Thesen zur Taufe

Aus gegebenen Anlass habe ich mein Taufverständnis thesenhaft formuliert. Hier kann es nachgelesen werden:

  1. Die christliche Taufe steht in Verbindung mit der Johannestaufe. So rief Johannes zur Umkehr auf und die ihre Sünden bekannten wurden im Jordan getauft (Mk 1, 5).
    • Jesus selbst ließ sich von Johannes taufen (u.a. Mk 1,9ff). Zu Jesu Lebzeiten tauften bereits Jesu Jünger (Joh 4,2). Von dem auferstandenen Christus erging der Taufauftrag an seine Nachfolger (Mt 28,19f).
    • Ihre letztendliche und entscheidende Verankerung hat die christliche Taufe im Heilshandeln Gottes, durch Jesus Christus. Durch dieses Geschehnis muss die Taufe letztliche interpretiert werden.
    • Der Begriff der Taufe (βαπτίζω) wird im Neuen Testament nicht ausschließlich als ein Terminus Technicus für die Wassertaufe verwendet, sondern kann metaphorisch, oder auch für Reinigungshandlungen benutzt werden (z.B. Mk 10,38, Lk 11,38).[1] Oft zeigt eine Formel (auf den Namen, im Namen) denn Zusammenhang von βαπτίζω mit der Wassertaufe an.[2]
    • Die Bibel kennt auch eine Taufe mit Heiligen Geist (Lk 3,16). Eine Gleichsetzung von der Taufe in Wasser und der Taufe in Geist ist mit Zurückhaltung zu begegnen. Continue reading „Thesen zur Taufe“

Eine neue Einleitung in das NT

Armin Baum, Professor an der FTH Gießen, hat den ersten Band einer Einleitung in das Neue Testament geschrieben.
Diese erscheint bei der TVG und ist ab dem 15. November 17 erhältlich.

Der Verlag schreibt:
In seiner umfangreichen historischen und literarischen Einleitung in die Evangelien und die Apostelgeschichte behandelt Armin Baum die klassischen Fragen der neutestamentlichen Einleitungswissenschaft. Neben der Sprache, dem Erzählstil, der Verfasserschaft, den Gattungen, der synoptischen Frage und der Entstehungszeit werden auch textkritische Besonderheiten und kanontheologische Problemen analysiert.

Der Autor ist überzeugt, dass die neutestamentlichen Erzählbücher zur antiken Geschichtsschreibung gehören und dabei einen überwiegend alttestamentlich-jüdischen Charakter aufweisen. Die vier kanonischen Evangelien sind im Kontext einer antiken Gedächtniskultur entstanden, in der menschliches Erinnerungsvermögen und mündliche Überlieferung eine dominierende Rolle spielten. Bei der Beurteilung der Historizität der neutestamentlichen Geschichtsbücher ist vom antiken Konzept historischer Authentizität auszugehen, das sich nicht am Wortlaut, sondern am Inhalt orientierte. Continue reading „Eine neue Einleitung in das NT“

„Gräuel der Verwüstung“

In den sogenannten Endzeitreden Jesu, welche in den synoptischen Evangelien wiedergegeben sind, kommt das (oder der) Gräuel der Verwüstung (oder der Entweihung) vor.
Die Frage stellt sich wer oder was damit gemeint sein könnte.
Ich möchte 4 (streng genommen 3,5) Alternativen vorstellen (Auf den Ursprung des Begriffs im Daniel möchte ich hier nicht eingehen).

1. Die Entweihung eines endzeitlichen Tempels durch den Antichristen
Diese Sichtweise wird im Dispensationalismus vertreten.
So sieht z.B. Fruchtenbaum darin den Antichristen, der in der „zweiten Hälfte der Türbsal“ sich im Allerheiligsten des (neu errichteten) jüdischen Tempel niederlässt und sich selbst zum Gott erklärt. Danach, so Fruchtenbaum, wird sein Standbild im Allerheiligsten des Tempels aufgestellt.

2. Die Zerstörung des Tempels durch die Römer
Die Römer zerstörten 70n.Chr. den Tempel. Dabei haben sie auch ihre Standarten dabei. Nach dieser Auslegung, ist die Zerstörung und/oder die götzenartige Standarten, das Gräuel der Verwüstung/Entweihung. Der Tempel, samt dem Allerheiligesten wurde von den Römern betreten, somit entweiht und anschließend in Flammen gesetzt und zerstört.
Wie die Nachfolger Jesu, nach diesen Ereignissen noch fliehen sollten (konnten) bleibt offen.

3. Die Entweihung des Tempels während des Aufstandes der Zeloten
Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet davon, wie die Zeloten, nach ihrer Einnahme von Jerusalem, selbst einen eigenen „Hohepriester“ im Tempel einsetzten. Dieser durfte schon aufgrund der Abstammung nicht Hohepriester werden (Handlung gegen das mosaische Gesetz) und hatte nicht die Kenntnis wie er im Heiligtum sich zu verhalten hatte. Dazu wurde im Tempel, von den Zeloten, ca. 8500 Menschen umgebracht, der Hohepriester wurde erstochen und über die Mauer herabgeworfen. Dies alles war für die jüdische Bevölkerung ein ungeheuerlicher Frevel an dem Tempel.
Tatsächlich flohen die Christen der Stadt, kurz nach diesem Ereignis, nach Pella, aufgrund der Angaben in der „Endzeitrede“ Jesu und wurden so vor der Zerstörung Jerusalems, die 70n.Chr. geschah, bewahrt.

4. Die Kombination von 1 und 2
Manche Kommentatoren (z.B. Bayer HTA) schlagen vor, dass diese Aussage in der „Endzeitrede“ proleptisch in der Zerstörung des Tempels antizipiert wurde. Endgültig werde diese Prophezeiung sich durch die Anmaßung des Antichristen, unter den Jüngern Jesu, welche ein kollektiver Tempel seien, erfüllt werden, wenn dieser die Stellung Gottes einnehmen wollen wird.
Continue reading „„Gräuel der Verwüstung““

Paulus und das Gewissen

compass-1795451_1280Wer in der heutigen Zeit vom Gewissen spricht, der kennt das schlechte Gewissen, dass er hat wenn er scheinbar etwas Böses tat. Doch ist das Gewissen eine Fähigkeit Gutes und Böses zu unterscheiden?
Folgende Ausführungen habe ich bei Baltes gefunden:

Für ihn [Paulus] ist das Gewissen keine unabhängige moralische Instanz, sondern eher so etwas wie ein „innerer Kompass“, der dem Menschen hilft, sich an Gottes Geboten auszurichten. Die Maßstäbe für Gut und Böse werden also nicht vom Gewissen selbst gesetzt, sondern sie sind außerhalb des Menschen vorgegeben. Das Gewissen hilft dem Menschen dabei, sein eigenes Verhalten an diesen Maßstäben zu messen und zu beurteilen.
[…]
Der Kompass ist aber nicht dafür da, die Richtung vorzugeben. Sondern er richtet sich nach einem Nordpol, der außerhalb seiner selbst ist. Ein gut funktionierender Kompass weist daher in die richtige Richtung, aber er bestimmt sie nicht.

Zitat der Woche: Messiasleiden & Gottesentfremdung

cross-1375765_1920Hans F. Beyer schreibt in seinem Markus-Kommentar (HTA) zu den Vorkommnissen nach dem sog. Petrusbekenntnis, als Petrus Jesus das Kreuz ausreden wollte, Folgendes:

Dies bedeutet, dass die populäre Messiaserwartung längst den sicheren Boden göttlicher Vorsehung und Prophetie verlassen hat, indem sie sich auf wenige atl. Aussagen einschränkt und politische Erwartung (z.T. aufgrund der Makkabäerzeit) viel zu stark in den Vordergrund schiebt. Sie setzt sich dabei vor allem über das fundamentale Problem der Entfremdung von Gott leichtgläubig und oberflächlich hinweg. […]
Jegliche Religion oder Lebensphilosophie, die diese Wurzelprobleme der grundsätzlichen Entfremdung von Gott sowie der Macht Satans überspielt oder verharmlost […], widersetzt sich, wie im Fall des Petrus, letztendlich der Herrschaft Gottes und seinem Willen. Es geht hier also um die grundsätzliche Tatsache, dass der Mensch aus seiner eigenen idealistischen Perspektive keinen stellvertretend leidenden Messias benötigt. Nur aus der offenbarten Perspektive Gottes erkennt der Mensch seine schwerwiegende Entfremdung und Feindschaft gegen Gott […] sowie die Macht Satans; er realisiert damit, dass er auf den stellvertretenden leidenden und sodann herrschenden Messias existenziell angewiesen ist.

 

Freiheit vom Gesetz?

chain-1623322_1920In seinem Buch „Paulus – Jude mit Mission“ stellt Baltes 5 Thesen auf wie Paulus, seiner Meinung nach, die Freiheit vom Gesetz und was damit zusammenhängt, versteht.
Diese Thesen sind vielleicht nicht gerade der Mainstream und vielleicht sind diese auch gerade deshalb interessant und auf jeden Fall es wert darüber weiter nachzudenken und zu diskutieren:

  1. Für Paulus macht der Glaube an Jesus nicht „frei vom Gesetz“.
  2. Paulus selbst hat sich zeitlebens streng an das jüdische Gesetz gehalten.
  3. Juden, die  an Jesus glauben, sollen weiterhin das Gesetz einhalten.
  4. Nichtjuden, die an Jesus glauben, sollen sich nicht an das Gesetz halten.
  5. Juden sollen Juden bleiben und Nichtjuden sollen Nichtjuden bleiben.

Weihnachten und die Stammbäume Jesu

question-mark-1872665_1920Wer Matthäus und Lukas liest, der kann leicht irritiert werden, wenn er die beiden Stammbäume von Jesus vergleicht. Beide haben bekanntlich deutliche Unterschiede.
Haben wir hier einfach einen „ganz normalen Widerspruch“ in der Bibel? Hat einer der beiden Verfasser schlecht recherchiert, oder wollte Lukas, das zuvor geschriebene Matthäus-Evangelium korrigieren? Ist Lukas bei seiner Recherche ein peinlicher Fehler unterlaufen, oder warum gibt es diese Unterschiede?

Grds. halte ich es bei solchen Fragen weder für hilfreich schnell von Widersprüchen zu reden, noch nicht schlüssige Harmonisierungen durchzuführen.
Als Vorbemerkung: Beide Geschlechtsregister geben nicht die vollständige Nennung aller Namen an, es bleiben hier Lücken.

Im Folgenden möchte ich einige Ausleger zu Wort Kommen lassen.

Gerhard Maier schreibt hierzu: Continue reading „Weihnachten und die Stammbäume Jesu“

Lasst mal den Stall im Haus

christmas-1010749_1280Es ist Weihnachtszeit!
Auf den Weihnachtsmärkten finden wir schöne Nachbildungen von Maria und Josef, mit Jesus in einem (europäischen) Stall.
Ich möchte dieses romantische Bild nicht zerstören.
Aber ich habe den Verdacht, dass dieses Bild mehr von unserer europäischen Kultur als von der Bibel geprägt ist.
Warum glaube ich, dass die Geburt von Jesus in einem Haus stattfand?

Hatten Maria und Joseph nicht keine Herberge (κατάλυμα) gefunden?
Diese Herbergen darf man sich allerdings nicht wie ein heutiges Hotel oder eine Jugendherberge vorstellen. Es ähnelt vielmehr dem was wir heute als ein Gästezimmer, in einem Privathaus kennen.
John Nolland schreibt in seinem WBC Kommentar dazu:
κατάλυμα is a flexible word and can denote any kind of place where one might stay, from a primitive inn (Exod 4:27; 1 Kgdms 1:18) to a guest-room of a house (cf. Luke 22:11) to a totally unspecified place where one might stay

Aber es steht doch geschrieben, dass Maria Jesus in eine Krippe gelegt hat!
Das ist auch richtig. Der Begriff der in Lukas mit Krippe übersetzt wird, meint auch ein Futtertrog für Tiere. Aber wir müssen hier beachten, dass im Israel des 1.Jhd Haus und Stall zusammengehörten. Hierfür lasse ich nochmals Nolland zu Wort kommen:
The child could not be fitted in the κατάλυμα, so he was placed in the nearby manger. On this reading it is best to think of an overcrowded Palestinian peasant home: a single-roomed home with an animal stall under the same roof (frequently to be distinguished from the family living-quarters only by the raised platform floor of the latter). The manger could  be free-standing in the stall or attached to the wall (it could also be on the floor of the living area adjacent to the stall area, but this would not fit with the exclusion of the child from the living quarters), κατάλυμα will, then, refer to the living quarters provided by a single-roomed Palestinian home in which hospitality has been extended to Mary and Joseph.

Paulus – Jude mit Mission: Resümee

Wer einen Überblick über die theologische Forschung zu Paulus lesen möchte, dass leicht verständlich, einen guten Überblick bietet und die Diskussionen und Anfragen an die jeweiligen Positionen fair und sachlich darlegt, dem sei das Buch von Baltes empfohlen.
In seinem Buch liefert er eine gute Darstellung des Lebens von Paulus, geht auf die historische Zuverlässigkeit ein und legt den Stand der Diskussion dar.
Ebenso werden die großen theologischen Fragen, wie die Neue Paulus Forschung, die Frage nach Gesetz und Ethik u.v.m. behandelt.
Sicherlich werden einige Fragen auch sehr kurz behandelt, und man darf manche Themen sicher auch kontrovers diskutieren.
Dennoch bietet dieses Buch aus meiner Sicht eine der besten, allgemeinverständlichen Einleitungen und Übersichten zu Paulus.

Leseempfehlung!

Bisherige Beiträge zu diesem Buch:
Paulus – Jude mit Mission (1)
Paulus – Jude mit Mission (2)
Hatte Schlatter doch recht?
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Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Paulus – Jude mit Mission (2)

In der aktuellen Paulusforschung ist die Frage nach der Rechtfertigung eine der umstrittenen Fragen.
Im Rahmen der neueren Forschung (ab Sanders) gab es immer wieder die These, dass die Rechtfertigungslehre ein Nebenprodukt des Paulus war, die er für seine Missionstheologie brauchte. (Hier der Hinweis noch N.T. Wright sieht sie nicht als ein Nebenprodukt.)
Auf diese Frage geht Baltes auch ein, er schreibt dazu:

In ihrer Sprache und ihren Bildern stehen Jesus und Paulus an dieser Stelle diesen jüdischen Strömungen näher als das rabbinische Judentum. Das heißt aber, dass die Frage „Rechtfertigung des Sünders“ für das Judentum des ersten Jahrhunderts alles andere ist als nur ein „Nebenthema“. […] Es ist ein zentrales Thema für den jüdischen Glauben.

Zum großen Versöhnungstag schreibt er weiter: Die Sünde des Volkes wurden durch das Blut des Opfertieres „bedeckt“ (kippur), und gleichzeitig wurde die „Abdeckung“ (kapporet) der Bundeslade zum Ort der Versöhnung zwischen Gott und Mensch. […] Hier war für Juden der Ort, an dem sie Vergebung der Schuld empfingen […] Das ist daher die jüdische Botschaft von der Rechtfertigung aus Gnade: Denn es war ja keine Gerechtigkeit, die selbst verdient wurde. […]
An dieser Stelle liegt aber nun für Paulus das Zentrum des Evangeliums. Er nennt es „das Wort vom Kreuz“[…]
Die Rechtfertigungslehre des Paulus ist also eine zutiefst jüdische Lehre: Sie ist verankert im Herzen der Tora, in den Vorschriften zum Versöhnungstag, die die Mitte der fünf Bücher Mose bilden.  […] sie ist verankert im Herzen des jüdischen Kalender, in dem der Versöhnungstag der höchste Feiertag ist. […]
Gerade weil die Botschaft von der Rechtfertigung für Paulus nicht einfach nur ein „missionsstrategischer Kniff“ zur Gewinnung der Nichtjuden ist, sondern das Herz seiner Botschaft bildet und zugleich ins Herz des jüdischen Glaubens greift, muss es hier zum entscheidenden Konflikt kommen.

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Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Paulus – Jude mit Mission (1)

In seinem Buch Paulus – Jude mit Mission geht Guido Baltes auch auf die Neue Paulus Perspektive (siehe auch hier) ein.
Er beschreibt seine vier Hauptanfragen folgendermaßen:

  • Gab es den jüdischen „Bundesnomismus“ wirklich?
  • Ist die „Rechtfertigungslehre“ des Paulus wirklich nur ein „Nebenprodukt“?
  • Ist das Judentum wirklich eine ausgrenzende Religion?
  • Hat Paulus wirklich die „Auflösung aller Grenzen“ vertreten?

Zu der ersten Frage kommt Baltes zu folgendem Fazit:
Weder hat die ältere Forschung recht, die dem Judentum ein „sklavisches Lohndenken“ und eine „Werkgerechtigkeit“ unterstellte. Noch hat Sanders recht, der solches Lohndenken völlig bestritt. Scheinbar unterschieden sich hier die jüdischen Lehrer in den Schwerpunkten, die sie setzten. […]
Das Gesetz ist also im Judentum zur Zeit des Paulus bei Weitem nicht nur ein reines „Erkennungsmerkmal“ für die schon aus Gnade Erwählten. Es ist eben auch ein Weg zum Leben und zur Errettung. Und eine Forderung, die es zu erfüllen gilt. Was in der Darstellung von Sanders zu sehr in den Hintergrund tritt, ist die feste Erwartung eines göttlichen Gerichts […] Es ist ein Gericht, in dem der Mensch nach seinen Werken beurteilt wird. Das alles hebelt aber die Gnade Gottes nicht aus, sondern ist mit ihr auf verborgene Weise verwoben: Denn es war seine Gnade, die dem Gesetz vorausging. Und es ist seine Gnade, die uns im Gericht freispricht. in dieser Hinsicht sind sich Paulus und das Judentum also gar nicht so unähnlich.

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Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Hatte Schlatter doch Recht?

Ich arbeite zur Zeit das neue Paulus Buch von Guido Baltes durch.
Er  skizziert die Entwicklungen der aktuellen Paulusforschung in groben Zügen.
Auf Adolf Schlatter kommt er zu sprechen, da dieser sich bemühte Paulus und Jesus mit dem Judentum zusammenhalten zu wollen. Damals wurde er, so Baltes, von seinen Kollegen nur müde belächelt. Heute muss man zugeben: Schlatter hatte doch Recht.
Baltes zitiert Peter Stuhlmacher wie folgt:

[Damals] konnte man dies belächeln und als unwichtige Einzelmeinung beiseiteschieben. Heute können wir dies nicht mehr. Wir müssen vielmehr zugestehen, dass Schlatters Sicht die historisch bessere und wegweisende war und ist. Mag Schlatters Exegese im Einzelnen zu undifferenziert und konstruiert sein, seine Gesamtperspektive bleibt richtig, und das will nach fünfzig Jahren Paulusforschung, die mittlerweile ins Land gegangen sind, schon was heißen!

Die Neue-Paulus-Perspektive

Es ist, meiner Wahrnehmung nach, ruhiger geworden in der Diskussion um die „Neue-Paulus-Perspektive“. Wrights magnum opus ist vor einiger Zeit bereits erschienen, wurde diskutiert (z.B. hier) und sehr unterschiedlich aufgenommen.
Auch wenn ich nicht zu den Befürwortern dieser „neuen“ Sicht über Paulus gehöre, möchte ich dennoch auf einen Artikel vom Logos-Blog hierzu verweisen.

In diesem Artikel geht es darum, was neu an der „Neuen-Paulus-Perspektive“ ist:
1. Eine neue Sicht über das Judentum

The major point in [Martin Luther’s] interpretation of Paul concerns Paul’s phrase ‘not by works of the law.’ In this view, when Paul says that justification is not by ‘works of the law,’ he is attacking works righteousness; he is attacking the view that he perceives in Judaism that you earn right standing before God by obeying the ot law with all its detail, [thus] establishing your own righteousness. And Paul is rejecting all of that in favor of the grace that’s given to us in the Lord Jesus Christ. […] [The NPP has] not just been a scholarly discussion, it’s also been a discussion about Christian ministry and the presentation of the gospel, because the New Perspective on Paul raises some key questions: If the Reformers were wrong about Paul, have we been presenting the gospel incorrectly when we’ve preached and taught it on the basis of trajectories of interpretations that stemmed from them? Or alternatively, if the Reformers were actually right, and it’s scholars in the New Perspective who are wrong about Paul, are these contemporary scholars actually in some way corrupting the gospel and leading us to preach and teach incorrectly?

And so we have a key question: Does the New Perspective on Paul lead to fresh and faithful expressions of the gospel or does it lead to false and faithless expressions of something that is less than the gospel?

2. Ein neuen Blick auf das Gesetz

James D.G. Dunn argued that the ‘works of the law’ are . . . in particular those aspects of the Jewish law that serve to mark the boundaries between Jews and Gentiles: . . . circumcision, the observance of the food laws, and the observance of Sabbath. . . . Paul is objecting to the insistence that it’s necessary to become Jewish in order to be righteous before God. When he writes these key texts, what he is objecting to is the attempt to impose Jewish law observance and the Jewish way of life on his Gentile converts. Paul is saying that these key markers of Jewish identity and key markers of the boundary between them and the Gentiles mustn’t be imposed on Gentile followers of Jesus as a precondition for those Gentiles to receive God’s grace in Christ.

3. Ein neues Rechtfertigungsverständnis

[…]n fact, NPP scholars argue that you can search through Paul’s writings all day and never find an instance where Paul explicitly states that Christ’s righteousness is transferred to the believer.[…]
Wright also emphasizes that there is both a present and future aspect of justification. God issues his verdict concerning the believer in the present on the basis of faith and faith alone. But he also will declare that verdict in the future, when God raises believers from the dead. As Wright explains in his book Justification, “The present verdict gives the assurance that the future verdict will match it, the Spirit gives the power through which that future verdict, when given, will be seen to be in accordance with the life that the believer has then lived.”

Here’s Chester summarizing Wright’s point in the above passage:

In other words, what justification does is . . . bring forward God’s final verdict; the believer is justified in the present on the basis of Christ’s saving work, is declared to be part of God’s people, and then as part of God’s people, through the empowering of the Holy Spirit, the believer will live a life more and more in accordance with the justification that’s being given, so that through the power of the Spirit, the future verdict comes to match the verdict in the present; the verdict that somebody is justified, that somebody is a member of God’s people and that, therefore, their sins are forgiven.

Ein Hoch auf den Redaktor…

… oder eine neue Sicht auf die Perikope in Johannes 7,53-8,11.

Es ist allgmein bekannt, dass die Perikope von Jesus und die Ehebrecherin nicht ursprünglich an dieser Stelle im Johannesevangelium stand und von der Sprache diesem unähnlich ist und viel eher zu den Synoptikern passt (Ich bleibe bei der Auffassung, dass diese Perikope kannonisch und inspiriert ist – werde dies hier aber nicht diskutieren).
Spannend ist allerdings dies Feststellung, dass sie m.E. sehr gut an dieser Stelle in das Johannes-Evangelium hineinpasst – abgesehen davon, dass sie einen anderen sprachlichen Stil aufweist und den Gedankenfluss davor unterbricht – theologisch passt die Perikope in die rote Linie des Evangeliums hinein.
Rudolf Schnackenburg (HThK) schreibt: Die Perikope hat jedenfalls kaum vor dem 3. Jh. Eingang in den Vier-Evangelien-Kanon gefunden […] Aber wem auch immer diese Einfügung zu verdanken ist, ohne Überlegung ist sie nicht geschehen. […] Jesus erweist sich in den joh. Gesprächen als der Überlegene, der die Zuhörer in Verlegenheit bricht; nicht anders ist es in dieser Geschichte mit der Ehebrecherin.

Sehr treffend zeigt auch Wright auf, wie die Perikope den roten Faden des Johannes Evangeliums aufnimmt, verarbeitet und weiterführt:
And the sin that matters even more, as the rest of the chapter makes clear, is the deep-rooted sin which uses the God-given law as a means of making oneself out to be righteous, when in fact it is meant to shine the light of God’s judgment into the dark places of the heart. By confronting this sin, Jesus has put himself, literally, in the firing line from which he has just rescued the woman. IF YOU READ CHAPTER 8 AS IT STANDS FROM BEGINNING TO END YOU MAY START TO SEE A PATTERN WHICH WILL CONTINUE THROUGH TO JESUS’ DEATH. This is part of what it means, John seems to be saying, that Jesus is God’s lamb, the one who takes away the sin of the world.

 

Stell dir vor es ist Frieden…

panzer-1013598_1920…zumindest bei Christen.

Christlicher Pazifismus.
Dürfen Christen im Militär oder für die Polizei von der Waffe Gebrauch machen und ggf. sogar töten?
Müssen Christen den Dienst an der Waffe verweigern, oder sollten sie es?
Ist es nicht notwendig, dass Kriege geführt werden; wie z.B. gegen Hitlerdeutschland im 2.Weltkrieg oder gegen das Terrorregime des IS?
Im Bewusstsein, dass solche Kriege nicht immer zu verhindern sind und der Staat leider in manchen Fällen dazu gezwungen sein kann, möchte ich den christlichen Pazifismus ziterien und zur Disputation stellen, welchen T. Geddert in seinem Buch Verantwortlich Leben, in viert Thesen darlegt:

  1. Ich kann meine Loyalität dem Reich Gottes gegenüber klarer zeigen, wenn ich mich weigere, diese endgültige Loyalität einem Reich dieser Welt zuzugestehen.

  2. Ich möchte nicht das Risiko eingehen, für mein Land einen Glaubensbruder oder eine Glaubensschwester zu töten.

  3. Ich möchte nicht das Risiko eingehen, einen Nicht-Bruder, eine Nicht-Schwester im glauben zu töten und ihm oder ihr dadurch die Chance nehmen, Jesus Christus kennenzulernen.

  4. Das Neue Testament lehrt uns: Die Einstellung Jesu zur Gewalt, als er selbst ungerecht behandelt wurde, als er verspottet wurde, als er gekreuzigt wurde – das ist das Vorbild, dem wir nacheifern sollen.

Mir ist bewusst, dass es gerade in Kriegshandlungen, oder auch in der Terrorabwehr, Entscheidungen gibt, welche alle in ethischen Grauzonen stattfinden. Daher möchte ich nochmals betonen: Diese Thesen sind keine Ethik für Staaten, sondern sie sind für einzelne Christen gedacht.
Ich persönlich halte sie für gut durchdacht. Sie haben Elemente die einem überzeugen können. Ich halte sie für nachdenkenswert.

Das Ende der Endzeit…

earth-1023859_1920… oder warum ich eine dispensationalistische Eschatologie für nicht biblisch überzeugend halte.

Heute hatte ich bei Prof. Tim Geddert eine Vorlesung. Neben vielen spannenden Themen haben wir uns auch über das 13. Kapitel des Markusevangeliums unterhalten. Einige dieser Inhalte möchte ich nun hier zusammenfassen, reflektieren und ggf. darauf aufbauend weiterdenken.
Dies bedeutet nicht, dass ich diese Inhalte schon umfassend und zwingend teile, sondern, dass ich sie sehr spannend, gut durchdacht und plausibel finde.

Zum Aufbau von Markus 13
Markus 13 beginnt damit, dass die Jünger Jesus auf die Pracht des Tempels hinweisen und von ihm erwidert bekommen, dass dieser komplett zerstört wird.
Später am Ölberg kommt die Frage 1. Wann dies geschehen wird und 2. was die Zeichen der Vollendung (der Weltzeit?) sein werden.
Einschub: Jesus beantwortet nicht diese Frage direkt. Er gibt keine Zeichen an – vielmehr ist seine Aussage, dass der Zeitpunkt (des Weltendes und der Tempelzerstörung) niemand weiß, außer Gott der Vater (ich vermute, dass Jesus auf diese Erkenntnis entweder nicht zugriff, oder bei seiner Inkarnation vorübergehend beiseite gelegt hat). 
Jesus warnt die Fragesteller, welche nach Zeichen fragen, vielmehr vor Verführungen – könnte es sein, dass die welche nach Zeichen suchen um die Wiederkunft Jesu herauszufinden in besonderer Verführungs-Gefahr stehen? Diese Vermutung liegt nahe.
Es folgt eine Darlegung was alles in der Zwischenzeit, also von der Zeit Jesu bis zu seiner Wiederkunft, die Regel sein wird. Es werden weiterhin Kriege geben, Kriesen und Katastrophen werden da sein, sowie eine Verfolgung der Nachfolger Jesu. In der Zwischenzeit wird auch die Tempelzerstörung geschehen, falsche Propheten werden auferstehen und Wunder und Zeichen vollbringen und viele verführen.
Anschließend legt Jesus dar wie seine Wiederkunft (siehe Unten) aussehen wird.
Es folgt das Bild des Feigenbaums (siehe Unten). Die Hauptaussage folgt: „Niemand weiß wann dies stattfinden wird“, die einzige Voraussetzung ist, dass der Tempel zerstört wird, was 70n.Chr. erfüllt wurde.

Die Tempelzerstörung
Jesus sagt in Vers 30, dass dieses Geschlecht (eine Generation von ca. 40 Jahren) nicht vergehen wird, bis dies alles geschehen ist. Die Aussage wurde ungefähr 30n.Chr. von Jesus gemacht. 70n.Chr. wurde der Tempel zerstört. Bis dahin war deutlich, es gibt etwas, was der Wiederkunft Christi noch im Weg steht. Bis 70n.Chr.
Danach ist das „alles“ geschehen. Von diesem Zeitpunkt an, kann Jesus jederzeit wiederkommen. D.h. es sind keine weiteren „Gog – Magog“ Zeichen für Jesu Wiederkunft nötig, nicht einmal das Erstarken der EU.

Das Kommen des Menschensohnes
Die Verse 24-27 im 13 Kap. des Markusevangeliums sprechen davon, wie Jesus als König und Richter der Welt wiederkommt. Er kommt mit Macht und Herrlichkeit. Er lässt seine Anhänger sammeln von allen Enden der Erde.
Dies passt auch mit den Aussagen im 1.Thessalonicher 4,13-5,3 und z.B. Offenbarung 6,12-17 zusammen.
Die Lehre, dass Jesus seine Nachfolger entrückt und so in den Himmel bringt, während auf Erden ein Chaos ausbricht ist schlicht und ergreifend nicht biblisch, sondern eine beliebte Sonderlehre aus der Zeit von Darby.
Vielmehr stimmt der Schriftbefund darin überein, dass Jesus auf den Wolken erscheint, seine Anhänger ihm entgegenkommen (so wie, wenn der König kommt, seine Anhänger aus der Stadt kommen um ihn zu begrüßen) um danach mit ihnen auf die Erde zurückkehrt, sein 1000 jähriges Reich aufrichtet und schlussendlich danach eine neue Welt macht.

Der Feigenbaum
Zu guter Letzt. Was ist der Feigenbaum (Vers 28). Hier ist zu beachten, dass der Feigenbaum in 11, 12-14 mit dem Korrupten System der Führung des Volkes und somit auch des Tempels in Verbindung stehen kann. So wäre der Feigenbaum in 13,28 dann mit der Gemeinde gleichzusetzen, welche im Entstehen war. Bei ihrer Entstehung stand der Zeitpunkt von 70n.Chr. ungefähr etwas weniger als eine Generation entfernt.

Resultat
Bedeutet dies, dass ich nicht mehr auf Jesus warte?
Ein ganz klares Nein! Ich warte auf Jesus. Er wird wiederkommen. Er kann jederzeit wiederkommen. Aber ich glaube nicht an einen Endzeitfahrplan, durch welchen ich die Zeit der Wiederkunft berechenbar ist. Ebenfalls lehne ich eine dispensationalistische Entrückungslehre als nicht biblisch überzeugend ab.
Zusammenfassend möchte ich festhalten: Jesus kann seit 70n.Chr. zu jeder Zeit wiederkommen, für uns gilt es auf ihn zu warten und bereit zu sein.

 

Matthew Hosier über N.T. Wright

Auf dem Blog von Think Theology geht Matthew Hosier auf N.T. Wrights Rechtfertigungslehre ein. Der vollständige Beitrag ist hier zu finden.
Ich möchte einen Teil davon als Diskussionsbeitrag teilen.
Ich sehe hierin die Möglichkeit weitere Vertiefungen zu diesem spannenden Thema zu finden, Stärken und Schwächen zu diskutieren und in einem Dialog zu bleiben.

As the debate over this heated up, with heavyweight New Testament scholars taking lumps out of each other, I felt increasingly out of my depth. But over the past couple of years, as I’ve gone about my normal reading through the Bible, I’ve jotted down verses that suggest imputing, imparting, bequeathing, conveying, or otherwise transferring, in a way that imply Wright was perhaps missing something. I tend to spot one I’ve previously missed every few months. Here is my collection so far:

Ex. 29:37 Seven days you shall make atonement for the altar and consecrate it, and the altar shall be most holy. Whatever touches the altar shall become holy.

Ex. 30:29 You shall consecrate them, that they may be most holy. Whatever touches them will become holy.

Lev.6:27 Whatever touches its flesh shall be holy, and when any of its blood is splashed on a garment, you shall wash that on which it was splashed in a holy place.

Num. 11:25 Then the Lord came down in the cloud and spoke to him, and took some of the Spirit that was on him and put it on the seventy elders. And as soon as the Spirit rested on them, they prophesied. But they did not continue doing it.

Ez. 44:19 And when they go out into the outer court to the people, they shall put off the garments in which they have been ministering and lay them in the holy chambers. And they shall put on other garments, lest they transmit holiness to the people with their garments.

Ez. 46:20 And he said to me, “This is the place where the priests shall boil the guilt offering and the sin offering, and where they shall bake the grain offering, in order not to bring them out into the outer court and so transmit holiness to the people.”

Hag. 2:12-13 ‘If someone carries holy meat in the fold of his garment and touches with his fold bread or stew or wine or oil or any kind of food, does it become holy?’” The priests answered and said, “No.” Then Haggai said, “If someone who is unclean by contact with a dead body touches any of these, does it become unclean?” The priests answered and said, “It does become unclean.”

The idea that holiness (or unclean-ness) are in some way objects or substances that can be transferred between people or things seems odd to the modern mind; but for the apostle Paul, steeped as he was in the mind of the Law and the Prophets, it probably didn’t seem odd at all. Is it not likely this shaped the way he understood justification? I might be missing something, but I wonder if Wright did, too.

Biblischer Kommunismus? Oder was wir von Apg 2 lernen können

help-153094_1280Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte (Apg 2,44-45).

Ist dies das perfekte Beispiel wie eine Gemeinde in der Bibel auszusehen hat? Sollen wir Christen heute ein System bilden indem wir eine Gütergemeinschaft haben?
Interessant finde ich zu diesem Thema die Ausführungen von John Stott in seinem Kommentar zur Apostelgeschichte:

 

Es ist wichtig, dass wir uns vor Augen halten, dass das Teilen von Eigentum und Besitz sogar in Jerusalem freiwillig war. […] Dies [die Verwendung des Imperfekts Anmerkung JT] deutet an dass nur gelegentlich der Besitz verkauft und abgegeben wurde, als Reaktion auf spezielle Nöte und nicht ein für allemal. [..] Auch wenn der Verkauf und das Teilen von Gütern freiwillig war und ist, so muss zugleich jeder Christ in diesem Bereich vor Gott gewissenhafte Entscheidungen treffen. Wir alle sind dazu aufgerufen, großzügig zu sein, besonders gegenüber den Armen und Bedürftigen.
[…] wie können wir dann behauten, dass Gottes Liebe in uns wohnen würde? Christliche Gemeinschaft bedeutet gegenseitige Führsorge

Das „ICH“ aus Römer 7 – Teil 3

Wir haben uns in den ersten beiden Beiträgen zu diesem Thema mit der Ansicht, dass Römer 7 der normale Zustand der Wiedergeborenen und der Ansicht, dass es ausschließlich Nicht-Wiedergeborene beschreibt, auseinandergesetzt.

Neben diesen beiden Deutungen existiert das Verständnis, dass der Kampf der alten mit der neuen Natur des Menschen beschrieben wird, in welcher der beschriebene Mensch durch eigene Anstrengung die Heiligung erreichen möchte. Der Grund für diese Nieder-lage ist, dass das „ICH“ (34mal kommt es in diesem Abschnitt vor) versucht, ein christ-liches Leben zu führen. Dieses wird allerdings vom alten Menschen besiegt. So vertritt M. Unger die Ansicht, dass die alte Natur weder unterdrückt, noch ausgerottet werden kann (was er als reine Einbildung bezeichnet), da man in diesem Falle nicht mehr sündigen könne, da nur die alte und nicht die neue Natur sündigen kann. Das Sündigen ist eine Folge davon, dass der Mensch sich seiner Stellung in Christus nicht bewusst ist und aufgrund dessen nicht entsprechend handelt. Der Sieg durch Jesus, kann solange nicht durch den Glauben erfahren werden.
Für Watchman Nee ist Römer 7 wie ein Naturgesetz zu verstehen. Der Christ der versucht, nicht zu sündigen, sündigt dennoch, trotz guten Vorsatzes. Der Grund ist, dass er nicht gegen das Gesetz der Sünde (Naturgesetz) ankommen kann. Dieses Gesetz, so Nee, kann nur durch das Gesetz des Geistes aufgehoben werden (ein Naturgesetz hebt das andere auf). Gemäß Nee ist der Christ solange in dem Gesetz der Sünde gefangen, als das er versucht durch seinen Willen und aus eigener Kraft gegen die Sünde anzukommen.

Gottes Gerechtigkeit im NT

Volker Gäckle schreibt hierzu:

Paulus führt die Genitivverbindung „Gerechtigkeit Gottes“ an mehreren entscheidenden Stellen ein […] Diese Gerechtigkeit wird als eine Heil- und Wohlordnung schaffende Aktivität Gottes beschrieben. […] Dabei versteht Paulus unter dem Begriff sowohl Gottes eigene Heilswirksamkeit (vgl. Röm 3,25f.) als auch ihre Auswirkung auf denjenigen, der sich Christus im Glauben zuwendet (vgl. 2Kor 5,21). […] Nun steht Gottes Gerechtigkeit seinem Zorn nicht einfach gegenüber, sondern lässt diesen Zorn Gerechtigkeit widerfahren durch den Opfertod Jesu. Am Kreuz Jesu geschieht beides gleichzeitig: Das stellvertretende Gericht Gottes als Strafe für unsere Sünde und die Schaffung unseres Heils im Sinne eines göttlichen Freispruchs. […] Vergeltende und heilvolle Gerechtigkeit erweisen sich bei Palus genau wie im Alten Testament als komplementär.
[…]
Die gegenwärtig erfahrene Rechtfertigung begründet die Hoffnung und die Gewissheit, dass Gott den Glaubenden aufgrund der Fürsprache Jesu im Endgericht freisprechen wird (vgl. Röm 8,34).

 

Zeitliche Dimensionen des Reich Gottes

Die Königsherrschaft Gottes ist in zwei Dimensionen zu sehen. Das Reich Gottes ist mit Jesus gekommen. Es ist somit vorhanden, wartet aber noch auf seine endgültige Vollendung mit dem endgültigen Sieg.
Das RG fängt klein an, wächst aber stetig. Schlussendlich erreicht es eine Größe, die alles überragt (Mk 4,26; 4,30-32). So wird aus einem unscheinbaren und geringen Beginn ein überragendes, herrliches Ende des Triumphes.

Unter diesen Gesichtspunkten ist das RG sowohl unter dem Aspekt des gegen-wärtigen bzw. dem realisierten Reich und unter dem Aspekt der zukünftig sichtbaren Königsherrschaft Gottes zu sehen.

 

Gegenwärtige Dimension und deren Inhalt
Die gegenwärtige, durch Jesus eingeleitete, Dimension des RG hängt mit dem Aufruf zur Umkehr zusammen, sowie mit der Vergebung der Sünden und der Nachfolge Jesu.

Das RG war in den Machtbeweisen Jesu gegenwärtig, wo er die Kranken heilte und Dämonen austrieb.

Der Herrschaftsantritt Jesu im messianischen Königreich ist mit seinem Sieg am Kreuz über die Macht der Sünde und des Teufels zu sehen.
Diese Herrschaft wird in der Zukunft zur Vollendung kommen und hat auf der Erde keine politische Dimension (Joh 18,36). In Jesus ist bereits im gegenwärtigen Äon eine Vorwegnahme dieser Herrschaft eingeleitet.
Die Teilhaber des Reiches leben auf der Erde mit den Ungläubigen zusammen (Mt 13,36-43), für sie gelten aber die neuen Maßstäbe Gottes (Mt 5,3.10; 6,33; 18,4).
 
Zukünftige Dimension und deren Inhalt
Jesus vergleicht sich mit einem Herrscher, der außer Landes ist. Wenn Jesus wieder-kommt, wird das RG zur Vollendung kommen.
 
Dies beinhaltet auch das Gericht über alle Menschen. Der Sohn des Menschen wird bei seiner Wiederkunft ein Gericht halten,
an dem er die „Schafe“ von  den  „Böcken“ scheiden wird. Während die einen in das RG eingehen dürfen, werden die anderen dem ewigen Feuer übergeben. Der Teufel wird dem ewigen Feuer übergeben und wird somit endgültig entmachtet. Jesus wird die ewige Königsherrschaft Gottes aufrichten, welche die Propheten  vorhersagten. Die Gläubigen erhalten die ihre Belohnung für ihre Nachfolge und das ewige Leben (Lk 18,29-30).
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