Evangelikale Heiden?

Wayne Grudem stellt in seiner Biblischen Dogmatik eine definitiv provokante These auf.  Er schreibt von einer Gefahr von „unbekehrten Evangelikalen“. Auf der einen Seite provozieren diese Äußerungen, auf der anderen regen sie auch zum nachdenken an. Ausgehend von der Lehre der Unverlierbarkeit der Errettung schreibt er:

Obwohl ein echter Christ, der sündigt, seine Rechtfertigung oder Adoption vor Gott nicht verliert […], muss eine klare Warnung ausgesprochen werden, dass die bloße Zugehörigkeit zu einer evangelikalen Gemeinde und äußerliche Anpassung an akzeptierte „christliche“ Verhaltensmuster die Errettung nicht garantiert. Insbesondere in Gesellschaften und Kulturen, wo es leicht vorkommt (oder sogar erwartet wird), dass Menschen bekennen, Christen zu sein, besteht eine realistische Möglichkeit, dass manche sich der Gemeinde anschließen, die keine echte Wiedergeburt erlebt haben. Wenn solche Leute dann in ihrer Lebensweise Christus immer mehr ungehorsam werden, sollten sie nicht mit trügerischer Selbstgefälligkeit beschwichtigt werden, indem ihnen versichert wird, dass sie ja immer noch die Rechtfertigung oder die Adoption in die Familie Gottes hätten. Eine konsequente Lebensweise des Ungehorsams gegen Christus, verbunden mit einem Mangel der Elemente der Frucht des Heiligen Geistes, die in Liebe, Freude, Friede, usw. besteht (siehe Gal 5,22-23), ist ein Warnsignal dafür, dass die Person innerlich wahrscheinlich kein wahrer Christ ist, dass vom Anfang her wahrscheinlich kein echter Herzensglaube und kein Werk des Heiligen Geistes mit der Wiedergeburt vorhanden war.

 

Wenn Flüchtlinge Christen werden

Das Erste veröffentlichte einen Beitrag mit dem Titel Abschied vom Islam – Wenn Flüchtlinge Christen werden.

„Halleluja!“, will er rufen, doch seine Stimme versagt – vor Rührung und Freude und weil das Wasser des Hamburger Stadtparksees so kalt ist. Gerade wurde Ramin getauft, ein junger Afghane, geboren als Muslim. Jetzt ist er Christ. In seiner Heimat kann ihm dafür der Tod drohen. Doch nicht nur Ramin ist entschlossen: 80 weitere ganz in weiß gekleidete Täuflinge warten am Ufer darauf, dass sie endlich in den See eintauchen und mit ihrem alten Leben abschließen können.[…]

Mehrere hundert Flüchtlinge will Pastor Albert Babajan von der persischsprachigen Pfingstgemeinde in diesem Jahr taufen. Taufen gibt es nicht nur in den Freikirchen. Auch landeskirchliche Gemeinden melden, dass immer mehr Flüchtlinge um die Taufe bitten. Eine Entscheidung mit ernsthaften Konsequenzen

Diakonie und Errettung

street-art-977816_1280Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben einbüßte?“ (Mt 16,26).

Wie verhält sich soziales / diakonisches Engagement (welches ich als evangelikaler Christ unbedingt befürworte) und die Frage nach der Bekehrung?
L.J. Crabb hat hierzu sehr treffend geschrieben:

Einem hungrigen Kind im Namen Jesu essen zu geben ist gut. Doch wenn diese missionale Aktivität nicht in der von Gebet begleiteten Hoffnung geschieht, dass das hungrige Kind Christus als seinen Retter von der Sünde annehmen und Zuversicht auf ein wunderbares, nie endendes Leben im Himmel und auf der Erde leben wird, und wenn das Blut Christi nich als kostbar angesehen wird als Nahrung und Obdach, dann fällt es mir schwer, diese Mission als christlich zu betrachten.

 

Evangelisation und soziale Verantwortung

Hans-Ulrich Reifler schrieb in seinem Aufsatz „Ganzheitliche Mission“ (veröffentlicht in evangelikale missiologie 26/2010) über das Verhältnis von Evangelisation und sozialer Verantwortung Folgendes:

[…] durch eine christozentrische Missionspredigt können Menschen vor die Entscheidung gestellt werden, Christus nachzufolgen und das Heil im Glauben zu ergreifen. Das umfasst die vertikale Beziehung des Heils, Friede und Versöhnung mit Gott, (Röm 5,1 und 2Kor 5,15ff) sowie die horizontale Beziehung des Heils, Versöhnung unter den Menschen (Eph 2,14), die Konsequenz der Neuschöpfung in Christus (2Kor 5,17). In der ergreifenden Bekehrungsgeschichte des Zachäus erkennen wir deutlich, dass biblische Bekehrung sich nicht nur auf das persönliche, subjektive Heil beziehen kann. Das Herz des Zachäus wurde heil, genauso wie seine zwischenmenschlichen Beziehungen.
[…]Damit wird offenbar, dass das Heil mehr ist als nur ein innerweltliches sozial bedingtes Phänomen, das die Aufhebung von Klassenunterschieden, Armut, Unterdrückung, Rassismus, Diskriminierung und Ausbeutung zum Ziel hat. […]
Bei der christlichen Mission steht darum nicht „die Bewältigung industrieller Differenzen, die Aufhebung von Klassenunterschieden oder Überwindung rassistischer Diskriminierung“ im Vordergrund, sondern das Angebot der Versöhnung (2Kor 5,18–20). Andererseits sehen wir, dass dort, wo Menschen Gottes Heil erleben, indem Gott Schuld vergibt und eine neue Lebensperspektive schenkt, auch soziale Veränderungen nicht ausbleiben werden.

In das Reich Gottes eingehen

Die Verkündigung des RG hängt mit dem Ruf zur Umkehr/Buße zusammen (Mt 3,2; Mk 1,15). Alle sind eingeladen, in das RG einzugehen (Mt 22,1-14).
Das RG muss man annehmen wie ein Kind (Mk 10,45).
Lippenbekenntnisse reichen zum Eintritt nicht aus (Mt 7,21). Ebenso wenig die Gerechtigkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten (Mt 5,20). Die Voraussetzung ist die neue Geburt aus Wasser und Geist (Joh 3,3-5).
Im Doppelgleichnis vom Schatz im Acker und der kostbaren Perle (Mt 13,44-46) zeigt Jesus, dass das Empfangen des RG mit dem Preis der Nachfolge verbunden ist.
 Wer ins RG eingeht, hat damit auch den Auftrag der Nachfolge. Er ist aufgefordert, ein Zeuge Jesu zu sein (Mt 28,19-20, Lk 9,60) und mitzuarbeiten (Mt 21,1-16). Die Botschaft des Reich Gottes wird Auswirkungen haben (Mt 13,3-9).
Die Möglichkeit des Eingehens in das RG liegt im Sieg Jesu, durch seinen Sühnetod am Kreuz begründet (vgl. u.a. Mk 10,45). Somit ist das Eingehen und Teilhaben am RG soteriologischer Natur.
Ebenso existiert die Möglichkeit, das Eingehen in das RG zu versäumen (Mt 25,1-12). Auch die Möglichkeit, bewusst nicht in das RG einzugehen existiert. Diesen Vorwurf machte Jesus den Schriftgelehrten und Pharisäern. Während sie proklamierten, mit ihrer Erkenntnis den Schlüssel zum Gottesreich zu besitzen und durch ihre Predigten die Menschen danach hungrig machten, lehnten sie Jesus als Messias ab und gingen somit nicht in das RG ein. Sie versuchten das Volk von der Jüngerschaft abzuhalten und versuchten somit die, die hinein wollten, am Eingehen zu hindern (Mt 23,13).
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Die Notwendigkeit der Umkehr

Wayne Grudem schreib in seinem Buch Biblische Dogmatik Folgendes zu diesem Thema:

Wenn wir uns dessen bewusst werden, dass echter rettender Glaube von echter Buße für die Sünde begleitet sein muss, hilft uns dies zu verstehen, weshalb manche Evangeliusverkündigung heute nur solche unzureichenden Ergebnisse erbringt. Wenn die Notwendigkeit der Buße gar nicht erwähnt wird, lautet die Botschaft des Evangeliums manchmal nur: “Glaube an Jesus Christus, und du wirst gerettet werden”,  ohne dass überhaupt noch etwas von der Buße gesagt wird. Diese verwässerte Version des Evangeliums fordert keine rückhaltlose Hingabe an Christus von ganzem Herzen – die Hingabe an Christus muss, wenn sie echt sein will, einen Herzensentschluss zur Abkehr von der Sünde einschließen. Predigt man die Notwendigkeit des Glaubens ohne Buße, so predigt man nur das halbe Evangelium. Dies wird zur Folge haben, dass viele Menschen getäuscht werden; sie denken dann, sie hätten das christliche Evangelium gehört und es ausprobiert, aber es sei nicht mit ihnen geschehen. Sie könnten sogar etwa Folgendes sagen: “ich habe Jesus Christus immer wieder als meinen Retter angenommen, und es hat nie richtig funktioniert.” In Wirklichkeit jedoch haben sie Christus nie richtig als ihren Retter angenommen, denn er kommt in seiner Majestät zu uns und lädt uns ein, ihn als denjenigen zu empfangen, der er ist – als denjenigen der auch der absolute Herr unseres Lebens zu sein verdient und verlangt.