Freiheit vom Gesetz?

chain-1623322_1920In seinem Buch „Paulus – Jude mit Mission“ stellt Baltes 5 Thesen auf wie Paulus, seiner Meinung nach, die Freiheit vom Gesetz und was damit zusammenhängt, versteht.
Diese Thesen sind vielleicht nicht gerade der Mainstream und vielleicht sind diese auch gerade deshalb interessant und auf jeden Fall es wert darüber weiter nachzudenken und zu diskutieren:

  1. Für Paulus macht der Glaube an Jesus nicht „frei vom Gesetz“.
  2. Paulus selbst hat sich zeitlebens streng an das jüdische Gesetz gehalten.
  3. Juden, die  an Jesus glauben, sollen weiterhin das Gesetz einhalten.
  4. Nichtjuden, die an Jesus glauben, sollen sich nicht an das Gesetz halten.
  5. Juden sollen Juden bleiben und Nichtjuden sollen Nichtjuden bleiben.

Neu-Erschaffung oder Verwandlung

Eine spannende Frage bzgl. des vollendeten Reiches Gottes, betrifft die neue Erde und den neuen Himmel.
Aus meiner Sicht waren die Argumente für eine komplette Verwandlung, oder Transformation der Erde die besseren und ich vertrete diese Sicht immer noch.
In einer Einleitung in die Theologie des Alten Testaments (Koppelin: Gott sucht den Menschen) habe ich folgendes Zitat gefunden, welches eine andere Sicht vertritt:

Das hebräische Wort für schaffen ist hier wie in Gen. 1,1 bsr. Die neue  Welt ist also keine Reparation der alten. Gott schafft etwas vollständig Neues. Das NT entfaltet diesen Gedanken vor allem in der Offenbarung (21,1ff; vgl. 2.Pt. 3,13). Worte über das Gericht und das Ende der Erde finden sich auch in Jes. 24-27. Doch eine Aussage dieser Klarheit über eine neue Schöpfung findet sich sonst im AT nicht.

Das ALTE Testament (2)

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Jesus und die Apostel und das Alte Testament

These:
Für Jesus hat das Gesetz Autorität. Das Gesetz wird durch die Bergpredigt nicht aufgehoben. Das falsche Verständnis wird korrigiert.
Es gibt die Aussage von Jesus: Die Schrift redet von ihm (Joh 5,39).
Die Formulierung „Es steht geschrieben“ Wird als Verwendung zur Begründung verwendet (Mt 4,1-11). Jesus stellt sich so unter die Autorität des Alten Testament.
In der Bergpredigt legt Jesus das Alte Testament aus. Darin verwirft das vorherrschendes falsche Verständnis, welches durch mündliche Überlieferungen aufgeworfen wurde. Er bringt auch die Anliegen der Propheten zur Geltung.

Jesus kam nicht um das Gesetz und somit auch das Alte Testament aufzulösen sondern das Ziel war die Erfüllung.
Kein Buchstabe (Jota) des Gesetz wird vergehen/fallen (Mt 5,17-18; Lk 16,17)

Jesus wird mittels Alte Testament erschlossen. Paulus verwendet über 90 Zitate (Röm – Gal) Des weiteren gibt es die Verwendung von AT Typologien.

2.Tim 3,16
Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit,
Folgerungen:
Schrift = AT (NT erst später fertiggestellt; aber eingeschlossen)
Das AT ist für Christen nützlich zur:

  • Lehre (Belehrung; Unterrichtet in der Wahrheit)
  • Überführung (Schuld einsehen; deckt Schuld auf)
  • Zurrechtweisung (auf den richtigen Weg zurück führen)
  • Unterweisung (erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen)

 

 

Das ALTE Testament? (1)

bible-504785_1920Christen und das Alte Testament
In der frühen Christenheit gab es einen Streit um das Alte Testament. Prägend war hier Maricon. Dieser vertrat die Auffassung, dass der Schöpfergott des Alten Testaments nicht der Vater von Jesus sein kann. Denn seine Schöpfung sei miserabel (schließlich wurden Tiere wie Skorpione erschaffen), des Weiteren sei er ein Gott der Rache und muss abdanken. Das Alte Testament wurde von Marcion verworfen. Auch vom Neuen Testament „entfernte“ er die alttestamentliche Bezüge.

Gehen wir in das Jahr 1921. Adolf von Harnack vertrat die These, es sei ein großer Fehler und Zeichen einer „kirchlichen Lähmung“ das Alte Testament auch heute noch als Teil der Bibel beizubehalten.

Für die heutige Zeit möchte ich folgende These aufstellen:
Heute besteht vielerorts unter Christen eine gründliche Unkenntnis und Unsicherheit über die Frage des Alten Testaments.

Auf der einen Seite hört man Aussagen wie:

  • „Christus ist das Gesetztes Ende…“
  • „AT ist eine Bundesauflage für das Judentum!
  • „Wir leben im NT – AT ist Vergangenheit“
  • „Der Buchstabe tötet“
  • „NT steht alles Notwendige“

Die andere Seite bring Aussagen wie:

  • Jesus sagt er sei nicht gekommen um das Gesetz aufzulösen (Mt 5,17ff)
  • Die Gebote sind gültig – es sei den NT erklärt sie als erfüllt

Wozu brauchen wir also das Alte Testament? Wie können wir es neu für uns entdecken?
Auf diese Fragen werden wir in den nächsten Artikeln eingehen.

 

 

 

Exodus und Erlösung

pyramids-685189_1280Hängt der Exodus mit dem Begriff der Erlösung zusammen? Der Begriff „גאל“ (ga’al), welcher erlösen bedeutet, wird in Exodus 6,6 von Gott verwendet. Wir wollen uns nun damit auseinandersetzen, ob der Exodus den Begriff der Erlösung im NT verdeutlicht, aufgegriffen und ggf. neu gefüllt wird.

In Exodus 12ff wird der Exodus und die Erlösung als die Befreiung aus der Sklaverei mit dem Ziel ein Volk zu sein, welches ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein soll (Ex 19,6). Somit hatte die Erlösung geistlichen, aber auch politischen und sozialen Charakter.

Kann der Exodus als Modell für die Erlösung durch Christus verstanden werden, also als einen Interpretationsrahmen dafür?
Während im AT häufig auf den Exodus Bezug genommen wird (Auf die weitere Interpretation in den Propheten des AT kann in diesem Artikel nicht eingegangen werden), sind die Rückschlüsse im NT nicht so oft vorhanden.
In Matthäus 2,15 finden wir Folgende Textpassage: und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«
Dies ist ein Zitat aus Hosea 11,1: Als Israel jung war, hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten. 
Stefan Felber schreibt im „Themenbuch zur Theologie des Alten Testaments“ dazu Folgendes:

Das Hosea-Zitat klingt bei Matthäus zunächst wie eine Umdeutung des historischen oder literalen Sinnes. Denn beim Begriff „Sohn“ haben kundige Leser gemäß Ex 4,22f an das Volk Israel gedacht. Für Matthäus, dessen Deutung auch für jüdische Ohren plausibel sein sollte, war es keine Umdeutung, sondern die Aufdeckung der Sinnweite des heiligen Textes bzw. der ihm eigen – d.h. nicht erst von Matthäus hinzugefügten (relecture) – geistigen Dimension. Diese entspricht insofern dem ursprünglichen Kontext des Zitats, als Hos 11 selbst ein bekehrendes göttliches Eingreifen erwartet (V. 10f).

In Christus (bzw. in ihm und dem Zwölferkreis) konstituiert sich, so die implizierte Botschaft, das neue Israel. Dieses neue Israel ist aber nicht anders denkbar als selbst vom alten Israel herkommend (und um das Judentum werbend).Jesus, der Gesalbte […] geht den Weg mit den Erzvätern nach Ägypten und mit den Stämmen aus Ägypten wieder in das verheißene „Land Israel“. Sicher sind nicht alle Einzelzüge des Lebens Jesus für die deutende Vernunft penibel auf alttestamentliche Vorbilder beziehbar. […]
Die Erlösung aus der ägyptischen Sklaverei wurde, wie oben gesagt, zum Hoffnungsmodell […]. Im Neuen Testament ist Mose λυτρωτής, Erlöser Israels aus Ägypten (Apg 7,35; vgl. Lk 1,68; 2,38), und analog kam Christus als λύτρον (Mk 10,45 par) zur ἀπολύτρωσις (1Kor 1,30), damit die Sünden vergeben werden (Röm 3,24f; Eph 1,7; Hebr 9,15).

 

 

Gottes Gerechtigkeit im AT

Volker Gäckle schreibt hierzu:

In Ps 51 entsteht eine sehr interessante Spannung zwischen zwei Dimensionen der Gerechtigkeit Gottes, nämlich einmal der Heil schaffenden Gerechtigkeit für die Frommen, dann aber auch der richtenden und Lohn bzw. Strafe zuteilenden Gerechtigkeit gegenüber den Gottlosen. […]
Allerdings kann das Verständnis des Begriffs in den hebräischen Texten nicht auf die Bedeutung von „Rettung“ reduziert werden  „Gerechtigkeit“ taucht stets im Kontext eines Disputs oder eines Rechtsstreits auf: Wenn Gott Rettung erwirkt für sein Volk, dann richtet er Gerechtigkeit auf für sie gegenüber den Feinden und gegenüber sich selbst. Rettende Gerechtigkeit und Zorn sind unterschiedliche Aspekte des selben Ereignis.[..]
Gott schafft dadurch Heil, dass er Recht schafft. In Jes 51,6 wird deutlich, dass Gottes Gerechtigkeit nicht nur sein Volk zum Ziel hat, sondern auch sich selbst. […] Wenn Gott daher einen Rechtsstreit mit seinem Volk führt, geschieht dies immer durch Zorn und Verdammung, sodass Rettung und Gerechtigkeit durchbrechen können. […] Rettende und vergeltende Gerechtigkeit sind also untrennbar aufeinander bezogen.