Die Jungfrauengeburt bei N.T. Wright

the-annunciation-1125149_1920Die Jungfrauengeburt ist ein Ärgernis für viele Menschen.
Sie widerspricht dem Denkrahmen des Rationalismus und innerhalb von diesem Rahmen bewegen sich die meisten Anfragen. Der anglikanische Theologe N.T. Wright schreibt dazu:

Let’s begin with the obvious point. The story makes it clear that Jesus was conceived in Mary’s womb before she had had any sexual relations. Many people today find this impossible to believe, but they often think that this difficulty has only arisen in modern times, because of all we now know about the precise mechanics of conception and birth. Not so. The ancient world didn’t know about X chromosomes and Y chromosomes, but they knew as well as we do that babies were the result of sexual intercourse, and that people who claimed to be pregnant by other means might well be covering up a moral and social offence. […]
They are simply reporting that Jesus did not have a father in the ordinary way, and that this was because Mary had been given special grace to be the mother of God’s incarnate self.[…]
Perhaps some of the fuss and bother about whether Mary could have conceived Jesus without a human father is because, deep down, we don’t want to think that there might be a king who could claim this sort of absolute allegiance?

Zitat der Woche: Vergebung

Gerade weil Vergebung Vergebung ist und nicht einfach nur Toleranz, muss sie mit einer unmissverständlichen Ablehnung gegenüber jeglicher Form von Sünde einhergehen, ganz gleich, ob es sich nun um Gewalt handelt oder um Vorurteile oder Boshaftigkeiten, egal, ob es sich nun um Stolz handelt oder Gier oder Lust oder irgendetwas anderes von den Dingen, die Gottes gute und schöne Schöpfung entstellt und korrumpieren.

N.T. Wright in Überrascht von der Bibel

Buchbesprechung: Überrascht von der Bibel

1463054058-342824Vorab: Mein Verhältnis zu N.T. Wright ist nicht ganz einfach. Auf der einen Seite habe ich die letzten Jahre sämtliche Bücher, Artikel und Kommentare, ganz oder teilweise von ihm gelesen. Gleichzeitig gehöre ich zu dennen, die einige Aspekte seiner Theologie kritisch hinterfragen und einige seiner Thesen (z.B. die NPP) in weiten Teilen ablehnen.
Trotz all dessen muss ich bekennen, dass seine Bücher mich immer wieder faszinieren. Der Grund ist, dass Wright es schafft Denkmodelle, die in der modernen Bibelwissenschaft unreflektiert vorausgesetzt werden, begründet zu hinterfragen, traditionelle Ansichten auf ihre „Bibelfestigkeit“ prüft und mich als Evangelikalen theologisch herausfordert und zum Nachdenken anregt.
Aber genug der Vorbemerkungen! Das Buch ruft, wir wollen sehen wie Wright von der Bibel überrascht wurde!

Wer sich ein homogenes Buch gewünscht hat, der wird enttäuscht.
Wright hat nicht den Anspruch ein einheitliches Buch vorzulegen. Es ist vielmehr die Sammlung verschiedener Aufsätze. Teilweise überschneiden sich die Themen, aber nur teilweise.
Wright beginnt mit Themen über Wissenschaft, Schöpfung und dem historischen Adam. Er kommt auf das Thema der Frauenordination zu sprechen, auf Fragen der Endzeit, auf das Böse in der Welt und auf die Zeitepoche der Moderne. Jedes dieser Themen behandelt er einzeln.
Da alle Kapitel in sich selbst geschlossen sind, ist die Bewertung auch davon abhängig.
Ich möchte drei Kapitel hervorheben, die ich als am lesenswertesten kennzeichnen möchte.

Platz 1: Wie die Bibel die moderne Welt versteht
Hier schafft Wright es, die Denkrichtung, die seit der Aufklärung unsere Gesellschaft, aber auch die Apolegetik prägt im Epikurismus zu verorten und zu „entschleiern“. Er schafft es auf eine großartige Weise die negative Abhängigkeit mit ihren Vorentscheidungen einem vor Augen zu führen (siehe auch diesen Beitrag).
Platz 2: Jesus kommt wieder – pflanze einen Baum!
Endzeit! Ein Reizthema. Ein Thema voller Spekulationen.
Man muss in diesem Kapitel nicht in allen Punkten mit Wright einig sein.
Lesenswert bleibt es alle male. Er zeigt viele nachdenkenswerte Ansichten zum Thema Entrückung, über den Neuen Himmel und die Neue Erde, sowie über die Schöpfung auf. Ein Beitrag der motiviert, weiter zu forschen, diskutieren und sich überraschen zu lassen.
Platz 3: Der 11. September, Tsunamis und das neue Problem des Bösen
Wie kann ein guter Gott Leid zulassen…
Der Fels des Atheismus. Wright geht von einer ganz anderen Seite heran. Er sieht die bisherige Diskussion als zu stark von „falschen“ Denkrahmen geprägt.
Seine Antwort, oder sein Antwortversuch, geht eine andere Richtung. Wright antwortet mit dem Kreuz. Irgendwie erinnert es mich an Moltmanns „Der gekreuzigte Gott„, aber nur irgendwie. Das Kapitel lohnt es sich zu lesen!

Zu den anderen Kapiteln möchte ich nicht viel schreiben. Ein Bild kann sich jeder Leser selbst von ihnen machen.

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Zitat der Woche: Bibelkritik

book-283248_1920Meine hochgeschätzten Freunde, die N.T. Wright nicht so schätzen, bitte ich um Nachsicht. Wieder ist ein Zitat der Woche von ihm. Diesmal zum Thema Bibelkritik.

Im Gegensatz zur landläufigen Annahme handelt es sich bei der modernen Bibelkritik um keine neutrale, objektive Forschung. Vom ersten Moment an bestand die treibende Kraft dahinter nicht in dem Wunsch zu verstehen, sondern im Wunsch zu reduzieren, darin, die Bibel in die Form zu pressen, die ihr von der dominierenden aufgeklärten Weltanschauung zugestanden wurde. Das Problem ist, dass sogar die konserativen Forscher, die die Bibel gegen diese Art von Angriffen verteidigen wollen, das ebenfalls auf dem Hintergrund desselben geteilten Weltbildes tun. So verteidigen sie die Wunder und Gottes Handeln in der Welt auf eine Weise, dass man beihnahe an eine Invasion denken muss – an einen Gott, der normalerweise außerhalb der Prozesse der geschaffenen Ordnung steht und nun eingreift, etwas aus seiner Trickkiste zaubert und dann wieder verschwindet. Doch diese Vorstellung hat nur sehr wenig mit dem Gott der Bibel zu tun.

N.T. Wright, Überrascht von der Bibel, S. 180-181.

Dieser Beitrag basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir vom Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

Semignostizismus

In seinem Buch „Überrascht von der Bibel“ beschreibt N.T. Wright was er heute unter einem Semignostizismus versteht:

Unser Problem besteht darin, dass wir ein fundamental falsches Verständnis des Begriffes Reich Gottes haben. Wir glauben, damit sei ein Ort gemeint, wohin Gottes Leute nach ihrem Tod gehen, verstehen darunter aber nicht die Herrschaft des Himmels, also dass Gott über die Erde regiert. Dies hat dazu geführt, dass über Jahrhunderte gedacht wurde, beim Christenum ginge es schlichtweg darum, „Nach dem Tod in den Himmel zu kommen“. Das wiederrum bewerkte, dass die Gemeinde, ofgt gerade die sehr fromme Gemeinde, ohne es zu merken in einer Form des Semignostizismus verharrte, indem sie die gegenwärtige Welt als grundlegend schlecht betrachtete und das Ziel der Erlösung darin sah, aus der Welt zu entkommen.

Weitere Ausführungen zum Theam Reicht Gottes sind meinerseits hier zu finden.

Neuerscheinung: Überrascht von der Bibel

Brandneu: Das neue Buch von N.T. Wright „Überrascht von der Bibel„.
Erschienen im Francke-Verlag.
Ich bin schon darauf gespannt und werde bestimmt eine Besprechung des Buches hier veröffentlichen.

Verlagstext:

In diesem Buch gibt der renommierte Neutestamentler N. T. Wright herausfordernde Einsichten in die Bibel und klärt so manches Missverständnis auf, dem unsere christlichen Gemeinden unterliegen.

Soll der Glaube öffentlich gelebt werden? Was sagt die Bibel zu Frauen in der Gemeindeleitung? Kann ein Naturwissenschaftler an die Auferstehung glauben? Wie bricht Gottes Reich auf der Erde an? Welchen Stellenwert hat die Schöpfung? Sind die alten Götzen wirklich tot? Was passiert am Ende der Zeit?

Diesen und anderen brisanten Themen geht der Autor auf inspirierende, ermutigende und nicht zuletzt überraschende Weise nach.