Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Für den Blog von Logos habe ich einen Beitrag über „Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament“ geschrieben.
Hier einige Auszüge:

In diesem Beitrag Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament (kurz: HThKNT).

Es ist eine der Kommentarreihen, auf die ich sowohl im Studium gerne zurückgegriffen habe, als auch in meinem Gemeindedienst. Ich möchte Ihnen den Kommentar in drei Schritten vorstellen. Zuerst ordnen wir ihm seinen Platz im großen Universum der Bibelkommentare zu, im zweiten schauen wir uns den Aufbau der einzelnen Kommentare an und im dritten Teil stelle ich Ihnen vor, wie Sie diesen Kommentar für Ihre Arbeit einsetzen können.

Der erste Eindruck

Der HThKNT ist eine wissenschaftliche Kommentarreihe, welche von katholischen Exegeten verfasst wurde. Allerdings gilt dieser Kommentar auch bei evangelischen Theologen als Standardwerk. Der Grund für die überkonfessionelle Wertschätzung liegt in der hohen Qualität dieses exegetischen Kommentars.

Zuerst werden in der Regel die Einleitungsfragen ausführlich diskutiert. So hat der vierbändige Johannes-Kommentar von Rudolf Schnackenburg bereits eine ca. 200 Seiten lange Einführung, in der neben den Verfasserfragen auch die Wirkungsgeschichte, seine Beziehung zu den Synoptikern und viele weitere Fragen behandelt werden. In den Einzeltexten betreibt Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament eine sehr gründliche Exegese auf einem guten wissenschaftlichen Niveau, gleichzeitig stellt er das Ergebnis der Exegese zumeist nachvollziehbar dar.

Das heißt, der Verfasser analysiert zuerst den Bibeltext. Hier geht er literarischen Fragen gründlich nach, z.B., wie der Text im Kontext des Buches eingebunden ist, welche sprachlichen Besonderheiten vorhanden sind, oder er macht literarkritische Vorbemerkungen.

Danach folgt die Interpretation, also die Auslegung des Textes. Hier werden exegetische Fragen aufgegriffen und interpretiert. Wichtige Übersetzungsfragen von griechischen Begriffen werden behandelt, aber auch biblisch-theologische Linien gezogen. An einigen Ausführungen wird dabei gelegentlich auch deutlich, dass die Reihe aus einer katholischen Feder stammt, wie z.B. in der Passage über die Wiedergeburt in Johannes 3,5, in welcher das Wasser mit der Taufe gleichgesetzt wird.

Und dennoch bietet auch diese Kommentierung spannende Informationen, z.B.

zum Reinigungsverständnis im Judentum, die etwa auch für freikirchliche Ausleger mit einem anderen Wiedergeburtsverständnis spannend sein können.

Im letzten Teil der Exegese wird zumeist in verschiedenen Schritten die Brücke in die heutige Lebenswirklichkeit versucht. Hier bringt der Kommentator eine Zusammenfassung der Zielrichtung des Bibeltextes, danach beurteilt der Kommentator diese historisch und erörtert die Frage nach dem historischen Gehalt der Ereignisse. Anschließend wird der Bogen in die heutige Theologie und Wirklichkeit geschlagen.

Dazu sind viele einzelne Exkurse vorhanden. Im Johannesevangelium gibt es z.B. Exkurse zum Präexistenz-Gedanken, im Römerbrief über das Verständnis der Sünde bei Paulus und viele mehr. Die Reihe ist somit ganz klar von “exegetischer” Ausrichtung.

Von der Methodik her arbeitet Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament durchgehend historisch-kritisch. Er bedient sich Methoden wie u.a. der Literarkritik, er fragt nach der historischen Plausibilität der beschriebenen Ereignisse (aus der Sicht seiner Verfasser müssen nicht alle biblischen Ereignisse zwingend historisch stattgefunden haben) und sieht die angegebenen Verfasser nicht immer als zwingend an.

Für theologisch Konservative, zu denen auch ich mich zähle, kann sich hier die Frage stellen, welchen Wert die Arbeit mit einem historisch-kritischen Kommentar hat. Ich möchte Ihnen die Gründe nennen, warum ich trotz allem gerne darauf zurückgreife.

Zuerst ist meine Überzeugung, dass ich in Fragen der Bibelauslegung von vielen Seiten lernen kann. Im Neuen Testament greife ich auch gerne auf wissenschaftliche Kommentare aus konservativer Feder wie die Historisch-Theologische Auslegung zurück (im Alten Testament sieht es im deutschsprachigen Bereich hier leider etwas karg aus), oder auch englischsprachige Kommentare. Gleichzeitig bin ich der Ansicht, dass ich auch in liberaleren Kommentaren aus den Einzelschritten der Exegese, wie z.B. der Untersuchung von Begriffen, literarischer Zusammenhänge, der Wirkungsgeschichte und vieler weiterer Elemente lernen kann, ohne dadurch deren gesamte Auslegung zu übernehmen. Wenn ein Kommentator z.B. Wundererzählungen als nicht zwingend historisch sieht, hat er eine Vorentscheidung getroffen, die ich nicht teile. Dessen bin ich mir bereits bei der Lektüre des Kommentar bewusst. So kann ich alles prüfen und das Gute behalten.

Trotz regelmäßig vorkommender griechischer Begriffe ist die Arbeit mit der Reihe auch ohne Griechischkenntnisse gut möglich. Führende Exegeten haben an dieser Reihe mitgeschrieben. Zu den Autoren gehören u.a. Joachim Gnilka, Rudolf Pesch und Rudolf Schnackenburg. Somit ordnen wir den HThK als ein wissenschaftlich hochwertigen, historisch-kritischen, exegetischen Bibelkommentar ein.

Die Verwendungsmöglichkeiten

Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament ist, wie bereits erwähnt, ein exegetischer Bibelkommentar. Besonders hilfreich ist er daher, wenn Sie ihn für exegetische Arbeiten einsetzen. So können Sie seine exegetischen Ansätze sowohl für Ihre Predigt-Exegese, als auch für akademische Arbeiten einsetzen. Das gilt auch dann, wenn Sie (wie ich) ein konservatives Schriftverständnis haben, da die einzelnen exegetischen Schritte viele wertvolle Informationen enthalten.

Der Umfang des HthKNT

Der HThKNT deckt fast alle Bücher des Neuen Testaments ab. Da die Reihe leider nie vollendet wurde, fehlen lediglich der zweite Band zum Lukasevangelium ab Kapitel 12; die Korintherbriefe, die Thessalonicherbriefe und die Offenbarung des Johannes.

2 thoughts on “Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

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