Rettet die Kirche: Schafft die Kirchensteuer ab

Der einzige Anglikaner im Hauptvorstand der Evangelischen Allianz Deutschland, Martin Reakes-Williams, ist der Ansicht, dass die Abschaffung der Kirchensteuer die evangelischen Kirchen retten kann.

Idea berichtet:

Ihm zufolge kommt die Kirche von England gut ohne Kirchensteuer aus. Die Gemeinden lebten von Spenden und von den Menschen, deren Herzen vom Evangelium berührt seien. In Deutschland würden viele Gemeinden nur von der Kirchensteuer am Leben gehalten. Wenn sie wegfiele, würde man merken, dass viele Gemeinden geistlich längst tot seien. Reakes-Williams: „Manchmal scheint es mir, dass die Kirchen in Deutschland wie ein Patient auf der Intensivstation sind.“ Es bestehe ein großer Unterschied zwischen dem noch volkskirchlich geprägten Westen und dem weitgehend atheistisch geprägten Osten. Die Kirchen in der ehemaligen DDR hätten die große Chance, für den Westen Pionierarbeit zu leisten. Dort „müssen die Kirchen gezwungenermaßen darüber nachdenken, wie sie das Evangelium wieder unter die Menschen bringen können“.[…]

Nach Worten von Reakes-Williams sind die Deutschen „Weltmeister in Sachen Gründlichkeit“. Dadurch seien sie fähig, große Projekte durchzusetzen. Die Evangelisation proChrist sei ein Paradebeispiel dafür. Allerdings frage er sich, ob die theologisch konservativen Protestanten – die Pietisten – noch daran glaubten, dass das Wort Gottes die Kraft des Heiligen Geistes habe. Dies habe er in England erlebt. Wer in Deutschland aufgewachsen sei, dem falle es in der Regel schwerer, dieses Urvertrauen zu haben, weil es hier nicht so viele positive Beispiele gebe.

Siehe zu hierzu auch Peter Hahnes Kritik an der Kirchensteuer (Idea) und das Buch Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab.

 

Zitat der Woche: #Bonhoeffer

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer schreibt Folgendes über ein Glauben der diakonisch tätig wird:

Es wäre eine Lästerung Gottes und des Nächsten, den Hungernden hungrig zu lassen, weil gerade des Nächsten Not Gott am nächsten sei. Um der Liebe Christi willen, die dem Hungernden gehört wie mir, brechen wir das Brot mit ihm, teilen wir die Wohnung. Wenn der Hungernde nicht zum Glauben kommt, fällt die Schuld die, die ihm das Brot verweigerten. Dem Hungernden Brot verschaffen ist die Wegbereitung für das Kommen der Gnade.

Netzwerk Bibel und Bekenntnis – Zwischenbilanz

Das Netzwerk Bibel und Bekenntnis wird ein Jahr alt. Ulrich Parzany zieht auf ihrer Seite eine Zwischenbilanz:

Wir hatten die zuständigen Gremien des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und der Deutschen Evangelischen Allianz aufgefordert, zu Irritationen klärend Stellung zu beziehen und um gemeinsame Gespräche gebeten. Sehr schnell wurde dem entsprochen. Es gab einige erfreuliche Klärungen. Die Gnadauer Mitgliederversammlung beschloss am 19.2.2016 eine klare Position bezüglich gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, ließ aber im Blick auf die Schriftauslegung einiges offen: „Gleichwohl gibt es einige unter uns, die an dieser Stelle eine andere exegetische Einsicht haben oder die aus dem gleichen exegetischen Befund andere Schlussfolgerungen ziehen.“ Allerdings schrieben einige große Gemeinschaftsverbände nach der Mitliederversammlung an ihre Mitglieder, dass sie sich uneingeschränkt zur Autorität der Bibel als Wort Gottes bekennen.

Die Evangelische Allianz bestätigte ihre klare Position zur praktizierten Homosexualität von 2009. Der Hauptvorstand befindet sich in einem Prozess der erneuten Klärung über das Selbstverständnis der Deutschen Evangelischen Allianz. […]

Im Blick auf die Landeskirchen haben wir nichts erreicht. Einige Landeskirchen haben in Sachen Segnung und Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften Beschlüsse gegen Bibel und Bekenntnis gefasst. Auf die biblisch-theologisch begründeten Widersprüche nahmen sie keine Rücksicht. Die Mehrheiten erlaubten den Synoden und Kirchenleitungen diese Rücksichtslosigkeit. Die Kirchenleitungen setzen darauf, dass die widersprechenden Minderheiten ermüden und aufgeben werden. Kirchenaustritte interessieren sie nicht, weil sie finanziell ohne Bedeutung für sie sind.

Luther lesen: Der dritte Gottesdienst-Weg

In seiner Vorrede zur deutschen Messe christian-1296370_1280schreibt Martin Luther Folgendes:

Aber die dritte Weise, in der die rechte Art der evangelischen Ordnung ergehen sollte, dürfte nicht so öffentlich auf dem Platz geschehen unter allerlei Volk. Sondern diejenigen, die mit Ernst Christen sein wollen und das Evangelium mit Tat und Wort bekennen, müssten sich namentlich einschreiben und irgendwo allein in einem Haus allein sich  versammeln zum Gebet, zum Lesen, zum Taufen, das Sakrament zu empfangen und andere christliche Werke auszuüben. In dieser Ordnung könnte man diejenigen, die sich nicht christlich verhalten, erkennen, tadeln, bessern, ausstoßen oder in den Bann tun nach der Regel Christi, Mt 18.

Das erinnert mich sehr stark an den Pietismus.
Luther Worte sollten uns zum Nachdenken bringen.

Quelle: Martin Luther Deutsch-Deutsche Studienausgabe

Benedikt XVI: Letzte Gespräche (2)

Fortsetzung von: Bendikt XVI: Letzte Gespräche (1)

Wann lässt ein Papst schon tief in sein Leben hineinblicken?
Wann spricht er darüber, dass er selbst ein Mensch ist der die Vergebung so dringend braucht? Bendikt XVI berichtet in diesem Buch nicht von sich, als von einem hohen Heiligen. Er reflektiert sein Leben und seine Arbeit nüchtern und selbstkritisch.
Er gewährt Einblicke in seine Kindheit und Jugend. Seine Entwicklung vom Studenten zum Professor, von einem Konzilstheologen und einem, der Weitblick bewies, indem er der Gesellschaft die Gefahr der Heidnisierung deutlich machte.

Ratzinger berichtet auch von seinen letzten Monaten als Papst. Von den Überlegungen die ihn vom Rücktritt überzeugten und er geht auch auf aufkommende Gerüchte ein. Hintergrundinformationen, direkt vom Papst quasi.

Was bleibt bei diesem Buch hängen und was kann für evangelikale Theologen spannend sein?
Auffallend ist, der Papst, bzw. der Papst im Ruhestand, lässt deutlich werden, dass Christus seine Mitte ist. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger legt er keinen Marienschwerpunkt (eine katholische Ansicht scheint er hier dennoch zu haben).
Ebenso ist sein Papst-Verständnis beachtenswert. So müsse der Papst kein Übermensch sein. Er könne auch, wenn die Dinge im Frieden liegen, zurücktreten. Diesen habe er zudem nie bereut.
Benedikt lässt auch in seine Ekklesiologie einblicken. So gehe es nicht ohne die Überregionale Struktur, aber eben auch nicht ohne die Verantwortlichkeit der Ortsgemeinde.
Bemerkenswert halte ich auch seine Abhängigkeit von Christus.
So hält Ratzinger es für unerlässlich Gott um Weisheit zu bitten, ihn immer wieder im Gebet darum anzuflehen und auf ihn zu hören.
Da Ratzinger bei Evangelikalen sehr beliebt ist, muss auch gesagt werden, dass er dennoch kein Evangelikaler ist. Er ist und bleibt katholisch, ebenso seine Theologie. Denoch sind einige Elemente vorhanden in denen er den Evangelikalen näher ist, als viele Theologen des evangelischen Lagers.
Mein Fazit dieses Buches lautet:
In den letzten Gesprächen gibt ein emeritierter Papst offene und persönliche Einblicke in sein Leben und Dienst. Das Buch hilft Ratzinger besser und vor allem als Mensch, zu verstehen. Es zeigt einen reflektierenden Mann, der von seiner Gottesabhängikeit sich getragen sieht.

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, welches von Droemer Knaur freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.