimmungen als Vorsichtsmaßnahme sind sicher mit inkludiert. Wenn ich aber die Gesetze zu Sklaverei betrachte oder zum Umgang mit Einbrechern oder bei Vergewaltigung, dann wird das für mich abstrakter und sehr viel schwieriger verständlich. Gerade bei diesen Gesetzen habe ich die Aussage Jesu zum mosaischen Scheidebrief im Hinterkopf, der ja aufgrund der Herzenshärte der Menschen eingeführt worden war. Sind die sogenannten zivilen Gesetze auch für Menschen und ihrer Herzenshärte in ihrer Situation gegründet? Oder sind sie universell erhalten? Ich denke, dass man mit der goldenen Regel aus der Bergpredigt deutlich weiter kommt, als mit den Überlegungen, inwieweit wir das Gesetz des Mose tatsächlich anwenden können – im Hinblick auf die Aussage Jesu zum Hauptgebot. Was aber die Frage, was denn jetzt wirklich alles enthalten ist, nicht vollständig beantwortet. Vielleicht macht das auch der Geist in uns aus, der uns in aller Weisheit und Erkenntnis leitet? Vielleicht sollen wir deshalb die Gottesfurcht anstreben? Aber gut, ich sehe, dass ich vom Thema weit abgleite…

      Und inwieweit das „AT-Gottesvolk“ und das „Christen-Gottesvolk“ eine Einheit bilden ist tatsächlich spannend. Insofern davon ausgegangen wird, dass nur die innere Beschneidung durch die Versiegelung mit dem Heiligen Geist die tatsächliche Zugehörigkeit zu Gottes Volk im Neuen Bund besiegelt.
      Falls du mal eine Antwort zur letzten Frage hast, gerne. Falls nicht, auch in Ordnung, ich gehe davon aus, dass du ebenfalls viel zu tun hast. Und die Unterhaltung fächert sich bereits jetzt schon sehr schnell aus (und hat auch schon nicht mehr so viel mit der Ausgangsposition zu tun).

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    7. Da kommt noch von mir eine Antwort 🙂
      Und auch noch der Post zum Thema. Da ich in 2Wochen eine wichtige Prüfung hab, kann es etwas dauern.
      Finde es aber spannend auch mit allen Auswirkungen zu bedenken.
      Von daher gerne weiter, ich bin aber langsamer 😉

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    8. Zur Korintherstelle:
      Sehr interessant finde ich 1.das Paulus schreibt „wie ein“. 2. Dass es um seine Missionsstrategie geht.
      Ich denke nicht, dass es hier um eine Lebensweise gehen muss, vielmehr darum, wie er zum Evangelium einlädt, also ob er vom AT herkommt oder wie in der Areopag-Rede einen anderen Ansatz verfolgt.
      [Großteil der Argumentation hab ich von Baltes]

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    9. Dann wünsch ich dir sehr viel Erfolg bei der Prüfung!
      Wie du merkst, bin ich mit dem antworten auch langsamer geworden. Mein Krankenstand ist seit einer Woche vorbei und meine Zeit daher wieder sehr eng. Aber die Unterhaltung finde ich ebenfalls (wenn auch langsam) fortführenswert und spannend.

      Ja, so sehe ich das auch, dass Paulus sein Auftreten, bzw. sein Evangelisieren jeweils angepasst hat. Denn da er sich in allen seinen Briefen bewusst unter den Willen Gottes stellt, muss ein Gesetz für ihn gelten – eben jenes, das er hier als „Christus gesetzmäßig unterworfen“ bezeichnet.
      Bei meinem momentanen – noch recht wenig tiefgreifenden – Studium des Gesetzes sind mir bereits zwei Dinge aufgefallen, die mein bisheriges Verständnis ein wenig korrigiert haben.
      1. Es gibt Gesetze, die ewiggültige Ordnungen sind und in Jesus ihren Bestand haben (zum Beispiel das Passah-Fest). Diese, zusammen mit den zehn Geboten, bleiben. Eben das, was Jesus erfüllt hat, aber nicht aufgehoben.
      2. Der Begriff „Gesetz“, den wir verwenden, ist offensichtlich nicht der gleiche, wie der, den die Juden verwenden. Wo wir feste Statuten und Regeln erwarten, ist die Thora in einigen Bereichen scheinbar mehr ein Regelwerk, um das eigentliche Gesetz Gottes (nämlich die zehn Gebote) im kulturellen und geografischen Umfeld zu ermöglichen. Aber bei diesem Punkt bin ich mir noch nicht so sicher.

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  2. Ich bin mal so frei und nehme die 5 Punkte und schreibe sie in meiner Überzeugung nieder. Hierin ist dann direkt erkennbar, in welchem Punkt ich nicht zustimme. Kleiner Spoileralarm: in allen! 🙂

    1. Für Paulus macht der Glaube an Jesus „frei vom Gesetz“.
    2. Paulus selbst hat sich zeitlebens streng an das jüdische Gesetz gehalten um den Juden keinen Anstoß zu geben.
    3. Juden, die an Jesus glauben, sind frei vom Gesetz.
    4. Nichtjuden, die an Jesus glauben, sind frei vom Gesetz.
    5. In Christus gibt es keine Unterscheidung von Juden und Nichtjuden.

    Da meine Überzeugungen sicherlich zu Fragen führt, antworte ich sehr gerne auf einzelne darauf.

    be blessed

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