Taufen mit Barth (1)

Aktuell arbeite ich mich durch Barths Taufverständnis, anhand seiner Kirchlichen Dogmatik IV/4.
Über das Bekenntnis, welches in der Taufe geschieht, schreibt Barth:

Die christliche Taufe ist das Menschenwerk des grundlegenden Bekenntnisses, in welchem sich die christliche Gemeinde mit den neu zu ihr Hinzutretenden und in welchem sich diese mit ihr zusammen finden. Sie ist das Bekenntnis ihres Glaubens. Ohne den Glauben der Gemeinde und der zu ihr Hinzutretenden gäbe es keine christliche Taufe. Und genauer gesagt: sie ist das Bekenntnis des Gehorsams ihres Glaubens und so Tatbekenntnis, das als solches in einer Waschung der Täuflinge mit Wasser besteht. Es ist aber – wohlverstanden! – nicht ihr Glaube, zu dem sich die Gemeinde und ihre Täuflinge mit deren Taufe bekennen. Und noch weniger bekennen sie sich damit zu einer Machtwirkung ihres Glaubensgehorsams und also ihres Tatbekenntnisses. Sie bekennen sich zu Gottes Gnaden- und Offenbarungstat, die der Ursprung, Gegenstand und Inhalt ihres Glaubens ist.

„Was nun, Kirche?“ Eine Rezension

Rezension zu Ulrich Parzany, WAS NUN, KIRCHE? Holzgerlingen: SCM-Hänssler, 2017.

Ein Mann wie Ulrich Parzany findet Gehör. Lange Zeit war er das Aushängeschild für Evangelisation, durch seine Arbeit mit ProChrist.
Er ist ein Mann der von verschiedenen Seiten Kritik hat einstecken müssen. Früher war er traditionellen Gemeinden zu progressiv, heute ist er progressiven Evangelikalen zu konservativ. Seine Positionen waren dagegen klar und deutlich, Angst vor der Meinung Anderer war ihm nicht anzumerken.
Nachdem er mit Anderen das Netzwerk Bibel und Bekenntnis gründete, ist im Juli sein neues Buch erschienen.

Parzanys Buch ist eine Art Krisenbericht. Dennoch möchte Parzany mit seinem Buch zuerst Mut in schwierigen Zeiten machen. Er schreibt gegen seine eigene Resignation und gegen die der Anderen.  Er möchte auch nicht zu Problemen schweigen, da er der Ansicht ist, so würde das Problematische nur gefördert werden.

Zum Inhalt des Buches
Das Buch ist in vier Teile gegliedert.
Zuerst legt Parzany seine Grundüberzeugen zur Lehre der Kirche dar; welche Kennzeichen eine Kirche/Gemeinde ausmacht, wie der Glaube beginnt u.v.m.
Im zweiten Teil beginnt seine Schadenmeldung, die Feststellung der aktuellen Probleme.
Parzany beschreibt, wie reich die Kirche an Geld und wie arm sie an Gottesdienstbesuchern ist. Im Kern sieht er diese Krise als eine Verkündigungskrise, weil, so Parzany,  das Vertrauen in die Autorität der Bibel verschwunden ist. Er schreibt, dass ein großer Teil der Pfarrerschaft, die Aussagen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses nicht mehr für bare Münze nehmen.
Die Ursache für diese Krise sieht Parzany in der Bibelkritik. So schreibt er: „Der Verlust der Bindung an die Autorität der Bibel ist der Krebsschaden der Kirche“. In diesem Kapitel geht Parzany, in kurzen Zügen, auf die Ursachen der Bibelkritik ein und auf die Folgen die sie auf die Kirchen in Deutschland hat (sieh auch hier). So beklagt er die Demontage der Grundlagen, wie die der leiblichen Auferstehung Jesu, Christi stellvertretenden Sühnetod, oder der Jungfrauengeburt; aber auch ein pluralistisches Heilsverständnis und Entscheidungen in ethischen Fragen, welche nicht mit der Bibel übereinstimmen. Auch auf den oft fehlenden Aufruf zur Bekehrung geht Parzany ein. Er schreibt: „Eine Taufwiedergeburtslehre, die die Leute glauben macht, dass sie durch die Taufe das Heil geschenkt bekommen, auch wenn sie nicht umkehren und Jesus nachfolgen, ist Betäubungsgift für die Gewissen. Und es ist eine Irrlehre.“
Für Freikirchler ist das Buch auch zu diesem Thema hilfreich zu lesen, da es zeigt welche Auswirkungen die Bibelkritik haben kann und wie notwendig es ist, als Denomination sich auf klare verbindliche Bekenntnisse zwecks der Glaubens-Grundlagen zu verständigen.
Im dritten Teil beschreibt Parzany, warum er dennoch in der Kirche ist, welche Chancen Landeskirchliche Gemeinschaften und Freikirchen haben und wie auch innerhalb von Landeskirchen Profilgemeinden entstehen können. Ausgehend von Luthers „Vorrede zur deutschen Messe“ (siehe auch hier) beschreibt er die Möglichkeit der Kleingruppenarbeit.
Auch geht Parzany darauf ein, wie notwendig es ist, dass Mitarbeiter an guten, bibeltreuen Ausbildungsstätten ausgebildet werden. In diesem Zusammenhang warnt Parzany auch evangelikale Seminare davor, nicht aufgrund der staatlichen Anerkennung, die Autorität der Bibel fallen zu lassen. Er ermutigt zur Fürbitte und schreibt: „Wenn sie das Bekenntnis zur Autorität der Bibel als Wort Gottes auf dem Altar der Anerkennung als Hochschule opfern, wird der Schaden unabsehbar sein.“
Im letzten Teil schreibt Parzany über die Hoffnung der lebendigen Gemeinden; über die Notwendigkeit von Mission und über Gegenwind in der Arbeit für Gottes Reich. Gerhard Maier wird zum Thema Verführung zitiert: „Verführung ist für die Gemeinde gefährlicher als Verfolgung. Verfolgung eint die Gemeinde. Verführung spaltet sie. Verfolgung lässt das Echte hervortreten, Verführung das Unechte triumphieren.“
Parzany schließt das Buch mit dem Wunsch nach Freimut in einer pluralistischen Gesellschaft und innerhalb der Kirche. Freimut Gott gegenüber und in der Verkündigung von seinem Wort.

Fazit
Parzanys Buch liest sich wie ein Diagnosebericht eines Arztes, dem sein Patient sehr nahe steht. Aus dem Buch heraus liest sich der Schmerz über Fehlentwicklungen und großen Krisen. Parzany tritt hier nicht als ein „Leisetreter“ auf, sondern er legt den Finger in die Wunden. Diese Direktheit mag einige verärgern, sie kann aber auch heilsam sein. Scharfe Vorwürfe gegen seine Person, wie sie von manch einem Leser kam, sind unangebracht. Interessant ist die Entwicklung, dass Parzany oft sehr scharf für Positionen angegriffen wird, die früher die völlig normale Sichtweise bei evangelikalen / evangelischen Gemeinden und Kirchen waren.
Das Buch ist ein Weckruf eines verdienten Mann Gottes. Es ist auch für Freikirchler sehr lesenswert.
Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung!

Dieser Artikel basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir der SCM-Hänssler Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

„Inspiration und Wahrheit der Heiligen Schrift“

Im Jahr 2014 hat die Päpstliche Bibelkommision ein Dokument herausgegeben, dass sich mit der Frage der Inspiration der Heiligen Schrift befasst.
Auch aus evangelikaler Sicht lohnt es sich, dieses zu lesen und diskutieren, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in dieser Frage festzustellen und anhand des Selbstzeugnis der Bibel zu prüfen.
Download: Inspiration und Wahrheit der Heiligen Schrift
Medienpool Bibel und Inspiration siehe hier.

Zitat der Woche: Rechtfertigung und Welt

Ist das Ziel der Kirche eine Parallelgesellschaft oder soll sie in der Gesellschaft aufgehen?
Das Zitat der Woche beschäftigt sich damit:

Als die Gerechtfertigten werden wir von der in dieser Welt noch herrschenden Gottlosigkeit geschieden, aber wir werden nicht in einen Binnenraum versetzt, in dem die Geschicke der Welt und der Menschen, die noch in Gottesferne leben, uns gleichgültig sein können.
Rechtfertigungsfrömmigkeit ist somit keine weltabgewandte Jenseitsfrömmigkeit.
Nicht zur Abwendung von der Welt, auch nicht zur Anpassung an die Welt, aber zum Zeugnis, zur Hoffnung und zum Gebet für die Welt ist die Gemeinde Jesu Christi gerufen.

Aus: Dogmatik II, Gottes Weg mit dem Menschen (Joest & von Lüpke).