„Was nun, Kirche?“ Eine Rezension

Rezension zu Ulrich Parzany, WAS NUN, KIRCHE? Holzgerlingen: SCM-Hänssler, 2017.

Ein Mann wie Ulrich Parzany findet Gehör. Lange Zeit war er das Aushängeschild für Evangelisation, durch seine Arbeit mit ProChrist.
Er ist ein Mann der von verschiedenen Seiten Kritik hat einstecken müssen. Früher war er traditionellen Gemeinden zu progressiv, heute ist er progressiven Evangelikalen zu konservativ. Seine Positionen waren dagegen klar und deutlich, Angst vor der Meinung Anderer war ihm nicht anzumerken.
Nachdem er mit Anderen das Netzwerk Bibel und Bekenntnis gründete, ist im Juli sein neues Buch erschienen.

Parzanys Buch ist eine Art Krisenbericht. Dennoch möchte Parzany mit seinem Buch zuerst Mut in schwierigen Zeiten machen. Er schreibt gegen seine eigene Resignation und gegen die der Anderen.  Er möchte auch nicht zu Problemen schweigen, da er der Ansicht ist, so würde das Problematische nur gefördert werden.

Zum Inhalt des Buches
Das Buch ist in vier Teile gegliedert.
Zuerst legt Parzany seine Grundüberzeugen zur Lehre der Kirche dar; welche Kennzeichen eine Kirche/Gemeinde ausmacht, wie der Glaube beginnt u.v.m.
Im zweiten Teil beginnt seine Schadenmeldung, die Feststellung der aktuellen Probleme.
Parzany beschreibt, wie reich die Kirche an Geld und wie arm sie an Gottesdienstbesuchern ist. Im Kern sieht er diese Krise als eine Verkündigungskrise, weil, so Parzany,  das Vertrauen in die Autorität der Bibel verschwunden ist. Er schreibt, dass ein großer Teil der Pfarrerschaft, die Aussagen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses nicht mehr für bare Münze nehmen.
Die Ursache für diese Krise sieht Parzany in der Bibelkritik. So schreibt er: „Der Verlust der Bindung an die Autorität der Bibel ist der Krebsschaden der Kirche“. In diesem Kapitel geht Parzany, in kurzen Zügen, auf die Ursachen der Bibelkritik ein und auf die Folgen die sie auf die Kirchen in Deutschland hat (sieh auch hier). So beklagt er die Demontage der Grundlagen, wie die der leiblichen Auferstehung Jesu, Christi stellvertretenden Sühnetod, oder der Jungfrauengeburt; aber auch ein pluralistisches Heilsverständnis und Entscheidungen in ethischen Fragen, welche nicht mit der Bibel übereinstimmen. Auch auf den oft fehlenden Aufruf zur Bekehrung geht Parzany ein. Er schreibt: „Eine Taufwiedergeburtslehre, die die Leute glauben macht, dass sie durch die Taufe das Heil geschenkt bekommen, auch wenn sie nicht umkehren und Jesus nachfolgen, ist Betäubungsgift für die Gewissen. Und es ist eine Irrlehre.“
Für Freikirchler ist das Buch auch zu diesem Thema hilfreich zu lesen, da es zeigt welche Auswirkungen die Bibelkritik haben kann und wie notwendig es ist, als Denomination sich auf klare verbindliche Bekenntnisse zwecks der Glaubens-Grundlagen zu verständigen.
Im dritten Teil beschreibt Parzany, warum er dennoch in der Kirche ist, welche Chancen Landeskirchliche Gemeinschaften und Freikirchen haben und wie auch innerhalb von Landeskirchen Profilgemeinden entstehen können. Ausgehend von Luthers „Vorrede zur deutschen Messe“ (siehe auch hier) beschreibt er die Möglichkeit der Kleingruppenarbeit.
Auch geht Parzany darauf ein, wie notwendig es ist, dass Mitarbeiter an guten, bibeltreuen Ausbildungsstätten ausgebildet werden. In diesem Zusammenhang warnt Parzany auch evangelikale Seminare davor, nicht aufgrund der staatlichen Anerkennung, die Autorität der Bibel fallen zu lassen. Er ermutigt zur Fürbitte und schreibt: „Wenn sie das Bekenntnis zur Autorität der Bibel als Wort Gottes auf dem Altar der Anerkennung als Hochschule opfern, wird der Schaden unabsehbar sein.“
Im letzten Teil schreibt Parzany über die Hoffnung der lebendigen Gemeinden; über die Notwendigkeit von Mission und über Gegenwind in der Arbeit für Gottes Reich. Gerhard Maier wird zum Thema Verführung zitiert: „Verführung ist für die Gemeinde gefährlicher als Verfolgung. Verfolgung eint die Gemeinde. Verführung spaltet sie. Verfolgung lässt das Echte hervortreten, Verführung das Unechte triumphieren.“
Parzany schließt das Buch mit dem Wunsch nach Freimut in einer pluralistischen Gesellschaft und innerhalb der Kirche. Freimut Gott gegenüber und in der Verkündigung von seinem Wort.

Fazit
Parzanys Buch liest sich wie ein Diagnosebericht eines Arztes, dem sein Patient sehr nahe steht. Aus dem Buch heraus liest sich der Schmerz über Fehlentwicklungen und großen Krisen. Parzany tritt hier nicht als ein „Leisetreter“ auf, sondern er legt den Finger in die Wunden. Diese Direktheit mag einige verärgern, sie kann aber auch heilsam sein. Scharfe Vorwürfe gegen seine Person, wie sie von manch einem Leser kam, sind unangebracht. Interessant ist die Entwicklung, dass Parzany oft sehr scharf für Positionen angegriffen wird, die früher die völlig normale Sichtweise bei evangelikalen / evangelischen Gemeinden und Kirchen waren.
Das Buch ist ein Weckruf eines verdienten Mann Gottes. Es ist auch für Freikirchler sehr lesenswert.
Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung!

Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der SCM-Hänssler Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Das Echo Marcions?

Der anglikanische Theologie Alister McGrath stellt in seinem Buch Der Weg der christlichen Theologie, dar, wie selbst bei Luther Spuren von Marcion zu finden seien.

So schreibt McGrath:
Nach Marcion war das Christentum eine Religion der Liebe, in der keinerlei Raum für das Gesetz und den gewalttätigen Gott des Alten Testaments war; das Alte Testament rede von einem anderen Gott als dem des Neuen Testament; […]
Nach der Auffassung Marcions war es die Absicht Christi, den Glauben an den alttestamentlichen Gott […] zu beseitigen und die Verehrung des wahren Gottes der Gnade einzuführen.
In Luthers Schriften findet sich ein entferntes Echo dieser Vorstellung.
Obwohl Luther daran festhielt, dass sich sowohl das Alte Testament als auch das Neue Testament auf die Taten desselben Gottes beziehen, betonte er dennoch den vollkommenen Gegensatz von Gesetz und Gnade. […]
Obwohl sich im Alten Testament die Gnade (etwa in Jesaja 40-55) und im Neuen Testament (etwa in der Bergpredigt Mt 5-7) das Gesetz entdecken lässt, scheint Luther häufig nahezulegen, dass das Alte Testament eine Gesetzesreligion sei, die im Gegensatz zur neutestamentlichen Betonung der Gnade stehe.

Das treibet Christum (nicht)

„Zu lehren ist was von Christus treibt und die Mitte der Schrift ist.“
Ähnlich kann man es immer wieder lesen oder hören. Diese Formel bietet als Risiko und Nebenwirkung, dass sie instrumentalisiert werden kann.
Folgende Zitat von Heinzpeter Hempelmann sei angeführt. Er schreibt in seinem Aufsatz „Hält die Bibel-Hermeneutik, was sie verspricht?“ (tb 15-4) Folgendes:

Es ist ja nicht klar, was Christum treibet. Diese Formel ist inzwischen zur Leerformel geworden, die darum alle möglichen Inhalte transportieren und als zentral behaupten kann, eben weil sie total unterbestimmt ist. Was heißt solus Christus als die Mitte der Schrift? Es lassen sich ja alle möglichen Fassungen dessen denken, was unter dieser christologischen Mitte verstanden werden kann. An die Stelle eines Gegenübers tritt dann hier wieder die individuelle theologische Position des Auslegers. Das Verfahren ist nicht nur zirkulär, es ist insofern hoch problematisch, als es ermöglicht, die eigene partikulare Position unter Rückgriff auf diese Formel als Mitte der Schrift auszuweisen. Was dann zur Sprache kommt, ist eben nicht die Heilige Schrift als solche, sondern das, was mir ihre Mitte zu sein scheint; was ohnehin mein Anliegen ist.

Christus als Richter der Schrift?

book-283248_1920Aus gegebenen Anlass beschäftige ich mich mal wieder mit dem Schriftverständnis.
Um meine Ansicht zu reflektieren, helfen neben Gesprächen mit Theologen, auch Bücher weiter.
Einige interessante und provozierende Zitate habe ich zu diesen Diskussionen gefunden. Motto: Lesen, provozieren lassen, reflektieren & Meinungsbildungsprozess fortschreiten lassen.

So schreibt J. Packer zu der Frage, ob Christus als Richter über die Schrift fungiert Folgendes:
Ein Christus, der seinen Nachfolgern erlaubt, ihn als Richter der Schrift einzusetzen, nämlich als einen, der erst ihre Autorität bestätigen muss, bevor sie verpflichtend wird, und durch dessen gegenteiliges Urteil sie an anderer Stelle ungültig gemacht wird, ist ein Christus menschlicher Vorstellung, gemacht im eigenen Bilde des Theologen. Einer, dessen Haltung zur Schrift das Gegenteil von der Haltung des historischen Christus ist. Wenn die Konstruktion eines solchen Christus nicht ein Bruch des zweiten Gebotes ist, was ist es dann?

Kevin DeYoung schreibt hierzu:
Jesus mag sich sehr wohl als der Fokus der gesamten Schrift gesehen haben, doch niemals als ihr Richter. Der einzige Jesus, der über der Schrift steht, ist unserer selbst erfundener Jesus.

Keine Vergebung möglich?

road-sign-808734_1920Die Frage, was es mit der Lästerung des Geistes auf sich hat, wurde von vielen Christen gestellt. Viele stellten sich zweifelnd die Frage, ob sie selbst diese Sünde begangen haben, oder begehen können.
In einer Predigt habe ich den Versuch gestartet Antworten zu geben, nachzuhören hier:

Einige Stimmen begnadeter Bibelausleger lauten wie folgt zu diesem Thema:

Gerhard Maier (HTA Matthäus):
Der Heilige Geist dagegen kann nur von solchen gelästert werden, denen er sich zuvor offenbart hat, das heißt von denen, die ihn kennen. „Wer als Erleuchteter wissentlich und mit wirklicher Absicht den heiligen Geist lästert, erfährt keine Vergebung“ (vgl. Hebr 6,14ff; 10,28f). Die Pharisäer […]waren gerade deshalb in der Gefahr, die Lästerung des Geistes zu begehen. Erneut halten wir fest, dass Jesus nicht sagt, sie hätten diese Sünde schon begangen. Er warnt nur und wirbt um ihr Verständnis. […]
Die hier handelnden Pharisäer haben sich verfehlt und Jesu Warnung bleibt ernst. Anderseits bleibt für sie die Umkehr offen, weil Jesus „noch nicht das Gericht verhängte, sondern zur Entscheidung rief“

Rudolf Pesch (HTHK NT Markus):
Die Ausnahme bezeichnet angesichts der generellen Vergebungszusage für Gotteslästerung (V 28) offenbar einen einzigartig gravierenden Tatbestand: die verstockte Weigerung, Gottes Handeln in den Zeichen seines heiligen Geistes als dessen Zeichen und sein Handeln anzuerkennen.

William Barclay (Auslegung des Neuen Testaments Matthäus – vergriffen)
Die Sünde wider dem Heiligen Geist besteht darin, Gottes Willen so fortgesetzt abzulehnen, daß er schließlich selbst dann nicht mehr als solcher erkannt wird, wenn er sich in seiner ganzen Fülle offenbart.

Martyn Lloyd-Jones (Gott der Heilige Geist)
Oft sind Christen darüber beunruhigt, dass sie sich dieser Sünde schuldig gemacht hätten. Die Antwort ist folgende: Wenn Sie darüber beunruhigt sind, dann können Sie absolut sicher sein, dass Sie nicht schuldig sind! […]
Wenn Sie also besorgt sind, dass Sie gegen den Heiligen Geist gesündigt hätten und mit Gott und mit Christus im Reinen sein möchten und empfinden, dass Sie sich selbst durch ihre Sünden aus der Beziehung zu Gott gestohlen hätten, […] dann sind Sie nicht nur nicht der Sünde wider den Heiligen Geist schuldig, sondern Sie sind so weit davon entfernt, wie es überhaupt je ein Mensch sein kann.

Paulus – Jude mit Mission (2)

In der aktuellen Paulusforschung ist die Frage nach der Rechtfertigung eine der umstrittenen Fragen.
Im Rahmen der neueren Forschung (ab Sanders) gab es immer wieder die These, dass die Rechtfertigungslehre ein Nebenprodukt des Paulus war, die er für seine Missionstheologie brauchte. (Hier der Hinweis noch N.T. Wright sieht sie nicht als ein Nebenprodukt.)
Auf diese Frage geht Baltes auch ein, er schreibt dazu:

In ihrer Sprache und ihren Bildern stehen Jesus und Paulus an dieser Stelle diesen jüdischen Strömungen näher als das rabbinische Judentum. Das heißt aber, dass die Frage „Rechtfertigung des Sünders“ für das Judentum des ersten Jahrhunderts alles andere ist als nur ein „Nebenthema“. […] Es ist ein zentrales Thema für den jüdischen Glauben.

Zum großen Versöhnungstag schreibt er weiter: Die Sünde des Volkes wurden durch das Blut des Opfertieres „bedeckt“ (kippur), und gleichzeitig wurde die „Abdeckung“ (kapporet) der Bundeslade zum Ort der Versöhnung zwischen Gott und Mensch. […] Hier war für Juden der Ort, an dem sie Vergebung der Schuld empfingen […] Das ist daher die jüdische Botschaft von der Rechtfertigung aus Gnade: Denn es war ja keine Gerechtigkeit, die selbst verdient wurde. […]
An dieser Stelle liegt aber nun für Paulus das Zentrum des Evangeliums. Er nennt es „das Wort vom Kreuz“[…]
Die Rechtfertigungslehre des Paulus ist also eine zutiefst jüdische Lehre: Sie ist verankert im Herzen der Tora, in den Vorschriften zum Versöhnungstag, die die Mitte der fünf Bücher Mose bilden.  […] sie ist verankert im Herzen des jüdischen Kalender, in dem der Versöhnungstag der höchste Feiertag ist. […]
Gerade weil die Botschaft von der Rechtfertigung für Paulus nicht einfach nur ein „missionsstrategischer Kniff“ zur Gewinnung der Nichtjuden ist, sondern das Herz seiner Botschaft bildet und zugleich ins Herz des jüdischen Glaubens greift, muss es hier zum entscheidenden Konflikt kommen.

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Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Schlatter: Das Verhältnis von Religion und Philosophie I

Vorlesungen von Adolf Schlatter wurden neu Veröffentlicht. Diese wurden in seiner Zeit in Bern gehalten.
Herausgegeben wurde das Buch von Harald Seubert (STH Basel) mit der Mitarbeit von Werner Neuer (TSC Chrischona).

Verlagstext:

Der bedeutende Exeget und Systematiker Adolf Schlatter (1852-1938) hat in seinem Frühwerk tiefgründig und eigenständig über das Verhältnis von Theologie und Philosophie, Glaube und Vernunft nachgedacht. Ausgehend von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem katholischen Philosophen Franz von Baader (1765-1841) entwickelt er in dem hier veröffentlichten Nachlasstext eine klare und knappe Auseinandersetzung mit der gesamten neuzeitlichen Philosophie. Sie ist zugleich ein überraschend frischer und aktueller Beitrag zu den Grundlagen ökumenischer Verständigung.

Der Leser lernt Schlatter von einer neuen, unerwarteten Seite kennen und wird zugleich Zeuge eines theologischen Ansatzes, der alles andere als überholt ist.

Hatte Schlatter doch Recht?

Ich arbeite zur Zeit das neue Paulus Buch von Guido Baltes durch.
Er  skizziert die Entwicklungen der aktuellen Paulusforschung in groben Zügen.
Auf Adolf Schlatter kommt er zu sprechen, da dieser sich bemühte Paulus und Jesus mit dem Judentum zusammenhalten zu wollen. Damals wurde er, so Baltes, von seinen Kollegen nur müde belächelt. Heute muss man zugeben: Schlatter hatte doch Recht.
Baltes zitiert Peter Stuhlmacher wie folgt:

[Damals] konnte man dies belächeln und als unwichtige Einzelmeinung beiseiteschieben. Heute können wir dies nicht mehr. Wir müssen vielmehr zugestehen, dass Schlatters Sicht die historisch bessere und wegweisende war und ist. Mag Schlatters Exegese im Einzelnen zu undifferenziert und konstruiert sein, seine Gesamtperspektive bleibt richtig, und das will nach fünfzig Jahren Paulusforschung, die mittlerweile ins Land gegangen sind, schon was heißen!

Quereinsteiger als Pastor?

reading-297450_1280Auf evangelisch.de erschien ein Artikel über die Möglichkeiten des Quereinstiegs in das Pfarramt:

In der Mitte des Lebens sehnen sich viele nach Sinn und wollen beruflich nochmal neu starten. Pfarrer, Pfarrerin werden – das wär’s! Predigen und Gottesdienst feiern, taufen und trauen, den Menschen beistehen. Aber nochmal zurück an die Uni? Ein Quereinstieg in den Pfarrberuf ist auch per Fern- oder Teilzeitstudium möglich, das Vikariat aber noch nicht in allen Landeskirchen.[…]

Der Bedarf an Pastoren ist aber nicht nur in den Landeskirchen groß.
Viele Freikirchen können ihren Bedarf kaum noch decken.
Welche Möglichkeiten haben Personen, die in Freikirchen Pastor werden wollen um quereinzusteigen?
Es gibt einige Ausbildungsstätten die dies berufsbegleitend ermöglichen.

Hier meine Empfehlungen:

Martin-Bucer Seminar
Wer bereits eine Anstellung in Aussicht hat oder nicht mehr als Teilzeit studieren kann/möchte, dem kann ich das MBS empfehlen.
Der Unterricht findet hauptsächlich an den Wochenden statt, oder unter der Woche Abends über eine Videokonferenzplattform.
Das akademische Niveau ist gut.
Wer am Bucer-Seminar anfängt muss sich im klaren sein, dass viel im Selbststudium zu absolvieren ist.
Das Bucer-Seminar hat mehrere Studienzentren. Die Standorte sind Deutschlandweit verteilt.
Abschluss: Bachlor of Theology, Master of Theology, u.a.

Bibelstudienkolleg
Am BSK kann man sowohl Vollzeit oder auch Teilzeit studieren.
Der Standort ist in der Nähe von Stuttgart.
Der Unterricht findet sowohl unter der Woche, als auch teilweise Abends oder am Wochende statt.
Die Stärken des BSK sehe ich in ihrem guten akademischen Niveau, einer an der Bibel orientierten Theologie, ihrer theologischen Breite und in der Flexibiliät im Bezug auf der Planung des Studiums.

FTH Gießen
Vorab: Im Gegensatz zu den beiden Oben genannten Ausbildungsstätten, kenne ich die FTH nur vom Papier und von Veröffentlichungen ihrer Professoren.
Mein Eindruck ist, dass sie empfehlenswert ist, für diejenigen, welche Vollzeit und in fünf Jahren zu einem Master of Theology kommen wollen.
Stärken sind ihr sehr gutes akademisches Niveau.

Nicht empfohlen werden:

  • Ausbildungstätten welche zwar ein sehr gutes Marketing haben, im deutschsprachigen Raum verteilt sind, aber ein eher mangelhaftes akademisches Niveau haben und teilweise zu liberale Dozenten beschäfftigen
  • Ausbildungstätten, an welche bibelkritische Ansichten (oder auch nur eine gemäßigte Bibelkritik) gelehrt werden und die Inspiration der Bibel nicht anerkannt wird.

 

Buchbesprechung: Überrascht von der Bibel

1463054058-342824Vorab: Mein Verhältnis zu N.T. Wright ist nicht ganz einfach. Auf der einen Seite habe ich die letzten Jahre sämtliche Bücher, Artikel und Kommentare, ganz oder teilweise von ihm gelesen. Gleichzeitig gehöre ich zu dennen, die einige Aspekte seiner Theologie kritisch hinterfragen und einige seiner Thesen (z.B. die NPP) in weiten Teilen ablehnen.
Trotz all dessen muss ich bekennen, dass seine Bücher mich immer wieder faszinieren. Der Grund ist, dass Wright es schafft Denkmodelle, die in der modernen Bibelwissenschaft unreflektiert vorausgesetzt werden, begründet zu hinterfragen, traditionelle Ansichten auf ihre „Bibelfestigkeit“ prüft und mich als Evangelikalen theologisch herausfordert und zum Nachdenken anregt.
Aber genug der Vorbemerkungen! Das Buch ruft, wir wollen sehen wie Wright von der Bibel überrascht wurde!

Wer sich ein homogenes Buch gewünscht hat, der wird enttäuscht.
Wright hat nicht den Anspruch ein einheitliches Buch vorzulegen. Es ist vielmehr die Sammlung verschiedener Aufsätze. Teilweise überschneiden sich die Themen, aber nur teilweise.
Wright beginnt mit Themen über Wissenschaft, Schöpfung und dem historischen Adam. Er kommt auf das Thema der Frauenordination zu sprechen, auf Fragen der Endzeit, auf das Böse in der Welt und auf die Zeitepoche der Moderne. Jedes dieser Themen behandelt er einzeln.
Da alle Kapitel in sich selbst geschlossen sind, ist die Bewertung auch davon abhängig.
Ich möchte drei Kapitel hervorheben, die ich als am lesenswertesten kennzeichnen möchte.

Platz 1: Wie die Bibel die moderne Welt versteht
Hier schafft Wright es, die Denkrichtung, die seit der Aufklärung unsere Gesellschaft, aber auch die Apolegetik prägt im Epikurismus zu verorten und zu „entschleiern“. Er schafft es auf eine großartige Weise die negative Abhängigkeit mit ihren Vorentscheidungen einem vor Augen zu führen (siehe auch diesen Beitrag).
Platz 2: Jesus kommt wieder – pflanze einen Baum!
Endzeit! Ein Reizthema. Ein Thema voller Spekulationen.
Man muss in diesem Kapitel nicht in allen Punkten mit Wright einig sein.
Lesenswert bleibt es alle male. Er zeigt viele nachdenkenswerte Ansichten zum Thema Entrückung, über den Neuen Himmel und die Neue Erde, sowie über die Schöpfung auf. Ein Beitrag der motiviert, weiter zu forschen, diskutieren und sich überraschen zu lassen.
Platz 3: Der 11. September, Tsunamis und das neue Problem des Bösen
Wie kann ein guter Gott Leid zulassen…
Der Fels des Atheismus. Wright geht von einer ganz anderen Seite heran. Er sieht die bisherige Diskussion als zu stark von „falschen“ Denkrahmen geprägt.
Seine Antwort, oder sein Antwortversuch, geht eine andere Richtung. Wright antwortet mit dem Kreuz. Irgendwie erinnert es mich an Moltmanns „Der gekreuzigte Gott„, aber nur irgendwie. Das Kapitel lohnt es sich zu lesen!

Zu den anderen Kapiteln möchte ich nicht viel schreiben. Ein Bild kann sich jeder Leser selbst von ihnen machen.

Diese Buchbesprechung basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der Francke-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

5 Bücher zum historischen Jesus

christ-898330_1920Wer sich mit der Suche nach dem historischen Jesus beschäftigt, der hat unmengen von Literaturangeboten. Hauptquelle ist selbstverständlich hierzu die Bibel.
Bei der Sekundärliteratur wird die Auswahl schwieriger. Mit welcher Literatur verschafft man sich am besten einen Überblick über die bisherige Forschung, die aktuellen Fragen, bisherige Sackgassen und neuste Erkenntnisse?
Ich möchte hier eine kleine Liste an Bücher vorstellen. Diese Liste hat keinesfalls den Anspruch vollständig zu sein, oder meine persönliche Meinung abzudecken. Sie soll den Interessierten Materiel für eine Einführung in dieses Thema bieten.

  1. Geschichte der Leben-Jesus-Forschung (Albert Schweizer)
    Albert Schweizer zeigt in diesem Buch die Forschung von Reimarus bis Wrede auf. Sein Verdienst sehe ich durch dieses Buch in zwei Bereichen: Auf der einen Seite legt er dar, wie sehr die skeptische Jesus-Interpretationen die persönlichen Belangen der Autoren widerspiegelt, auf der anderen Seite schafft er es den Faktor der Eschatologie wieder in den Mittelpunkt zu rücken.
  2. Jesus und der Sieg Gottes & Die Auferstehung des Sohnes Gottes (N.T. Wright)
    In seinem Buch Jesus und der Sieg Gottes zeichnet Wright die Suche nach dem historischen Jesus, im Besonderen von Schweizer bis zur Gegenwart dar. Er schafft es, m.E. auf eine ziemlich beeindruckende Art und Weise. Im restlichen Teil vom Buch widemed er sich der Botschaft und des Todes von Jesus von Nazareht. Er argumentiert, dass der Jesus der Evangelien der selbe ist wie der Jesus der Geschichte. In seinem Buch über die Auferstehung fährt er ähnlich fort. Sehr überzeugend ist hierin seine Argumentation, dass die Auferstehung leibhaftig und historisch stattgefunden hat.
  3. Jesus von Nazareth (Benedikt XVI)
    Vorab eine Bemerkung: Als ein evangelikaler Christ war ich von diesem Buch eines katholischen Papstes beeindruckt.
    Ratzinger schreibt dieses Buch im Vertrauen, dass die Evangelien glaubwürdig sind. Er zeichnet auf diese Weise ein Bild von Jesus, das in sich sehr stimmig ist.
    Gelegentlich kommt seine katholische Prägung zum Vorschein.
  4. Der unbequeme Messias (C.P. Thiede)
    Ein Buch das nicht fertig wurde.
    Leider verstarb Thiede vor endgültiger Fertigstellung des Buches. Es wurde dennoch pupliziert.
    Thiede verteidigt hierin die Glaubwürdigkeit der Evangelien und ihre Beschreibung von Jesus als historisch zuverlässig.
  5. Auf der Such nach dem historischen Jesus (Franz Graf-Stuhlhofer)
    Stuhlhofer ist kein Theologe sondern Historiker in Wien. In seinem kurzen Buch untersucht er knapp die Fragen der Geschichtlichkeit Jesu, die Ojektivität der Evangelien und ihre historische Zuverlässigkeit.

 


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Theologie im globalen Kontext – Besprechung

229567In seinem Werk „Theologie im globalen Kontext“ beschreibt Hans Schwarz die theologischen Entwicklungen im der letzten 200 Jahre.
Hans Schwarz ist emeritierter Theologieprofessor und hat an der Universität Regensburg unter anderem Systematische Theologie gelehrt.
Sein Buch erscheint in der zweiten und überarbeiteten Auflage. Die erste Auflage erschien in Liebenzell, die aktuelle bei TVG Brunnen in Gießen. Der Umfang des Werkes beträgt 640 Seiten, den Preis halte ich mit 45 EUR für angebracht.

Aufgeteilt ist das Buch in 15 Kapitel. Es beginnt mit der Zeit nach der Aufklärung, mit Kant, Schleiermacher und Hegel. Es führt unter über die neue Orthodoxie, über den Pietismus und den Kulturprotestantismus, hin zu den großen Diskussionen der letzten Jahrhunderte, wie unter anderem die Suche nach dem Historischen Jesus. Große Themen wie die Dialektische Theologie werden behandelt, überkonfessionell wird die Theologie im Weiteren beschrieben und auch überkontinentale Entwicklungen, wie die Befreiungstheologie, werden analysiert. Die ersten 12 Kapitel konzentrieren sich m.E. auf die (protestantische) westliche Theologie (Nordamerika und Europa). Das 13. Kapitel beschreibt Entwicklungen in der katholischen und orthodoxen Theologie. Das breiteste Spektrum bildet das 14. Kapitel ab; hier wird die Befreiungstheologie, die feministische Theologie, afrikanische, asiatische und pfingstgeprägte Theologien dargelegt.

Der Aufbau des Buches deckt, m.E., die großen Themen der theologischen Entwicklungen der letzen beiden Jahrhunderte ab. Da Schwarz 70 Seiten der „nichtwestlichen“ Theologie widmet (es gilt zu bedenken, dass Theologie der „nichtwestlichen“ Welt, lange nicht in Europa zu hören war), halte ich das Ziel des Buches, in diesem Belange für grundsätzlich erfüllt.

Widmen wir uns nun der detaillierteren Besprechung zu.
Beispielhaft möchte ich in dieser Besprechung die Ausführungen über die Suche nach dem Historischen Jesus behandeln.

Schwarz geht in vier Abschnitten auf die Suche nach dem Historischen Jesus ein.
Er beginnt mit Albert Schweizer und Johannes Weiss. Es wird aufgezeigt wie Schweizer, mit seinem Werk „Die Geschichte der Leben Jesu Forschung“ zeigen konnte, dass die Jesus-Darstellungen immer auf die Prägung und Vorstellung der Autoren zurückzuführen sei. Schweizer wollte aufzeigen, dass Jesus sich tatsächlich als der eschatologische Messias verstand und seine Erwartungen sogar apokalyptisch waren. Dennoch war sein Leben und sein Handeln eine große Enttäuschung. Bezüglich seiner eschatologischen Erwartung habe er sich getäuscht. Dennoch sei seine Einstellung wichtig, wie er z.B. dem Rad der Welt in die Speichen fällt und von ihm zermalmt wird. So habe er statt die Eschatologie zu bringen diese vernichtetet.
Nach Schwarz ist Schweizers Verdienst, dass die eschatologische Dimension Jesu in den Mittelpunkt gerückt wurde und das Aufzeigen, dass Rekonstruktionen des Historischen Jesu, oft auf Projektionen des jeweiligen Forschers beruhten.

Im zweiten Teil beschreibt Schwarz den Ausweg aus den Fesseln der historischen Forschung anhand von Kähler und Bultmann.
Es wird aufgezeigt, dass für Kähler die Erforschung des Historischen Jesus in die Falsche Richtung verlief. Grund sei, dass die Evangelien nicht zu diesem Zwecke geschrieben wurden. Wer Jesus in den Evangelien begegnen wolle, der solle dies tun um mehr über ihn, als den zur rechten Gottes Sitzenden zu erfahren, was durch historische Forschung nicht möglich sei. Nach Kähler entstehe der Glaube nicht aus dem Wissen um den historischen Jesus, sondern aus der Begegnung mit dem biblischen Christus.
Gemäß Schwarz bedeutete Kählers Werk das Ende der traditionellen Lenben-Jesu-Veröffentlichungen.
Im Gegensatz zu Kähler, habe Bultmann, so Schwarz, nicht angenommen, dass der Christus nach dem Fleisch der selbe sei wie der biblische Christus. So habe Bultmann beide von einander getrennt und sich auf den letzteren konzentriert. Bultmann kam in seiner Buch „Neues Testament und Mythologie“ zum Ergebnis, dass viele neutestamentliche Ereignisse heute nicht haltbar seien und zweitens, dass wir uns nicht selbst erlösen können. Er hatte also nicht die Absicht den christlichen Glauben Aufzugeben. Bultmann erreichte, so Schwarz, dass es möglich war ohne die Aufgabe des Verstandes über alle neutestamentlichen Texte zu predigen und zweitens, dass die neutestamentliche Botschaft von ihrer historischen Verankerung und von der Person Jesu von Nazareth getrennt wurde.

Im dritten Teil geht Schwarz auf die weitergeführte Forschung ein. Unter anderem  Beschreibt er wie in Deutschland Joachim Jeremias die Vernachlässigung des Historischen Jesus kritisierte. Er kritisierte die bisherigen  Methoden als eine Reduzierung. Jeremias konnte so Schwarz einen ganzen Schatz an Aussagen heben, die Jesus zuzuschreiben seinen.

Im vierten Teil geht Schwarz auf die dritte Suche nach dem Historischen Jesus ein.
Er attestiert ihr, dass sie zwar von einer großen Medienaufmerksamkeit begleitet wurde, aber an einen Mangel an solider Forschung hatte. Als Begründung zieht er das Jesus-Seminar heran.

Beurteilung der Ausführungen über den Historischen Jesus
Die Ausführungen von Schwarz lesen sich leicht, sie sind sehr informativ und schaffen es auf kurze und prägnante Art und Weise über die Entwicklung der Forschung, die Forscher selbst und über ihre Kernthesen und deren weitere Entwicklung zu informieren.
Im Gesamten halte ich die Ausführungen von Schwarz für sehr hilfreich und umfassen.
Meine Anfrage betrifft in diesem Kapitel den letzten Unterpunkt, der dritten Suche nach dem Historischen Jesus. Hier hat Schwarz, meiner Erkenntnis nach zu früh aufgehört. Die weiteren Entwicklungen, wie sie von E.P. Sanders bis hin zu N.T. Wright geschehen sind, wurden nicht erwähnt. Dabei haben diese Entwicklungen die dritte Suche nach dem Historischen Jesus maßgeblich beeinflusst und in eine neue Richtung gelenkt. So gilt als nicht zu übersehen, dass Wright, in seiner Forschung, historisch m.E. sehr solide aufzeigt, dass die Berichte des Neuen Testaments mit dem Historischen Jesus übereinstimmen.

Abgesehen von dieser Kritik meinerseits, halte ich dieses Buch dennoch für ein sehr wichtiges, hilfreiches und gutes Standardwerk für Theologen, Studenten und interessierte Laien. Es schafft es gut in die Themen eine Einführung zu geben und eignet sich somit sehr gut, um einen Überblick über die Theologien der letzten beiden Jahrhunderte zu bekommen.

Alle Verse führen zu Christus?

road-782072_1920In dem Buch „Die Auslegungspredigt“ gibt es ein langes Zitat von Spurgeon.

Weißt du denn nicht, junger Mann, dass von jeder Stadt und von jedem Dorf und von jedem winzigen Nest in England eine Straße nach London führt? Genauso gibt es auch von jedem Text in der Schrift eine Straße die zu Christus führt. Lieber Bruder, es ist deine Aufgabe, den Weg zu Christus zu finden, wenn du einen Text vor dir hast. Ich habe noch nie einen Text gefunden, der nicht zu Christus führte; und wenn jemals eine Predigt gut ist, dann nur, wenn Christus darin zu schmecken ist.

Meint Spurgeon damit, dass wir jeden Vers, notfalls allegorisch auf Jesus beziehen sollen?
Ich denke nicht.
Schließlich halte ich es für wenig hilfreich eine (ich möchte sie respektvoll) „Ostereiersuch“-Exegese nennen, zu betreiben. Bei dieser sucht man hinter jedem Vers ob Jesus sich dahinter versteckt hat – wenn man ihn gefunden hat ruft man laut „heureka“ und postet die Verbindung auf Twitter oder in allegorisch geprägten Kommentaren (auf Namensnennungen wird hier bewusst verzichtet).

Wie können dann alle Verse zu Christus führen?
Ich bin der Überzeugung, dass die Stoßrichtung des Alten Testament auf die Erlösungsbedürftigkeit der Menschen und die Notwendigkeit des wahren „Israels“, Jesus als Messias hindeutet. Die Linien sind für mich das Entscheidende.
Muss ich in einer Genealogie wie z.B. „A zeugte B“ Jesus suchen? Ich denke nein.
Aber die Grundsätzliche Frage, auch bei alttestamentlichen Texten bleibt: „Was für einen Unterschied macht das Kommen Christi – welche Parallelen gibt es zu ihm hin“. Dann kann entdeckt werden, wie Jesus die Geschichte Israels nachlebte, aber ohne Sünde und in der Ganzheit vollkommen (dies gehört zum Gebiet der Typologie). Wir können sehen wie Jesus die Opfer des Alten Testament, durch sein Kreuzestod erfüllte. Wie er die Prophezeiung des leidenden Gottesknecht in Jesaja erfüllte und vieles mehr.
In diesem Sinne gilt: Die ganze Bibel führt zu Christus – jede Linie jedes Buch.

Die Entwicklung der Rechtfertigungslehre

War Paulus der Entwickler der Rechtfertigungslehre? Musste er diese, zur Begründung seiner Heidenmission herleiten, als er an die Galater und später an die Römer seine Briefe verfasste?

Peter Stuhlmacher schreibt in seinem Römerkommentar, dass es klar ersichtlich ist, „daß Paulus nicht als erster und  auch nicht allein im Urchristentum von „Rechtfertigung“ gesprochen hat. Aber seine Berufungserfahrung […] hat die Rechtfertigung zum Wesensmerkmal der paulinischen Verkündigung werden lassen. Er […] der Versöhnung und Rechtfertigung durch Christus erfahren hatte, sah sich durch seinen neuen Herrn in den „Dienst der Gerechtigkeit […] gestellt. […]
Ihre provozierendste Zuspitzung hat die paulinische Lehrverkündigung in der Gottesprädikation gefunden, Gott sei der Gott, „der den Gottlosen rechtfertigt“ (Röm 4,5).
Die Vorstellungswelt der „Rechtfertigung“ entstammt dem Alten Testament und Frühjudentum. Der Gottesknecht spricht in Jes 50,7-9 davon, da Gott ihmim Rechtsstreit gegen alle seine Feinde beistehen und ihm zum Recht verhelfen wird. Umgekehrt muss der Sünder eingestehenm daß vor Gott, dem Richter kein menschliches Wesen gerecht ist (Ps 143,2), oder nach der griechischen Wiedergabe der Stelle „(von Gott) gerechtfertigt wird“. […]
Jesus spricht von „gerechtfertigt sein“ im Sinne von Sündenvergebung als Annahme durch Gott in der Gegenwart (Lk 18,14).“

Israel als Schlüssel

Am 26.10.2015 war am TSC in Basel ein Studientag zu Israel.
Auf der Seite vom TSC wird folgendes Berichtet:

 

3 Schlüsselrollen Israels

In seinem ersten Vortrag legte der Journalist und Theologe Opens external link in new windowJohannes Gerloff dar, weshalb Israel in unseren Gemeinden ein Thema sein müsse. Unter Israel versteht Gerloff sowohl die Nachkommen Jakobs als auch das Land, in dem sie leben.
In drei Punkten zeigte er auf, dass Israel eine Schlüsselrolle zukommt. Erstens sei Israel der Schlüssel zum Herzen des Vaters im Himmel: Israel liege ihm am Herzen; wenn wir Gott als Gesprächspartner ernst nehmen, müsste auch Israel ein Thema sein. Zweitens sei Israel der Schlüssel zum Wort Gottes: Wie Gott mit Israel umgehe, zeige uns, wie verlässlich er ist. Ohne die Kultur Israels zu kennen, könne man die Bibel nicht wirklich verstehen. Drittens sei Israel der Schlüssel für unsere Zukunft: Wenn man die Zeitung lese, sei klar, dass Israel eine zentrale Rolle in der Weltgeschichte einnimmt. Dass dies auch aus geistlicher Perspektive wahr sei, zeige das elfte Kapitel des Römerbriefs. […]

Wie ganz Israel gerettet wird

Theologisch-exegetisch zur Sache ging es beim zweiten Referat des Tages von Jacob Thiessen, Rektor und Dozent für Neues Testament an der STH Basel. In seiner Auslegung von Versen aus Römer 9-11 kam Thiessen zum Schluss, dass Israel
gerettet werde. So wie es in Opens external link in new windowRömer 11,25-26 heisst: „Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht.“ Gottes Verheissungen gegenüber Israel bleiben also bestehen.

Exodus und Erlösung

pyramids-685189_1280Hängt der Exodus mit dem Begriff der Erlösung zusammen? Der Begriff „גאל“ (ga’al), welcher erlösen bedeutet, wird in Exodus 6,6 von Gott verwendet. Wir wollen uns nun damit auseinandersetzen, ob der Exodus den Begriff der Erlösung im NT verdeutlicht, aufgegriffen und ggf. neu gefüllt wird.

In Exodus 12ff wird der Exodus und die Erlösung als die Befreiung aus der Sklaverei mit dem Ziel ein Volk zu sein, welches ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein soll (Ex 19,6). Somit hatte die Erlösung geistlichen, aber auch politischen und sozialen Charakter.

Kann der Exodus als Modell für die Erlösung durch Christus verstanden werden, also als einen Interpretationsrahmen dafür?
Während im AT häufig auf den Exodus Bezug genommen wird (Auf die weitere Interpretation in den Propheten des AT kann in diesem Artikel nicht eingegangen werden), sind die Rückschlüsse im NT nicht so oft vorhanden.
In Matthäus 2,15 finden wir Folgende Textpassage: und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«
Dies ist ein Zitat aus Hosea 11,1: Als Israel jung war, hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten. 
Stefan Felber schreibt im „Themenbuch zur Theologie des Alten Testaments“ dazu Folgendes:

Das Hosea-Zitat klingt bei Matthäus zunächst wie eine Umdeutung des historischen oder literalen Sinnes. Denn beim Begriff „Sohn“ haben kundige Leser gemäß Ex 4,22f an das Volk Israel gedacht. Für Matthäus, dessen Deutung auch für jüdische Ohren plausibel sein sollte, war es keine Umdeutung, sondern die Aufdeckung der Sinnweite des heiligen Textes bzw. der ihm eigen – d.h. nicht erst von Matthäus hinzugefügten (relecture) – geistigen Dimension. Diese entspricht insofern dem ursprünglichen Kontext des Zitats, als Hos 11 selbst ein bekehrendes göttliches Eingreifen erwartet (V. 10f).

In Christus (bzw. in ihm und dem Zwölferkreis) konstituiert sich, so die implizierte Botschaft, das neue Israel. Dieses neue Israel ist aber nicht anders denkbar als selbst vom alten Israel herkommend (und um das Judentum werbend).Jesus, der Gesalbte […] geht den Weg mit den Erzvätern nach Ägypten und mit den Stämmen aus Ägypten wieder in das verheißene „Land Israel“. Sicher sind nicht alle Einzelzüge des Lebens Jesus für die deutende Vernunft penibel auf alttestamentliche Vorbilder beziehbar. […]
Die Erlösung aus der ägyptischen Sklaverei wurde, wie oben gesagt, zum Hoffnungsmodell […]. Im Neuen Testament ist Mose λυτρωτής, Erlöser Israels aus Ägypten (Apg 7,35; vgl. Lk 1,68; 2,38), und analog kam Christus als λύτρον (Mk 10,45 par) zur ἀπολύτρωσις (1Kor 1,30), damit die Sünden vergeben werden (Röm 3,24f; Eph 1,7; Hebr 9,15).