Für den deutschen Logos-Blog habe ich mit Urs Stingelin ein Interview, über die Revision der Hoffnung für alle Übersetzung geführt. Hier einige Auszüge (die vollständige Version ist hier):

JT: Die aktuelle Ausgabe der Hoffnung für Alle ist bereits ihre vierte Revision. Was unterscheidet die neue Ausgabe von den bisherigen? Und warum wird sie immer wieder überarbeitet?

Streng genommen ist es nicht die vierte Revision, sondern nur die zweite, für das Alte Testament sogar die erste. 1983 erschien zum ersten Mal das Neue Testament. 1991 kamen die Psalmen dazu und 1996 der Rest des Alten Testaments. 2002 erschien die erste Revision. Revidiert wurde damals aber nur das Neue Testament.

In unserer zweiten Revision, die im Jahr 2015 beendet war, überarbeiteten wir dann die gesamte Bibel, deren älteste Texte zu dieser Zeit vor über 25 Jahren übersetzt worden waren. Wenn man sich überlegt, was während dieser Zeit nur schon auf der Ebene der wissenschaftlichen Computersoftware möglich geworden ist, und wie viele Kommentare, Monographien etc. in der Zwischenzeit publiziert wurden, kann man sich leicht vorstellen, dass Handlungsbedarf vorhanden war. Außerdem hat sich in den letzten 20 Jahren auch die deutsche Sprache nochmals stark verändert.

JT: Es gibt in Deutschland unzählige Bibelübersetzungen auf dem Markt. Warum soll ich ausgerechnet die Hfa vorziehen?

Die Hoffnung für alle zeichnet sich vor allem durch ihre inhaltliche Treue aus. Diese ist mit einer wortgetreuen Bibelübersetzung nicht immer gegeben. Anders gesagt: Wörtliche Übersetzungen geben Einblick in die Wörter, die in der Ausgangssprache verwendet wurden, was aber nicht unbedingt zum richtigen Verständnis der Texte beiträgt.

In 1. Samuel 24,4 lesen wir beispielsweise wörtlich: „Und er kam zu den Schafhürden am Weg. Dort war eine Höhle, und Saul ging hinein, um seine Füße zu bedecken.“ Jahrelang las ich selber aus diesem Vers heraus, dass Saul geschlafen hatte, als ihm David begegnet war. Erst sehr viel später verstand ich, dass man sich nur in unserer Kultur zum Schlafen die Füße zudeckt, in der jüdischen jedoch dieses Bild benutzt wird, wenn gesagt werden soll, dass jemand seine Notdurft verrichtet. Entsprechend wird der Sachverhalt in der Hoffnung für alle wiedergegeben. Dazu kommt, dass die Hoffnung für alle eine gut verständliche Sprache verwendet und in der Deutung besonders sorgfältig auf den jeweiligen Kontext achtet.

JT: Was ist das Ziel der Hfa, welchen Aspekt möchte sie priorisieren?

Hoffnung für alle will die Bibel sein, „die deine Sprache spricht“. Gleichzeitig will sie den Bibeltext zuverlässig wiedergeben.

JT: Gibt es eine bestimmte Zielgruppe für diese Übersetzung?

Grundsätzlich ist unsere Bibelübersetzung passend für alle. Entsprechend lautet ihr Name. Wegen ihrer guten Verständlichkeit wird sie von allen Generationen geschätzt. Ich erlebe es regelmäßig, dass alte, routinierte Bibelleser auf mich zukommen und mir berichten, dass sie mit der Hoffnung für alle die Bibel nochmals von einer ganz neuen Seite entdeckt haben. Besonders empfehlenswert halte ich sie aber für junge Menschen und für die Evangelisation.

JT: Inwiefern können Studenten, Theologen oder Prediger von der Hfa profitieren?

Den ersten Gewinn für die genannte Gruppe sehe ich darin, dass sie durch die Hoffnung für alle für die Zielsprache und damit auch für die Leute, für die sie arbeiten, sensibilisiert werden. Außerdem hilft unsere Bibelübersetzung, die grammatischen und kulturellen Feinheiten der biblischen Ursprachen zu verstehen. Nicht zuletzt ist die Hoffnung für alle durch ihre natürliche Sprache ein reicher Schatz für die persönliche Spiritualität. Man ist weniger stark analytisch gefordert und kann sich dadurch stärker darauf konzentrieren, sich das Gelesene zu Herzen zu nehmen und es in den eigenen Alltag zu übersetzen.

JT: Ich erlebe immer wieder, dass die Hoffnung für alle in einigen traditionell geprägten Gemeinden, oder auch von manchen Theologen, als ungenau verurteilt wird oder per se schlecht gemacht wird. Wie gehst du mit solchen Vorwürfen um, und was sind die Ursachen für dieses Misstrauen?

Die Hauptursache dieses Misstrauens ist, dass sich manche Leute dessen nicht bewusst sind, dass jede Bibel kommunikativ wird – nämlich in dem Moment, in dem der Leser/die Leserin sich ein bestimmtes Verständnis bildet. Das tut er/sie aber auch bei der wörtlichsten Übersetzung. Selbst die Bibellektüre in den Ursprachen kommt nicht ohne Interpretation aus (vgl. Petrus über Paulus in 2. Petrus 3,14–16). Die Frage ist also nicht, ob eine Bibelübersetzung Interpretation ist, sondern nur, wer interpretiert. Hier bin ich der Meinung, dass im Rahmen der Hfa-Revision diese Interpretation sehr sorgfältig geschehen ist. Und Gott sei Dank dürfen wir Gläubige auch den Heiligen Geist haben, der uns das Wort verstehen lässt!

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Für mehr Informationen zur Geschichte der Hoffnung für alle und zum herausgebenden Verlag siehe: www.hoffnungfueralle.com und www.fontis.ch. Zur Rechteinhaberin von Hoffnung für alle siehe www.biblica.com.