Die Frage der Taufe

Ich habe heute, in der Dogmatik von Joest und von Lüpke (siehe hier) das Kapitel zur Taufe gelesen.
Es ist interessant wie sich diese reformierten Theologen mit der Kindertaufe auseinandersetzen.

Für die Kindertaufe spricht nach Joest und Lüpke:
– Durch sie kommt die unbedingte Zuvorkommenheit von Gottes Zusage zum Ausdruck.
– Sie verhindert eine problematische Selbstreflexion, in welcher der als ein Akt des Sich-Anvertrauens entgegengesetzt ist.
– Sie hat eine lange Tradition in der Christenheit und ist eine ökumenische Gemeinsamkeit.

Gegen die Kindertaufe führen Joest und Lüpke an:
– Die Taufe ist nicht von der hörenden und zu glaubenden Zusagen zu trennen und sollte zeitlich nicht auseinandergerissen werden.
– Ein Säugling kann sich an die Taufe nicht erinnern und somit auch nicht an die Zusage Gottes in der Taufe und ihre tragende Kraft.
– Eine Kindertraufe setzt die Berührung des Heranwachsenden mit der Evangeliumsverkündigung und dem Leben der Gemeinde voraus. Dies ist in der volkskirchlichen Situation nicht oft gegeben, sondern die Taufe wird allgemein verlangt und gespendet, was diese Praxis fragwürdig macht.
– Es soll den Eltern zugestanden werden, wenn diese ihre Kinder aus christlichen Motiven erst in einem Alter taufen lassen wollen.

Taufauschub für Kinder

In seiner Theologie des Neuen Testaments (II) schreibt Ferdinand Hahn über die Kindertaufe und seine Zweifel an ihre Ausführung in einer post-christlichen Gesellschaft:

Die grundsätzliche Berechtigung einer Kindertaufe bedeutet zweifellos nicht, daß die bisherige kirchliche Praxis unreflektiert weitergeführt werden kann; angesichts der weitgehenden Entchristlichung ist im Blick auf die gegenwärtige Situation mit der Kindertaufe sehr zurückhaltend zu verfahren und nach den familiären und gemeindebezogenen Voraussetzungen zu fragen. Hier wäre in neuer Weise die Praxis eines Taufaufschubs zu bedenken.

Als ein Vertreter der „Gläubigentaufe“ kann ich diese Entwicklung nur begrüßen.
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