Die Frage der Taufe

Ich habe heute, in der Dogmatik von Joest und von Lüpke (siehe hier) das Kapitel zur Taufe gelesen.
Es ist interessant wie sich diese reformierten Theologen mit der Kindertaufe auseinandersetzen.

Für die Kindertaufe spricht nach Joest und Lüpke:
– Durch sie kommt die unbedingte Zuvorkommenheit von Gottes Zusage zum Ausdruck.
– Sie verhindert eine problematische Selbstreflexion, in welcher der als ein Akt des Sich-Anvertrauens entgegengesetzt ist.
– Sie hat eine lange Tradition in der Christenheit und ist eine ökumenische Gemeinsamkeit.

Gegen die Kindertaufe führen Joest und Lüpke an:
– Die Taufe ist nicht von der hörenden und zu glaubenden Zusagen zu trennen und sollte zeitlich nicht auseinandergerissen werden.
– Ein Säugling kann sich an die Taufe nicht erinnern und somit auch nicht an die Zusage Gottes in der Taufe und ihre tragende Kraft.
– Eine Kindertraufe setzt die Berührung des Heranwachsenden mit der Evangeliumsverkündigung und dem Leben der Gemeinde voraus. Dies ist in der volkskirchlichen Situation nicht oft gegeben, sondern die Taufe wird allgemein verlangt und gespendet, was diese Praxis fragwürdig macht.
– Es soll den Eltern zugestanden werden, wenn diese ihre Kinder aus christlichen Motiven erst in einem Alter taufen lassen wollen.

Freiheit vom Gesetz?

chain-1623322_1920In seinem Buch „Paulus – Jude mit Mission“ stellt Baltes 5 Thesen auf wie Paulus, seiner Meinung nach, die Freiheit vom Gesetz und was damit zusammenhängt, versteht.
Diese Thesen sind vielleicht nicht gerade der Mainstream und vielleicht sind diese auch gerade deshalb interessant und auf jeden Fall es wert darüber weiter nachzudenken und zu diskutieren:

  1. Für Paulus macht der Glaube an Jesus nicht „frei vom Gesetz“.
  2. Paulus selbst hat sich zeitlebens streng an das jüdische Gesetz gehalten.
  3. Juden, die  an Jesus glauben, sollen weiterhin das Gesetz einhalten.
  4. Nichtjuden, die an Jesus glauben, sollen sich nicht an das Gesetz halten.
  5. Juden sollen Juden bleiben und Nichtjuden sollen Nichtjuden bleiben.

Jahresrückblick der Bücher – eine Auswahl

books-1015595_1920Dieses Jahr habe ich wieder eine Vielzahl von Büchern genossen.
Die 10 „Besten“ möchte ich nun vorstellen (Die Reihenfolge sagt nichts über die Wertung aus):

Paulus, Jude mit Mission – Guido Baltes
Baltes Buch fasst in groben Zügen viele Linien und Entwicklungen in der aktuellen Paulusforschung und den entstehenden Diskussionen zusammen.
Er fügt diese einzelnen Puzzlestücke in ein, in sich stimmiges, Gesamtbild ein.

People to be loved – Preston Sprinkle
Das Thema der Homosexualität ist ein schwieriges. Noch schwieriger ist dazu ein gutes Buch zu schreiben. Sprinkle ist dies mit Bravur gelungen.
Das beste Buch, dass ich auf diesem Gebiet kenne!

Biblische Hermeneutik – Gerhard Maier
Ein Grundlagenbuch!
Maier arbeitet die Fragen der Hermeneutik gründlich auf. Besonders hilfreich ist sein Buch in der Frage der Inspirationsfrage.
Lesenswert für Theologen und Laien.

Freude an Gottes Weisungen. Themenbuch zur Theologie des Alten Testaments – Klement und Steinberg
Alttestamentliche Theologie ist spannend – dies wird nach der Lektüre dieses Buches deutlich. Die Autoren zeichnen in diesem Themenbuch verschiedene Aspekte der AT-Theologie auf. Es ist eine gute Einführung in dieses breite Thema.

Verantwortlich leben – Tim Geddert
Interessante Fragen in Bezug auf Leben und Christsein stellt Tim Geddert in seinem Buch. Man muss nicht immer einer Meinung mit ihm sein, aber sein Buch ist ein hilfreicher Beitrag zu ethischen Disussionen.

Die Auferstehung des Sohnes Gottes – N.T. Wright
Das umfassendste Buch über die Auferstehung.
Wright beginnt mit mehreren hundert Seiten Grundlagenarbeit, bis er die Ergebnisse dieser Untersuchung schlüssig zusammenbindet.
Ein grandioses Buch über die Auferstehung des Sohnes Gottes!

Die neuen Dschihadisten – Peter Neumann
Das Buch erschien im November. Es behandelt die aktuellen Fragen, warum Menschen sich radikalisieren lassen, zu fundamentalistischen Mördern werden und was Staat und Gesellschaft dem entgegenzusetzen haben.
Ein informatives und spannendes Buch!

Herr der Ringe – J.R.R. Tolkin
Der Titel sagt genug…

Eisenkinder – Sabine Rennefanz
Ein Buch das Weh tut!
Die Autorin beschreibt, wie sie eine evangelikale Christin wurde und diesen Glauben wieder verlor.
Besondere Leseempfehlung für Prediger und Gemeideleitungsmitglieder.

Fundamentalismus – Thomas Schirrmacher
Was ist Fundamentalismus?
Da der Begriff leicht als eine Bezeichnung für „Gegner“ werden kann, ist dieses Buch von Schirrmacher besonders hilfreich. Es zeigt auf, wann und wie von Fundamentalismus gesprochen werden kann und was dagegen hilft (siehe hier).

Die Jungfrauengeburt bei N.T. Wright

the-annunciation-1125149_1920Die Jungfrauengeburt ist ein Ärgernis für viele Menschen.
Sie widerspricht dem Denkrahmen des Rationalismus und innerhalb von diesem Rahmen bewegen sich die meisten Anfragen. Der anglikanische Theologe N.T. Wright schreibt dazu:

Let’s begin with the obvious point. The story makes it clear that Jesus was conceived in Mary’s womb before she had had any sexual relations. Many people today find this impossible to believe, but they often think that this difficulty has only arisen in modern times, because of all we now know about the precise mechanics of conception and birth. Not so. The ancient world didn’t know about X chromosomes and Y chromosomes, but they knew as well as we do that babies were the result of sexual intercourse, and that people who claimed to be pregnant by other means might well be covering up a moral and social offence. […]
They are simply reporting that Jesus did not have a father in the ordinary way, and that this was because Mary had been given special grace to be the mother of God’s incarnate self.[…]
Perhaps some of the fuss and bother about whether Mary could have conceived Jesus without a human father is because, deep down, we don’t want to think that there might be a king who could claim this sort of absolute allegiance?

Christus als Richter der Schrift?

book-283248_1920Aus gegebenen Anlass beschäftige ich mich mal wieder mit dem Schriftverständnis.
Um meine Ansicht zu reflektieren, helfen neben Gesprächen mit Theologen, auch Bücher weiter.
Einige interessante und provozierende Zitate habe ich zu diesen Diskussionen gefunden. Motto: Lesen, provozieren lassen, reflektieren & Meinungsbildungsprozess fortschreiten lassen.

So schreibt J. Packer zu der Frage, ob Christus als Richter über die Schrift fungiert Folgendes:
Ein Christus, der seinen Nachfolgern erlaubt, ihn als Richter der Schrift einzusetzen, nämlich als einen, der erst ihre Autorität bestätigen muss, bevor sie verpflichtend wird, und durch dessen gegenteiliges Urteil sie an anderer Stelle ungültig gemacht wird, ist ein Christus menschlicher Vorstellung, gemacht im eigenen Bilde des Theologen. Einer, dessen Haltung zur Schrift das Gegenteil von der Haltung des historischen Christus ist. Wenn die Konstruktion eines solchen Christus nicht ein Bruch des zweiten Gebotes ist, was ist es dann?

Kevin DeYoung schreibt hierzu:
Jesus mag sich sehr wohl als der Fokus der gesamten Schrift gesehen haben, doch niemals als ihr Richter. Der einzige Jesus, der über der Schrift steht, ist unserer selbst erfundener Jesus.