Die Säuglingstaufe

Aktuell arbeite ich die Biblische Dogmatik von Erich Mauerhofer durch.
Da mich die Frage der Taufe besonders interessiert, habe ich diese mit Interesse gelesen.
Es wird deutlich, dass er ein glühender Verfechter der „Gläubigen-Taufe“ ist und eine Taufe von Säuglingen ablehnt.
Er argumentiert, dass die Säuglingstaufe erst sehr spät aufgekommen ist.

Die patristischen Untersuchungen führen zum Schluss, dass das NT die Säuglingstaufe weder kennt noch empfiehlt. Das erste eindeutige, patristische Zeugnis von Kindertaufe im ablehnenden Sinn stammt (so Aland, S. 20) von Tertullian in „de baptismo“ kurz nach 200.

Mauerhofers 5 Gründe gegen die Säuglingstaufe lauten zusammengefasst:
1. Die Säuglingstaufe entbehrt jeglicher Schriftgrundlage.
2. Die von der Bibel genannte Voraussetzung zur Taufe (Glauben und Umkehr) fehlt, es sollen nur Jünger bzw. Gläubige getauft werden. Dies widerspricht der Praxis der Säuglingstaufe.
3. Die Säuglingstaufe entwickelte sich „Hand in Hand“ mit dem kirchlichen Sakramentsverständnis. Die Wiedergeburt wird nicht mehr als eine Voraussetzung zur Taufe gesehen, sondern als ein Resultat.
4. Die augustinische These, dass in der Taufe die Erbsünde abgewaschen werde und die Wiedergeburt geschehe, ist subjektivistisch und entbehrt jeder Schriftgrundlage.
5. Die Konsequenzen der Säuglingstaufe sind, nach Mauerhofer, dass dem Kind die Möglichkeit vorweggenommen wird, sich dem Auftrag Gottes unterzuordnen; dass ein abergläubisches Vertrauen in den Vollzug eines äusseren Ritus gesetzt wird, dem man die innewohnende Kraft zur Wiedergeburt zugeschrieben wird. Dass die Säuglingstaufe zu einem „Ruhekissen“ gegen Bekehrung und Wiedergeburt werden kann. Dass durch die Säuglingstaufe eine Volkskirche die Bekenntnisgemeinde ersetzt.

Das Nashville Statement in Deutsch

Bereits im August hab ich hier auf das Nashville Statement hingewiesen.
Nun wurde es von Evangelium 21 offiziell in die deutsche Sprache übersetzt.
Hier kann es heruntergeladen werden.
Als Vorgeschmack auf den Inhalt zwei Thesen der Nashville Erklärung:

Artikel 2
Wir bekräftigen, dass Gottes offenbarter Wille für alle Menschen Keuschheit außerhalb der Ehe und Treue innerhalb der Ehe vorsieht. Wir verwerfen, dass irgendwelche Gefühle, Begehren oder
Verpflichtungen jemals Geschlechtsverkehr oder andere Formen der sexuellen Unmoral vor oder außerhalb der Ehe rechtfertigen dürfen.
Artikel 3
Wir bekräftigen, dass Gott Adam und Eva, die ersten Menschen, nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Sie sind als Personen vor Gott gleichwertig, aber als Mann und Frau verschieden. Wir verwerfen, dass die göttlich bestimmten Unterschiede zwischen Mann und Frau ungleiche Würde oder Wert bedeuten sollen.

E21 schreibt über das Nashville Statement unter Anderem Folgendes: Continue reading „Das Nashville Statement in Deutsch“

Taufen mit Barth (1)

Aktuell arbeite ich mich durch Barths Taufverständnis, anhand seiner Kirchlichen Dogmatik IV/4.
Über das Bekenntnis, welches in der Taufe geschieht, schreibt Barth:

Die christliche Taufe ist das Menschenwerk des grundlegenden Bekenntnisses, in welchem sich die christliche Gemeinde mit den neu zu ihr Hinzutretenden und in welchem sich diese mit ihr zusammen finden. Sie ist das Bekenntnis ihres Glaubens. Ohne den Glauben der Gemeinde und der zu ihr Hinzutretenden gäbe es keine christliche Taufe. Und genauer gesagt: sie ist das Bekenntnis des Gehorsams ihres Glaubens und so Tatbekenntnis, das als solches in einer Waschung der Täuflinge mit Wasser besteht. Es ist aber – wohlverstanden! – nicht ihr Glaube, zu dem sich die Gemeinde und ihre Täuflinge mit deren Taufe bekennen. Und noch weniger bekennen sie sich damit zu einer Machtwirkung ihres Glaubensgehorsams und also ihres Tatbekenntnisses. Sie bekennen sich zu Gottes Gnaden- und Offenbarungstat, die der Ursprung, Gegenstand und Inhalt ihres Glaubens ist.

Die Rückkehr Schleiermachers – #Parzany

In seinem Buch Was nun, Kirche? beklagt Ulrich Parzany u.a. die Infragestellung der Autorität der Bibel.
Er führt dies auch auf Schleiermacher zurück und vergleicht ihn, im Kontrast, mit Karl Barth.
So habe Schleiermacher in seinem Buch „Reden über Religion – An die Gebildeten unter ihren Verächtern“ beschrieben, dass der Glaube ein Gefühl sei, welcher unabhängig von Natur und Geschichte ist. Somit sei er von den Fakten unabhängig.
Im Gegensatz dazu war bei Karl Barth die Offenbarung Gottes in Christus, die einzige Grundlage für den Glauben, die Kirche und die Theologie.
So war für Barth das leere Grab Jesu oder die Jungfrauengeburt eine notwendige Zeichenhandlung Gottes.
Über die aktuelle Situation schreibt Parzany:

Aber inzwischen ist Schleiermacher in vielen Verkleidungen wieder in Mode. Wie wirkt sich das aus?
Im Theologiestudium lernt man, die biblischen Texte historisch-kritisch auseinanderzunehmen. Je nach Lehrer ist auf mehr oder weniger von den biblischen Aussagen historisch Verlass. Man lernt aber zugleich, dass es gar nicht darauf ankomme, ob Jesus tatsächlich von der Jungfrau Maria geboren sei, ob er Wunder getan habe, dies oder jenes Wort wirklich gesagt habe, vom Tod leiblich auferstanden sei, sodass sein Grab leer war. In diesen Berichten drücke sich Glaube und Hoffnung der Erzähler aus. Und diese Erzählungen wollten uns sozusagen anstecken oder herausfordern, ähnlich zu glauben und zu hoffen. […] Auf diese Weise lernen Theologen, kritische Demontage der Bibeltexte und erbaulich fromme Deutung miteinander zu verbinden.

Ob dies nicht auch eine Herausforderung für evangelikal geprägte Gemeinden ist?

Zitat der Woche: Rechtfertigung und Welt

Ist das Ziel der Kirche eine Parallelgesellschaft oder soll sie in der Gesellschaft aufgehen?
Das Zitat der Woche beschäftigt sich damit:

Als die Gerechtfertigten werden wir von der in dieser Welt noch herrschenden Gottlosigkeit geschieden, aber wir werden nicht in einen Binnenraum versetzt, in dem die Geschicke der Welt und der Menschen, die noch in Gottesferne leben, uns gleichgültig sein können.
Rechtfertigungsfrömmigkeit ist somit keine weltabgewandte Jenseitsfrömmigkeit.
Nicht zur Abwendung von der Welt, auch nicht zur Anpassung an die Welt, aber zum Zeugnis, zur Hoffnung und zum Gebet für die Welt ist die Gemeinde Jesu Christi gerufen.

Aus: Dogmatik II, Gottes Weg mit dem Menschen (Joest & von Lüpke).

Zitat der Woche: #Bonhoeffer

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer schreibt Folgendes über ein Glauben der diakonisch tätig wird:

Es wäre eine Lästerung Gottes und des Nächsten, den Hungernden hungrig zu lassen, weil gerade des Nächsten Not Gott am nächsten sei. Um der Liebe Christi willen, die dem Hungernden gehört wie mir, brechen wir das Brot mit ihm, teilen wir die Wohnung. Wenn der Hungernde nicht zum Glauben kommt, fällt die Schuld die, die ihm das Brot verweigerten. Dem Hungernden Brot verschaffen ist die Wegbereitung für das Kommen der Gnade.

Evangelikale Heiden?

Wayne Grudem stellt in seiner Biblischen Dogmatik eine definitiv provokante These auf.  Er schreibt von einer Gefahr von „unbekehrten Evangelikalen“. Auf der einen Seite provozieren diese Äußerungen, auf der anderen regen sie auch zum nachdenken an. Ausgehend von der Lehre der Unverlierbarkeit der Errettung schreibt er:

Obwohl ein echter Christ, der sündigt, seine Rechtfertigung oder Adoption vor Gott nicht verliert […], muss eine klare Warnung ausgesprochen werden, dass die bloße Zugehörigkeit zu einer evangelikalen Gemeinde und äußerliche Anpassung an akzeptierte „christliche“ Verhaltensmuster die Errettung nicht garantiert. Insbesondere in Gesellschaften und Kulturen, wo es leicht vorkommt (oder sogar erwartet wird), dass Menschen bekennen, Christen zu sein, besteht eine realistische Möglichkeit, dass manche sich der Gemeinde anschließen, die keine echte Wiedergeburt erlebt haben. Wenn solche Leute dann in ihrer Lebensweise Christus immer mehr ungehorsam werden, sollten sie nicht mit trügerischer Selbstgefälligkeit beschwichtigt werden, indem ihnen versichert wird, dass sie ja immer noch die Rechtfertigung oder die Adoption in die Familie Gottes hätten. Eine konsequente Lebensweise des Ungehorsams gegen Christus, verbunden mit einem Mangel der Elemente der Frucht des Heiligen Geistes, die in Liebe, Freude, Friede, usw. besteht (siehe Gal 5,22-23), ist ein Warnsignal dafür, dass die Person innerlich wahrscheinlich kein wahrer Christ ist, dass vom Anfang her wahrscheinlich kein echter Herzensglaube und kein Werk des Heiligen Geistes mit der Wiedergeburt vorhanden war.

 

Luther lesen: Der dritte Gottesdienst-Weg

In seiner Vorrede zur deutschen Messe christian-1296370_1280schreibt Martin Luther Folgendes:

Aber die dritte Weise, in der die rechte Art der evangelischen Ordnung ergehen sollte, dürfte nicht so öffentlich auf dem Platz geschehen unter allerlei Volk. Sondern diejenigen, die mit Ernst Christen sein wollen und das Evangelium mit Tat und Wort bekennen, müssten sich namentlich einschreiben und irgendwo allein in einem Haus allein sich  versammeln zum Gebet, zum Lesen, zum Taufen, das Sakrament zu empfangen und andere christliche Werke auszuüben. In dieser Ordnung könnte man diejenigen, die sich nicht christlich verhalten, erkennen, tadeln, bessern, ausstoßen oder in den Bann tun nach der Regel Christi, Mt 18.

Das erinnert mich sehr stark an den Pietismus.
Luther Worte sollten uns zum Nachdenken bringen.

Quelle: Martin Luther Deutsch-Deutsche Studienausgabe

Was gegen die Angst vor Flüchtlingen hilft

Prof. Paul von Zulehner war an der TH Ewersbach und hat zu diesem Thema referiert.
Hier der Bericht von der TH:

Mit Prof. Paul M. Zulehner hatten wir einen der bekanntesten Religionssoziologen Europas bei uns zu Gast. In der öffentlichen Vorlesung am Nachmittag befasste sich Prof. Zulehner vor 90 Hörern mit der Frage „Welche Kirche braucht die Zukunft?“ Der Vortrag zur Flüchtlingsthematik am Abend war von 220 Zuhörern besucht.

Prof. Zulehner – Vorlesung am Nachmittag.mp3 (Einleitungsteil fehlt)

 

Prof. Zulehner – Abendvortrag.mp3

 

Westeuropa, so Zulehner, lebe spätestens seit der Finanzkrise in einer Kultur der Angst. Amerika sei schon mit den Anschlägen vom 11. September 2001 davon erfasst. Dagegen stehe der Kontinent der Hoffnung mit China, Indien und Japan – „das sind Menschen, die etwas erreichen wollen“ –, wobei diese Hoffnung auf die Bevölkerung, nicht aber auf die Regierungen zutreffe. In der arabischen Welt wiederum herrsche das Gefühl vor, vom reichen Westen gedemütigt zu werden.

In dieser politischen Großwetterlage habe die große Flüchtlingsbewegung eingesetzt und die bereits bestehenden Ängste weiter verstärkt. In einer Studie mit 3000 Befragten reagierten nur 26 Prozent mit Zuversicht auf diese Bewegung, 53 Prozent zeigten sich besorgt und 17 Prozent äußerten eine klare Ablehnung.

Es sind vor allem soziale Abstiegsängste, die Furcht vor sinkendem Wohlstand, zu dem nun die Angst komme, die Flüchtlinge könnten als billige Arbeitskräfte eine zusätzliche Konkurrenz bilden. Ergänzt werde dies durch biografische Ängste, etwa vor dem Tod oder dem Verlust eines Angehörigen. Die dritte Form von Angst sei die, zu kurz zu kommen. Das Leben werde als letzte Gelegenheit begriffen, die übersteigerte Suche nach dem Glück auf dieser Erde führe zu einem permanenten Konkurrenzdenken und einem hohen Zeitdruck.
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How to kill your Pastor

crime-64067Tyler Saldaña hat einen Beitrag veröffentlicht, wie man am besten seinen Pastor „killt“.

  1. Criticize them. Proverbs 18:21 tells us that our tongue has the power of life and death. Instead of encouraging your pastor who probably works more hours than any other person you know for far less compensation than they deserve, while carrying the mental and emotional burdens of all whom they shepherd, why not use your words to criticize every single thing that they do?
  2. Expect a lot from them. I recently walked into a position that, to be brief, has countless traditions and habits, some good and some not so good. For many leaders, these expectations can be overbearing, distracting and draining to say the least. I know many in ministry who have found these expectations to be unbearable and spiritually crushing. Instead of just expecting them to preach the bible, make disciples, shepherd and love people, why not quench your pastor’s passion, vision and creativity by expecting that they fill a hole that isn’t their size?
  3. Demand for him to be Jesus. If he isn’t perfect, crucify him. Oh wait, they did that to our perfect Jesus, too, didn’t they? The bottom line is this: demand him to be a sinless person. If they’re anything short of perfection, get rid of them.
  4. Voice your dissatisfactions to everyone. I’m pretty sure that James refers to this as gossip but it’s okay; it’ll be our little secret. Tell your kids over dinner. Share it with your friends at the coffee shop. Post it all over their Facebook. Start a small group that meets to discuss the dissatisfaction that each of you have with your pastor. The more people that you get involved, the more your pastor’s leadership will diminish.
  5. Make them work more hours than there are in a week. Countless early mornings and late nights, ministry meetings and events, retreats and camps. If you can think of any more ways to ensure that your pastor works more hours than the average full-time employee, do it.
  6. Pay them next to nothing. Require at minimum a bachelor’s and master’s degree from them, acquiring for them at least six figures in debt. Then, offer them a salary package that not only prohibits them from actually living in the city that you’ve asked them to minister in, but also forces them to struggle paying the debt that they accrued for themselves by seeking to meet your education requirements.
  7. Don’t give them a mentor. Every leader needs affirmation, development and accountability amongst others. Deprive them of that.
  8. Withhold grace. If they mess up, don’t treat them the way that God treats us. Scold them. Remind them how jacked up they are. Make sure they never forget their mistakes.
  9. Strip them from their families. God calls them to be spouses and parents before they are called to be pastors; make sure that their schedule interferes with every possible time that they could interact and spend time with their spouse and family. If they haven’t seen their spouse all week, make sure their calendar is full. If their kid has a soccer game or recital, make sure they’ve got a meeting.
  10. Don’t consider their feelings at all. Yes, they are created in God’s image. Yes, they are your sibling in Christ. But not, you shouldn’t treat them that way. Their feelings should have no value nor consideration when it comes to how you treat your pastor.

Wenn Flüchtlinge Christen werden

Das Erste veröffentlichte einen Beitrag mit dem Titel Abschied vom Islam – Wenn Flüchtlinge Christen werden.

„Halleluja!“, will er rufen, doch seine Stimme versagt – vor Rührung und Freude und weil das Wasser des Hamburger Stadtparksees so kalt ist. Gerade wurde Ramin getauft, ein junger Afghane, geboren als Muslim. Jetzt ist er Christ. In seiner Heimat kann ihm dafür der Tod drohen. Doch nicht nur Ramin ist entschlossen: 80 weitere ganz in weiß gekleidete Täuflinge warten am Ufer darauf, dass sie endlich in den See eintauchen und mit ihrem alten Leben abschließen können.[…]

Mehrere hundert Flüchtlinge will Pastor Albert Babajan von der persischsprachigen Pfingstgemeinde in diesem Jahr taufen. Taufen gibt es nicht nur in den Freikirchen. Auch landeskirchliche Gemeinden melden, dass immer mehr Flüchtlinge um die Taufe bitten. Eine Entscheidung mit ernsthaften Konsequenzen

Quereinsteiger als Pastor?

reading-297450_1280Auf evangelisch.de erschien ein Artikel über die Möglichkeiten des Quereinstiegs in das Pfarramt:

In der Mitte des Lebens sehnen sich viele nach Sinn und wollen beruflich nochmal neu starten. Pfarrer, Pfarrerin werden – das wär’s! Predigen und Gottesdienst feiern, taufen und trauen, den Menschen beistehen. Aber nochmal zurück an die Uni? Ein Quereinstieg in den Pfarrberuf ist auch per Fern- oder Teilzeitstudium möglich, das Vikariat aber noch nicht in allen Landeskirchen.[…]

Der Bedarf an Pastoren ist aber nicht nur in den Landeskirchen groß.
Viele Freikirchen können ihren Bedarf kaum noch decken.
Welche Möglichkeiten haben Personen, die in Freikirchen Pastor werden wollen um quereinzusteigen?
Es gibt einige Ausbildungsstätten die dies berufsbegleitend ermöglichen.

Hier meine Empfehlungen:

Martin-Bucer Seminar
Wer bereits eine Anstellung in Aussicht hat oder nicht mehr als Teilzeit studieren kann/möchte, dem kann ich das MBS empfehlen.
Der Unterricht findet hauptsächlich an den Wochenden statt, oder unter der Woche Abends über eine Videokonferenzplattform.
Das akademische Niveau ist gut.
Wer am Bucer-Seminar anfängt muss sich im klaren sein, dass viel im Selbststudium zu absolvieren ist.
Das Bucer-Seminar hat mehrere Studienzentren. Die Standorte sind Deutschlandweit verteilt.
Abschluss: Bachlor of Theology, Master of Theology, u.a.

Bibelstudienkolleg
Am BSK kann man sowohl Vollzeit oder auch Teilzeit studieren.
Der Standort ist in der Nähe von Stuttgart.
Der Unterricht findet sowohl unter der Woche, als auch teilweise Abends oder am Wochende statt.
Die Stärken des BSK sehe ich in ihrem guten akademischen Niveau, einer an der Bibel orientierten Theologie, ihrer theologischen Breite und in der Flexibiliät im Bezug auf der Planung des Studiums.

FTH Gießen
Vorab: Im Gegensatz zu den beiden Oben genannten Ausbildungsstätten, kenne ich die FTH nur vom Papier und von Veröffentlichungen ihrer Professoren.
Mein Eindruck ist, dass sie empfehlenswert ist, für diejenigen, welche Vollzeit und in fünf Jahren zu einem Master of Theology kommen wollen.
Stärken sind ihr sehr gutes akademisches Niveau.

Nicht empfohlen werden:

  • Ausbildungstätten welche zwar ein sehr gutes Marketing haben, im deutschsprachigen Raum verteilt sind, aber ein eher mangelhaftes akademisches Niveau haben und teilweise zu liberale Dozenten beschäfftigen
  • Ausbildungstätten, an welche bibelkritische Ansichten (oder auch nur eine gemäßigte Bibelkritik) gelehrt werden und die Inspiration der Bibel nicht anerkannt wird.

 

Buchbesprechung: Überrascht von der Bibel

1463054058-342824Vorab: Mein Verhältnis zu N.T. Wright ist nicht ganz einfach. Auf der einen Seite habe ich die letzten Jahre sämtliche Bücher, Artikel und Kommentare, ganz oder teilweise von ihm gelesen. Gleichzeitig gehöre ich zu dennen, die einige Aspekte seiner Theologie kritisch hinterfragen und einige seiner Thesen (z.B. die NPP) in weiten Teilen ablehnen.
Trotz all dessen muss ich bekennen, dass seine Bücher mich immer wieder faszinieren. Der Grund ist, dass Wright es schafft Denkmodelle, die in der modernen Bibelwissenschaft unreflektiert vorausgesetzt werden, begründet zu hinterfragen, traditionelle Ansichten auf ihre „Bibelfestigkeit“ prüft und mich als Evangelikalen theologisch herausfordert und zum Nachdenken anregt.
Aber genug der Vorbemerkungen! Das Buch ruft, wir wollen sehen wie Wright von der Bibel überrascht wurde!

Wer sich ein homogenes Buch gewünscht hat, der wird enttäuscht.
Wright hat nicht den Anspruch ein einheitliches Buch vorzulegen. Es ist vielmehr die Sammlung verschiedener Aufsätze. Teilweise überschneiden sich die Themen, aber nur teilweise.
Wright beginnt mit Themen über Wissenschaft, Schöpfung und dem historischen Adam. Er kommt auf das Thema der Frauenordination zu sprechen, auf Fragen der Endzeit, auf das Böse in der Welt und auf die Zeitepoche der Moderne. Jedes dieser Themen behandelt er einzeln.
Da alle Kapitel in sich selbst geschlossen sind, ist die Bewertung auch davon abhängig.
Ich möchte drei Kapitel hervorheben, die ich als am lesenswertesten kennzeichnen möchte.

Platz 1: Wie die Bibel die moderne Welt versteht
Hier schafft Wright es, die Denkrichtung, die seit der Aufklärung unsere Gesellschaft, aber auch die Apolegetik prägt im Epikurismus zu verorten und zu „entschleiern“. Er schafft es auf eine großartige Weise die negative Abhängigkeit mit ihren Vorentscheidungen einem vor Augen zu führen (siehe auch diesen Beitrag).
Platz 2: Jesus kommt wieder – pflanze einen Baum!
Endzeit! Ein Reizthema. Ein Thema voller Spekulationen.
Man muss in diesem Kapitel nicht in allen Punkten mit Wright einig sein.
Lesenswert bleibt es alle male. Er zeigt viele nachdenkenswerte Ansichten zum Thema Entrückung, über den Neuen Himmel und die Neue Erde, sowie über die Schöpfung auf. Ein Beitrag der motiviert, weiter zu forschen, diskutieren und sich überraschen zu lassen.
Platz 3: Der 11. September, Tsunamis und das neue Problem des Bösen
Wie kann ein guter Gott Leid zulassen…
Der Fels des Atheismus. Wright geht von einer ganz anderen Seite heran. Er sieht die bisherige Diskussion als zu stark von „falschen“ Denkrahmen geprägt.
Seine Antwort, oder sein Antwortversuch, geht eine andere Richtung. Wright antwortet mit dem Kreuz. Irgendwie erinnert es mich an Moltmanns „Der gekreuzigte Gott„, aber nur irgendwie. Das Kapitel lohnt es sich zu lesen!

Zu den anderen Kapiteln möchte ich nicht viel schreiben. Ein Bild kann sich jeder Leser selbst von ihnen machen.

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Alle Verse führen zu Christus?

road-782072_1920In dem Buch „Die Auslegungspredigt“ gibt es ein langes Zitat von Spurgeon.

Weißt du denn nicht, junger Mann, dass von jeder Stadt und von jedem Dorf und von jedem winzigen Nest in England eine Straße nach London führt? Genauso gibt es auch von jedem Text in der Schrift eine Straße die zu Christus führt. Lieber Bruder, es ist deine Aufgabe, den Weg zu Christus zu finden, wenn du einen Text vor dir hast. Ich habe noch nie einen Text gefunden, der nicht zu Christus führte; und wenn jemals eine Predigt gut ist, dann nur, wenn Christus darin zu schmecken ist.

Meint Spurgeon damit, dass wir jeden Vers, notfalls allegorisch auf Jesus beziehen sollen?
Ich denke nicht.
Schließlich halte ich es für wenig hilfreich eine (ich möchte sie respektvoll) „Ostereiersuch“-Exegese nennen, zu betreiben. Bei dieser sucht man hinter jedem Vers ob Jesus sich dahinter versteckt hat – wenn man ihn gefunden hat ruft man laut „heureka“ und postet die Verbindung auf Twitter oder in allegorisch geprägten Kommentaren (auf Namensnennungen wird hier bewusst verzichtet).

Wie können dann alle Verse zu Christus führen?
Ich bin der Überzeugung, dass die Stoßrichtung des Alten Testament auf die Erlösungsbedürftigkeit der Menschen und die Notwendigkeit des wahren „Israels“, Jesus als Messias hindeutet. Die Linien sind für mich das Entscheidende.
Muss ich in einer Genealogie wie z.B. „A zeugte B“ Jesus suchen? Ich denke nein.
Aber die Grundsätzliche Frage, auch bei alttestamentlichen Texten bleibt: „Was für einen Unterschied macht das Kommen Christi – welche Parallelen gibt es zu ihm hin“. Dann kann entdeckt werden, wie Jesus die Geschichte Israels nachlebte, aber ohne Sünde und in der Ganzheit vollkommen (dies gehört zum Gebiet der Typologie). Wir können sehen wie Jesus die Opfer des Alten Testament, durch sein Kreuzestod erfüllte. Wie er die Prophezeiung des leidenden Gottesknecht in Jesaja erfüllte und vieles mehr.
In diesem Sinne gilt: Die ganze Bibel führt zu Christus – jede Linie jedes Buch.

Legal, egal, … – Dogma und Wahrheit?

etc-682613_1280Mit der Überschrift „Die Häresie der Gleichgültigkeit“ erschien bei E21 ein Artikel von Burk Parsons in dem u.a. diese Zeilen zu finden sind:

Wenn mir Menschen sagen, sie lieben Jesus aber haben es nicht so mit der Lehre, dann antworte ich ihnen: Wer die Lehre nicht liebt, der liebt auch Jesus nicht. Wir können Jesus nicht fernab von der rechten Glaubenslehre erkennen und deshalb können wir Gott auch nicht lieben, wenn wir ihn nicht erkannt haben. Der Weg zur wahren Gotteserkenntnis führt über die Auseinandersetzung mit seinem Wort. Geistliche Lehre stammt von Gott; lehrt uns über Gott und führt uns im Glauben zurück zu Gott, nämlich in die Anbetung, Dienstbereitschaft und Liebe. Die Gleichgültigkeit gegenüber geistlicher Lehre ist gleichzusetzen mit der Gleichgültigkeit gegenüber Gott. Und Gleichgültigkeit gegenüber Gott ist gleichzusetzen mit der Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen ewigen Schicksal.

Pastoren die diesen undogmatischen Umgang mit Lehrfrage für „cool“ und angebracht halten, also jene, die die Notwendigkeit und Wichtigkeit rechter Lehre runterspielen und in ihren Predigten unzulänglich darlegen, versäumen in Wirklichkeit die Chance, das weiterzugeben, was die Seelen ihrer Zuhörer zu erretten vermag. Biblische Lehre unklar zu vermitteln oder deren Wichtigkeit herunterzuspielen ist weder cool noch zeitgemäß und sicher nicht demütig, sondern im Gegenteil schlichtweg arrogant. Nichts ist von größerer Bedeutung und lehrt uns mehr Demut als die rechte Lehre. Nichts richtet unsere Augen schneller weg von uns zur Liebe und Gnade Gottes hin, als die Lehre, die von Gott selbst herkommt.

Die rechte Lehre dient jedoch keinem Selbstzweck, sondern sie hilft uns, Gott zu erkennen, zu lieben, anzubeten und zu verehren, so wie er ist. Weniges wünscht sich der Teufel mehr als Gemeindeglieder, die sich im Lehrstreit so geradlinig wie ein Schusswaffenlauf geben, aber sich bei deren Anwendung als krumm erweisen. Einen Lehrsatz richtig zu verstehen, bedeutet, ihn richtig anzuwenden. Wenn wir die Lehre von unserem Leben trennen, führt sie uns in den Tod. Gott aber hat uns die Lehre, die aus seinem inspirierten Wortes entspringt, gegeben, damit wir dadurch lernen mögen, Ihn mit allem, was wir sind und unseren Nächsten wie uns selbst, zu lieben. Darum müssen wir im Umgang mit Lehrfragen unbedingt dogmatisch sein – nicht barsch, sondern demütig, indem wir uns darum bemühen, zu verstehen, zu lehren und zu verteidigen, was der heilige und liebende Gott, der sein Leben für uns gegeben hat, über sich selbst offenbart hat

Weiter möchte ich den Artikel gar nicht kommentieren – die Aussagen sind es wert ernstgenommen zu werden, zu diskutieren und bzgl. unseres Lehrverhaltens zu reflektieren.

 

Evangelikale und Homosexualität (2)

Das Thema der Homosexualität ist bei uns Evangelikalen ein heiß diskutiertes Thema (siehe hier).
Es ist nun bereits ein paar Tage her, aber auf der AfeT Tagung ging der Referent auch darauf ein, Idea berichtete Folgendes:

Deines ging auch auf das Thema Homosexualität ein. Nach seinen Worten sind etwa zwei Prozent der Bürger homosexuell. Die Kirche solle sich von der ideologischen Fixierung auf eine Randgruppe lösen und nicht mehr als zwei Prozent ihrer Energie auf diese Minderheit verwenden. Deines rechnet damit, dass die Diskussion um praktizierte Homosexualität nur der Beginn weiterer sexueller Debatten ist. So werde künftig auch die Zulässigkeit polyamoröser Partnerschaften (sexuelle Beziehungen zu mehr als einem Partner), Inzest (Sex zwischen Verwandten) und Zoophilie (Sex mit Tieren) diskutiert werden. Deines: „Es geht um die Verflüssigung jeglicher Geschlechternormen.“ Anstatt sich auf ein Geschlecht und einen Partner festlegen zu müssen, wolle der Mensch beliebig viele neue Rollen einnehmen können.

Auf dem Blog von Dave Jäggi habe ich folgende interessante Predigt über Homosexualität gefunden:

Tobias Teichen vom ICF München spricht zur Frage, „ob Gott ein Problem mit Homosexualität hat“. Hier geht es mehr um die Ethik des Umfeldes von schwulen und lesbischen Christen.

SWR 2 berichtete diesen Monat auch über die Evangelikalen, dabei kam dieses Thema auch vor, siehe hier.

 

Sex vor der Ehe

Die Bibel schreibt nichts zum Thema Sex vor der Ehe“.
Diese Aussage ist zumindest immer wieder zu hören. Fragt sich nur ob es eine Wahrheit oder eine Legende ist.
Und wenn die Bibel etwas zu dem Thema sagt, ist es dann nicht einfach das Spiegelbild einer verklemmten Gesellschaft? Regeln von patriarchalen Männern mit langen Bärten?
Auch solche Aussagen sind immer wieder zu hören.
Es ist ein Thema über das heiß diskutiert wurde, ein Thema das polarisierte und bis in evangelikale Prägungen für Streit sorgte.

Doch wie ist diese Thematik aus biblischer Sicht zu beurteilen? Was sind die Fakten?
Aus dem Buch (Jesus der Jude…) von Guido Baltes habe ich folgende Ausführungen entnommen die ich im hier zusammenfassen werde:
In der jüdischen Tradition gab es zwei Phasen der Eheschließung.
Die erste Phase war das Heiratsversprechen (kiddushin), welches öffentlich war und dokumentiert wurde.Die Ehe begann tatsächlich meist ein Jahr später mit dem Zusammenziehen der Ehepartner (nissuin).
In der jüdischen Ethik stand fest, dass allein die Ehe (nissuin) der Ort für Sexualität war.
Damit grenzten sie sich von ihrer Umwelt deutlich ab, welche in dieser Frage sehr freizügig dachten.

Die Aussage, dass die Bibel nichts über Sex vor der Ehe sagt, entspricht nicht der Realität.
Durch das jüdische Umfeld war es aber nicht nötig viel dazu zu sagen, denn es war eine Selbstverständlichkeit.
Dies wird durch die Zusammenfassungen der wichtigsten Grundregeln bei Jesus und Paulus deutlich (Bsp. 1Thes 4,3).
Hier wird das griechische Wort porneia (hebräisch zenuth) gebraucht – nach dem jüdischen Verständnis schließt dieses Wort alle sexuellen Beziehungen außerhalb einer Ehe ein. Mehr war in dem jüdischen Umfeld gar nicht nötig um eindeutig Position zu beziehen.

Die jüdische Ethik war ein bewusster Gegenentwurf zu dem was allgemein normal war.
Wir Christen tun gut daran, wenn wir wieder bewusst diesen Gegenentwurf vertreten und leben. Unser Ziel soll nicht sein, dass wir vor den Maßstäben unserer Zeit einknicken. Wahrgenommen werden wollen wir Christen dadurch, dass wir nach den Maßstäben der Bibel leben.

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