Eine neue Einleitung in das NT

Armin Baum, Professor an der FTH Gießen, hat den ersten Band einer Einleitung in das Neue Testament geschrieben.
Diese erscheint bei der TVG und ist ab dem 15. November 17 erhältlich.

Der Verlag schreibt:
In seiner umfangreichen historischen und literarischen Einleitung in die Evangelien und die Apostelgeschichte behandelt Armin Baum die klassischen Fragen der neutestamentlichen Einleitungswissenschaft. Neben der Sprache, dem Erzählstil, der Verfasserschaft, den Gattungen, der synoptischen Frage und der Entstehungszeit werden auch textkritische Besonderheiten und kanontheologische Problemen analysiert.

Der Autor ist überzeugt, dass die neutestamentlichen Erzählbücher zur antiken Geschichtsschreibung gehören und dabei einen überwiegend alttestamentlich-jüdischen Charakter aufweisen. Die vier kanonischen Evangelien sind im Kontext einer antiken Gedächtniskultur entstanden, in der menschliches Erinnerungsvermögen und mündliche Überlieferung eine dominierende Rolle spielten. Bei der Beurteilung der Historizität der neutestamentlichen Geschichtsbücher ist vom antiken Konzept historischer Authentizität auszugehen, das sich nicht am Wortlaut, sondern am Inhalt orientierte. Continue reading „Eine neue Einleitung in das NT“

„Gräuel der Verwüstung“

In den sogenannten Endzeitreden Jesu, welche in den synoptischen Evangelien wiedergegeben sind, kommt das (oder der) Gräuel der Verwüstung (oder der Entweihung) vor.
Die Frage stellt sich wer oder was damit gemeint sein könnte.
Ich möchte 4 (streng genommen 3,5) Alternativen vorstellen (Auf den Ursprung des Begriffs im Daniel möchte ich hier nicht eingehen).

1. Die Entweihung eines endzeitlichen Tempels durch den Antichristen
Diese Sichtweise wird im Dispensationalismus vertreten.
So sieht z.B. Fruchtenbaum darin den Antichristen, der in der „zweiten Hälfte der Türbsal“ sich im Allerheiligsten des (neu errichteten) jüdischen Tempel niederlässt und sich selbst zum Gott erklärt. Danach, so Fruchtenbaum, wird sein Standbild im Allerheiligsten des Tempels aufgestellt.

2. Die Zerstörung des Tempels durch die Römer
Die Römer zerstörten 70n.Chr. den Tempel. Dabei haben sie auch ihre Standarten dabei. Nach dieser Auslegung, ist die Zerstörung und/oder die götzenartige Standarten, das Gräuel der Verwüstung/Entweihung. Der Tempel, samt dem Allerheiligesten wurde von den Römern betreten, somit entweiht und anschließend in Flammen gesetzt und zerstört.
Wie die Nachfolger Jesu, nach diesen Ereignissen noch fliehen sollten (konnten) bleibt offen.

3. Die Entweihung des Tempels während des Aufstandes der Zeloten
Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet davon, wie die Zeloten, nach ihrer Einnahme von Jerusalem, selbst einen eigenen „Hohepriester“ im Tempel einsetzten. Dieser durfte schon aufgrund der Abstammung nicht Hohepriester werden (Handlung gegen das mosaische Gesetz) und hatte nicht die Kenntnis wie er im Heiligtum sich zu verhalten hatte. Dazu wurde im Tempel, von den Zeloten, ca. 8500 Menschen umgebracht, der Hohepriester wurde erstochen und über die Mauer herabgeworfen. Dies alles war für die jüdische Bevölkerung ein ungeheuerlicher Frevel an dem Tempel.
Tatsächlich flohen die Christen der Stadt, kurz nach diesem Ereignis, nach Pella, aufgrund der Angaben in der „Endzeitrede“ Jesu und wurden so vor der Zerstörung Jerusalems, die 70n.Chr. geschah, bewahrt.

4. Die Kombination von 1 und 2
Manche Kommentatoren (z.B. Bayer HTA) schlagen vor, dass diese Aussage in der „Endzeitrede“ proleptisch in der Zerstörung des Tempels antizipiert wurde. Endgültig werde diese Prophezeiung sich durch die Anmaßung des Antichristen, unter den Jüngern Jesu, welche ein kollektiver Tempel seien, erfüllt werden, wenn dieser die Stellung Gottes einnehmen wollen wird.
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Paulus und das Gewissen

compass-1795451_1280Wer in der heutigen Zeit vom Gewissen spricht, der kennt das schlechte Gewissen, dass er hat wenn er scheinbar etwas Böses tat. Doch ist das Gewissen eine Fähigkeit Gutes und Böses zu unterscheiden?
Folgende Ausführungen habe ich bei Baltes gefunden:

Für ihn [Paulus] ist das Gewissen keine unabhängige moralische Instanz, sondern eher so etwas wie ein „innerer Kompass“, der dem Menschen hilft, sich an Gottes Geboten auszurichten. Die Maßstäbe für Gut und Böse werden also nicht vom Gewissen selbst gesetzt, sondern sie sind außerhalb des Menschen vorgegeben. Das Gewissen hilft dem Menschen dabei, sein eigenes Verhalten an diesen Maßstäben zu messen und zu beurteilen.
[…]
Der Kompass ist aber nicht dafür da, die Richtung vorzugeben. Sondern er richtet sich nach einem Nordpol, der außerhalb seiner selbst ist. Ein gut funktionierender Kompass weist daher in die richtige Richtung, aber er bestimmt sie nicht.

Zitat der Woche: Messiasleiden & Gottesentfremdung

cross-1375765_1920Hans F. Beyer schreibt in seinem Markus-Kommentar (HTA) zu den Vorkommnissen nach dem sog. Petrusbekenntnis, als Petrus Jesus das Kreuz ausreden wollte, Folgendes:

Dies bedeutet, dass die populäre Messiaserwartung längst den sicheren Boden göttlicher Vorsehung und Prophetie verlassen hat, indem sie sich auf wenige atl. Aussagen einschränkt und politische Erwartung (z.T. aufgrund der Makkabäerzeit) viel zu stark in den Vordergrund schiebt. Sie setzt sich dabei vor allem über das fundamentale Problem der Entfremdung von Gott leichtgläubig und oberflächlich hinweg. […]
Jegliche Religion oder Lebensphilosophie, die diese Wurzelprobleme der grundsätzlichen Entfremdung von Gott sowie der Macht Satans überspielt oder verharmlost […], widersetzt sich, wie im Fall des Petrus, letztendlich der Herrschaft Gottes und seinem Willen. Es geht hier also um die grundsätzliche Tatsache, dass der Mensch aus seiner eigenen idealistischen Perspektive keinen stellvertretend leidenden Messias benötigt. Nur aus der offenbarten Perspektive Gottes erkennt der Mensch seine schwerwiegende Entfremdung und Feindschaft gegen Gott […] sowie die Macht Satans; er realisiert damit, dass er auf den stellvertretenden leidenden und sodann herrschenden Messias existenziell angewiesen ist.

 

Freiheit vom Gesetz?

chain-1623322_1920In seinem Buch „Paulus – Jude mit Mission“ stellt Baltes 5 Thesen auf wie Paulus, seiner Meinung nach, die Freiheit vom Gesetz und was damit zusammenhängt, versteht.
Diese Thesen sind vielleicht nicht gerade der Mainstream und vielleicht sind diese auch gerade deshalb interessant und auf jeden Fall es wert darüber weiter nachzudenken und zu diskutieren:

  1. Für Paulus macht der Glaube an Jesus nicht „frei vom Gesetz“.
  2. Paulus selbst hat sich zeitlebens streng an das jüdische Gesetz gehalten.
  3. Juden, die  an Jesus glauben, sollen weiterhin das Gesetz einhalten.
  4. Nichtjuden, die an Jesus glauben, sollen sich nicht an das Gesetz halten.
  5. Juden sollen Juden bleiben und Nichtjuden sollen Nichtjuden bleiben.

Weihnachten und die Stammbäume Jesu

question-mark-1872665_1920Wer Matthäus und Lukas liest, der kann leicht irritiert werden, wenn er die beiden Stammbäume von Jesus vergleicht. Beide haben bekanntlich deutliche Unterschiede.
Haben wir hier einfach einen „ganz normalen Widerspruch“ in der Bibel? Hat einer der beiden Verfasser schlecht recherchiert, oder wollte Lukas, das zuvor geschriebene Matthäus-Evangelium korrigieren? Ist Lukas bei seiner Recherche ein peinlicher Fehler unterlaufen, oder warum gibt es diese Unterschiede?

Grds. halte ich es bei solchen Fragen weder für hilfreich schnell von Widersprüchen zu reden, noch nicht schlüssige Harmonisierungen durchzuführen.
Als Vorbemerkung: Beide Geschlechtsregister geben nicht die vollständige Nennung aller Namen an, es bleiben hier Lücken.

Im Folgenden möchte ich einige Ausleger zu Wort Kommen lassen.

Gerhard Maier schreibt hierzu: Continue reading „Weihnachten und die Stammbäume Jesu“