Thesen zur Taufe

Aus gegebenen Anlass habe ich mein Taufverständnis thesenhaft formuliert. Hier kann es nachgelesen werden:

  1. Die christliche Taufe steht in Verbindung mit der Johannestaufe. So rief Johannes zur Umkehr auf und die ihre Sünden bekannten wurden im Jordan getauft (Mk 1, 5).
    • Jesus selbst ließ sich von Johannes taufen (u.a. Mk 1,9ff). Zu Jesu Lebzeiten tauften bereits Jesu Jünger (Joh 4,2). Von dem auferstandenen Christus erging der Taufauftrag an seine Nachfolger (Mt 28,19f).
    • Ihre letztendliche und entscheidende Verankerung hat die christliche Taufe im Heilshandeln Gottes, durch Jesus Christus. Durch dieses Geschehnis muss die Taufe letztliche interpretiert werden.
    • Der Begriff der Taufe (βαπτίζω) wird im Neuen Testament nicht ausschließlich als ein Terminus Technicus für die Wassertaufe verwendet, sondern kann metaphorisch, oder auch für Reinigungshandlungen benutzt werden (z.B. Mk 10,38, Lk 11,38).[1] Oft zeigt eine Formel (auf den Namen, im Namen) denn Zusammenhang von βαπτίζω mit der Wassertaufe an.[2]
    • Die Bibel kennt auch eine Taufe mit Heiligen Geist (Lk 3,16). Eine Gleichsetzung von der Taufe in Wasser und der Taufe in Geist ist mit Zurückhaltung zu begegnen.
  2. Die Taufe ist als eine Immersionstaufe, also durch ein Untertauchen, durchzuführen. Eine Aspersionstaufe, also ein taufen mittels Besprengens, ist auch anzuerkennen, wenn auch nicht als die ursprüngliche Form der Taufe. Eine erneute Taufe ist in diesem Fall nicht notwendig.
    • Die Taufe hat, nach dem Missionsbefehl Jesu, auf den Namen des Vaters, des Sohns und des Heiligen Geistes stattzufinden (Mt 28,19).
    • Es ist zu beobachten, dass in der Bibel an einigen Stellen diese Formel auf den Namen Jesu gekürzt wird (u.a. Apg 2,38). Was der Grund hiervon ist, ob es eine kürzere Wiedergabe, oder andere Gründe hat, ist nicht abschließend zu klären.
  3. Die Taufe und der Glauben sind in ihrer Art und Wirkung zu unterscheiden und zu trennen. Dennoch gehören Glauben und Taufe untrennbar zusammen. So ist allein der Glauben für das Heil des Menschen notwendig (Röm 3, 21ff). Doch verlangt der Glauben nach der, ihm folgenden Taufe. Die Taufe wiederrum ist ohne den Glauben des Menschen nicht möglich.
    • Taufe und Glauben eint, dass beide ihre Verwurzelung im Heilshandeln Christi haben und ohne dieses Handeln Gottes sind Glauben und Taufe wirkungslos.
    • Die Taufe unterscheidet sich vom Glauben in dem Sinne, dass diese nicht die Rechtfertigung und das „Anziehen von Christus“ bewirkt. So haben zwar die Getauften Christus angezogen (Gal 3,27), allerdings bedeutet dies nicht, dass dies durch die Taufe geschah.[3] Vielmehr sind die Getauften alle an Christus gläubig geworden und für diese Personengruppe gilt, dass sie Christus angezogen und somit das neue Leben in ihm haben.
    • Die Taufe markiert den Übertritt vom Leben unter der Herrschaftsgewalt der Sünde hin zu dem neuen Leben, der von Christus gerechtfertigten Menschen.[4] Das in Christus geschehene Heil wird in einer metaphorischen Weise, anhand der Taufe deutlich (Röm 6,3ff).
    • Ein Zusammenhang von der Taufe Wiedergeburt ist gegeben, doch gleichzusetzten sind Taufe und Wiedergeburt nicht.
      • Wer nicht wiedergeboren ist, kann nicht in das Reich Gottes eingehen (Joh 3,3-5). Wenn der Glaubende ohne Taufe nicht wiedergeboren sein kann, dann ist die Taufe heilsnotwenig. Sofern eine fehlende Taufe die Wiedergeburt und somit die Rettung des Menschen nicht ausschließt, ist sie als nicht identisch mit der Wiedergeburt anzusehen. Dies schließt jedoch einen Zusammenhang mit der Wiedergeburt nicht aus.
      • Der Glaube an Christus, sein sühnendes Handeln und seine Auferstehung, ist heilsnotwendig (Röm 3,21ff). Daher ist es nicht der Akt der Taufe, durch welchen die Rechtfertigung erfahren wird, sondern der Glaube an Christus und sein Heilshandeln.[5]
      • Die Wiedergeburt wird mit den Elementen Wasser und Geist beschrieben (Joh 3, 3ff). Die Bedeutung des Wassers darf nicht vorschnell auf die Taufe festgelegt werden. Vom alttestamentlichen Kontext her, liegt die Reinigung der Sünden näher (vgl. Hes 36,25-27), was in der Taufe verdeutlicht und bezeichnet wird. Womit die neue Geburt mit der Reinigung der Sünden, dem neuen Herz und der Erneuerung durch den Geist zusammenhängt, bzw. identisch ist. Das „Bad/Waschung der Wiedergeburt“ von dem Paulus in Titus 3,5 schreibt, ist in Verbindung mit der paulinischen Rede von dem „Wasserbad im Wort“ (Eph 5,25) zu sehen. Beide Aussagen werden von einigen Exegeten auf die Taufe bezogen.[6] Ich schließe mich den Exegeten an, die jene Aussagen auf die Reinigung von den Sünden und nicht auf den Akt der Taufe beziehen.[7]
    • Die Taufe folgt der Sündenvergebung. Der mit Christus verbunden ist, hat in ihm diese Vergebung (Eph 1,7). Ebenso gilt die Verheißung in 1.Johannes 1,9. In der Apostelgeschichte wird Paulus zur Taufe und Anrufung des Namen Jesu aufgefordert, wobei bei letzteres die Abwaschung der Sünde als Folge genannt wird (Apg 22,16).[8] So bewirkt die Taufe nicht die Vergebung, vielmehr hat der im biblischen Sinn Getaufte, die Vergebung seiner Sünden.
    • Gott gibt den Heiligen Geist den an Christus Glaubenden. Der Geistempfang hat nicht die Taufe als Bedingung.[9]
    • Somit ist die Wirkung der Taufe signifikativ, indem sie die in Christus geschehene Erlösung, verdeutlicht. Die Wirkung der Taufe besteht darin, dass wenn sie der glaubende Mensch empfängt, diese, seine durch Wasser und Geist bereits geschehene Wiedergeburt, nicht bewirkt, sondern diese auf eine versiegelnde Weise sichtbar bezeichnet und bestätigt. Der Glaubende hat in ihr die Bestätigung von Gottes Handeln (vgl. u.a. Gal 3,27). Die Taufe kann ein Mittel sein, mit dem Gottes Geist unserem Geist aufschließt, dass wir Gottes Kinder sind (Röm 8,16). So ist Taufe für den Gläubigen unerlässlich. Ein ungetauftes Christsein ist der Bibel fremd (was den ungetauften, aber an Christus glaubenden Menschen nicht von der Rettung ausschließt).
  4. Der Zeitpunkt der Taufe ist nach der Bekehrung anzusetzen und ist dennoch nicht von diesem Prozess/Ereignis zu trennen.
    • Der biblische Schriftbefund macht deutlich, dass die Taufe auf dem Glauben folgte (Apg 2,41).
      • Die Bibel kennt und bezeugt keine Säuglingstaufe. Die Haustaufen (u.a. Apg 16,23) begründen keine Säuglingstaufen.
      • Bei der Säuglingstaufe fehlt es am Glauben des Getauften.[10]
      • Eine Glaubenstaufe eines als Kind getauften ist m.E. keine Widertaufe, da das wichtige Element, der Glaube damals fehlte. Eine Absicherung (gegen eine Wiedertaufe) mittels einer Konditionaltaufe ist ein möglicher Kompromiss, aber nicht zwingend notwendig.
      • Ein als Kind getaufter, der dies als seine richtige Taufe ansieht, sollte nicht gedrängt werden sich als Glaubender taufen zu lassen.
    • Da Glauben und Taufe eng miteinander verwoben sind, ist eine längere Zeitspanne zwischen Bekehrung und Taufe nicht angebracht und der Bibel fremd. Somit ist es nicht angebracht, wenn frisch bekehrte Menschen, erst einige Jahre nach ihrer Bekehrung getauft werden.
  5. Da der Glaubende nach seiner Bekehrung getauft wurde, bestand die erste Gemeinde nur aus getauften Christen (Apg 2,41 u.a.). Wie bereits erwähnt, ist es der Bibel fremd, wenn ein Glaubender nicht getauft wird. Eine Gemeindezugehörigkeit von Ungetauften scheint, dem biblischen Schriftbefund entsprechend, nicht vorgesehen zu sein. Somit kann hieraus geschlossen werden, dass eine Mitgliedschaft ungetaufter Gläubiger in heutigen Gemeinden, nicht mit der Praxis der ersten christlichen Gemeinden übereistimmt. Die Frage nach einer Gemeindemitgliedschaft von Ungetauften, hängt des Weiteren mit der Frage ihrer Einfügung in den Leib Christi zusammen. Wird der Gläubige durch die Taufe in den Leib Christi eingefügt, oder geschieht dies durch seine Wiedergeburt? Die paulinische Aussage in 1 Korinther 12, 12 (καὶ γὰρ ἐν ἑνὶ πνεύματι ἡμεῖς πάντες εἰς ἓν σῶμα ἐβαπτίσθημεν) ist hierfür entscheidend. Ich deute diese Stelle als eine Taufe in den Heiligen Geist (nicht als ein zweites Erlebnis!), indem Christen bei ihrer Geburt aus Wasser und Geist, dem Leib Christi hinzugefügt werden (vgl. auch Apg 1,5).[11] Somit geschieht die Einfügung in den Leib Christi zwar nicht durch die Taufe mit Wasser, wohl aber wird sie in ihr sichtbar. Eine Mitgliedschaft eines (dauerhaft) ungetauften ist, aus oben genannten Gründen, dennoch nicht vorstellbar.

[1]Vgl. Fee, The First Epistle to the Corinthians (NICNT), S. 604 und Schnabel, Römerbrief (2016), S. 30-21.

[2]Schnabel sieht dies für alle Fälle als notwendig an, vgl. Schnabel, Römerbrief (2016), S. 31. Allerdings findet sich in 1. Petrus 3,21 keine solche Formel, obschon es hier um die Taufe zu gehen scheint.

[3]Vgl. Haacker, Was war die Taufe im Urchristentum?, S. 54.

[4]Vgl. Seidel und Hörster, Leitsätze zur Taufe in Freien evangelischen Gemeinden, S 16 und Haacker, Was war die Taufe im Urchristentum, S. 57. Haacker nennt die Taufe auch ein geistliches Begräbnis.

[5]Vgl. Schnabel, Römerbrief (2016), S. 33.

[6]So u.a. Neudorfer, Titus (HTA), S. 204-206; Pokorný, Der Brief des Paulus an die Epheser, S. 224. Anders: Mounce, Pastoral Epistles (WBC), S. 448ff.

[7]Ausführlichere Argumentation bei Mounce, Pastoral Epistles (WBC), S. 448ff.

[8]Ähnlich: Apostelgeschichte 3,19. Auch hierzu scheint die Pfingstrede von Petrus (Apg 2,38) auf den ersten Blick Schwierigkeiten zu bereiten. Hier gilt allerdings wieder, dass Buße und Taufe zusammen genannt werden. Die Taufe folgte, wie selbstverständlich auf die Buße. Hinzu kommt der Hinweis von Polhill, dass das Verständnis der Präposition εἰς entscheidend ist. Er argumentiert für eine Übersetzung des Verses als eine „Taufe, auf der Basis der Vergebung der Sünden“. Polhill, Acts (NAC), S. 117.

[9]Dies würde des Weiteren auch, aufgrund Römer 8,9, die Frage der Heilsnotwendigkeit der Taufe stellen. Die Aussage, zum Geistempfang, in der Pfingstpredigt von Petrus (Apg 2,38) würde ich dahingegen interpretieren, dass Glauben und Taufe als zeitlich nicht zusammengehörend gesehen wird. Hinzu kommt, dass das Zeugnis der Apostelgeschichte auch von einer Begebenheit berichtet, an dem die Geisterfüllung vor der Taufe und während der Verkündigung geschah (Apg 10,44).

[10]Ein stellvertretender Glaube ist nicht möglich. Vgl. Leitsätze zur Taufe in Freien evangelischen Gemeinden (1982), Nr. 4.

[11]Zu exegetischen Argumenten für diese Deutung siehe Fee, The First Epistle to the Corintians (NICNT), S. 604ff.


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