Was ist evangelikal?

Was bedeutet „evangelikal“? Welche Kirche oder welcher Christ sollte so bezeichnet werden?
Ein gelungener Podcast dazu gibt es von „Hart aber herzlich“:

Hat der Begriff Evangelikal ausgedient?

Rettet die Kirche: Schafft die Kirchensteuer ab

Der einzige Anglikaner im Hauptvorstand der Evangelischen Allianz Deutschland, Martin Reakes-Williams, ist der Ansicht, dass die Abschaffung der Kirchensteuer die evangelischen Kirchen retten kann.

Idea berichtet:

Ihm zufolge kommt die Kirche von England gut ohne Kirchensteuer aus. Die Gemeinden lebten von Spenden und von den Menschen, deren Herzen vom Evangelium berührt seien. In Deutschland würden viele Gemeinden nur von der Kirchensteuer am Leben gehalten. Wenn sie wegfiele, würde man merken, dass viele Gemeinden geistlich längst tot seien. Reakes-Williams: „Manchmal scheint es mir, dass die Kirchen in Deutschland wie ein Patient auf der Intensivstation sind.“ Es bestehe ein großer Unterschied zwischen dem noch volkskirchlich geprägten Westen und dem weitgehend atheistisch geprägten Osten. Die Kirchen in der ehemaligen DDR hätten die große Chance, für den Westen Pionierarbeit zu leisten. Dort „müssen die Kirchen gezwungenermaßen darüber nachdenken, wie sie das Evangelium wieder unter die Menschen bringen können“.[…]

Nach Worten von Reakes-Williams sind die Deutschen „Weltmeister in Sachen Gründlichkeit“. Dadurch seien sie fähig, große Projekte durchzusetzen. Die Evangelisation proChrist sei ein Paradebeispiel dafür. Allerdings frage er sich, ob die theologisch konservativen Protestanten – die Pietisten – noch daran glaubten, dass das Wort Gottes die Kraft des Heiligen Geistes habe. Dies habe er in England erlebt. Wer in Deutschland aufgewachsen sei, dem falle es in der Regel schwerer, dieses Urvertrauen zu haben, weil es hier nicht so viele positive Beispiele gebe.

Siehe zu hierzu auch Peter Hahnes Kritik an der Kirchensteuer (Idea) und das Buch Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab.

 

Evangelikale Heiden?

Wayne Grudem stellt in seiner Biblischen Dogmatik eine definitiv provokante These auf.  Er schreibt von einer Gefahr von „unbekehrten Evangelikalen“. Auf der einen Seite provozieren diese Äußerungen, auf der anderen regen sie auch zum nachdenken an. Ausgehend von der Lehre der Unverlierbarkeit der Errettung schreibt er:

Obwohl ein echter Christ, der sündigt, seine Rechtfertigung oder Adoption vor Gott nicht verliert […], muss eine klare Warnung ausgesprochen werden, dass die bloße Zugehörigkeit zu einer evangelikalen Gemeinde und äußerliche Anpassung an akzeptierte „christliche“ Verhaltensmuster die Errettung nicht garantiert. Insbesondere in Gesellschaften und Kulturen, wo es leicht vorkommt (oder sogar erwartet wird), dass Menschen bekennen, Christen zu sein, besteht eine realistische Möglichkeit, dass manche sich der Gemeinde anschließen, die keine echte Wiedergeburt erlebt haben. Wenn solche Leute dann in ihrer Lebensweise Christus immer mehr ungehorsam werden, sollten sie nicht mit trügerischer Selbstgefälligkeit beschwichtigt werden, indem ihnen versichert wird, dass sie ja immer noch die Rechtfertigung oder die Adoption in die Familie Gottes hätten. Eine konsequente Lebensweise des Ungehorsams gegen Christus, verbunden mit einem Mangel der Elemente der Frucht des Heiligen Geistes, die in Liebe, Freude, Friede, usw. besteht (siehe Gal 5,22-23), ist ein Warnsignal dafür, dass die Person innerlich wahrscheinlich kein wahrer Christ ist, dass vom Anfang her wahrscheinlich kein echter Herzensglaube und kein Werk des Heiligen Geistes mit der Wiedergeburt vorhanden war.

 

Netzwerk Bibel und Bekenntnis – Zwischenbilanz

Das Netzwerk Bibel und Bekenntnis wird ein Jahr alt. Ulrich Parzany zieht auf ihrer Seite eine Zwischenbilanz:

Wir hatten die zuständigen Gremien des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und der Deutschen Evangelischen Allianz aufgefordert, zu Irritationen klärend Stellung zu beziehen und um gemeinsame Gespräche gebeten. Sehr schnell wurde dem entsprochen. Es gab einige erfreuliche Klärungen. Die Gnadauer Mitgliederversammlung beschloss am 19.2.2016 eine klare Position bezüglich gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, ließ aber im Blick auf die Schriftauslegung einiges offen: „Gleichwohl gibt es einige unter uns, die an dieser Stelle eine andere exegetische Einsicht haben oder die aus dem gleichen exegetischen Befund andere Schlussfolgerungen ziehen.“ Allerdings schrieben einige große Gemeinschaftsverbände nach der Mitliederversammlung an ihre Mitglieder, dass sie sich uneingeschränkt zur Autorität der Bibel als Wort Gottes bekennen.

Die Evangelische Allianz bestätigte ihre klare Position zur praktizierten Homosexualität von 2009. Der Hauptvorstand befindet sich in einem Prozess der erneuten Klärung über das Selbstverständnis der Deutschen Evangelischen Allianz. […]

Im Blick auf die Landeskirchen haben wir nichts erreicht. Einige Landeskirchen haben in Sachen Segnung und Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften Beschlüsse gegen Bibel und Bekenntnis gefasst. Auf die biblisch-theologisch begründeten Widersprüche nahmen sie keine Rücksicht. Die Mehrheiten erlaubten den Synoden und Kirchenleitungen diese Rücksichtslosigkeit. Die Kirchenleitungen setzen darauf, dass die widersprechenden Minderheiten ermüden und aufgeben werden. Kirchenaustritte interessieren sie nicht, weil sie finanziell ohne Bedeutung für sie sind.

Neues aus der Allianz

Es ist nun offiziell, ein neue Nachfolger für das Amt des Allianzvorsitzenden ist gefunden. Ekkehart Vetter, der Präses des Mühlheimer Verbands.
Hier ein Auszug eines Idea-Artikels welcher einige Sichtweisen deutlich macht:

Nach Vetters Worten sollten Evangelikale „bei Jesus sein, das heißt, Menschen in Liebe und in Wahrheit begegnen, egal ob sie hier geboren sind oder beispielsweise als Geflüchtete zu uns kommen“.
Evangelikale Christen sollten der Öffentlichkeit zeigen, „dass wir etwas Gutes anzubieten haben“. Zugleich zeigte sich Vetter überzeugt, dass in einer säkularisierten Gesellschaft nicht alle theologischen Überzeugungen der Evangelischen Allianz mehrheitsfähig seien. Dazu gehöre die Ansicht, dass praktizierte Homosexualität – ebenso wie andere Formen der außerehelichen Sexualität – nicht mit der biblischen Ethik vereinbar seien. Auf den Einwand, Jesus habe sich nicht zur Homosexualität geäußert, sagte Vetter: „Die allererste Aussage Gottes über die Menschen, nämlich dass sie als Mann und Frau einander zugeordnet Gottesebenbildlichkeit besitzen, ist nun wahrlich nicht unerheblich für dieses Thema.“ Auch deshalb lehne man die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften mit der Ehe zwischen Mann und Frau ab.

Buch: Gottes Wort gilt

Nachdem die Evangelische Allianz in Deutschland eine ihrer größeren Krisen hatte (siehe auch hier), wird jetzt ein Buch herausgegeben, dass die Wurzel dieser Kriese behandelt. Die Frage nach dem Wort Gottes.
Herausgegeben wird es von Ulrich Parzany. Es ist die Programmschrift des Netzwerks Bibel und Bekenntnis.
Auf ihrer Seite schreiben sie Folgendes dazu:

Anfang 2016 hat sich das „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ gebildet. Die Mitglieder treten für die Gültigkeit der Bibel als Wort Gottes ein. Bisher wurden Stellungnahmen zu den aktuell strittigen Themen vor allem auf dieser Internetseite veröffentlicht. Mit dem neuen Buch wollen wir die digitale Kluft überwinden und auch die engagierten Christen informieren und motivieren, die das Internet nicht nutzen. In diesem Buch sind Texte zusammengestellt, die zeigen, wofür das Netzwerk eintritt und mit welchen Begründungen. Das Buch richtet sich an Christen aus Landeskirchen, landeskirchlichen Gemeinschaften und Freikirchen – an Kirchengemeinderäte, Presbyter, Gemeinschaftsleiter, Älteste, Pfarrer, Pastoren. Es soll orientieren und wachrütteln.

Durch Spenden der Mitglieder konnte das Buch sehr preiswert gedruckt werden. Staffelpreise sollen eine weite Verbreitung ermöglichen. Bitte, sorgen Sie dafür, dass viele Christen diese Programmschrift lesen und weitergeben!

Inhalt des Buches:

  • Wozu dieses Buch?
  • „Gemeinsam widerstehen und Christen in den Auseinandersetzungen um Grundfragen des christlichen Glaubens Orientierung geben“ (Kommuniqué der Gründungsversammlung)
  • Ulrich Parzany: Warum wir öffentlich reden müssen
  • Rolf Hille: Die notwendige Taufe des Hermes – oder: Wie wir zu einer biblischen Hermeneutik kommen
  • Rolf Hille: Warum sich Bibellesen lohnt – Ein Anreiz, das Buch der Bücher aufzuschlagen
  • Postmodernes Denken auch in der Christenheit? – Interview mit Daniel von Wachter
  • Rolf Sons: Wenn Fundamente wegbrechen
  • Rolf Sons: Endzeitlich leben. Dem Anpassungsdruck widerstehen
  • Dirk Scheuermann: Stellungnahme zum Beschluss der Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen zur „Öffentlichen Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren“ vom 20. November 2014
  • Gerrit Hohage: Sagt die Bibel etwas zu heutiger Homosexualität?
  • Mario Wahnschaffe: Homosexuelle Beziehungen in der Antike
  • Ulrich Parzany: 7000 beugten ihre Knie nicht vor Baal!
  • Gemeinsame Erklärung von Verbänden, Hauptamtlichen und Ältestenkreisen zum Beschluss der Badischen Landessynode zur Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften
  • Ulrich Parzany: Bill Hybels – ein Vorbild: Homosexuell empfindende Gemeindeglieder in der Willow Creek Gemeinde, Chicago
  • Ulrich Parzany: Die geistliche Verführung ist gefährlicher als die Verfolgung
  • Bücher, die wir dringend empfehlen

Einige Evangelikale und Trump

Der Deutschlandfunk berichtet von (tragischen) Verbindungen von Trump und einigen (zu vielen) Evangelikalen im US-Wahlkampf.
Ich bin sicher, dass viele Beispiele nicht auf seriöse Evangelikale zutrifft, peinlich ist es dennoch.
Hier kann die Sendung nachgehört werden: