Paulus und das Gewissen

compass-1795451_1280Wer in der heutigen Zeit vom Gewissen spricht, der kennt das schlechte Gewissen, dass er hat wenn er scheinbar etwas Böses tat. Doch ist das Gewissen eine Fähigkeit Gutes und Böses zu unterscheiden?
Folgende Ausführungen habe ich bei Baltes gefunden:

Für ihn [Paulus] ist das Gewissen keine unabhängige moralische Instanz, sondern eher so etwas wie ein „innerer Kompass“, der dem Menschen hilft, sich an Gottes Geboten auszurichten. Die Maßstäbe für Gut und Böse werden also nicht vom Gewissen selbst gesetzt, sondern sie sind außerhalb des Menschen vorgegeben. Das Gewissen hilft dem Menschen dabei, sein eigenes Verhalten an diesen Maßstäben zu messen und zu beurteilen.
[…]
Der Kompass ist aber nicht dafür da, die Richtung vorzugeben. Sondern er richtet sich nach einem Nordpol, der außerhalb seiner selbst ist. Ein gut funktionierender Kompass weist daher in die richtige Richtung, aber er bestimmt sie nicht.

Freiheit vom Gesetz?

chain-1623322_1920In seinem Buch „Paulus – Jude mit Mission“ stellt Baltes 5 Thesen auf wie Paulus, seiner Meinung nach, die Freiheit vom Gesetz und was damit zusammenhängt, versteht.
Diese Thesen sind vielleicht nicht gerade der Mainstream und vielleicht sind diese auch gerade deshalb interessant und auf jeden Fall es wert darüber weiter nachzudenken und zu diskutieren:

  1. Für Paulus macht der Glaube an Jesus nicht „frei vom Gesetz“.
  2. Paulus selbst hat sich zeitlebens streng an das jüdische Gesetz gehalten.
  3. Juden, die  an Jesus glauben, sollen weiterhin das Gesetz einhalten.
  4. Nichtjuden, die an Jesus glauben, sollen sich nicht an das Gesetz halten.
  5. Juden sollen Juden bleiben und Nichtjuden sollen Nichtjuden bleiben.

Paulus – Jude mit Mission: Resümee

Wer einen Überblick über die theologische Forschung zu Paulus lesen möchte, dass leicht verständlich, einen guten Überblick bietet und die Diskussionen und Anfragen an die jeweiligen Positionen fair und sachlich darlegt, dem sei das Buch von Baltes empfohlen.
In seinem Buch liefert er eine gute Darstellung des Lebens von Paulus, geht auf die historische Zuverlässigkeit ein und legt den Stand der Diskussion dar.
Ebenso werden die großen theologischen Fragen, wie die Neue Paulus Forschung, die Frage nach Gesetz und Ethik u.v.m. behandelt.
Sicherlich werden einige Fragen auch sehr kurz behandelt, und man darf manche Themen sicher auch kontrovers diskutieren.
Dennoch bietet dieses Buch aus meiner Sicht eine der besten, allgemeinverständlichen Einleitungen und Übersichten zu Paulus.

Leseempfehlung!

Bisherige Beiträge zu diesem Buch:
Paulus – Jude mit Mission (1)
Paulus – Jude mit Mission (2)
Hatte Schlatter doch recht?
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Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Paulus – Jude mit Mission (2)

In der aktuellen Paulusforschung ist die Frage nach der Rechtfertigung eine der umstrittenen Fragen.
Im Rahmen der neueren Forschung (ab Sanders) gab es immer wieder die These, dass die Rechtfertigungslehre ein Nebenprodukt des Paulus war, die er für seine Missionstheologie brauchte. (Hier der Hinweis noch N.T. Wright sieht sie nicht als ein Nebenprodukt.)
Auf diese Frage geht Baltes auch ein, er schreibt dazu:

In ihrer Sprache und ihren Bildern stehen Jesus und Paulus an dieser Stelle diesen jüdischen Strömungen näher als das rabbinische Judentum. Das heißt aber, dass die Frage „Rechtfertigung des Sünders“ für das Judentum des ersten Jahrhunderts alles andere ist als nur ein „Nebenthema“. […] Es ist ein zentrales Thema für den jüdischen Glauben.

Zum großen Versöhnungstag schreibt er weiter: Die Sünde des Volkes wurden durch das Blut des Opfertieres „bedeckt“ (kippur), und gleichzeitig wurde die „Abdeckung“ (kapporet) der Bundeslade zum Ort der Versöhnung zwischen Gott und Mensch. […] Hier war für Juden der Ort, an dem sie Vergebung der Schuld empfingen […] Das ist daher die jüdische Botschaft von der Rechtfertigung aus Gnade: Denn es war ja keine Gerechtigkeit, die selbst verdient wurde. […]
An dieser Stelle liegt aber nun für Paulus das Zentrum des Evangeliums. Er nennt es „das Wort vom Kreuz“[…]
Die Rechtfertigungslehre des Paulus ist also eine zutiefst jüdische Lehre: Sie ist verankert im Herzen der Tora, in den Vorschriften zum Versöhnungstag, die die Mitte der fünf Bücher Mose bilden.  […] sie ist verankert im Herzen des jüdischen Kalender, in dem der Versöhnungstag der höchste Feiertag ist. […]
Gerade weil die Botschaft von der Rechtfertigung für Paulus nicht einfach nur ein „missionsstrategischer Kniff“ zur Gewinnung der Nichtjuden ist, sondern das Herz seiner Botschaft bildet und zugleich ins Herz des jüdischen Glaubens greift, muss es hier zum entscheidenden Konflikt kommen.

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Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Paulus – Jude mit Mission (1)

In seinem Buch Paulus – Jude mit Mission geht Guido Baltes auch auf die Neue Paulus Perspektive (siehe auch hier) ein.
Er beschreibt seine vier Hauptanfragen folgendermaßen:

  • Gab es den jüdischen „Bundesnomismus“ wirklich?
  • Ist die „Rechtfertigungslehre“ des Paulus wirklich nur ein „Nebenprodukt“?
  • Ist das Judentum wirklich eine ausgrenzende Religion?
  • Hat Paulus wirklich die „Auflösung aller Grenzen“ vertreten?

Zu der ersten Frage kommt Baltes zu folgendem Fazit:
Weder hat die ältere Forschung recht, die dem Judentum ein „sklavisches Lohndenken“ und eine „Werkgerechtigkeit“ unterstellte. Noch hat Sanders recht, der solches Lohndenken völlig bestritt. Scheinbar unterschieden sich hier die jüdischen Lehrer in den Schwerpunkten, die sie setzten. […]
Das Gesetz ist also im Judentum zur Zeit des Paulus bei Weitem nicht nur ein reines „Erkennungsmerkmal“ für die schon aus Gnade Erwählten. Es ist eben auch ein Weg zum Leben und zur Errettung. Und eine Forderung, die es zu erfüllen gilt. Was in der Darstellung von Sanders zu sehr in den Hintergrund tritt, ist die feste Erwartung eines göttlichen Gerichts […] Es ist ein Gericht, in dem der Mensch nach seinen Werken beurteilt wird. Das alles hebelt aber die Gnade Gottes nicht aus, sondern ist mit ihr auf verborgene Weise verwoben: Denn es war seine Gnade, die dem Gesetz vorausging. Und es ist seine Gnade, die uns im Gericht freispricht. in dieser Hinsicht sind sich Paulus und das Judentum also gar nicht so unähnlich.

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Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Hatte Schlatter doch Recht?

Ich arbeite zur Zeit das neue Paulus Buch von Guido Baltes durch.
Er  skizziert die Entwicklungen der aktuellen Paulusforschung in groben Zügen.
Auf Adolf Schlatter kommt er zu sprechen, da dieser sich bemühte Paulus und Jesus mit dem Judentum zusammenhalten zu wollen. Damals wurde er, so Baltes, von seinen Kollegen nur müde belächelt. Heute muss man zugeben: Schlatter hatte doch Recht.
Baltes zitiert Peter Stuhlmacher wie folgt:

[Damals] konnte man dies belächeln und als unwichtige Einzelmeinung beiseiteschieben. Heute können wir dies nicht mehr. Wir müssen vielmehr zugestehen, dass Schlatters Sicht die historisch bessere und wegweisende war und ist. Mag Schlatters Exegese im Einzelnen zu undifferenziert und konstruiert sein, seine Gesamtperspektive bleibt richtig, und das will nach fünfzig Jahren Paulusforschung, die mittlerweile ins Land gegangen sind, schon was heißen!

Die Neue-Paulus-Perspektive

Es ist, meiner Wahrnehmung nach, ruhiger geworden in der Diskussion um die „Neue-Paulus-Perspektive“. Wrights magnum opus ist vor einiger Zeit bereits erschienen, wurde diskutiert (z.B. hier) und sehr unterschiedlich aufgenommen.
Auch wenn ich nicht zu den Befürwortern dieser „neuen“ Sicht über Paulus gehöre, möchte ich dennoch auf einen Artikel vom Logos-Blog hierzu verweisen.

In diesem Artikel geht es darum, was neu an der „Neuen-Paulus-Perspektive“ ist:
1. Eine neue Sicht über das Judentum

The major point in [Martin Luther’s] interpretation of Paul concerns Paul’s phrase ‘not by works of the law.’ In this view, when Paul says that justification is not by ‘works of the law,’ he is attacking works righteousness; he is attacking the view that he perceives in Judaism that you earn right standing before God by obeying the ot law with all its detail, [thus] establishing your own righteousness. And Paul is rejecting all of that in favor of the grace that’s given to us in the Lord Jesus Christ. […] [The NPP has] not just been a scholarly discussion, it’s also been a discussion about Christian ministry and the presentation of the gospel, because the New Perspective on Paul raises some key questions: If the Reformers were wrong about Paul, have we been presenting the gospel incorrectly when we’ve preached and taught it on the basis of trajectories of interpretations that stemmed from them? Or alternatively, if the Reformers were actually right, and it’s scholars in the New Perspective who are wrong about Paul, are these contemporary scholars actually in some way corrupting the gospel and leading us to preach and teach incorrectly?

And so we have a key question: Does the New Perspective on Paul lead to fresh and faithful expressions of the gospel or does it lead to false and faithless expressions of something that is less than the gospel?

2. Ein neuen Blick auf das Gesetz

James D.G. Dunn argued that the ‘works of the law’ are . . . in particular those aspects of the Jewish law that serve to mark the boundaries between Jews and Gentiles: . . . circumcision, the observance of the food laws, and the observance of Sabbath. . . . Paul is objecting to the insistence that it’s necessary to become Jewish in order to be righteous before God. When he writes these key texts, what he is objecting to is the attempt to impose Jewish law observance and the Jewish way of life on his Gentile converts. Paul is saying that these key markers of Jewish identity and key markers of the boundary between them and the Gentiles mustn’t be imposed on Gentile followers of Jesus as a precondition for those Gentiles to receive God’s grace in Christ.

3. Ein neues Rechtfertigungsverständnis

[…]n fact, NPP scholars argue that you can search through Paul’s writings all day and never find an instance where Paul explicitly states that Christ’s righteousness is transferred to the believer.[…]
Wright also emphasizes that there is both a present and future aspect of justification. God issues his verdict concerning the believer in the present on the basis of faith and faith alone. But he also will declare that verdict in the future, when God raises believers from the dead. As Wright explains in his book Justification, “The present verdict gives the assurance that the future verdict will match it, the Spirit gives the power through which that future verdict, when given, will be seen to be in accordance with the life that the believer has then lived.”

Here’s Chester summarizing Wright’s point in the above passage:

In other words, what justification does is . . . bring forward God’s final verdict; the believer is justified in the present on the basis of Christ’s saving work, is declared to be part of God’s people, and then as part of God’s people, through the empowering of the Holy Spirit, the believer will live a life more and more in accordance with the justification that’s being given, so that through the power of the Spirit, the future verdict comes to match the verdict in the present; the verdict that somebody is justified, that somebody is a member of God’s people and that, therefore, their sins are forgiven.

EndZeit – weitere Überlegungen

Erst kürzlich habe ich den Artikel „Das Ende der Endzeit…“ veröffentlicht.
Darin schrieb ich u.a.
Bis dahin war deutlich, es gibt etwas, was der Wiederkunft Christi noch im Weg steht. Bis 70n.Chr.
Danach ist das “alles” geschehen. Von diesem Zeitpunkt an, kann Jesus jederzeit wiederkommen. D.h. es sind keine weiteren “Gog – Magog” Zeichen für Jesu Wiederkunft nötig, nicht einmal das Erstarken der EU.

Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist m.E. der Text in 2.Thessalonicher 2, 1-12. Gemäß Carson und Moo wurde der Brief Ende 50/ Anfang 51n.Chr. verfasst.
Hier schreibt Paulus davon, dass bevor die Ankunft des Herrn geschehen wird, der Mensch der Bosheit auftreten muss und sich in den Tempel Gottes setzten wird, Anbetung verlangen wird und schlussendlich von Christus, am Tag seiner Ankunft (vgl. Parallele zu 1Thes 4) beseitigt wird.
Bedeutet dies, dass es vor der Wiederkunft Christi einen Antichristen geben wird, der sich in den 3.Tempel in Jerusalem setzen wird? Muss also erst wieder der Tempel aufgebaut werden, bevor Jesus wiederkommen kann?
War zu der Zeit der Abfassung des 2Thes die Voraussetzung für die Wiederkunft Christi, dass zuerst der Tempel zerstört wird und dann im wiederaufgebauten Tempel der Antichrist sich hineinsetzen wird?

Wenn wir 1Thes 4-5 und 2Thes 2 als selbiges Ereignis sehen, wofür die Wortwahl m.E. gute Argumente liefert, wie die Oben genannte Deutung in gewisser Maßen zu hinterfragen, oder ergänzen sein. Das 1Thes 4 von der Auferstehung der Toten und dem Entgegengehen zu Christus, bei seiner Ankunft, spricht, dürfte unumstritten sein.
Auch 2.Thes 2 spricht von der Ankunft Christi, bei dem er die Person, welche sich in den Tempel anbetungsfordernd setzte, beseitigen wird. Interessant ist die Frage inwiefern 2Thes 2 mit Offb 19,11ff in Verbindung zu sehen ist.

Ich möchte zwei Positionen zu der Auslegung von 2Thes 2 zitieren. Zuerst Gerhard Friedrich (NTD-Kommentar) und anschließen N.T. Wright (Paul for Everyone).

Wie er andeutet, geht es ihm um das Kommen Christi und um die Vereinigung der Christen mit ihm, wovon Paulus bereits 1.Thess. 4,15-17 gesprochen hat. […] es liegt ihm daran zu zeigen, daß diesem Geschehen bestimmte Ereignisse vorausgehen müssen. […]
In der Gemeinde von Thessalonich hatten einige Glieder die Ansicht verbreitet, die Zeit für den Tag des Herrn sei da, dieser stehe nun unmittelbar bevor. […] In Tessalonich scheint sich etwas Ähnliches ereignet zu haben wie später in Pontus. Wie Hippolyt (Daniel-Kommentar 4,19) berichtet, hat dort ein Vorsteher der Gemeinde wie ein Prophet das Eintreten des Gerichts in Jahresfrist verkündet. Als die Gemeindeglieder hörten, daß der Tag des Herrn unmittelbar bevorsteht, erfaßte sie Furcht vor dem Gericht und Verzagtheit. Sie fingen an zu weinen und zu klagen, gaben das Arbeiten auf, ließen ihre Äcker unbestellt liegen und verkauften ihr Eigentum […]
[Es] tritt der Schreiber des zweiten Thessalonicherbriefes Schwärmern entgegen […].
Diesen wird gesagt, daß der letzten Zeit die vorletzte Zeit vorausgeht, die noch nicht eingetreten ist. Die Haltung des Christen ist weder eschatologisches Desinteresse noch fanatischer Endzeitglaube. […]
[Es werden] dem Ende zwei Ereignisse vorausgehen, an denen man erkennen kann, was die Weltenuhr geschlagen hat: Der große Abfall und das Erscheinen des mächtigen Verführers. Dieses letzte Stadium vor dem Ende ist noch nicht erreicht, weil beides noch nicht eingetreten ist. […]
Wie Antiochus Epiphanes IV. die Juden zum Abfall verleitete, so wird es unmittelbar vor dem Ende ein übermächtiger Mensch tun, den man später den Antichristen genannt hat, der aber 2.Thess. 2 diesen Titel nicht trägt. […]
Wenn von dem Menschen der Gesetzlosigkeit und dem Sohn des Verderbens, dem Wiedersacher Gottes, gesagt wird, daß er sich in den Tempel Gottes setzt, so ist mit Tempel Gottes weder an das Heiligtum in Jersualem noch an eine heidnische Kultstätte, weder an einen Platz im Himmel noch an die christliche Gemeinde gedacht […] sondern mit traditionellen Bildern und Formulierungen wird ausgedrückt, daß der große Frevler vor aller Welt demonstriert, er verdränge Gott und setzt sich selbst in den Tempel und nimmt den Platz Gottes ein. […]
Wenn Christus erscheint braut er, um ihn zu vernichten, weder ein großes Kriegsheer noch starke Engelscharen einzusetzen. Ein Hauch seines Mundes genügt, um den ganzen Spuk zu beseitigen.

Eine, dieser Ansicht entgegengesetzte, Auffassung finden wir bei N.T. Wright, welcher diese Passage auf 70n.Chr auslegt.

Paul does not suppose that these events are the final ones. If ‘the day of the Lord’ meant ‘the end of the world’, the Thessalonians would not need to be informed of such an event by letter! The Old Testament prophets used ‘the day of the Lord’ to refer to catastrophes that befell Jerusalem within continuing history.[…] Shortly before Paul began his missionary journeys, there had been a major crisis in the Middle East. The Roman emperor Gaius Caligula, convinced of his own divinity, and angry with the Jews over various matters, ordered a huge statue of himself to be placed in the Temple in Jerusalem. Massive Jewish protests at all levels, and the anxious advice of his officers on the spot, failed to dissuade him from this provocative project. Only Gaius’s sudden murder in the January of ad 41 prevented a major disaster. The Roman-Jewish war of 66–73 might easily have begun 25 years earlier.
It looks as though Paul, aware of what had nearly happened, envisaged that sooner or later some other megalomaniac would have the same idea. He speaks of a ‘man of lawlessness’, who elevates himself to a position of divinity, exactly as the Roman emperors were beginning to do. Paul saw this danger on the horizon, and knew that such idolatry would conflict disastrously with the true God and his Temple in Jerusalem. Had Paul lived until ad 70 he would have recognized the initial fulfilment of his words in this passage. Evil must reach its height, and then meet sudden doom. The Roman empire itself would go through unimaginable convulsions: the death of four emperors in quick succession during 68 and 69, followed by the destruction of the Jerusalem Temple, would certainly qualify, in Old Testament terms, for the title ‘the day of the Lord’.
[…] What is clear, though, is Paul’s firm belief that a time was coming in which God’s judgment on the idolatrous world, and its blasphemous leaders, would be unveiled. Through this lens he sees, too, events further off, the final personal presence (the ‘parousia’) of Jesus, who will destroy all evil and put God’s just and truthful judgment into effect against those who had been taken in by lies great and small.
In particular, God will judge, during history and finally at the end of history itself, the imperial systems that put themselves in his place. There have been enough of these in our own recent past for us to see something of the way they operate, the deceits they weave, and the way in which people get caught up in the web of their lies. What Paul would have us urgently grasp is the fact that God remains sovereign over all, and will one day put all wrongs to rights, and bring all human empires under the rule and judgment of his own saving kingdom.

Beide Positionen haben eine gewisse Plausibilität. Wir dürfen es uns hier nicht zu einfache machen. Die Eschatologie ist vielschichtig und nicht mit schwarz oder weiß festzunageln.
Ich persönlich halte, aufgrund der m.E. nach starken Parallelen zwischen 1Thes 4 und 2Thes 2 die erste Position im Gesamten momentan für plausibler.
Die Frage wie sich dies im gesamtbiblischen Kontext einfügt darf man sich stellen und lädt ein zu weiteren Nachforschungen.

Neuerscheinung: HTA Römerbriefkommentar

87834_eckhard_j_schnabel_der_brief_des_paulus_an_die_roemer_kapitel_1-5Endlich ist es soweit. Der Römerbriefkommentar in der Reihe „Historisch Theologische Auslegung“ (HTA), von Eckhard Schnabel ist erschienen. Der Kommentar behandelt die ersten 5 Kapitel des Römerbriefes und umfasst ca. 700 Seiten. Eine Leseprobe findet sich hier.

 

FTA-Books schreibt Folgendes dazu:

Noch ein magnum opus:
ECKHARD SCHNABEL: Der Brief des Paulus an die Römer. Kapitel 1-5. (Historisch-Theologische Auslegung, HTA). SCM-R.Brockhaus / Brunnen Verlag, 2015, gebunden, 704 Seiten, €49,90 (mit Abo-Preis: €42,90)

BRAVO für Prof. Schnabel (Mary Rockefeller Distinguished Professor of New Testament Studies at Gordon-Conwell Theological Seminary, Boston, MA, USA).

Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse diese Woche erscheint ein großes Werk von Eckhard Schnabel zu Römerbrief in der HTA-Reihe. Wie sein Kommentar zum 1. Korintherbrief setzt dieser Band Maßstäbe für die evangelikale wissenschaftliche Auslegung des Neuen Testaments, vorallem in deutschsprachigem Raum. Was lange währt wird endlich gut…(sogar SEHR gut)!

Meisterlich, ausführlich, mit grossem Substanz in der Diskussion. Ein Meilenstein in der evangelikalen Theologie für diese Generation. (FM)

Was ursprünglich als zwei Bände geplant wurde, wird wahrscheinlich drei. Nächstes Jahr erscheint wohl den zweiten Teil (Kap. 6-11), gefolgt vom dritten Teil (Kap.12-16) in 2017, d.v.

Für alle im geistlichen Lehrdienst oder mit Predigtaufgaben vertraut, lohnt es sich, diese Auslegung anzuschaffen. Eigentlich ist die HTA-Reihe sehr lobenswert und als Abonnement eine Überlegung wert. (Wir betreuen circa 40 HTA-Abonnenten.) […]

 

Das ICH aus Römer 7 – Fazit

Teil 4 der Reihe zu Römer 7:
Ich komme zu dem Schluss, dass Römer 7 kein Beweis für eine bleibende Sündhaftigkeit des Christen darstellt. Das augustinisch-reformatorische „simul justus et peccator“ wird somit abgelehnt.79 Des weiteren schließt sich der Verfasser der Auffas-sung Burkardts an, dass, da das Hauptthema in Römer 7 nicht der Mensch sondern das Gesetz ist, die Frage darin besteht was das Gesetz, im Sinne des fordernden Gotteswil-len, vermag. Es wird aufgezeigt, dass das Gesetz alleine unfähig ist, die Überwindung der Sünde zu bewerkstelligen. Das Gesetz vermittelt das Wissen des Guten, gibt aber nicht die Kraft zur Überwindung der Sünde. Das Resultat ist der Zwiespalt des Men-schen in den Versen 22-23.80 Dieser Mensch, er kann auch ein Wiedergeborener sein, versucht aufgrund des Gesetzes, (und nicht auf der Grundlage des Geistes, Röm 8,1ff) heilig zu leben und muss erkennen, dass er hierzu nicht imstande ist.

Das „ICH“ aus Römer 7 – Teil 3

Wir haben uns in den ersten beiden Beiträgen zu diesem Thema mit der Ansicht, dass Römer 7 der normale Zustand der Wiedergeborenen und der Ansicht, dass es ausschließlich Nicht-Wiedergeborene beschreibt, auseinandergesetzt.

Neben diesen beiden Deutungen existiert das Verständnis, dass der Kampf der alten mit der neuen Natur des Menschen beschrieben wird, in welcher der beschriebene Mensch durch eigene Anstrengung die Heiligung erreichen möchte. Der Grund für diese Nieder-lage ist, dass das „ICH“ (34mal kommt es in diesem Abschnitt vor) versucht, ein christ-liches Leben zu führen. Dieses wird allerdings vom alten Menschen besiegt. So vertritt M. Unger die Ansicht, dass die alte Natur weder unterdrückt, noch ausgerottet werden kann (was er als reine Einbildung bezeichnet), da man in diesem Falle nicht mehr sündigen könne, da nur die alte und nicht die neue Natur sündigen kann. Das Sündigen ist eine Folge davon, dass der Mensch sich seiner Stellung in Christus nicht bewusst ist und aufgrund dessen nicht entsprechend handelt. Der Sieg durch Jesus, kann solange nicht durch den Glauben erfahren werden.
Für Watchman Nee ist Römer 7 wie ein Naturgesetz zu verstehen. Der Christ der versucht, nicht zu sündigen, sündigt dennoch, trotz guten Vorsatzes. Der Grund ist, dass er nicht gegen das Gesetz der Sünde (Naturgesetz) ankommen kann. Dieses Gesetz, so Nee, kann nur durch das Gesetz des Geistes aufgehoben werden (ein Naturgesetz hebt das andere auf). Gemäß Nee ist der Christ solange in dem Gesetz der Sünde gefangen, als das er versucht durch seinen Willen und aus eigener Kraft gegen die Sünde anzukommen.

Das „ICH“ aus Römer 7 – Teil 2

Im vorhergehenden Artikel wurde die Sicht der Reformatoren „simul justus et peccator“ dargelegt. Im Folgenden Artikel wird die Sichtweise, die hauptsächlich durch den Pietismus vertreten wird dargelegt.

Das pietistische Verständnis
Römer 7 wird hier als die Beschreibung eines Menschen verstanden, welcher noch nicht wiedergeboren wurde und in dem Gottes Geist nicht ist.
Demnach geht es in Römer 7  um die Frage, ob der Mensch allein durch das Studium des Gesetzes in der Heiligung leben kann. Paulus zeige auf, dass dies ohne die verändernde Kraft des Geistes eine Unmöglichkeit ist. Es geht somit nicht um das „normale“ Christenleben und betrifft die Lebenswirklichkeit eines Nichtgläubigen. J. Thiessen begründet dies mit Folgender Gegenüberstellung von  Römer 7 mit Römer 6 und 8:

8: „Ich bin fleischlich, unter die Sünde verkauft (V.14). „Ihr seid nicht fleischlich (8,9), sondern der Sünde abgestorben (6,2-6)

und vom Rechtsanspruch der Sünde befreit (6,7),

„Was ich hasse, das tue ich“ (15b.18.19). Weil die Sünde ihre Herrschaft verloren hat, ist der Wiedergeborene befähigt den Willen Gottes zu tun (6,12-22; 8,1-4; 10-13).
„Die Sünde wohnt in mir“ (17-20). Christus und der Heilige Geist wohnen in mir (8,9.10.15.16).
„… ein anderes Gesetz… hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist“ (23). „Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (8,3).

Im Christen wohne nicht mehr die Sünde (V17) sondern Christus. Zudem ist der Christ nicht fleischlich und unter die Sünde verkauft (dies trifft seit Adam auf den unerretteten Menschen zu). Denn dieser ist nicht im Fleisch sondern im Geist (Röm 8,9). Hinzu kommt, dass der Gläubige von der Sünde Frei gekauft ist (Röm 6,7.22; Kol 1,13ff). Wenn ein Mensch nicht tut was er will, sondern was er hasst, dann ist dies der Zustand eines Menschen der aus eigener Kraft versucht, das Gesetz Gottes zu erfüllen.

 

 

 

 

Das „ICH“ aus Römer 7 – Teil 1

Eines der schwierigsten Kapitel des Römerbriefs ist das siebte. Im Besonderen die Frage, wer ist der/das „ICH“ und in welchem geistlichen Zustand steht es. Ist es ein klagendes Eingeständnis von Paulus, welches auch für die Christenheit gilt – also das „simul justus et peccator“? Oder trifft das vom Pietismus wiederkehrende Verständnis zu, dass es den nicht wiedergeborenen Menschen beschreibt, der aber dem Gesetz zustimmt und das Gute tun will. In diesem und weiter folgenden Artikeln wollen wir uns die verschiedenen Positionen näher anschauen.

Simul justus et peccator
Johannes Calvin schreibt in der Institutio, dass hier der wiedergeborene Mensch beschrieben wird. Er argumentiert, dass Römer 7,20 (Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.) nur von einem Wiedergeborenen kommen kann, dessen Seele zum Guten neigt. Da alles Dichten und Trachten des menschlichen Herz böse ist (Gen 8,21) kann der Unwiedergeborene nicht gemeint sein. Die Wiedergeborene sich gemäß Calvin auch Sünder und leben somit unter dem Joch der Sünde. Diese Menschen schleppen ein Überbleibsel vom Fleisch mit sich, in welchem die Sünde ist (Röm 7,18).

Im vergangen Jahrhundert wurde diese Sicht auch von Karl Barth, in seinem Römerbriefkommentar (1922) vertreten. Dessen Ausführungen, ich gebe zu er schreibt etwas verwirrend, möchte ich euch nicht vorenthalten:

Ein religiöser Mensch zu sein heißt ein zerrissener, ein unharmonischer, ein unfriedlicher Mensch sein. […] Wir alle verraten in unserem ganzen Tun und Gebaren deutlich genug, daß wir keineswegs mit uns selbst einig sind, und damit, wie sehr wir beunruhigt sind durch Gott. […] Die Wirklichkeit der Religion besteht darin, daß gegenüber dem, was ich will und nicht vollbringe, vollbringe und nicht will, mein Ich, das Subjekt aller dieser Prädikate, zu einer ganz und gar fraglichen Größe wird, zu einem X, das nnicht leben und nicht sterben kann. […] Religion ist ausbrechender Dualismus. […] Religion heißt Spaltung des Menschen in zwei Teile: hier der „Geist“ des innerlichen Menschen, der sich am Gesetz Gottes erfreut […], dort die „Natur“ meiner Glieder, in der ein ganz anderes Gesetz, eine ganz andere Möglichkeit, ein ganz anderes Stück Vitalität sich zu Wort meldet, im Krieg liegt, Nein sagt zu dem „Gesetz der Vernunft“ und seinem Ja.[…] Der unglückselige Mensch, der ich bin. Wir müssen dem ganzen Gewicht dieses „Ich bin“ standhalten. Man wirft dieses Gewicht nicht ab. Wahrhaftig nicht seine Geschichte „vor seiner Bekehrung“ hat Paulus hier erzählt.[…] Sondern festgestellt hat Paulus, kongenial versanden von den Reformatoren, nicht verstanden von der mit pietistischer Brille lesenden neueren Theologie, sein Sein in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Wirklichkeit seines Seins „vor“ und „nach“ Damaskus ist diese Wirklichkeit.  Derselbe eine Mensch kraft des Gesetzes Gottes gespalten in zwei, die kraft des Gesetzes Gottes nicht zwei sein können. Gestürzt in einem Dualismus, der seine eigene Widerlegung ist. Zerschellt an Gott, ohne doch Gott vergessen zu können. Wissen wir jetzt, was die Freiheit Gottes, was seine Gnade ist!?