Missional?

Thomas Schirrmacher schreibt auf seinem Blog über die Frage des „missionalen“ Verständnisses (nachzulesen hier).

Ein Beispiel für einem missionalen Engagement, dessen langfristige Wirkung er hinterfragt, ist aus dem Buch „Missional Renaissance“: Ein typischer Beleg ist die Zusammenfassung am Ende, in der als herausragendes Beispiel für missionales Handeln eine Gruppe vorgestellt wird, die 10 Mio. $ für Hungernde gesammelt und 250.000 Jugendliche zu ehrenamtlichem Engagement motiviert hat. Kein Wort über die Hungernden, kein Wort, welche Veränderungen nachhaltig bewirkt wurden, kein Wort über sündige Strukturen, die den Hunger bewirken. Einfach nur ein Programm, das vor allem mit Geld und Zahlen prahlt, aber vermittelt: So gut wie wir war bisher noch niemand. Und das soll etwas noch nie da Gewesenes sein?
Dieses Buch kritisiert Schirrmacher weiter mit:
Allerdings werden Kirchen und ihre Mitarbeiter nicht mehr in ihrem Wesen als Gemeinde Jesu wahrgenommen, sondern nur noch nach ihrem Nutzwert für das neue Programm befragt. Dafür jedenfalls beruft sich McNeill zu Unrecht auf das Missio-Dei-Konzept, auf David Bosch und Leslie Newbegin.

Schirrmacher verurteilt allerdings den Begriff des missionalen nicht generell, sondern weist auch auf die verschiedenen Interpretationen hin:
Die einen verstehen unter ‚missional‘ eine Kirche, die sich inkarnatorisch ganz ihrer Umwelt anpasst, die anderen genau das Gegenteil, eine Kirche, die als alternative Gemeinschaft einen Gegenentwurf zur Gesellschaft bietet. Die einen verstehen ‚missional‘ als eine postmoderne Flexibilität in Lehrfragen zugunsten realer Beziehungen zu Menschen, die anderen betonen gerade, dass ‚missional‘ ein orthodoxes Verständnis der Mission Gottes in Christus voraussetze, das eben dazu führe, dass alles ins Licht dieser Mission gestellt und ihr untergeordnet werde.

Weiter beschreibt Schirrmacher, welchem Verständnis von missional er zustimmen kann:
Den „12 Thesen zur missionalen Theologie“ des IGW Zürich etwa, die auf Polemik gegen andere verzichten und einfach nur beschreiben, wieso Theologie nur als missionarischer Aufbruch verstanden werden kann, kann ich vollumgänglich zustimmen. Sie stimmen etwa mit meinen 30 Thesen „Biblische Grundlagen evangelikaler Missiologie“ von 1994 völlig überein, die zu einer Zeit verfasst wurden, als der Begriff ‚missional‘ noch nicht en vogue war.
—-
Weitere Beiträge zu dem Thema „missional“ finden sich hier.
Die „12 Thesen zur missionalen Theologie“ des IGWs finden sich hier.
Schirrmachers „Biblische Grundlagen evangelikaler Missiologie“ finden sich hier.


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