Die Jungfrauengeburt bei N.T. Wright

the-annunciation-1125149_1920Die Jungfrauengeburt ist ein Ärgernis für viele Menschen.
Sie widerspricht dem Denkrahmen des Rationalismus und innerhalb von diesem Rahmen bewegen sich die meisten Anfragen. Der anglikanische Theologe N.T. Wright schreibt dazu:

Let’s begin with the obvious point. The story makes it clear that Jesus was conceived in Mary’s womb before she had had any sexual relations. Many people today find this impossible to believe, but they often think that this difficulty has only arisen in modern times, because of all we now know about the precise mechanics of conception and birth. Not so. The ancient world didn’t know about X chromosomes and Y chromosomes, but they knew as well as we do that babies were the result of sexual intercourse, and that people who claimed to be pregnant by other means might well be covering up a moral and social offence. […]
They are simply reporting that Jesus did not have a father in the ordinary way, and that this was because Mary had been given special grace to be the mother of God’s incarnate self.[…]
Perhaps some of the fuss and bother about whether Mary could have conceived Jesus without a human father is because, deep down, we don’t want to think that there might be a king who could claim this sort of absolute allegiance?

Zitat der Woche: Vergebung

Gerade weil Vergebung Vergebung ist und nicht einfach nur Toleranz, muss sie mit einer unmissverständlichen Ablehnung gegenüber jeglicher Form von Sünde einhergehen, ganz gleich, ob es sich nun um Gewalt handelt oder um Vorurteile oder Boshaftigkeiten, egal, ob es sich nun um Stolz handelt oder Gier oder Lust oder irgendetwas anderes von den Dingen, die Gottes gute und schöne Schöpfung entstellt und korrumpieren.

N.T. Wright in Überrascht von der Bibel

Buchbesprechung: Überrascht von der Bibel

1463054058-342824Vorab: Mein Verhältnis zu N.T. Wright ist nicht ganz einfach. Auf der einen Seite habe ich die letzten Jahre sämtliche Bücher, Artikel und Kommentare, ganz oder teilweise von ihm gelesen. Gleichzeitig gehöre ich zu dennen, die einige Aspekte seiner Theologie kritisch hinterfragen und einige seiner Thesen (z.B. die NPP) in weiten Teilen ablehnen.
Trotz all dessen muss ich bekennen, dass seine Bücher mich immer wieder faszinieren. Der Grund ist, dass Wright es schafft Denkmodelle, die in der modernen Bibelwissenschaft unreflektiert vorausgesetzt werden, begründet zu hinterfragen, traditionelle Ansichten auf ihre „Bibelfestigkeit“ prüft und mich als Evangelikalen theologisch herausfordert und zum Nachdenken anregt.
Aber genug der Vorbemerkungen! Das Buch ruft, wir wollen sehen wie Wright von der Bibel überrascht wurde!

Wer sich ein homogenes Buch gewünscht hat, der wird enttäuscht.
Wright hat nicht den Anspruch ein einheitliches Buch vorzulegen. Es ist vielmehr die Sammlung verschiedener Aufsätze. Teilweise überschneiden sich die Themen, aber nur teilweise.
Wright beginnt mit Themen über Wissenschaft, Schöpfung und dem historischen Adam. Er kommt auf das Thema der Frauenordination zu sprechen, auf Fragen der Endzeit, auf das Böse in der Welt und auf die Zeitepoche der Moderne. Jedes dieser Themen behandelt er einzeln.
Da alle Kapitel in sich selbst geschlossen sind, ist die Bewertung auch davon abhängig.
Ich möchte drei Kapitel hervorheben, die ich als am lesenswertesten kennzeichnen möchte.

Platz 1: Wie die Bibel die moderne Welt versteht
Hier schafft Wright es, die Denkrichtung, die seit der Aufklärung unsere Gesellschaft, aber auch die Apolegetik prägt im Epikurismus zu verorten und zu „entschleiern“. Er schafft es auf eine großartige Weise die negative Abhängigkeit mit ihren Vorentscheidungen einem vor Augen zu führen (siehe auch diesen Beitrag).
Platz 2: Jesus kommt wieder – pflanze einen Baum!
Endzeit! Ein Reizthema. Ein Thema voller Spekulationen.
Man muss in diesem Kapitel nicht in allen Punkten mit Wright einig sein.
Lesenswert bleibt es alle male. Er zeigt viele nachdenkenswerte Ansichten zum Thema Entrückung, über den Neuen Himmel und die Neue Erde, sowie über die Schöpfung auf. Ein Beitrag der motiviert, weiter zu forschen, diskutieren und sich überraschen zu lassen.
Platz 3: Der 11. September, Tsunamis und das neue Problem des Bösen
Wie kann ein guter Gott Leid zulassen…
Der Fels des Atheismus. Wright geht von einer ganz anderen Seite heran. Er sieht die bisherige Diskussion als zu stark von „falschen“ Denkrahmen geprägt.
Seine Antwort, oder sein Antwortversuch, geht eine andere Richtung. Wright antwortet mit dem Kreuz. Irgendwie erinnert es mich an Moltmanns „Der gekreuzigte Gott„, aber nur irgendwie. Das Kapitel lohnt es sich zu lesen!

Zu den anderen Kapiteln möchte ich nicht viel schreiben. Ein Bild kann sich jeder Leser selbst von ihnen machen.

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Zitat der Woche: Bibelkritik

book-283248_1920Meine hochgeschätzten Freunde, die N.T. Wright nicht so schätzen, bitte ich um Nachsicht. Wieder ist ein Zitat der Woche von ihm. Diesmal zum Thema Bibelkritik.

Im Gegensatz zur landläufigen Annahme handelt es sich bei der modernen Bibelkritik um keine neutrale, objektive Forschung. Vom ersten Moment an bestand die treibende Kraft dahinter nicht in dem Wunsch zu verstehen, sondern im Wunsch zu reduzieren, darin, die Bibel in die Form zu pressen, die ihr von der dominierenden aufgeklärten Weltanschauung zugestanden wurde. Das Problem ist, dass sogar die konserativen Forscher, die die Bibel gegen diese Art von Angriffen verteidigen wollen, das ebenfalls auf dem Hintergrund desselben geteilten Weltbildes tun. So verteidigen sie die Wunder und Gottes Handeln in der Welt auf eine Weise, dass man beihnahe an eine Invasion denken muss – an einen Gott, der normalerweise außerhalb der Prozesse der geschaffenen Ordnung steht und nun eingreift, etwas aus seiner Trickkiste zaubert und dann wieder verschwindet. Doch diese Vorstellung hat nur sehr wenig mit dem Gott der Bibel zu tun.

N.T. Wright, Überrascht von der Bibel, S. 180-181.

Dieser Beitrag basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir vom Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

Semignostizismus

In seinem Buch „Überrascht von der Bibel“ beschreibt N.T. Wright was er heute unter einem Semignostizismus versteht:

Unser Problem besteht darin, dass wir ein fundamental falsches Verständnis des Begriffes Reich Gottes haben. Wir glauben, damit sei ein Ort gemeint, wohin Gottes Leute nach ihrem Tod gehen, verstehen darunter aber nicht die Herrschaft des Himmels, also dass Gott über die Erde regiert. Dies hat dazu geführt, dass über Jahrhunderte gedacht wurde, beim Christenum ginge es schlichtweg darum, „Nach dem Tod in den Himmel zu kommen“. Das wiederrum bewerkte, dass die Gemeinde, ofgt gerade die sehr fromme Gemeinde, ohne es zu merken in einer Form des Semignostizismus verharrte, indem sie die gegenwärtige Welt als grundlegend schlecht betrachtete und das Ziel der Erlösung darin sah, aus der Welt zu entkommen.

Weitere Ausführungen zum Theam Reicht Gottes sind meinerseits hier zu finden.

Neuerscheinung: Überrascht von der Bibel

Brandneu: Das neue Buch von N.T. Wright „Überrascht von der Bibel„.
Erschienen im Francke-Verlag.
Ich bin schon darauf gespannt und werde bestimmt eine Besprechung des Buches hier veröffentlichen.

Verlagstext:

In diesem Buch gibt der renommierte Neutestamentler N. T. Wright herausfordernde Einsichten in die Bibel und klärt so manches Missverständnis auf, dem unsere christlichen Gemeinden unterliegen.

Soll der Glaube öffentlich gelebt werden? Was sagt die Bibel zu Frauen in der Gemeindeleitung? Kann ein Naturwissenschaftler an die Auferstehung glauben? Wie bricht Gottes Reich auf der Erde an? Welchen Stellenwert hat die Schöpfung? Sind die alten Götzen wirklich tot? Was passiert am Ende der Zeit?

Diesen und anderen brisanten Themen geht der Autor auf inspirierende, ermutigende und nicht zuletzt überraschende Weise nach.

Die Neue-Paulus-Perspektive

Es ist, meiner Wahrnehmung nach, ruhiger geworden in der Diskussion um die „Neue-Paulus-Perspektive“. Wrights magnum opus ist vor einiger Zeit bereits erschienen, wurde diskutiert (z.B. hier) und sehr unterschiedlich aufgenommen.
Auch wenn ich nicht zu den Befürwortern dieser „neuen“ Sicht über Paulus gehöre, möchte ich dennoch auf einen Artikel vom Logos-Blog hierzu verweisen.

In diesem Artikel geht es darum, was neu an der „Neuen-Paulus-Perspektive“ ist:
1. Eine neue Sicht über das Judentum

The major point in [Martin Luther’s] interpretation of Paul concerns Paul’s phrase ‘not by works of the law.’ In this view, when Paul says that justification is not by ‘works of the law,’ he is attacking works righteousness; he is attacking the view that he perceives in Judaism that you earn right standing before God by obeying the ot law with all its detail, [thus] establishing your own righteousness. And Paul is rejecting all of that in favor of the grace that’s given to us in the Lord Jesus Christ. […] [The NPP has] not just been a scholarly discussion, it’s also been a discussion about Christian ministry and the presentation of the gospel, because the New Perspective on Paul raises some key questions: If the Reformers were wrong about Paul, have we been presenting the gospel incorrectly when we’ve preached and taught it on the basis of trajectories of interpretations that stemmed from them? Or alternatively, if the Reformers were actually right, and it’s scholars in the New Perspective who are wrong about Paul, are these contemporary scholars actually in some way corrupting the gospel and leading us to preach and teach incorrectly?

And so we have a key question: Does the New Perspective on Paul lead to fresh and faithful expressions of the gospel or does it lead to false and faithless expressions of something that is less than the gospel?

2. Ein neuen Blick auf das Gesetz

James D.G. Dunn argued that the ‘works of the law’ are . . . in particular those aspects of the Jewish law that serve to mark the boundaries between Jews and Gentiles: . . . circumcision, the observance of the food laws, and the observance of Sabbath. . . . Paul is objecting to the insistence that it’s necessary to become Jewish in order to be righteous before God. When he writes these key texts, what he is objecting to is the attempt to impose Jewish law observance and the Jewish way of life on his Gentile converts. Paul is saying that these key markers of Jewish identity and key markers of the boundary between them and the Gentiles mustn’t be imposed on Gentile followers of Jesus as a precondition for those Gentiles to receive God’s grace in Christ.

3. Ein neues Rechtfertigungsverständnis

[…]n fact, NPP scholars argue that you can search through Paul’s writings all day and never find an instance where Paul explicitly states that Christ’s righteousness is transferred to the believer.[…]
Wright also emphasizes that there is both a present and future aspect of justification. God issues his verdict concerning the believer in the present on the basis of faith and faith alone. But he also will declare that verdict in the future, when God raises believers from the dead. As Wright explains in his book Justification, “The present verdict gives the assurance that the future verdict will match it, the Spirit gives the power through which that future verdict, when given, will be seen to be in accordance with the life that the believer has then lived.”

Here’s Chester summarizing Wright’s point in the above passage:

In other words, what justification does is . . . bring forward God’s final verdict; the believer is justified in the present on the basis of Christ’s saving work, is declared to be part of God’s people, and then as part of God’s people, through the empowering of the Holy Spirit, the believer will live a life more and more in accordance with the justification that’s being given, so that through the power of the Spirit, the future verdict comes to match the verdict in the present; the verdict that somebody is justified, that somebody is a member of God’s people and that, therefore, their sins are forgiven.

Zitat der Woche: Bultmannsche Konstruktionen

Wright schreibt in seinem Buch „Die Auferstehung des Sohnes Gottes“ über Bultmanns Theorie, wie sich der Osterglaube entwickelt haben sollte:

Es ist wie bei vielen anderen bultmannschen Konstruktionen: Die Abfolge von Schachzügen, die erforderlich sind, um die Hypothese zu unterstützen, verlangt nach viel mehr historischer Vorstellungskraft als die Sache, die Bultmann zu umgehen versucht.

N.T. Wright – deutsch

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Unter http://www.ntwright.info/ gibt es einen „neuen“ Website-Auftritt über N.T. Wright auf deutsch.
Hier finden sich sämtliche Artikel von ihm, aber auch über ihn, die Auflistung seiner (deutschen) Bücher, sowie Videos und biographische Informationen.
Es ist nicht so, dass hier nur pro-Wright geschrieben wird – auch der Aufsatz von Jacob Thiessen, welcher sich kritisch mit der neuen-Paulus-Perspektive auseinandersetzt ist dort zu finden.

EndZeit – weitere Überlegungen

Erst kürzlich habe ich den Artikel „Das Ende der Endzeit…“ veröffentlicht.
Darin schrieb ich u.a.
Bis dahin war deutlich, es gibt etwas, was der Wiederkunft Christi noch im Weg steht. Bis 70n.Chr.
Danach ist das “alles” geschehen. Von diesem Zeitpunkt an, kann Jesus jederzeit wiederkommen. D.h. es sind keine weiteren “Gog – Magog” Zeichen für Jesu Wiederkunft nötig, nicht einmal das Erstarken der EU.

Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist m.E. der Text in 2.Thessalonicher 2, 1-12. Gemäß Carson und Moo wurde der Brief Ende 50/ Anfang 51n.Chr. verfasst.
Hier schreibt Paulus davon, dass bevor die Ankunft des Herrn geschehen wird, der Mensch der Bosheit auftreten muss und sich in den Tempel Gottes setzten wird, Anbetung verlangen wird und schlussendlich von Christus, am Tag seiner Ankunft (vgl. Parallele zu 1Thes 4) beseitigt wird.
Bedeutet dies, dass es vor der Wiederkunft Christi einen Antichristen geben wird, der sich in den 3.Tempel in Jerusalem setzen wird? Muss also erst wieder der Tempel aufgebaut werden, bevor Jesus wiederkommen kann?
War zu der Zeit der Abfassung des 2Thes die Voraussetzung für die Wiederkunft Christi, dass zuerst der Tempel zerstört wird und dann im wiederaufgebauten Tempel der Antichrist sich hineinsetzen wird?

Wenn wir 1Thes 4-5 und 2Thes 2 als selbiges Ereignis sehen, wofür die Wortwahl m.E. gute Argumente liefert, wie die Oben genannte Deutung in gewisser Maßen zu hinterfragen, oder ergänzen sein. Das 1Thes 4 von der Auferstehung der Toten und dem Entgegengehen zu Christus, bei seiner Ankunft, spricht, dürfte unumstritten sein.
Auch 2.Thes 2 spricht von der Ankunft Christi, bei dem er die Person, welche sich in den Tempel anbetungsfordernd setzte, beseitigen wird. Interessant ist die Frage inwiefern 2Thes 2 mit Offb 19,11ff in Verbindung zu sehen ist.

Ich möchte zwei Positionen zu der Auslegung von 2Thes 2 zitieren. Zuerst Gerhard Friedrich (NTD-Kommentar) und anschließen N.T. Wright (Paul for Everyone).

Wie er andeutet, geht es ihm um das Kommen Christi und um die Vereinigung der Christen mit ihm, wovon Paulus bereits 1.Thess. 4,15-17 gesprochen hat. […] es liegt ihm daran zu zeigen, daß diesem Geschehen bestimmte Ereignisse vorausgehen müssen. […]
In der Gemeinde von Thessalonich hatten einige Glieder die Ansicht verbreitet, die Zeit für den Tag des Herrn sei da, dieser stehe nun unmittelbar bevor. […] In Tessalonich scheint sich etwas Ähnliches ereignet zu haben wie später in Pontus. Wie Hippolyt (Daniel-Kommentar 4,19) berichtet, hat dort ein Vorsteher der Gemeinde wie ein Prophet das Eintreten des Gerichts in Jahresfrist verkündet. Als die Gemeindeglieder hörten, daß der Tag des Herrn unmittelbar bevorsteht, erfaßte sie Furcht vor dem Gericht und Verzagtheit. Sie fingen an zu weinen und zu klagen, gaben das Arbeiten auf, ließen ihre Äcker unbestellt liegen und verkauften ihr Eigentum […]
[Es] tritt der Schreiber des zweiten Thessalonicherbriefes Schwärmern entgegen […].
Diesen wird gesagt, daß der letzten Zeit die vorletzte Zeit vorausgeht, die noch nicht eingetreten ist. Die Haltung des Christen ist weder eschatologisches Desinteresse noch fanatischer Endzeitglaube. […]
[Es werden] dem Ende zwei Ereignisse vorausgehen, an denen man erkennen kann, was die Weltenuhr geschlagen hat: Der große Abfall und das Erscheinen des mächtigen Verführers. Dieses letzte Stadium vor dem Ende ist noch nicht erreicht, weil beides noch nicht eingetreten ist. […]
Wie Antiochus Epiphanes IV. die Juden zum Abfall verleitete, so wird es unmittelbar vor dem Ende ein übermächtiger Mensch tun, den man später den Antichristen genannt hat, der aber 2.Thess. 2 diesen Titel nicht trägt. […]
Wenn von dem Menschen der Gesetzlosigkeit und dem Sohn des Verderbens, dem Wiedersacher Gottes, gesagt wird, daß er sich in den Tempel Gottes setzt, so ist mit Tempel Gottes weder an das Heiligtum in Jersualem noch an eine heidnische Kultstätte, weder an einen Platz im Himmel noch an die christliche Gemeinde gedacht […] sondern mit traditionellen Bildern und Formulierungen wird ausgedrückt, daß der große Frevler vor aller Welt demonstriert, er verdränge Gott und setzt sich selbst in den Tempel und nimmt den Platz Gottes ein. […]
Wenn Christus erscheint braut er, um ihn zu vernichten, weder ein großes Kriegsheer noch starke Engelscharen einzusetzen. Ein Hauch seines Mundes genügt, um den ganzen Spuk zu beseitigen.

Eine, dieser Ansicht entgegengesetzte, Auffassung finden wir bei N.T. Wright, welcher diese Passage auf 70n.Chr auslegt.

Paul does not suppose that these events are the final ones. If ‘the day of the Lord’ meant ‘the end of the world’, the Thessalonians would not need to be informed of such an event by letter! The Old Testament prophets used ‘the day of the Lord’ to refer to catastrophes that befell Jerusalem within continuing history.[…] Shortly before Paul began his missionary journeys, there had been a major crisis in the Middle East. The Roman emperor Gaius Caligula, convinced of his own divinity, and angry with the Jews over various matters, ordered a huge statue of himself to be placed in the Temple in Jerusalem. Massive Jewish protests at all levels, and the anxious advice of his officers on the spot, failed to dissuade him from this provocative project. Only Gaius’s sudden murder in the January of ad 41 prevented a major disaster. The Roman-Jewish war of 66–73 might easily have begun 25 years earlier.
It looks as though Paul, aware of what had nearly happened, envisaged that sooner or later some other megalomaniac would have the same idea. He speaks of a ‘man of lawlessness’, who elevates himself to a position of divinity, exactly as the Roman emperors were beginning to do. Paul saw this danger on the horizon, and knew that such idolatry would conflict disastrously with the true God and his Temple in Jerusalem. Had Paul lived until ad 70 he would have recognized the initial fulfilment of his words in this passage. Evil must reach its height, and then meet sudden doom. The Roman empire itself would go through unimaginable convulsions: the death of four emperors in quick succession during 68 and 69, followed by the destruction of the Jerusalem Temple, would certainly qualify, in Old Testament terms, for the title ‘the day of the Lord’.
[…] What is clear, though, is Paul’s firm belief that a time was coming in which God’s judgment on the idolatrous world, and its blasphemous leaders, would be unveiled. Through this lens he sees, too, events further off, the final personal presence (the ‘parousia’) of Jesus, who will destroy all evil and put God’s just and truthful judgment into effect against those who had been taken in by lies great and small.
In particular, God will judge, during history and finally at the end of history itself, the imperial systems that put themselves in his place. There have been enough of these in our own recent past for us to see something of the way they operate, the deceits they weave, and the way in which people get caught up in the web of their lies. What Paul would have us urgently grasp is the fact that God remains sovereign over all, and will one day put all wrongs to rights, and bring all human empires under the rule and judgment of his own saving kingdom.

Beide Positionen haben eine gewisse Plausibilität. Wir dürfen es uns hier nicht zu einfache machen. Die Eschatologie ist vielschichtig und nicht mit schwarz oder weiß festzunageln.
Ich persönlich halte, aufgrund der m.E. nach starken Parallelen zwischen 1Thes 4 und 2Thes 2 die erste Position im Gesamten momentan für plausibler.
Die Frage wie sich dies im gesamtbiblischen Kontext einfügt darf man sich stellen und lädt ein zu weiteren Nachforschungen.

Matthew Hosier über N.T. Wright

Auf dem Blog von Think Theology geht Matthew Hosier auf N.T. Wrights Rechtfertigungslehre ein. Der vollständige Beitrag ist hier zu finden.
Ich möchte einen Teil davon als Diskussionsbeitrag teilen.
Ich sehe hierin die Möglichkeit weitere Vertiefungen zu diesem spannenden Thema zu finden, Stärken und Schwächen zu diskutieren und in einem Dialog zu bleiben.

As the debate over this heated up, with heavyweight New Testament scholars taking lumps out of each other, I felt increasingly out of my depth. But over the past couple of years, as I’ve gone about my normal reading through the Bible, I’ve jotted down verses that suggest imputing, imparting, bequeathing, conveying, or otherwise transferring, in a way that imply Wright was perhaps missing something. I tend to spot one I’ve previously missed every few months. Here is my collection so far:

Ex. 29:37 Seven days you shall make atonement for the altar and consecrate it, and the altar shall be most holy. Whatever touches the altar shall become holy.

Ex. 30:29 You shall consecrate them, that they may be most holy. Whatever touches them will become holy.

Lev.6:27 Whatever touches its flesh shall be holy, and when any of its blood is splashed on a garment, you shall wash that on which it was splashed in a holy place.

Num. 11:25 Then the Lord came down in the cloud and spoke to him, and took some of the Spirit that was on him and put it on the seventy elders. And as soon as the Spirit rested on them, they prophesied. But they did not continue doing it.

Ez. 44:19 And when they go out into the outer court to the people, they shall put off the garments in which they have been ministering and lay them in the holy chambers. And they shall put on other garments, lest they transmit holiness to the people with their garments.

Ez. 46:20 And he said to me, “This is the place where the priests shall boil the guilt offering and the sin offering, and where they shall bake the grain offering, in order not to bring them out into the outer court and so transmit holiness to the people.”

Hag. 2:12-13 ‘If someone carries holy meat in the fold of his garment and touches with his fold bread or stew or wine or oil or any kind of food, does it become holy?’” The priests answered and said, “No.” Then Haggai said, “If someone who is unclean by contact with a dead body touches any of these, does it become unclean?” The priests answered and said, “It does become unclean.”

The idea that holiness (or unclean-ness) are in some way objects or substances that can be transferred between people or things seems odd to the modern mind; but for the apostle Paul, steeped as he was in the mind of the Law and the Prophets, it probably didn’t seem odd at all. Is it not likely this shaped the way he understood justification? I might be missing something, but I wonder if Wright did, too.

N.T. Wright – 70% bei Logos

Bei Logos gibt es bis zum 14.04.16 sämtliche Werke von N.T. Wright 70 % reduziert.
Ich persönlich finde Wright spannend zu lesen, auch wenn ich in einigen Punkten einer deutlich anderen Meinung bin (z.B. in der NPP oder im Reich Gottes-Verständnis). Trotz dieser Unterschiede wehre ich mich gegen den Häresie-Vorwurf gegen ihn.
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Die Auferstehung des Sohnes Gottes

81470_nt_wright_die_auferstehung_des_sohnes_gottesZur Zeit lese ich u.a. das Buch von N.T. Wright Die Auferstehung des Sohnes Gottes.
Einige interessante Passagen möchte ich euch nicht vorenthalten. Im Bezug auf Paulus und die Auferstehung schreibt Wright Folgendes:

Die „gute Nachricht“, die Paulus im Sinn hat, ist die Verkündigung Jesu, des davidischen Messias Israels, als des auferstandenen Herrn der Welt. […]Der Punkt, um den es hierbei für unsere Zwecke geht, lautet: Jesus wird aufgrund seiner Auferstehung als derjenige gesehen, der er ist – mit all der Bedeutung die Paulus dieser Identifizierung beilegen wird.
[…]
Jeder, der irgendetwas über Messiase wusste, wusste, dass ein Messias, der von den Heiden gekreuzigt worden war, ein gescheiterter Messias war, eine Täuschung. […] Doch niemand, nicht einmal seine engste Freunde und Mitarbeiter, hätten in ihren kühnsten Träumen gesagt, er sei trotz allem der Messias, bis nach seinem gewaltsamen und schmachvollen Tod etwas anderes passiert war, das sie veranlasste, dies zu denken […] Wenn wir jedoch beides zusammenbringen [Auferstehung und Jesu Leben, Taten und Lehren – Anmerkung J.T.] – was die frühen Christen taten, inklusive Paulus kurz vor seiner Bekehrung – ist das Ergebnis klar.
[…]
Es ist unmöglich, dass irgendetwas außer der Auferstehung in dem Sinne, den der Begriff sowohl im antiken Heidentum als auch im Judentum zur Zeit des zweiten Tempels hatte, diese Wirkung haben konnte. […]
Innerhalb von Paulus‘ Welt ist kein anderer verfügbarer Referenzpunkt außer der körperlichen Auferstehung vorstellbar […]