Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Für den Blog von Logos habe ich einen Beitrag über „Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament“ geschrieben.
Hier einige Auszüge:

In diesem Beitrag Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament (kurz: HThKNT).

Es ist eine der Kommentarreihen, auf die ich sowohl im Studium gerne zurückgegriffen habe, als auch in meinem Gemeindedienst. Ich möchte Ihnen den Kommentar in drei Schritten vorstellen. Zuerst ordnen wir ihm seinen Platz im großen Universum der Bibelkommentare zu, im zweiten schauen wir uns den Aufbau der einzelnen Kommentare an und im dritten Teil stelle ich Ihnen vor, wie Sie diesen Kommentar für Ihre Arbeit einsetzen können.

Der erste Eindruck

Der HThKNT ist eine wissenschaftliche Kommentarreihe, welche von katholischen Exegeten verfasst wurde. Allerdings gilt dieser Kommentar auch bei evangelischen Theologen als Standardwerk. Der Grund für die überkonfessionelle Wertschätzung liegt in der hohen Qualität dieses exegetischen Kommentars.

Zuerst werden in der Regel die Einleitungsfragen ausführlich diskutiert. So hat der vierbändige Johannes-Kommentar von Rudolf Schnackenburg bereits eine ca. 200 Seiten lange Einführung, in der neben den Verfasserfragen auch die Wirkungsgeschichte, seine Beziehung zu den Synoptikern und viele weitere Fragen behandelt werden. In den Einzeltexten betreibt Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament eine sehr gründliche Exegese auf einem guten wissenschaftlichen Niveau, gleichzeitig stellt er das Ergebnis der Exegese zumeist nachvollziehbar dar.

Das heißt, der Verfasser analysiert zuerst den Bibeltext. Hier geht er literarischen Fragen gründlich nach, z.B., wie der Text im Kontext des Buches eingebunden ist, welche sprachlichen Besonderheiten vorhanden sind, oder er macht literarkritische Vorbemerkungen.

Danach folgt die Interpretation, also die Auslegung des Textes. Hier werden exegetische Fragen aufgegriffen und interpretiert. Wichtige Übersetzungsfragen von griechischen Begriffen werden behandelt, aber auch biblisch-theologische Linien gezogen. An einigen Ausführungen wird dabei gelegentlich auch deutlich, dass die Reihe aus einer katholischen Feder stammt, wie z.B. in der Passage über die Wiedergeburt in Johannes 3,5, in welcher das Wasser mit der Taufe gleichgesetzt wird.

Und dennoch bietet auch diese Kommentierung spannende Informationen, z.B. Continue reading „Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament“

Calvin zur Inspiration

So halten wir dafür […], dass die Schrift zwar durch den Dienst von Menschen, aber tatsächlich doch aus Gottes eigenem Munde uns zufliesst (Inst. 1.7,5); „Wir sind überzeugt, dass die Propheten nicht aus ihrem eigenen Sinn heraus gesprochen haben, sondern als Werkzeuge des Heiligen Geistes (spiritus sancti organa) weitergegeben haben, was ihnen vom Himmel aufgetragen war. Wer also von den Schriften Gewinn haben will, muss vor allem daran festhalten, dass er es […] nicht mit einer aus menschlicher Willkür hervorgebrachten Lehre zu tun hat, sondern mit einer vom Geist diktierten (spiritu sancto dictatam)“

Calvins Kommentar zu 2.Tim 3,16 – gefunden bei Mauerhofer, Dogmatik.

Worthaus und die Evangelikalen

Auf dem Blog „Aufatmen in Gottes Gegenwart“ wurde ein Artikel über Worthaus und dessen Einfluss auf die Evangelikalen veröffentlicht. Sachlich und gut analysiert wird hier über Worthaus, dessen Ziele und problematische Tendenzen berichtet.
Dieser Artikel ist hier zu lesen und kann hier als PDF heruntergeladen werden.
Hier einige Auszüge:

Ich mag es nicht, wenn selbsternannte „Irrlehrenjäger“ in jeder christlichen Initiative die Haare in der Suppe suchen. Niemand ist fehlerlos. Wir leben alle aus Gottes unverdienter Gnade. Wir sollten unser Hauptaugenmerk auf das Original richten und nicht auf Fälschungen.  […]
Worthaus folgt immer wieder klar erkennbar der in der universitären historisch-kritischen Theologie domi­nie­ren­den wissenschaftlichen Methode, in der die Bibel so untersucht wird, als sei Gott nicht existent. Entsprechend geht die Bibelkritik von Worthaus sehr viel weiter, als nur die wahre Aussageabsicht der Bibel unter Berücksichtigung der damaligen Zeit und Kultur herauszuarbeiten. Auch vielen eindeutig historisch gemeinten Texten in den Evangelien (von Lukas als „Augenzeugenberichte“ charakterisiert, Luk. 1, 2) sprechen Worthaus-Referenten die Historizität ab […]Folgerichtig enthält die Bibel aus Worthaussicht natürlich auch theologische Fehler. So äußerst Dr. Breuer: Paulus habe viel Kluges, aber auch Unkluges geschrieben. Manche seiner Argumente seien gar „einigermaßen hanebüchen“, weshalb man allein mit Bibelstellen auch keinen theologischen Standpunkt begründen könne (siehe dazu den 5-minütigen Videoausschnitt aus einem Vortrag von Dr. Breuer). Auch für Prof. Zimmer enthält die Bibel „hunderte von Fehlern“. Insbesondere müsse man die Bibel überall da ablehnen, wo sie Jesus Christus widerspricht: „Im Konfliktfall argumentieren wir ohne jedes Zögern mit Jesus Christus gegen die Bibel.“  […]
Auch in den Worthaus-Vorträgen werden zahlreiche Kernsätze des Glaubens abgeräumt, die in der weltweiten Kirche fast durchgängig als klare, eindeutige Aussagen der Schrift verstanden wurden und werden:

  • Jesu Tod am Kreuz sei eindeutig kein Sühneopfer für die Schuld der Menschheit gewesen. Paul Gerhardts Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“ transportiere eine irrige Passionsfrömmigkeit. Im Abendmahl feiern wir die „Kontaktfreudigkeit“ und „Zuwendungslust“ Jesu.
  • Das Grab sei voll gewesen. Auch Himmelfahrt und Pfingsten waren keine historischen Ereignisse.
  • Das Heil sei nicht exklusiv nur in Jesus Christus zu finden.
  • Der Tod sei keine Folge der Sünde sondern Teil von Gottes Schöpfung.
  • Der Himmel sei kein fassbarer Ort. Man kann dort keine Bekannten wieder treffen. Erst recht gibt es keine wie auch immer geartete Hölle. Der Glaube an eine ewige Verdammnis zeuge von einem „eiskalten Glauben“ und primitiver Moral.
  • Der Teufel sei (sehr wahrscheinlich) keine Person. Wer in der Schlange im Schöpfungsbericht den Teufel erkennt sei „balla balla“ […]Worthaus stellt seine Lehraussagen immer wieder als intellektuell, wissenschaftlich, vernünftig, objektiv, vorurteilsfrei, reflektiert und differenziert dar. Dagegen seien die Konservativen/Evangelikalen/Fundamentalisten (diese Begriffe sind
    für Worthaus offenbar austauschbar) denkfaul, eingebunkert, bildungsfeindlich, dümmlich, durcheinander, subjektiv, auf Vorurteilen und Prägungen basierend, intellektuell unterentwickelt (siehe auch die 1. Worthaus-These). Diese Überlegenheitsgeste ist deshalb unangemessen, weil natürlich auch die Worthaus-Referenten mit subjektiven Auslegungsschlüsseln arbeiten.

 

Weiterlesen bei „Aufatmen in Gottes Gegenwart

„Was nun, Kirche?“ Eine Rezension

Rezension zu Ulrich Parzany, WAS NUN, KIRCHE? Holzgerlingen: SCM-Hänssler, 2017.

Ein Mann wie Ulrich Parzany findet Gehör. Lange Zeit war er das Aushängeschild für Evangelisation, durch seine Arbeit mit ProChrist.
Er ist ein Mann der von verschiedenen Seiten Kritik hat einstecken müssen. Früher war er traditionellen Gemeinden zu progressiv, heute ist er progressiven Evangelikalen zu konservativ. Seine Positionen waren dagegen klar und deutlich, Angst vor der Meinung Anderer war ihm nicht anzumerken.
Nachdem er mit Anderen das Netzwerk Bibel und Bekenntnis gründete, ist im Juli sein neues Buch erschienen.

Parzanys Buch ist eine Art Krisenbericht. Dennoch möchte Parzany mit seinem Buch zuerst Mut in schwierigen Zeiten machen. Er schreibt gegen seine eigene Resignation und gegen die der Anderen.  Er möchte auch nicht zu Problemen schweigen, da er der Ansicht ist, so würde das Problematische nur gefördert werden.

Zum Inhalt des Buches
Das Buch ist in vier Teile gegliedert.
Zuerst legt Parzany seine Grundüberzeugen zur Lehre der Kirche dar; welche Kennzeichen eine Kirche/Gemeinde ausmacht, wie der Glaube beginnt u.v.m.
Im zweiten Teil beginnt seine Schadensmeldung, die Feststellung der aktuellen Probleme.
Parzany beschreibt, wie reich die Kirche an Geld und wie arm sie an Gottesdienstbesuchern ist. Im Kern sieht er diese Krise als eine Verkündigungskrise, weil, so Parzany,  das Vertrauen in die Autorität der Bibel verschwunden ist. Er schreibt, dass ein großer Teil der Pfarrerschaft, die Aussagen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses nicht mehr für bare Münze nehmen.
Die Ursache für diese Krise sieht Parzany in der Bibelkritik. So schreibt er: „Der Verlust der Bindung an die Autorität der Bibel ist der Krebsschaden der Kirche“. In diesem Kapitel geht Parzany, in kurzen Zügen, auf die Ursachen der Bibelkritik ein und auf die Folgen die sie auf die Kirchen in Deutschland hat (sieh auch hier). So beklagt er die Demontage der Grundlagen, wie die der leiblichen Auferstehung Jesu, Christi stellvertretenden Sühnetod, oder der Jungfrauengeburt; aber auch ein pluralistisches Heilsverständnis und Entscheidungen in ethischen Fragen, welche nicht mit der Bibel übereinstimmen. Auch auf den oft fehlenden Aufruf zur Bekehrung geht Parzany ein. Er schreibt: „Eine Taufwiedergeburtslehre, die die Leute glauben macht, dass sie durch die Taufe das Heil geschenkt bekommen, auch wenn sie nicht umkehren und Jesus nachfolgen, ist Betäubungsgift für die Gewissen. Und es ist eine Irrlehre.“
Für Freikirchler ist das Buch auch zu diesem Thema hilfreich zu lesen, da es zeigt welche Auswirkungen die Bibelkritik haben kann und wie notwendig es ist, als Denomination sich auf klare verbindliche Bekenntnisse zwecks der Glaubens-Grundlagen zu verständigen.
Im dritten Teil beschreibt Parzany, warum er dennoch in der Kirche ist, welche Chancen Landeskirchliche Gemeinschaften und Freikirchen haben und wie auch innerhalb von Landeskirchen Profilgemeinden entstehen können. Ausgehend von Luthers „Vorrede zur deutschen Messe“ (siehe auch hier) beschreibt er die Möglichkeit der Kleingruppenarbeit.
Auch geht Parzany darauf ein, wie notwendig es ist, dass Mitarbeiter an guten, bibeltreuen Ausbildungsstätten ausgebildet werden. In diesem Zusammenhang warnt Parzany auch evangelikale Seminare davor, nicht aufgrund der staatlichen Anerkennung, die Autorität der Bibel fallen zu lassen. Er ermutigt zur Fürbitte und schreibt: „Wenn sie das Bekenntnis zur Autorität der Bibel als Wort Gottes auf dem Altar der Anerkennung als Hochschule opfern, wird der Schaden unabsehbar sein.“
Im letzten Teil schreibt Parzany über die Hoffnung der lebendigen Gemeinden; über die Notwendigkeit von Mission und über Gegenwind in der Arbeit für Gottes Reich. Gerhard Maier wird zum Thema Verführung zitiert: „Verführung ist für die Gemeinde gefährlicher als Verfolgung. Verfolgung eint die Gemeinde. Verführung spaltet sie. Verfolgung lässt das Echte hervortreten, Verführung das Unechte triumphieren.“
Parzany schließt das Buch mit dem Wunsch nach Freimut in einer pluralistischen Gesellschaft und innerhalb der Kirche. Freimut Gott gegenüber und in der Verkündigung von seinem Wort.

Fazit
Parzanys Buch liest sich wie ein Diagnosebericht eines Arztes, dem sein Patient sehr nahe steht. Aus dem Buch heraus liest sich der Schmerz über Fehlentwicklungen und großen Krisen. Parzany tritt hier nicht als ein „Leisetreter“ auf, sondern er legt den Finger in die Wunden. Diese Direktheit mag einige verärgern, sie kann aber auch heilsam sein. Scharfe Vorwürfe gegen seine Person, wie sie von manch einem Leser kam, sind unangebracht. Interessant ist die Entwicklung, dass Parzany oft sehr scharf für Positionen angegriffen wird, die früher die völlig normale Sichtweise bei evangelikalen / evangelischen Gemeinden und Kirchen waren.
Das Buch ist ein Weckruf eines verdienten Mann Gottes. Es ist auch für Freikirchler sehr lesenswert.
Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung!

Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der SCM-Hänssler Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

„Inspiration und Wahrheit der Heiligen Schrift“

Im Jahr 2014 hat die Päpstliche Bibelkommision ein Dokument herausgegeben, dass sich mit der Frage der Inspiration der Heiligen Schrift befasst.
Auch aus evangelikaler Sicht lohnt es sich, dieses zu lesen und diskutieren, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in dieser Frage festzustellen und anhand des Selbstzeugnis der Bibel zu prüfen.
Download: Inspiration und Wahrheit der Heiligen Schrift
Medienpool Bibel und Inspiration siehe hier.

Heiliger Geist, menschliche Vernunft und Exegese

Aktuell genieße ich die Dogmatik von Joest & von Lüpke. Darin schreiben die Autoren auch über die Frage wie die Bibel richtig verstanden werden soll.
Sie schreiben über die Wirkung des Heiligen Geistes beim Verstehen der Bibel, über rein menschliche Vernunft und wie Demut und Abhängigkeit vom Heiligen Geist notwendig sind:

Wie jede Interpretation steht auch eine auf den Heiligen Geist achtende theologische Auslegung in der Gefahr, das je eigene Vorverständnis zur Norm zu erheben und somit auszuschließen, was dieser Norm nicht entspricht. Insbesondere ist hier das Problem zu sehen, dass der Heilige Geist mit der auszulegenden Vernunft gleichgesetzt wird. Was der Heilige Geist ist und was er wirkt, wird dann kritisch an dem bemessen, was die Vernunft in theoretischer, moralischer und religiöser Hinsicht als Ideal ansieht. Wird hier der Heilige Geist geradezu zum Doppelgänger der allgemeinen menschlichen Vernunft, so ist demgegenüber vom biblischen Zeugnis her gerade die Fremdheit, das Anderssein des Heiligen Geistes zu betonen. Dieser kommt zum Menschen, der von sich aus gerade nicht über ihn verfügt. […]
Auch er [Anm. Der Heilige Geist] erwählt, was töricht ist vor der Welt, um die Weisen zuschanden zu machen (1Kor 1,27).

Und später schreiben sie über das Verständnis von Karl Barth:
Das Wort Gottes – so Barth – ist für den Menschen überhaupt nicht uns zu keiner Zeit verstehbar; es wird verstanden, wenn Gott selbst, der Heilige Geist, im Menschen Hören und Verstehen wirkt.
Continue reading „Heiliger Geist, menschliche Vernunft und Exegese“

Hoffnung für alle – ein Interview

Für den deutschen Logos-Blog habe ich mit Urs Stingelin ein Interview, über die Revision der Hoffnung für alle Übersetzung geführt. Hier einige Auszüge (die vollständige Version ist hier):

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JT: Die aktuelle Ausgabe der Hoffnung für Alle ist bereits ihre vierte Revision. Was unterscheidet die neue Ausgabe von den bisherigen? Und warum wird sie immer wieder überarbeitet?

Streng genommen ist es nicht die vierte Revision, sondern nur die zweite, für das Alte Testament sogar die erste. 1983 erschien zum ersten Mal das Neue Testament. 1991 kamen die Psalmen dazu und 1996 der Rest des Alten Testaments. 2002 erschien die erste Revision. Revidiert wurde damals aber nur das Neue Testament.

In unserer zweiten Revision, die im Jahr 2015 beendet war, überarbeiteten wir dann die gesamte Bibel, deren älteste Texte zu dieser Zeit vor über 25 Jahren übersetzt worden waren. Wenn man sich überlegt, was während dieser Zeit nur schon auf der Ebene der wissenschaftlichen Computersoftware möglich geworden ist, und wie viele Kommentare, Monographien etc. in der Zwischenzeit publiziert wurden, kann man sich leicht vorstellen, dass Handlungsbedarf vorhanden war. Außerdem hat sich in den letzten 20 Jahren auch die deutsche Sprache nochmals stark verändert.

JT: Es gibt in Deutschland unzählige Bibelübersetzungen auf dem Markt. Warum soll ich ausgerechnet die Hfa vorziehen?

Die Hoffnung für alle zeichnet sich vor allem durch ihre inhaltliche Treue aus. Diese ist mit einer wortgetreuen Bibelübersetzung nicht immer gegeben. Anders gesagt: Wörtliche Übersetzungen geben Einblick in die Wörter, die in der Ausgangssprache verwendet wurden, was aber nicht unbedingt zum richtigen Verständnis der Texte beiträgt.

In 1. Samuel 24,4 lesen wir beispielsweise wörtlich: „Und er kam zu den Schafhürden am Weg. Dort war eine Höhle, und Saul ging hinein, um seine Füße zu bedecken.“ Jahrelang las ich selber aus diesem Vers heraus, dass Saul geschlafen hatte, als ihm David begegnet war. Erst sehr viel später verstand ich, dass man sich nur in unserer Kultur zum Schlafen die Füße zudeckt, in der jüdischen jedoch dieses Bild benutzt wird, wenn gesagt werden soll, dass jemand seine Notdurft verrichtet. Entsprechend wird der Sachverhalt in der Hoffnung für alle wiedergegeben. Dazu kommt, dass die Hoffnung für alle eine gut verständliche Sprache verwendet und in der Deutung besonders sorgfältig auf den jeweiligen Kontext achtet.

JT: Was ist das Ziel der Hfa, welchen Aspekt möchte sie priorisieren? Continue reading „Hoffnung für alle – ein Interview“

Das Echo Marcions?

Der anglikanische Theologie Alister McGrath stellt in seinem Buch Der Weg der christlichen Theologie, dar, wie selbst bei Luther Spuren von Marcion zu finden seien.

So schreibt McGrath:
Nach Marcion war das Christentum eine Religion der Liebe, in der keinerlei Raum für das Gesetz und den gewalttätigen Gott des Alten Testaments war; das Alte Testament rede von einem anderen Gott als dem des Neuen Testament; […]
Nach der Auffassung Marcions war es die Absicht Christi, den Glauben an den alttestamentlichen Gott […] zu beseitigen und die Verehrung des wahren Gottes der Gnade einzuführen.
In Luthers Schriften findet sich ein entferntes Echo dieser Vorstellung.
Obwohl Luther daran festhielt, dass sich sowohl das Alte Testament als auch das Neue Testament auf die Taten desselben Gottes beziehen, betonte er dennoch den vollkommenen Gegensatz von Gesetz und Gnade. […]
Obwohl sich im Alten Testament die Gnade (etwa in Jesaja 40-55) und im Neuen Testament (etwa in der Bergpredigt Mt 5-7) das Gesetz entdecken lässt, scheint Luther häufig nahezulegen, dass das Alte Testament eine Gesetzesreligion sei, die im Gegensatz zur neutestamentlichen Betonung der Gnade stehe.

Das treibet Christum (nicht)

„Zu lehren ist was von Christus treibt und die Mitte der Schrift ist.“
Ähnlich kann man es immer wieder lesen oder hören. Diese Formel bietet als Risiko und Nebenwirkung, dass sie instrumentalisiert werden kann.
Folgende Zitat von Heinzpeter Hempelmann sei angeführt. Er schreibt in seinem Aufsatz „Hält die Bibel-Hermeneutik, was sie verspricht?“ (tb 15-4) Folgendes:

Es ist ja nicht klar, was Christum treibet. Diese Formel ist inzwischen zur Leerformel geworden, die darum alle möglichen Inhalte transportieren und als zentral behaupten kann, eben weil sie total unterbestimmt ist. Was heißt solus Christus als die Mitte der Schrift? Es lassen sich ja alle möglichen Fassungen dessen denken, was unter dieser christologischen Mitte verstanden werden kann. An die Stelle eines Gegenübers tritt dann hier wieder die individuelle theologische Position des Auslegers. Das Verfahren ist nicht nur zirkulär, es ist insofern hoch problematisch, als es ermöglicht, die eigene partikulare Position unter Rückgriff auf diese Formel als Mitte der Schrift auszuweisen. Was dann zur Sprache kommt, ist eben nicht die Heilige Schrift als solche, sondern das, was mir ihre Mitte zu sein scheint; was ohnehin mein Anliegen ist.

„Sollte Gott gesagt haben?“

Mit der Frage, was hinter der „Bibelkritik“ steckt, beschäftigt sich Ron Kubsch in dem Booklet, mit dem Titel: „Sollte Gott gesagt haben?“
Das Booklet gehört zur Edition Evangelium21 und kann hier heruntergeladen werden oder hier bestellt werden.

E21 schreibt dazu:

Die Bibelkritik hat die Verkündigung des Evangeliums in der Tat enorm geschwächt. Viele Prediger glauben nicht mehr an die Kraft des göttlichen Wortes und verkündigen deshalb ihre eigenen Gedanken und zielen auf Weltverbesserung, Lebenshilfe und billigen Trost ab.

In diesem Booklet skizziert Ron Kubsch die Entwicklung der neuzeitlichen Bibelkritik von den Anfängen bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts und geht dabei ebenfalls auf aktuelle Versuche ein, zwischen Vertretern und Gegnern der Bibelkritik zu vermitteln. Er meint: „Überheblichkeit gegenüber dem göttlichen Wort führt immer in eine Sackgasse. Es gibt gute Gründe dafür, der Heiligen Schrift zu vertrauen.“

Weihnachten und die Stammbäume Jesu

question-mark-1872665_1920Wer Matthäus und Lukas liest, der kann leicht irritiert werden, wenn er die beiden Stammbäume von Jesus vergleicht. Beide haben bekanntlich deutliche Unterschiede.
Haben wir hier einfach einen „ganz normalen Widerspruch“ in der Bibel? Hat einer der beiden Verfasser schlecht recherchiert, oder wollte Lukas, das zuvor geschriebene Matthäus-Evangelium korrigieren? Ist Lukas bei seiner Recherche ein peinlicher Fehler unterlaufen, oder warum gibt es diese Unterschiede?

Grds. halte ich es bei solchen Fragen weder für hilfreich schnell von Widersprüchen zu reden, noch nicht schlüssige Harmonisierungen durchzuführen.
Als Vorbemerkung: Beide Geschlechtsregister geben nicht die vollständige Nennung aller Namen an, es bleiben hier Lücken.

Im Folgenden möchte ich einige Ausleger zu Wort Kommen lassen.

Gerhard Maier schreibt hierzu: Continue reading „Weihnachten und die Stammbäume Jesu“

Suche die Fehler – oder die Frage nach dem göttlichen Zweck?

Biblische Hermeneutik ist bzgl der Inspirationsfrage ein heiß diskutiertes Thema.
In seinem spannenden Buch Biblische Hermeneutik schreibt Gerhard Maier zu dem Thema ob die Bibel Fehler enthalten kann, ein spannender Beitrag. Hier ein Ausschnitt seines Fazits zur Meinungsbildung:

a) Das zur Schrift gewordene Wort Gottes ist vollkommen verläßlich und fehlerlos im Sinne seiner göttlichen Zwecke, also von Gott her betrachtet.
b) Der menschliche Ausleger muß die Offenbarung sagen lassen, was sie selbst sagen will. Er kann sie nicht seinen eigenen Ansprüchen unterwerfen und ihr (historisch oder andere) Auskünfte abzwingen, die sie gar nicht geben will. Der Anspruch des Auslegers, der sich mit der Offenbarung auf dieselbe Stufe stellen will, wird zur Anmaßung. Wir müssen, um es mit Luthers einprägsamen Formulierungen auszudrücken, >>die Apostel und Propheten lassen auf dem Pult sitzen und wir hinieden zu ihren Füßen hören, was sie sagen, und nicht sagen, was sie hören müssen<<.

Christus als Richter der Schrift?

book-283248_1920Aus gegebenen Anlass beschäftige ich mich mal wieder mit dem Schriftverständnis.
Um meine Ansicht zu reflektieren, helfen neben Gesprächen mit Theologen, auch Bücher weiter.
Einige interessante und provozierende Zitate habe ich zu diesen Diskussionen gefunden. Motto: Lesen, provozieren lassen, reflektieren & Meinungsbildungsprozess fortschreiten lassen.

So schreibt J. Packer zu der Frage, ob Christus als Richter über die Schrift fungiert Folgendes:
Ein Christus, der seinen Nachfolgern erlaubt, ihn als Richter der Schrift einzusetzen, nämlich als einen, der erst ihre Autorität bestätigen muss, bevor sie verpflichtend wird, und durch dessen gegenteiliges Urteil sie an anderer Stelle ungültig gemacht wird, ist ein Christus menschlicher Vorstellung, gemacht im eigenen Bilde des Theologen. Einer, dessen Haltung zur Schrift das Gegenteil von der Haltung des historischen Christus ist. Wenn die Konstruktion eines solchen Christus nicht ein Bruch des zweiten Gebotes ist, was ist es dann?

Kevin DeYoung schreibt hierzu:
Jesus mag sich sehr wohl als der Fokus der gesamten Schrift gesehen haben, doch niemals als ihr Richter. Der einzige Jesus, der über der Schrift steht, ist unserer selbst erfundener Jesus.

Buch: Gottes Wort gilt

Nachdem die Evangelische Allianz in Deutschland eine ihrer größeren Krisen hatte (siehe auch hier), wird jetzt ein Buch herausgegeben, dass die Wurzel dieser Kriese behandelt. Die Frage nach dem Wort Gottes.
Herausgegeben wird es von Ulrich Parzany. Es ist die Programmschrift des Netzwerks Bibel und Bekenntnis.
Auf ihrer Seite schreiben sie Folgendes dazu:

Anfang 2016 hat sich das „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ gebildet. Die Mitglieder treten für die Gültigkeit der Bibel als Wort Gottes ein. Bisher wurden Stellungnahmen zu den aktuell strittigen Themen vor allem auf dieser Internetseite veröffentlicht. Mit dem neuen Buch wollen wir die digitale Kluft überwinden und auch die engagierten Christen informieren und motivieren, die das Internet nicht nutzen. In diesem Buch sind Texte zusammengestellt, die zeigen, wofür das Netzwerk eintritt und mit welchen Begründungen. Das Buch richtet sich an Christen aus Landeskirchen, landeskirchlichen Gemeinschaften und Freikirchen – an Kirchengemeinderäte, Presbyter, Gemeinschaftsleiter, Älteste, Pfarrer, Pastoren. Es soll orientieren und wachrütteln.

Durch Spenden der Mitglieder konnte das Buch sehr preiswert gedruckt werden. Staffelpreise sollen eine weite Verbreitung ermöglichen. Bitte, sorgen Sie dafür, dass viele Christen diese Programmschrift lesen und weitergeben!

Inhalt des Buches:

  • Wozu dieses Buch?
  • „Gemeinsam widerstehen und Christen in den Auseinandersetzungen um Grundfragen des christlichen Glaubens Orientierung geben“ (Kommuniqué der Gründungsversammlung)
  • Ulrich Parzany: Warum wir öffentlich reden müssen
  • Rolf Hille: Die notwendige Taufe des Hermes – oder: Wie wir zu einer biblischen Hermeneutik kommen
  • Rolf Hille: Warum sich Bibellesen lohnt – Ein Anreiz, das Buch der Bücher aufzuschlagen
  • Postmodernes Denken auch in der Christenheit? – Interview mit Daniel von Wachter
  • Rolf Sons: Wenn Fundamente wegbrechen
  • Rolf Sons: Endzeitlich leben. Dem Anpassungsdruck widerstehen
  • Dirk Scheuermann: Stellungnahme zum Beschluss der Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen zur „Öffentlichen Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren“ vom 20. November 2014
  • Gerrit Hohage: Sagt die Bibel etwas zu heutiger Homosexualität?
  • Mario Wahnschaffe: Homosexuelle Beziehungen in der Antike
  • Ulrich Parzany: 7000 beugten ihre Knie nicht vor Baal!
  • Gemeinsame Erklärung von Verbänden, Hauptamtlichen und Ältestenkreisen zum Beschluss der Badischen Landessynode zur Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften
  • Ulrich Parzany: Bill Hybels – ein Vorbild: Homosexuell empfindende Gemeindeglieder in der Willow Creek Gemeinde, Chicago
  • Ulrich Parzany: Die geistliche Verführung ist gefährlicher als die Verfolgung
  • Bücher, die wir dringend empfehlen

Buchbesprechung: Überrascht von der Bibel

1463054058-342824Vorab: Mein Verhältnis zu N.T. Wright ist nicht ganz einfach. Auf der einen Seite habe ich die letzten Jahre sämtliche Bücher, Artikel und Kommentare, ganz oder teilweise von ihm gelesen. Gleichzeitig gehöre ich zu dennen, die einige Aspekte seiner Theologie kritisch hinterfragen und einige seiner Thesen (z.B. die NPP) in weiten Teilen ablehnen.
Trotz all dessen muss ich bekennen, dass seine Bücher mich immer wieder faszinieren. Der Grund ist, dass Wright es schafft Denkmodelle, die in der modernen Bibelwissenschaft unreflektiert vorausgesetzt werden, begründet zu hinterfragen, traditionelle Ansichten auf ihre „Bibelfestigkeit“ prüft und mich als Evangelikalen theologisch herausfordert und zum Nachdenken anregt.
Aber genug der Vorbemerkungen! Das Buch ruft, wir wollen sehen wie Wright von der Bibel überrascht wurde!

Wer sich ein homogenes Buch gewünscht hat, der wird enttäuscht.
Wright hat nicht den Anspruch ein einheitliches Buch vorzulegen. Es ist vielmehr die Sammlung verschiedener Aufsätze. Teilweise überschneiden sich die Themen, aber nur teilweise.
Wright beginnt mit Themen über Wissenschaft, Schöpfung und dem historischen Adam. Er kommt auf das Thema der Frauenordination zu sprechen, auf Fragen der Endzeit, auf das Böse in der Welt und auf die Zeitepoche der Moderne. Jedes dieser Themen behandelt er einzeln.
Da alle Kapitel in sich selbst geschlossen sind, ist die Bewertung auch davon abhängig.
Ich möchte drei Kapitel hervorheben, die ich als am lesenswertesten kennzeichnen möchte.

Platz 1: Wie die Bibel die moderne Welt versteht
Hier schafft Wright es, die Denkrichtung, die seit der Aufklärung unsere Gesellschaft, aber auch die Apolegetik prägt im Epikurismus zu verorten und zu „entschleiern“. Er schafft es auf eine großartige Weise die negative Abhängigkeit mit ihren Vorentscheidungen einem vor Augen zu führen (siehe auch diesen Beitrag).
Platz 2: Jesus kommt wieder – pflanze einen Baum!
Endzeit! Ein Reizthema. Ein Thema voller Spekulationen.
Man muss in diesem Kapitel nicht in allen Punkten mit Wright einig sein.
Lesenswert bleibt es alle male. Er zeigt viele nachdenkenswerte Ansichten zum Thema Entrückung, über den Neuen Himmel und die Neue Erde, sowie über die Schöpfung auf. Ein Beitrag der motiviert, weiter zu forschen, diskutieren und sich überraschen zu lassen.
Platz 3: Der 11. September, Tsunamis und das neue Problem des Bösen
Wie kann ein guter Gott Leid zulassen…
Der Fels des Atheismus. Wright geht von einer ganz anderen Seite heran. Er sieht die bisherige Diskussion als zu stark von „falschen“ Denkrahmen geprägt.
Seine Antwort, oder sein Antwortversuch, geht eine andere Richtung. Wright antwortet mit dem Kreuz. Irgendwie erinnert es mich an Moltmanns „Der gekreuzigte Gott„, aber nur irgendwie. Das Kapitel lohnt es sich zu lesen!

Zu den anderen Kapiteln möchte ich nicht viel schreiben. Ein Bild kann sich jeder Leser selbst von ihnen machen.

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Francis Schaeffer und die Bibel

In den Ressurcen von E21 findet man einen Artikel mit 10 Fakten über Francis Schaeffer.

Hier ein kurzer Ausschnitt über seine Sicht über die Bibel:

Die Bibel war für seine Weltanschauung von zentraler Bedeutung.

Francis A. Schaeffer (1912–1984) kam mit 17 Jahren zum Glauben an Jesus Christus, nachdem er zum ersten Mal die Bibel vollständig durchgelesen hatte. Er war ein heller Kopf und hatte deshalb schon als Teenager viele Fragen über das Leben, merkte aber auch, dass die philosophischen Bücher ihm dabei nicht helfen konnten. Die Überzeugung, dass die Bibel grundlegende Antworten auf grundlegende Fragen enthält, sollte sein ganzes Leben und seine Arbeit kennzeichnen. Der Leitspruch in der Lebensgemeinschaft L’Abri war: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht“ (Römer 1,16). Er verteidigte die Irrtumslosigkeit der Schrift gegenüber jedem Ansatz vergeistlichender Hermeneutik.

 

Zimmer: Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?

9783525573068Siegfried Zimmer beeinflusst durch Worthaus immer mehr die Evangelikalen. Er vertritt in vielen Punkten klassisch liberale Haltungen (z.B. im Bibelverständnis, in der Sexualethik, etc.)
In seinem Buch Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? legt er Grundzüge seines Schriftverständnis dar.
Das Buch führte zu einer Diskussion mit dem Giessener Neutestamentler Armin Baum. Dies ist unter folgenden Links nachzulesen: Baums Buchbesprechung, Zimmers Antwort, Baums Antwort.
Baums Fazit zu diesem Dialog ist Folgender:

Aus meiner Sicht ergeben sich die Verständigungsschwierigkeiten
vor allem an folgenden Stellen: Wenn nicht sorgfältig zwischen den Erfahrungen mit theologischen Laien und den Veröffentlichungen theologisch ausgebildeter Fachleuten unterschieden wird. Wenn nicht wahrgenommen wird, dass die Befürwortung der Bibelwissenschaft nicht nur unter den Anhängern eines modernen, sondern auch unter den Vertretern eines traditionellen Schriftverständnisses weit verbreitet ist. Wenn das, was (zu Recht oder zu Unrecht) am Schriftverständnis anderer Theologen kritisiert wird, nicht genau belegt und mit den Stellungnahmen der betroffenen Theologen abgeglichen wird. Wenn nicht gezeigt wird, dass ein mutmaßlich „fundamentalistischer“ Umgang anderer Exegeten mit der Bibel in deren exegetischer Praxis tatsächlich stattfindet. Ein inhaltlicher Abschluss der Debatte ist damit allerdings sicher nicht erreicht.

Continue reading „Zimmer: Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?“

Bibel – Gottes Wort – Menschenwort

An dieser Stelle möchte ich nicht selbst einen Artikel schreiben, sondern einen Aufsatz von Michael Schröder (TH Ewersbach – FeG) verlinken.
Zudem werde ich persönlich hier, in diesem Beitrag nicht dazu Stellung nehmen, er dient als Diskussionsbeitrag.

Zuerst wird in diesem Beitrag grds. die Frage nach dem Zusammenhang von Gottes Wort und Menschen Wort, in der Bibel, nachgegangen.
Schröder macht deutlich, dass Gott in der Bibel redet, das sein Reden Schrift wird, er geht auf die Kanonbildung ein und auf die Menschlichkeit der Schrift.
Zitieren möchte ich Passagen zur Frage des Gottes Wort und der Inspiration:

[…]Im 2. Petrusbrief heißt es: „Denn es ist noch nie eine Weissa
gung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern
getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen
Gottes geredet“ (2Petr 1,21). Im zweiten Brief an seinen Mitar-
beiter Timotheus schreibt Paulus: „Denn alle Schrift, von Gott
eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besse-
rung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ (2Tim 3,16). Es ist na-
türlich klar, dass diese beiden Stellen von den Schriften des Alten
Testaments reden, aber sie tun es so, dass die Schrift (und damit
sind die verschiedenen einzelnen Schriften gemeint, die manch-
mal auch mit den Worten „Gesetz und Propheten“ bezeichnet
werden) von Gott gegeben bzw. gehaucht ist. Wir erkennen aber
bereits im Neuen Testament, wie die Autoren die Worte Jesu so
überliefern, dass dem Leser klar wird, sie sind den Worten des
Alten Bundes gleichzusetzen. Sie stehen mit gleicher Autorität

neben dem Reden Gottes im Alten Testament!

Wenn man die Aussage vor allem des Wortes aus dem 2. Timotheusbrief bündeln würde, könnte man sagen: Der Verfasser betont, dass die von Gott gehauchte Schrift vor allem die Erlösung des Menschen thematisiert und dann auch eine Antwort darauf gibt, wie er als Jünger Jesu lebt. Es geht, wenn man es zuspitzen würde um die Themen „Erlösung und Ethik“. Man könnte auch so formulieren: Das Wort Gottes, eben die ganze Schrift, zeigt uns, wie die Bewegung Gottes zu den Menschen aussieht. Sie beschreibt und vor allem erzählt sie, wie sich die Menschen immer wieder von Gott abwenden, eigene Wege gehen und sich nicht um seinen Willen kümmern. Zugleich macht sich Gott auf den Weg, um die Menschen aus dieser selbstverschuldeten Lage herauszuholen, sie zu befreien, zuletzt am deutlichsten und klarsten in seinem Sohn Jesus Christus! Gerade die Brief e des Neuen Testaments beschreiben aber auch, wie man sich als einzelner Jünger Jesu und in der Gemeinschaft der Glaubenden auf dem Weg der Nachfolge zu bewähren hat, wie man in den Herausforderungen einer nichtchristlichen Welt bestehen kann! Diese grundlegenden Fragen nach Erlösung und Ethik werden in Gottes Wort gestellt und beantwortet. Deswegen ist dieses Grundlage für das persönliche Leben und das Leben in der Gemeinde.[…]
Ein historisches Arbeiten, das sich eines Instrumentariums methodischer Schritte bedient, darf aber nicht von vornherein die Möglichkeit von Gottes Handeln in der Geschichte, wie es u. a. in den Berichten von den Wundern Jesu und vor allem in der Auferweckung Jesu von den Toten bezeugt wird, ausschließen. Gelegentlich wird angemerkt, wer in dieser Weise historisch arbeite, erhebe sich „über die Schrift“ und stelle ihre Aussagen in Frage. Dieses kann, muss aber nicht zutreffen. Im Gegenteil: Meines Erachtens stehen wir als Ausleger nie „über der Schrift“, als könnten wir sie meistern oder gar kritisieren. Wir stehen demütig vor Gottes heiligem Wort und fragen danach, was es zu sagen hat […]
Als es um die Frage der Inspiration ging, legte Schröder beide Enden des Verständnisrahmens dar und schrieb dann:
Aber anstatt nun vom Begriff „Inspiration“ Abstand zu nehmen– wie es zeitweilig in der Neuzeit mal den Anschein hatte, weil dieser so vielschichtig geworden war –, wurde er in den letzten Jahren verstärkt wieder aufgegriffen und diskutiert, weil er offenbar doch geeignet ist, die Spannung zu beschreiben. Dabei ist aus meiner Sicht aber darauf zu achten, dass diese Spannung nicht einseitig aufgelöst wird, sondern beide Aspekte festgehalten werden: ganz Menschenwort und zugleich ganz Gotteswort. Eine genauere Verhältnisbestimmung ist dem Zeugnis der Schrift nicht zu entnehmen. Im Bund Freier evangelischer Gemeinden hat man im Laufe seiner Geschichte mit gutem Grund an der Inspiration der Schrift festgehalten, das „Wie“ aber nicht näher entfaltet.

 

Alle Verse führen zu Christus?

road-782072_1920In dem Buch „Die Auslegungspredigt“ gibt es ein langes Zitat von Spurgeon.

Weißt du denn nicht, junger Mann, dass von jeder Stadt und von jedem Dorf und von jedem winzigen Nest in England eine Straße nach London führt? Genauso gibt es auch von jedem Text in der Schrift eine Straße die zu Christus führt. Lieber Bruder, es ist deine Aufgabe, den Weg zu Christus zu finden, wenn du einen Text vor dir hast. Ich habe noch nie einen Text gefunden, der nicht zu Christus führte; und wenn jemals eine Predigt gut ist, dann nur, wenn Christus darin zu schmecken ist.

Meint Spurgeon damit, dass wir jeden Vers, notfalls allegorisch auf Jesus beziehen sollen?
Ich denke nicht.
Schließlich halte ich es für wenig hilfreich eine (ich möchte sie respektvoll) „Ostereiersuch“-Exegese nennen, zu betreiben. Bei dieser sucht man hinter jedem Vers ob Jesus sich dahinter versteckt hat – wenn man ihn gefunden hat ruft man laut „heureka“ und postet die Verbindung auf Twitter oder in allegorisch geprägten Kommentaren (auf Namensnennungen wird hier bewusst verzichtet).

Wie können dann alle Verse zu Christus führen?
Ich bin der Überzeugung, dass die Stoßrichtung des Alten Testament auf die Erlösungsbedürftigkeit der Menschen und die Notwendigkeit des wahren „Israels“, Jesus als Messias hindeutet. Die Linien sind für mich das Entscheidende.
Muss ich in einer Genealogie wie z.B. „A zeugte B“ Jesus suchen? Ich denke nein.
Aber die Grundsätzliche Frage, auch bei alttestamentlichen Texten bleibt: „Was für einen Unterschied macht das Kommen Christi – welche Parallelen gibt es zu ihm hin“. Dann kann entdeckt werden, wie Jesus die Geschichte Israels nachlebte, aber ohne Sünde und in der Ganzheit vollkommen (dies gehört zum Gebiet der Typologie). Wir können sehen wie Jesus die Opfer des Alten Testament, durch sein Kreuzestod erfüllte. Wie er die Prophezeiung des leidenden Gottesknecht in Jesaja erfüllte und vieles mehr.
In diesem Sinne gilt: Die ganze Bibel führt zu Christus – jede Linie jedes Buch.

Neuerscheinung: HTA Römerbriefkommentar

87834_eckhard_j_schnabel_der_brief_des_paulus_an_die_roemer_kapitel_1-5Endlich ist es soweit. Der Römerbriefkommentar in der Reihe „Historisch Theologische Auslegung“ (HTA), von Eckhard Schnabel ist erschienen. Der Kommentar behandelt die ersten 5 Kapitel des Römerbriefes und umfasst ca. 700 Seiten. Eine Leseprobe findet sich hier.

 

FTA-Books schreibt Folgendes dazu:

Noch ein magnum opus:
ECKHARD SCHNABEL: Der Brief des Paulus an die Römer. Kapitel 1-5. (Historisch-Theologische Auslegung, HTA). SCM-R.Brockhaus / Brunnen Verlag, 2015, gebunden, 704 Seiten, €49,90 (mit Abo-Preis: €42,90)

BRAVO für Prof. Schnabel (Mary Rockefeller Distinguished Professor of New Testament Studies at Gordon-Conwell Theological Seminary, Boston, MA, USA).

Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse diese Woche erscheint ein großes Werk von Eckhard Schnabel zu Römerbrief in der HTA-Reihe. Wie sein Kommentar zum 1. Korintherbrief setzt dieser Band Maßstäbe für die evangelikale wissenschaftliche Auslegung des Neuen Testaments, vorallem in deutschsprachigem Raum. Was lange währt wird endlich gut…(sogar SEHR gut)!

Meisterlich, ausführlich, mit grossem Substanz in der Diskussion. Ein Meilenstein in der evangelikalen Theologie für diese Generation. (FM)

Was ursprünglich als zwei Bände geplant wurde, wird wahrscheinlich drei. Nächstes Jahr erscheint wohl den zweiten Teil (Kap. 6-11), gefolgt vom dritten Teil (Kap.12-16) in 2017, d.v.

Für alle im geistlichen Lehrdienst oder mit Predigtaufgaben vertraut, lohnt es sich, diese Auslegung anzuschaffen. Eigentlich ist die HTA-Reihe sehr lobenswert und als Abonnement eine Überlegung wert. (Wir betreuen circa 40 HTA-Abonnenten.) […]

 

Hoffnung für alle

«Blue-Planet-Edition»-2043592Seit diesen Herbst ist die neu überarbeitete Ausgabe der „Hoffnung für alle“ auf dem Markt. In einem Interview wird von fontis.ch mit dem Projektleiter der Übersetzung, Urs Stingelin, gesprochen. Das Interview findet sich hier.
Im Folgenden einige Auszüge:

Herr Stingelin, erzählen Sie uns kurz: Wie überarbeitet man eine Bibel?

Urs Stingelin: Bei der Hoffnung für alle ging es darum, die biblischen Grundtexte noch genauer wiederzugegeben und sie dabei trotzdem verständlich zu halten. Deswegen haben Sprachwissenschaftler zuerst den vorhandenen Text der „Hoffnung für alle“ Vers um Vers mit der hebräischen, aramäischen und griechischen Bibel verglichen. Und überall, wo es etwas zu verbessern gab, wurde das für die Bibelübersetzer vermerkt.

In einer zweiten Runde haben Theologen den Text der Hoffnung für alle überarbeitet und dabei die Rückmeldungen der Sprachwissenschaftler beachtet. Dazu haben sie sich auch die ursprünglichen Texte noch einmal angeschaut und die aktuellen Kommentare berücksichtigt. Zuletzt haben wir bei allen Bibeltexten noch einmal den sprachlichen Stil überprüft. Außerdem haben wir auch darauf geachtet, dass sich Bibelstellen, die sich aufeinander beziehen, nicht plötzlich widersprechen. […]

Wo lagen die größten Herausforderungen bei diesem Mammutprojekt?

Urs Stingelin: Für mich als Projektleiter waren die größten Herausforderungen die Faktoren Zeit und Geld. Die Überarbeitung der Hoffnung für alle hat rund acht Jahre beansprucht. Das hört sich nach viel an, ist es aber nicht: Die gesamte Bibel umfasst 30‘554 Verse. Betrachtet man es so, hatten wir pro Vers nicht einmal eine Stunde Zeit und das bei 365 Tagen Arbeit pro Jahr. Fragen Sie einmal einen Pfarrer, wie lange er sich für eine Predigt zu vier bis fünf Versen vorbereitet!

Auch anspruchsvoll für die Übersetzer sind Stellen, die man in Einklang miteinander bringen möchte. Es gibt viele Sätze oder Teilsätze in der Bibel, die gleich oder ähnlich auch noch an anderen Stellen vorkommen. Dort stehen sie allerdings teilweise in einem ganz anderen Zusammenhang. Hier beginnt eine sehr schwierige Gratwanderung, um die Form des Textes anzupassen, aber gleichzeitig charakteristische Unterschiede im Inhalt beizubehalten.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um eine Bibel zu überarbeiten?

Urs Stingelin: Zuallererst braucht es die Liebe zum Wort und einen langen Atem. Darüber hinaus sind natürlich sichere Sprachkenntnisse in Hebräisch, Aramäisch, Altgriechisch, Deutsch und Englisch entscheidend, aber auch sehr gute theologische und historische Kenntnisse. Ich bin außerdem davon überzeugt, dass die Bibel sich jemanden noch einmal ganz anders erschließt, wenn er sich dafür entschieden hat, auch danach zu leben. […]