Brot und Wein


Vor nicht allzulanger Zeit habe ich mich näher mit dem Abendmahl beschäftigt.
Das Ergebnis ist hier in Thesen zu lesen:

  • Der Grund des Abendmahls ist in Jesus Christus zu finden, welcher das Abendmahl eingesetzt hat (u.a. Mk, 14,22).
    • Christus selbst ist es somit, der im Abendmahl, seine Gemeinde beschenkt. Von der Gemeinde wird es seit ihren Anfängen gefeiert (Apg 2,42).
    • Das Abendmahl weist eine enge Verflechtung zum Passahmahl auf. Das Abendmahl selbst wird im Kontext des Passahmals gefeiert und ist in diesem Kontext auch auszulegen.
    • Die Elemente des Abendmahls sind Brot und Wein (Traubensaft kann bei der Durchführung möglich sein, da Jesus vom Gewächs des Weinstocks spricht).
    • Die Deutungsworte machen im neutestamentlichen Kontext deutlich, dass Brot und Wein, den Leib und das Blut Jesu verdeutlichen.
      • Die katholische Kirche vertritt mit der Transsubstationslehre, dass Brot und Wein leibhaftig in Leib und Blut Christi verwandelt werden, aber in ihrer Gestalt und im Geschmack Brot und Wein bleiben.
      • Luther lehnte die Transsubstationslehre ab, vertrat dagegen die Realpräsenz Christi inmitten von Brot und Wein. Somit wird Christus, in Brot und Wein, leiblich zu sich genommen.
      • Zwingli hingegen vertrat die Sichtweise, dass die Gemeinde sich im Abendmahl lediglich auch Christi Opfer erinnere und die Elemente weder Leib, noch Blut von Christus sind, sondern diese symbolisieren.
      • Calvin hingegen vertrat, dass Christus durch seinen Geist gegenwärtig ist. Wer gläubig das Abendmahl zu sich nimmt, der wird, neben der Gedächtnisfeier der Gemeinde, durch den Heiligen Geist zu Christus erhoben und im Himmel mit Christi Leib und Blut gespeist. Deshalb ist das mit dem Mund empfangene, wie ein Unterpfand dessen, was in die Seele im Geist empfängt.[1]
      • Ich selbst vertrete, dass die Elemente Brot und der Wein ihn ihrer Substanz Brot und Wein bleiben. Sie werden weder in Ihrer Substanz in Jesu Leib und Blut verwandelt, noch ist Christus leiblich in ihnen gegenwärtig.
    • Die Wirkung des Abendmahls hat in erster Linie eine Erinnerungs- und Verkündigungsfunktion, allerdings erschöpft sich dessen Wirkung nicht darin alleine.
      • Jesus gab seinen Jüngern den Auftrag das Abendmahl zu seinem Gedächtnis zu feiern (Lk 22,19). Somit wird im Abendmahl zu allererst an das Leiden und Sterben von Christus gedacht. Eine Parallele ist die Erinnungsfunktion des Passahmahls, welches an den Exodus erinnert.
      • Wie im Passahmahl die Israeliten des Exodus vergegenwärtigt wurden, wird im Abendmahl der „Exodus“ des neuen Bundes, durch Jesus das Lamm Gottes (Joh 1,29), als ein soteriologisches Motiv der Gemeinde vergegenwärtigt und mit den Elementen nahe gebracht.
      • Durch die Durchführung des Abendmahls wird der Tod Christi verkündigt (1Kor 11,26). Daher ist es ratsam, wenn vor dem Abendmahl Jesu Einsetzungsworte gelesen werden, oder zumindest der Bezug zu Jesu Leiden und Sterben, mit dem folgenden Abendmahl, hergestellt wird.
      • Der Wein des Abendmahls symbolisiert das Blut des Bundes (Mt 26,28), welches die Sündenvergebung vergossen wurde. Das Brot symbolisiert Jesu Leib, der dahingegeben wurde (Lk 22,19).[2] Somit kann es nicht als eine Wirkung des Abendmahls gesehen werden, Christi Leib und Blut leibhaftig zu sich zu nehmen.
        • Die katholische Theologie sieht im Abendmahl ein Messopfer. Dieses wird nicht im als eine Ergänzung zum Kreuzesgeschehen verstanden, vielmehr wird darin der Tod und die Auferstehung Jesu sakral vergegenwärtigt. In ihr werde der gegenwärtige Herr gepriesen und seine endgültige Ankunft erfleht. Der Opfercharakter bestehe darin, dass neu deutlich werde, dass wie Jesus das Kreuzesopfer im Geist dargebracht habe, auch das Messopfer ein Opfer im Geist sei.[3]
        • Die Sichtweise Calvins (siehe These 3.1.4.4.), dass durch den Geist die Seele des Gläubigen im Himmel, von Christus mit Leib und Blut gespeist wird, sehe ich vom biblischen Schriftbefund her, als schwer begründbar an. Die Anwesenheit Christi durch den Heiligen Geist ist dagegen unverzichtbar. So kann der gegenwärtige Christus, in und durch seinen Geist, das Erlösungsgeschehen der Gemeinde in seiner Tiefe verdeutlichen und sie im Glauben stärken und in eine tiefe Dankbarkeit und Danksagung hineinführen.
      • Da das Abendmahl bis zur Wiederkunft Christi von der Gemeinde zu feiern ist, hat sie eine eschatologische Bedeutung (1Kor 11,26) und lässt somit die Gemeinde, die im schon jetzt des Reiches Gottes lebt, auf dessen Vollendung, durch Christi Ankunft warten. Hinzu kommt, dass Jesus das Abendmahl mit seiner Gemeinde im (vollendeten) Reich Gottes feiern wird (Lk 22,17-18).
    • Die gesamte versammelte Gemeinde Christi wird von Christus selbst zu Brot und Wein eingeladen und versammelt. Hier kommt die ekklesiologische Funktion des Abendmahls zum Tragen.
      • Die Bibel nennt für Gläubige keine Ausschlusskriterien für das Abendmahl.
      • Der unwürdige Gebrauch des Abendmahls bezieht sich nicht auf dem Status des Gläubigen, sondern auf die Art und Weise in der das Abendmahl eingenommen wird, nämlich in einer rücksichtslosen Weise gegenüber den Minderbemittelten (1Kor 11,20ff).
      • Somit ist es nicht als biblisch anzusehen, wenn Gemeinden, im Rahmen der „Gemeindezucht“ Gläubige vom Abendmahl ausschließen.
      • Jesus hat das Abendmahl seinen Jüngern und somit seiner entstehenden Gemeinde gegeben. Menschen die den Glauben an Jesus nicht teilen, können somit nicht an ihm teilnehmen.[4]

 

[1]Vgl. Joest und von Lüpke, Dogmatik II: Gottes Weg mit dem Menschen, S. 216.

[2]Joest und von Lüpke weisen darauf hin, dass mit heima das Vergießen des Blutes, also das Sterben gemeint ist und die Verwendung von soma anstelle von sarx auch deutlich mache, dass es nicht um wortwörtliche Substanzelemente beim Abendmahl gehe. Vgl. Joest und von Lüpke, Dogmatik II: Gottes Weg mit dem Menschen, S. 221. Des Weiteren ist anzumerken, dass Jesus an verschiedenen Stellen, Element mit sich, auf eine metaphorische Weise gleich setzt, so ist er die Tür (Joh 10,7), der Weinstock (Joh 15,1ff), usw.

[3]Vgl. Kasper, Sakrament der Einheit, S. 88-94.

[4]Vgl. Bussemer, Die Gemeinde Jesu Christi, S. 118.

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