Evangelikale Heiden?

Wayne Grudem stellt in seiner Biblischen Dogmatik eine definitiv provokante These auf.  Er schreibt von einer Gefahr von „unbekehrten Evangelikalen“. Auf der einen Seite provozieren diese Äußerungen, auf der anderen regen sie auch zum nachdenken an. Ausgehend von der Lehre der Unverlierbarkeit der Errettung schreibt er:

Obwohl ein echter Christ, der sündigt, seine Rechtfertigung oder Adoption vor Gott nicht verliert […], muss eine klare Warnung ausgesprochen werden, dass die bloße Zugehörigkeit zu einer evangelikalen Gemeinde und äußerliche Anpassung an akzeptierte „christliche“ Verhaltensmuster die Errettung nicht garantiert. Insbesondere in Gesellschaften und Kulturen, wo es leicht vorkommt (oder sogar erwartet wird), dass Menschen bekennen, Christen zu sein, besteht eine realistische Möglichkeit, dass manche sich der Gemeinde anschließen, die keine echte Wiedergeburt erlebt haben. Wenn solche Leute dann in ihrer Lebensweise Christus immer mehr ungehorsam werden, sollten sie nicht mit trügerischer Selbstgefälligkeit beschwichtigt werden, indem ihnen versichert wird, dass sie ja immer noch die Rechtfertigung oder die Adoption in die Familie Gottes hätten. Eine konsequente Lebensweise des Ungehorsams gegen Christus, verbunden mit einem Mangel der Elemente der Frucht des Heiligen Geistes, die in Liebe, Freude, Friede, usw. besteht (siehe Gal 5,22-23), ist ein Warnsignal dafür, dass die Person innerlich wahrscheinlich kein wahrer Christ ist, dass vom Anfang her wahrscheinlich kein echter Herzensglaube und kein Werk des Heiligen Geistes mit der Wiedergeburt vorhanden war.

 

Netzwerk Bibel und Bekenntnis – Zwischenbilanz

Das Netzwerk Bibel und Bekenntnis wird ein Jahr alt. Ulrich Parzany zieht auf ihrer Seite eine Zwischenbilanz:

Wir hatten die zuständigen Gremien des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und der Deutschen Evangelischen Allianz aufgefordert, zu Irritationen klärend Stellung zu beziehen und um gemeinsame Gespräche gebeten. Sehr schnell wurde dem entsprochen. Es gab einige erfreuliche Klärungen. Die Gnadauer Mitgliederversammlung beschloss am 19.2.2016 eine klare Position bezüglich gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, ließ aber im Blick auf die Schriftauslegung einiges offen: „Gleichwohl gibt es einige unter uns, die an dieser Stelle eine andere exegetische Einsicht haben oder die aus dem gleichen exegetischen Befund andere Schlussfolgerungen ziehen.“ Allerdings schrieben einige große Gemeinschaftsverbände nach der Mitliederversammlung an ihre Mitglieder, dass sie sich uneingeschränkt zur Autorität der Bibel als Wort Gottes bekennen.

Die Evangelische Allianz bestätigte ihre klare Position zur praktizierten Homosexualität von 2009. Der Hauptvorstand befindet sich in einem Prozess der erneuten Klärung über das Selbstverständnis der Deutschen Evangelischen Allianz. […]

Im Blick auf die Landeskirchen haben wir nichts erreicht. Einige Landeskirchen haben in Sachen Segnung und Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften Beschlüsse gegen Bibel und Bekenntnis gefasst. Auf die biblisch-theologisch begründeten Widersprüche nahmen sie keine Rücksicht. Die Mehrheiten erlaubten den Synoden und Kirchenleitungen diese Rücksichtslosigkeit. Die Kirchenleitungen setzen darauf, dass die widersprechenden Minderheiten ermüden und aufgeben werden. Kirchenaustritte interessieren sie nicht, weil sie finanziell ohne Bedeutung für sie sind.

Luther lesen: Der dritte Gottesdienst-Weg

In seiner Vorrede zur deutschen Messe christian-1296370_1280schreibt Martin Luther Folgendes:

Aber die dritte Weise, in der die rechte Art der evangelischen Ordnung ergehen sollte, dürfte nicht so öffentlich auf dem Platz geschehen unter allerlei Volk. Sondern diejenigen, die mit Ernst Christen sein wollen und das Evangelium mit Tat und Wort bekennen, müssten sich namentlich einschreiben und irgendwo allein in einem Haus allein sich  versammeln zum Gebet, zum Lesen, zum Taufen, das Sakrament zu empfangen und andere christliche Werke auszuüben. In dieser Ordnung könnte man diejenigen, die sich nicht christlich verhalten, erkennen, tadeln, bessern, ausstoßen oder in den Bann tun nach der Regel Christi, Mt 18.

Das erinnert mich sehr stark an den Pietismus.
Luther Worte sollten uns zum Nachdenken bringen.

Quelle: Martin Luther Deutsch-Deutsche Studienausgabe

Bibelkritik bei Evangelikalen und Postevangelikalen

Heute bin ich auf einen Beitrag von Holger Lahayne gestoßen. Er bespricht einen Vortrag von Siegfried Zimmer.
Es ist zugegebenermaßen nicht das erste mal, dass ich hier etwas zu Zimmer poste (sieh hier). Viele seiner Vorträge habe ich gehört und auffallend ist m.E., dass er sehr großen Wert darauf legt, die Evangelikalen zu beeinflussen, oder genauer auch die progressiven Kräfte, bei Evangelikalen zu stärken (so im Hossa-Talk Gespräch). Aber genug der Vorrede, hier einige Ausschnitte aus dem Beitrag Krebsverdacht, es sei empfohlen das Orginal durchzulesen.

Gleich in der ersten Viertelstunde mangelt es nicht an Kritik der „konservativen“ theologischen Blickrichtung – Zimmer Ausdruck für den evangelikalen Hauptstrom. „Die moderne Bibelwissenschaft ist nicht konservativ“, stellt Zimmer recht kategorisch fest, um gleich darauf dennoch zu präzisieren: nur eine Minderheit der theologischen Gelehrten ist konservativ und will Dinge „zurückdrehen“. Er selbst habe sich zum Glück aus diesem „Korsett“ des konservativen Denkens herausentwickelt.
[…]
Zimmer tut so, als wollten diese Frommen das erste Jahrhundert kopieren bzw. 1:1 abbilden. Was Christen schon immer taten und bis heute tun, ist die Anwendung der biblischen Normen, Prinzipien, Vorgaben usw. in unserer Zeit. Zimmer reißt hier Gräben auf, die so gar nicht existieren. Auch evangelikale Theologie berücksichtigt natürlich den historischen Wandel! So ist das Verhältnis von Mann und Frau heute zweifellos ein anderes als in der Antike. Der Knackpunkt ist dabei einfach dieser: Gibt es in der Bibel Normen, die mit Autorität an uns herantreten? Hier einfach den historischen Wandel aus dem Zylinder zu ziehen, hilft nicht weiter. Das Eheleben hat sich so gewandelt, dass in vielen modernen Gesellschaften jede zweite Ehe geschieden wird. Dies ist in Theologie und Ethik, Predigt und Seelsorge natürlich zu berücksichtigen. Aber noch immer lehren und verkündigen die Christen, dass Gott – laut Bibel – will, dass Mann und Frau ein Leben lang zusammenbleiben. Würde Zimmer so jemand nun „das ist wohl granatendoof!“ entgegenschleudern?
[…] Continue reading „Bibelkritik bei Evangelikalen und Postevangelikalen“

Wenn Flüchtlinge Christen werden

Das Erste veröffentlichte einen Beitrag mit dem Titel Abschied vom Islam – Wenn Flüchtlinge Christen werden.

„Halleluja!“, will er rufen, doch seine Stimme versagt – vor Rührung und Freude und weil das Wasser des Hamburger Stadtparksees so kalt ist. Gerade wurde Ramin getauft, ein junger Afghane, geboren als Muslim. Jetzt ist er Christ. In seiner Heimat kann ihm dafür der Tod drohen. Doch nicht nur Ramin ist entschlossen: 80 weitere ganz in weiß gekleidete Täuflinge warten am Ufer darauf, dass sie endlich in den See eintauchen und mit ihrem alten Leben abschließen können.[…]

Mehrere hundert Flüchtlinge will Pastor Albert Babajan von der persischsprachigen Pfingstgemeinde in diesem Jahr taufen. Taufen gibt es nicht nur in den Freikirchen. Auch landeskirchliche Gemeinden melden, dass immer mehr Flüchtlinge um die Taufe bitten. Eine Entscheidung mit ernsthaften Konsequenzen

Quereinsteiger als Pastor?

reading-297450_1280Auf evangelisch.de erschien ein Artikel über die Möglichkeiten des Quereinstiegs in das Pfarramt:

In der Mitte des Lebens sehnen sich viele nach Sinn und wollen beruflich nochmal neu starten. Pfarrer, Pfarrerin werden – das wär’s! Predigen und Gottesdienst feiern, taufen und trauen, den Menschen beistehen. Aber nochmal zurück an die Uni? Ein Quereinstieg in den Pfarrberuf ist auch per Fern- oder Teilzeitstudium möglich, das Vikariat aber noch nicht in allen Landeskirchen.[…]

Der Bedarf an Pastoren ist aber nicht nur in den Landeskirchen groß.
Viele Freikirchen können ihren Bedarf kaum noch decken.
Welche Möglichkeiten haben Personen, die in Freikirchen Pastor werden wollen um quereinzusteigen?
Es gibt einige Ausbildungsstätten die dies berufsbegleitend ermöglichen.

Hier meine Empfehlungen:

Martin-Bucer Seminar
Wer bereits eine Anstellung in Aussicht hat oder nicht mehr als Teilzeit studieren kann/möchte, dem kann ich das MBS empfehlen.
Der Unterricht findet hauptsächlich an den Wochenden statt, oder unter der Woche Abends über eine Videokonferenzplattform.
Das akademische Niveau ist gut.
Wer am Bucer-Seminar anfängt muss sich im klaren sein, dass viel im Selbststudium zu absolvieren ist.
Das Bucer-Seminar hat mehrere Studienzentren. Die Standorte sind Deutschlandweit verteilt.
Abschluss: Bachlor of Theology, Master of Theology, u.a.

Bibelstudienkolleg
Am BSK kann man sowohl Vollzeit oder auch Teilzeit studieren.
Der Standort ist in der Nähe von Stuttgart.
Der Unterricht findet sowohl unter der Woche, als auch teilweise Abends oder am Wochende statt.
Die Stärken des BSK sehe ich in ihrem guten akademischen Niveau, einer an der Bibel orientierten Theologie, ihrer theologischen Breite und in der Flexibiliät im Bezug auf der Planung des Studiums.

FTH Gießen
Vorab: Im Gegensatz zu den beiden Oben genannten Ausbildungsstätten, kenne ich die FTH nur vom Papier und von Veröffentlichungen ihrer Professoren.
Mein Eindruck ist, dass sie empfehlenswert ist, für diejenigen, welche Vollzeit und in fünf Jahren zu einem Master of Theology kommen wollen.
Stärken sind ihr sehr gutes akademisches Niveau.

Nicht empfohlen werden:

  • Ausbildungstätten welche zwar ein sehr gutes Marketing haben, im deutschsprachigen Raum verteilt sind, aber ein eher mangelhaftes akademisches Niveau haben und teilweise zu liberale Dozenten beschäfftigen
  • Ausbildungstätten, an welche bibelkritische Ansichten (oder auch nur eine gemäßigte Bibelkritik) gelehrt werden und die Inspiration der Bibel nicht anerkannt wird.