Die Säuglingstaufe

Aktuell arbeite ich die Biblische Dogmatik von Erich Mauerhofer durch.
Da mich die Frage der Taufe besonders interessiert, habe ich diese mit Interesse gelesen.
Es wird deutlich, dass er ein glühender Verfechter der „Gläubigen-Taufe“ ist und eine Taufe von Säuglingen ablehnt.
Er argumentiert, dass die Säuglingstaufe erst sehr spät aufgekommen ist.

Die patristischen Untersuchungen führen zum Schluss, dass das NT die Säuglingstaufe weder kennt noch empfiehlt. Das erste eindeutige, patristische Zeugnis von Kindertaufe im ablehnenden Sinn stammt (so Aland, S. 20) von Tertullian in „de baptismo“ kurz nach 200.

Mauerhofers 5 Gründe gegen die Säuglingstaufe lauten zusammengefasst:
1. Die Säuglingstaufe entbehrt jeglicher Schriftgrundlage.
2. Die von der Bibel genannte Voraussetzung zur Taufe (Glauben und Umkehr) fehlt, es sollen nur Jünger bzw. Gläubige getauft werden. Dies widerspricht der Praxis der Säuglingstaufe.
3. Die Säuglingstaufe entwickelte sich „Hand in Hand“ mit dem kirchlichen Sakramentsverständnis. Die Wiedergeburt wird nicht mehr als eine Voraussetzung zur Taufe gesehen, sondern als ein Resultat.
4. Die augustinische These, dass in der Taufe die Erbsünde abgewaschen werde und die Wiedergeburt geschehe, ist subjektivistisch und entbehrt jeder Schriftgrundlage.
5. Die Konsequenzen der Säuglingstaufe sind, nach Mauerhofer, dass dem Kind die Möglichkeit vorweggenommen wird, sich dem Auftrag Gottes unterzuordnen; dass ein abergläubisches Vertrauen in den Vollzug eines äusseren Ritus gesetzt wird, dem man die innewohnende Kraft zur Wiedergeburt zugeschrieben wird. Dass die Säuglingstaufe zu einem „Ruhekissen“ gegen Bekehrung und Wiedergeburt werden kann. Dass durch die Säuglingstaufe eine Volkskirche die Bekenntnisgemeinde ersetzt.

Taufen mit Barth (1)

Aktuell arbeite ich mich durch Barths Taufverständnis, anhand seiner Kirchlichen Dogmatik IV/4.
Über das Bekenntnis, welches in der Taufe geschieht, schreibt Barth:

Die christliche Taufe ist das Menschenwerk des grundlegenden Bekenntnisses, in welchem sich die christliche Gemeinde mit den neu zu ihr Hinzutretenden und in welchem sich diese mit ihr zusammen finden. Sie ist das Bekenntnis ihres Glaubens. Ohne den Glauben der Gemeinde und der zu ihr Hinzutretenden gäbe es keine christliche Taufe. Und genauer gesagt: sie ist das Bekenntnis des Gehorsams ihres Glaubens und so Tatbekenntnis, das als solches in einer Waschung der Täuflinge mit Wasser besteht. Es ist aber – wohlverstanden! – nicht ihr Glaube, zu dem sich die Gemeinde und ihre Täuflinge mit deren Taufe bekennen. Und noch weniger bekennen sie sich damit zu einer Machtwirkung ihres Glaubensgehorsams und also ihres Tatbekenntnisses. Sie bekennen sich zu Gottes Gnaden- und Offenbarungstat, die der Ursprung, Gegenstand und Inhalt ihres Glaubens ist.

Thesen zur Taufe

Aus gegebenen Anlass habe ich mein Taufverständnis thesenhaft formuliert. Hier kann es nachgelesen werden:

  1. Die christliche Taufe steht in Verbindung mit der Johannestaufe. So rief Johannes zur Umkehr auf und die ihre Sünden bekannten wurden im Jordan getauft (Mk 1, 5).
    • Jesus selbst ließ sich von Johannes taufen (u.a. Mk 1,9ff). Zu Jesu Lebzeiten tauften bereits Jesu Jünger (Joh 4,2). Von dem auferstandenen Christus erging der Taufauftrag an seine Nachfolger (Mt 28,19f).
    • Ihre letztendliche und entscheidende Verankerung hat die christliche Taufe im Heilshandeln Gottes, durch Jesus Christus. Durch dieses Geschehnis muss die Taufe letztliche interpretiert werden.
    • Der Begriff der Taufe (βαπτίζω) wird im Neuen Testament nicht ausschließlich als ein Terminus Technicus für die Wassertaufe verwendet, sondern kann metaphorisch, oder auch für Reinigungshandlungen benutzt werden (z.B. Mk 10,38, Lk 11,38).[1] Oft zeigt eine Formel (auf den Namen, im Namen) denn Zusammenhang von βαπτίζω mit der Wassertaufe an.[2]
    • Die Bibel kennt auch eine Taufe mit Heiligen Geist (Lk 3,16). Eine Gleichsetzung von der Taufe in Wasser und der Taufe in Geist ist mit Zurückhaltung zu begegnen. Continue reading „Thesen zur Taufe“

Die Frage der Taufe

Ich habe heute, in der Dogmatik von Joest und von Lüpke (siehe hier) das Kapitel zur Taufe gelesen.
Es ist interessant wie sich diese reformierten Theologen mit der Kindertaufe auseinandersetzen.

Für die Kindertaufe spricht nach Joest und Lüpke:
– Durch sie kommt die unbedingte Zuvorkommenheit von Gottes Zusage zum Ausdruck.
– Sie verhindert eine problematische Selbstreflexion, in welcher der als ein Akt des Sich-Anvertrauens entgegengesetzt ist.
– Sie hat eine lange Tradition in der Christenheit und ist eine ökumenische Gemeinsamkeit.

Gegen die Kindertaufe führen Joest und Lüpke an:
– Die Taufe ist nicht von der hörenden und zu glaubenden Zusagen zu trennen und sollte zeitlich nicht auseinandergerissen werden.
– Ein Säugling kann sich an die Taufe nicht erinnern und somit auch nicht an die Zusage Gottes in der Taufe und ihre tragende Kraft.
– Eine Kindertraufe setzt die Berührung des Heranwachsenden mit der Evangeliumsverkündigung und dem Leben der Gemeinde voraus. Dies ist in der volkskirchlichen Situation nicht oft gegeben, sondern die Taufe wird allgemein verlangt und gespendet, was diese Praxis fragwürdig macht.
– Es soll den Eltern zugestanden werden, wenn diese ihre Kinder aus christlichen Motiven erst in einem Alter taufen lassen wollen.

Taufauschub für Kinder

In seiner Theologie des Neuen Testaments (II) schreibt Ferdinand Hahn über die Kindertaufe und seine Zweifel an ihre Ausführung in einer post-christlichen Gesellschaft:

Die grundsätzliche Berechtigung einer Kindertaufe bedeutet zweifellos nicht, daß die bisherige kirchliche Praxis unreflektiert weitergeführt werden kann; angesichts der weitgehenden Entchristlichung ist im Blick auf die gegenwärtige Situation mit der Kindertaufe sehr zurückhaltend zu verfahren und nach den familiären und gemeindebezogenen Voraussetzungen zu fragen. Hier wäre in neuer Weise die Praxis eines Taufaufschubs zu bedenken.

Als ein Vertreter der „Gläubigentaufe“ kann ich diese Entwicklung nur begrüßen.
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